Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 34 (25.8.1911)
- Date
- 1911-08-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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heimliche Zusammenkünfte von Bombenwerfern oder Verschwörern. Die Lokalbehörden erhielten Weisungen, keinerlei Zusammenkünfte von Zionisten zu dulden, ihren Briefwechsel zu überwachen, die Gelder, die etwa für zionistische Zwecke gesammelt werden sollten, zu konfiszieren. In den westlichen Landern, namentlich in England und Amerika, schreitet der Zionismus jedoch stetig vorwärts, nicht bloß in der Zahl seiner Anhänger, sondern auch in jeder andern Hinsicht. Im öffentlichen Leben der Juden dieser Länder nimmt die zionistische Bewegung einen immer größern Raum ein, und in der Tat steigt auch die Zahl der Schekelzahler in diesen westlichen Ländern besländig. Ein Rückgang ist ausschließlich in Rußland zu beobachten. Dei Korrespondent der „Times" richtete an Nordau auch die Frage, welches die gegenwärtige Haltung der türkischen Regierung gegenüber dem Zionismus sei. Mit Bezug hierauf äußerte sich Nordau foldendermaßen: „Nichtswürdige Fein de im eigenen jüdischen Lager haben in der Türkei ausgestreut, die Zionisten seien Revolutionäre, die sich» nach Palästina einschmuggeln wollen*, um dort ein unabhängiges Königreich zu proklamieren. Dessenungeachtet gibt es kein Land außer der Türkei, das seine Pforten einer massenhaften Einwanderung von Juden öffnet. In Amerika und England ist die Einwanderung großer jüdischer Massen an so viele lästige Bedingungen geknüpft, daß sie praktisch als ausgeschlossen gelten kann." Das Wolffsohn-Bankett Für den Abend Jes 16. August hatten einige Freunde des Herrn Wolffsohn die Veranstaltung eines Banketts geplant, welches sie als eine Art intimer Absclriedsfeier zu Ehren des von der Präsidentschaft scheidenden Herrn Wolffsohn gedacht hatten. Als dieser Plan bekannt wurde, wuchs die Zahl derer, welch* sich in die aufgelegte Liste der Teilnehmer eintrugen, so sehr an, daß aus dem ursprünglichen engen Bankett eine große Feier wurde, an welcher sich alle hervorragenden Persönlichkeiten des Kongresses beteiligten. In dem kleinen Kongreßsaale, dort, wo sich 1897 der erste Kongreß rersammelt hatte, fanden sich zur festgesetzten Stunde etwa 150 Damen und Herren ein. Der vornehme künstlerische Geschmack unseres Freundes Pilichowski hatte den Saal stimmungsvoll ausgeschmückt und dem sonst so ernsten und nüchternen Raum ein festliches Gepräge gegeben. Man nahm an einer dreieckigen Tafel Platz, an derem einen Ende Herr Wolffsohn, im zweiten Herr Professor Dr. Warburg und am dritten Ende die flirigen Mitglieder des E. A. C. den Scheitelpunkt der Gruppierung bildeten. Zunächst hieß Herr A. Simons die Erschienenen im Namen der Veranstalter des Banketts willkommen. Seinen Worten folgte eine lange Reih« von Toasten. Für die engern Freunde des Herrn Wolffsohn sprach Herr Dt. Friedemann. Herr Prof. Warburg sagte in seinem Trinkspruch, daß ein „Mögen dovid" sechs Eckein habe. Da das neue E. A. C. nur fünf Ecken besitze, so sei es aller Wunsch, daß Herr Wolffsohn es zu einem vollständigen Mögen dovid ergänze. Er erbat sich für das reue E. A. C. den Rat und die Hilfe des Herrn Wolffsohn. Es sprachen-ferner Herr Dr. Klee, der ein mit großem Beifall aufgenommenes Hoch auf Frau Wold söhn ausbrachte. Herr Pilichowski, Herr Moritiz Levy (für die Schweizer Zionisten), Herr Motckin, Herr Dr. Katzenelsöhn und Herr Prof. Friedländer (New York). Allen Rednern antwortete Herr Wolffsohn in einer längern, halb scherzhaften, halb ernsten Rede, die er mit der Versicherung seiner unverbrüchlichen Treue zur Bewegung und mit dem Versprechen schloß, immer seine Erfahrung und seinen Rat zur Verfügung zu stellen. Dem Reigen der Toaste folgte: dann ein trauliches Beisammensein der Gäste. Eine Abordnung des Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina bei der Großherzogin von Baden Anläßlich des Kongresses empfing Großherzogin Luise von Baden auf Schloß Mainau am 16. August eine Deputation des Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit-in Palästina, vertreten durch Frau Dr. Bodenheimer, Köln, Frau Julius Sini o n-Friedberg, Heidelberg und Frau Dr. Thon, Jaffa. Die Qroßherzogin zeigte ein außergewöhnliches Interesse an den Bestrebungen des Verbandes und ließ sieb über die bisherige Tätigkeit desselben genauen Bericht erstatten. Ihrer besondern Beifall faaden die Spitzen, die aus den vier Ateliers des Verbandes hervorgehen und bereits einigen hundert Mädchen Verdienst gewähren. Die Frau Qrolälierzogin machte eine größere Bestellung und gab dem Wunsche Ausdruck, daß im Laufe des nächsten Winters eine Spitzenausstellung in Karlsruhe stattfinden möge. Prcpagandaversammlung des Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina Lm 14. August fand in Basel eine Propagandaversamrnlung des Verbamdes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina statt. Frau Dr. E odenheimer eröffnete die Versammlung und begrüßte die sehr zahlreich erschienenen Dirnen, Als erste Referentiii sprach Frau Dr. Thon, Palästina, die Leiterin des Spitzenateliers. Sie gab in ku.rzen Worten die Entstehungsgeschichte der vier Ateliers in Jaffa, Jerusalem, Tiberias und Ekron und schilderte die Arbeit des Frauen Verbandes als kultur- und segenbringend für das Land. Die Spitzenindustrie gebe den Frauen und Mädchen die Möglichkeit eines kleinen Nebenverdienstes und gewöhne sie an Arbeit. Der Verband nehme sich außerdem besonders der Krankenpflege an. Er hat dem Jaffaer Krankenliause eine in Europa ausgebildete Schwester zur Verfügung gestellt, in Haifa durch Bei Steuerung der Inneneinrichtung die Eröffnung eines jüdischen ICrankenhauses ermöglicht und eine Schwester auf seine Kosten für Jerusalem ausbilden lassen. In der letzten Zeit wendet der Verband sein Augemmerk auf die landwirtschaftliche Ausbildung dw Frauen, um ein tüchtiges Kolonisationsmaterial für das Land "vorzubereiten. Nacli Frau Dr. Thon ergriff Herr Direktor Auhagen das Wort, urn die Notwendigkeit von Gartenbauschulen für die Frauen in Palästina hervorzuheben. Aus seinen zahlreichen Erfahrungen auf dem Gebiete des Kolonisation swesens, sei er zur Überzeugung gekommen, daß die Frau in der Bauernwirtschaft die wichtigste Stelkng einnimmt und daß der Erfolg einer Kolonisation zum größten Teil von gutem Frauenmaterial abhängt. Er forderte den Verband auf, sich dieser großen Aufgabe zu widmen. Als dritte Referentin sprach Frau Prof. Gott heil, New York, über die Waisenhäuser in Jerusalem und schilderte in ergreifenden Worten die Mot und das Elend der Kinder. Sie richtete einen warmen AppeÜl an die Versammlung, sich der Waisen Palästinas anzunehmen. Das Publikum zollte allen drei Referenten lebhaften Beifall. Die Vorsitzende sprach sodann den Referenten den Dank der Versammlung aus. Es wurden sodann aus der Versammlung verschiedene Anfragen in bezug auf Propaganda und Arbeitsmöglichkeiten gestellt, die 'von der Vorsitzenden und Frau Dr. Thon beantwortet wurden. Frau Dr. Thon erklärte sich 3