Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 34 (25.8.1911)
- Date
- 1911-08-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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8% DIE! bereit, in den nächsten zwei Monaten, auf Wunsch Vorträge zur Propagierung der Verbandsziele zu halten. Die Versammlung wurde sodann von Frau Dr. Bodenheimer geschlossen. Berichtigungen Herr Dr. Friedlaender, New York, ersucht uns, festzustellen, daß seine auf dem Kongreß abgegebene Erklärung zum Organisationsstatut folgendermaßen lautet: „§ 3 des Statuts sei für den Zionismus in Amerika mit Rücksicht auf die Knights of Zion, deren Unabhängigkeit von der Federation of " American Zionists bestritten wird, von besonderer Wichtigkeit. Um jedoch der schnellen Erledigung des Organisationsstatuts keine Schwierigkeiten in den Weg zu legen, haben die Delegierten der amerikanischen Federation als auch die auf dem Kongreß anwesenden Herren von den Knights of Zion beschlossen, die Angelegenheit, über deren jetzigen Stand verschiedene Auffassungen bestehen, dem neu zu wählenden Kongreßgericht zu überweisen und sich dessen Entscheidung zu fügen." Der erste Redner in der Budgetdebatte am 15. August war nicht Rabinersohn, sondern Herr David Kohn aus Budapest. Auf Seite 866 soll es in der Verhandlung über den § 18 der Geschäftsordnung nicht Dr. Stein, sondern Dr. J. W. Steiner heißen. In dem Schlußbericht über die letzte Sitzung des Kongresses haben sich infolge der Eüe, mit welcher der Bericht in der Nacht vom 15. auf den 16. August fertiggestellt werden mußte, einige Fehler eingeschlichen, die wir im Nachfolgenden richtigstellen: In der Liste des Großen A. C. (Seite 870) steht irrtümlich Heinrich Rosenbaum statt S. Rosen bäum; in der Liste des E. A. C. Dr. Robert Hantke statt Dr. Arthur Hantke. In der Schlußrede des Herrn Dr. Tschlenow ist zu korrigieren: „In dieser kurzen Periode, in diesen 14 Jahren hat unsere Organisation viele Krisen durchgemacht. Ich will Sie an die Ugandazeit erinnern. In diesem Saal war es, von dieser Tribüne bin ich nach dem historischen Votum weggegangen." Am Schluß desselben Absatzes ist zu korrigieren: „Und nach Hamburg ist wieder Basel gekommen." Da sich unser Blatt fast ausschließlich der Berichterstattung über die Verhandlungen des Kongresses widmen mußte, war es unmöglich, die Verhandlungen sämtlicher Landsmannschaften, die während des Kongresses zusammentraten, mitzuteilen. Am Nachmittag des ersten Kongreßtages hat bekanntlich der Präsident des Kongresses, Dr. Max Nor dau, in ergreifenden Worten aller der Gesinnungsgenossen gedacht, welche in der Zeit zwischen dem neunten und zehnten Kongreß aus dem Leben geschieden waren. Er verlas in wehmütigem Gedenken eine lange Reihe von Namen, die länderweise geordnet waren. Aus dieser Liste tragen wir nach, daß unter den Toten aus Deutschland die Herren Hackenbroch und Dr. Adler und aus Italien Frau Bertha Markus genannt wurden, welch letzterer Dr. Nordau nachrühmte, daß sie eine treue und aufopferungsvolle Kameradin in den Reihen unserer Organisation gewesen war. In der Liste derjenigen Delegierten des zehnten Kongresses, welche auch auf dem ersten Kongreß anwesend waren, sind noch folgende Herren nachzutragen: G. Farbstein, B. Ginsburg, J. Goitein, J. L. Goldberg, L. Gorodichze und Dr. A. Haußmann. Große antisemitische Ausschreitungen in England Das englische StädtchenTredegar in der Grafschaft Montmouth war in der Nacht zum Sonntag den 20. d. M. der Schauplatz wüster Exzesse, die einem regelrechten Pogrom verzweifelt ähnlich sahen. Dreißig jüdische Geschäfte wurden vollständig demoliert und ausgeplündert. Der angerichtete Schaden beläuft sich auf mehr als lOOOOj?. Über den Hergang der Ausschreitungen wird uns aus London berichtet: Samstag um die Mitternachtstunde zog eine Rotte von zirka 200 Personen mit Brechwerkzeugen bewaffnet laut johlend durch die Salisburystreet vor das Wohnhaus eines Juden, warf dort sämtliche Fensterscheiben ein und richtete große Verwüstungen an. Von dort zog der immer mehr anwachsende Pöbelhaufe, der alsbald mehrere tausend Köpfe stark war, nach der Hauptstraße des Städtchens. In der Churchstreet demolierten die Exzedenten zehn jüdische Läden und raubten den gesamten Warenbestand. Von hier stürmte der Mob in die Commercialstreet, wo sich zahlreiche größere jüdische Geschäftshäuser befinden. Diese wurden vollständig zerstört und ausgeplündert. Von hier ging's in ein anderes Stadtviertel, nach der Bridgestreet, wo es ebenfalls zahlreiche jüdische Läden gibt. Ein Steinhagel zertrümmerte die Schaufenster aller dieser Läden, und die heulende Menge drang in das Innere der Geschäftsräume und führte sämtliche Waren weg oder zerstreute sie auf den Straßen. Die Ladenbesitzer mußten durch die hintern Räume fliehen. Ein Exzedent versuchte, durch das zertrümmerte Schaufenster eines Ladens, der leicht entzündliche Waren enthielt, einen ölgetränkten, brennenden Papierballen in den Laden zu werfen, wurde jedoch durch die Umstehenden daran gehindert. Man sah unzählige Exzedenten allerlei wertvolle Waren, Juwelen, Kleidungsstücke, Musikinstrumente usw., fortführen. Einer der Plünderer eilte mit einer ganzen Bettstelle auf dem Rücken von der Stätte der Zerstörung weg. Es ist festgestellt, daß ausschließlich jüdische Läden der Plünderung zum Opfer fielen. Die Polizeimannschaften des Städtchens erwiesen sich dem fanatisierten Mob gegenüber vollständig ohnmächtig. Es mußte Verstärkung aus dem benachbarten Ebbe Vale herbeigeholt werden, aber erst gegen 4 Uhr morgens gelang es, die Menge zu zerstreuen und die Ordnung wiederherzustellen. Die Ursache der Ausschreitungen ist noch nicht ganz aufgeklärt. Aus einzelnen hingeworfenen Bemerkungen der Exzedenten schließt man, daß die Erbitterung der Menge sich hauptsächlich gegen mehrere jüdische Hauseigentümer richtete, die einigen, in ihren Häusern wohnenden Arbeiterfamilien die Miete steigerten. Es ist aber immerhin charakteristisch, daß ein so geringfügiger Anlaß genügte, um eine derartige Entfesselung der dunklen Leidenschaften des Pöbels herbeizuführen. Große englische Zeitungen, wie der „Daily Telegraph", „Daily News" u.a. sprechen geradezu von einem „plötzlichen Ausbruch des Hooliganismus Es wird in den Blättern auch hervorgehoben, daß die Ausschreitungen mit dem gegenwärtig in England herrschenden Eisenbahnerstreik in keinem Zusammenhang stehen. Der Magistrat von Tredegar hielt am Sonntag eine Sitzung ab, in der beschlossen wurde, Militär zu requirieren, um weiteren Unruhen vorzubeugen. Rassenproblem und Judenfrage Von Dr. Ignaz Zollschan Vortrag, gehalten am 14. August zu Basel Ich weiß es, daß ich mich heute in die Gefahr begebe, alle die Sympathien, die ich das Glück hatte, mir durch mein Buch zu erwerben, nicht nur zu verlieren, sondern in ihr Gegenteil umzuwandeln. — Aber die Frage, warum wir denn für unsere der gesamten Judenheit dienenden Ziele nicht auch über die doch immerhin in Betracht kommenden Machtmittel der Judenheit verfügen, muß uns notwendig dazu zwingen, die Untersuchung unserer Argumentation auch auf solche Argumente zu erstrecken, die uns heute durch ihre Selbstverständlichkeit und durch die Heiligkeit ihres Alters unantastbar scheinen.