Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 34 (25.8.1911)
- Date
- 1911-08-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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f. io. 34 die: Kollegium von fünf Mitgliedern, alle 11 einem Orte, in Berlin wohnhaft, wird die künftigen Geschicke der 2i*tiistischen Organisation lenken. Wie der abgelaufene Kongreß es neuerdings erwiesen und bekräftigt hat, verdient der Zionismus, daß man ihm und seiner neuen Leitung auch fernerhin bestes Gelingen wünsche." Die „Morning Post", London, schreibt am 19 August: „Der Zionistenkongreß ist eine bemerkmswerte Demonstration für die Stärke des jüdischen Volksgedarihsrcs. Mehr als 400 Delegierte sind aus fast allen Ländern erschienen, in welchen Juden wohnen, von Rußland bis Kapland, von Etigliand bis Ägypten, von Canada bis Rumänien; sie stammen aus verschiedenen Zonen, sprechen verschiedene Sprachen und zeigen, in vielen Fällen die nationalen Eigenheiten ihrer Geburtsländer. Dem Auge stellen sich die Mitglieder des Kongresses als eine hefterogene Körperschaft dar; aber sie sind verbunden durch ein einziges starkes Gefühl, die Sehnsucht nach der Wiederherstellung eines j wischen Volkslebens in Palästina. Der Kongreß ist der zehnte seinen* Reihe seit dem Beginn der zionistischen Bewegung im Jahre I 897, und die Tatsache, daß er noch jetzt, abgesehen von den Delegierten, mehr als 1000 Besucher aus allen Teilen der Welt heranzwlen kann, ist ein Beweis der Zähigkeit, mit welcher das jüdische Volk noch an seinem nationalen Ideal hängt. Das pulsierende jüdische Leben mit allen seinen Hoffnungen und Wünschen, wie man es in der letzten Woche beobachten konnte, ist umso auffallender, als der Zionismus in den letzten 12 Monaten in Russland ntnd in der Türkei schwere Tage durchmachen mußte. Aber der Jude ist ein geborener Optimist und der Zionist besitzt den Optimis mus in noch viel höherem Ausmaße als sein jüdischer Glaubensgenosse, der Nichtzionist ist." Die jüdische Presse hat, Mweit sie nicht zionistisch ist, zum Kongreß noch nicht Stellung genommen und referiert lediglich. Nur defl Frankfurter „Israelit" bespricht von seinem natürlich höchst subjektiven Standpunkt aus die Ergebnisse des Kongresses und verweilt ausführlich bei dem im Kongreßsaale selbst fast unbemerkt gebliebenen Exodus des ML^rachi, dessen Mitglieder sich vor der Wahl des A. C. •e ntfernten. Im Hamburger „Isr. Familienblatt* faßt /Mathias Acher die Kongreßverhandlungen in einem lämgern Artikel zusammen, ohne zu einem abschließendem Urteil zu gelangen, da er seinen Artikel am Tage vor dem Kongreßschluß schrieb. Auch in der zionistiseien Presse liegen vorerst nur vereinzelte Betrachtungen über den Kongreß vor. Die „Jüd. Rundschau(i in Kerlin schreibt u. a.: „Die deutsche Landsmannschaft, die diesmal 39 Delegierte zählte, hat zweifellos ein ganz hervorragendes Verdienst an dem glücklichen Ausgange dieses Jubiliiituskongresses, der in der Tat, was wir von ihm erhofften, ein Friedenskongreß geworden ist. Die deutsche Landesorganisatioei wird sicherlich in ihrer Gesamtheit dem Beispiele der von ihr einsandten Delegierten folgen und einhellig das neue Actions-Comite In seiner schweren und verantwortungsvollen Arbeit unterstützen, Dann wird der X. Kongreß, w«tnii alle Zionisten gleicherweise ihre Pflicht tun, nicht nur eine neiw„ sondern auch eine fruchtbare Epoche einleiten. Der Kongreß bat die zionistische Bewegung wieder einmal neu fundiert. An data Zionisten in aller Welt ist es nun, sie bis zum nächsten Kongreß wieder eine Etappe vorwärts zu bringen! So scheiden wir, neu geeint, ron unserer alten Kongreßstadt Basel, deren Regierung uns diesmal Iiesonders liebenswürdig begrüßt hat, in der Hoffnung, durch diesen £. Kongreß ein Stück näher zu sein der Erreichung unseres großem einzigen Zieles. Unsere neue Leitung aber kommen wir nicht besser begrüßen, als indem wir ihr das volle Vertrauen ausdrücken, daß sie uns diesem Ziele durch ihre energische Arbeit, durch Taten immer näher bringen wird." Das „Frankfurter Isr. P amilienblatt* unterzieht die Ergebnisse des Kongresses einer Betrachtung. Die Organisationsfrage sei gelöst worden, ebenso die Kulturfrage. Nicht gelöst sei die Fii anzfrage. Das Blatt führt dann aus: „Und nun gelangen wir zur Frage der Leitung. Ist sie gelöst worden? Gewiß! Befriedigend gelöst worden? Nicht ganz. Wir haben seit Jahren gefordert, dsatt die russischen Zionisten eine - - 893 Vertretung im E. A. C. erhalten sollen, und trotzdem diese Forderung diesmal im weitesten Maße erfüllt worden ist, können wir die neue Leitung dennoch nicht als ideale bezeichnen., Denn es fehlt in ihr der Mann, der in keiner zionistischen Leitung heute fehlen darf: David Wolffsohn. Uns könnte eine ideale Leitung nur eine solche sein, in der sowohl David Wolffsohn als auch d ie russischen Zionisten vertreten wären. Diese Synthese herzustellen!, 5st diesmal nicht gelungen; aus innern Gründen, die hier darz u legen zu weit führen würde. Abgesehen nun davon, daß damit eine Kraft von der direkten Leitung ausgeschaltet ist, ist damit der wirkliche, endgültige Friede noch nicht hergestellt. Doch wir wollen heute keinen trübenden Ton in die äußere Harmonie des Friedenskongresses hineinbringen. Wir wollen hoffen, daß für die nächsten zwei Jahre dieser Frtede unbedingt erhalten bleibe, und daß auch alle die, die nicht roll und ganz mit der neuen Leitung zufrieden sind, einig und unentwegt sie in ihrer schwierigen Arbeit unterstützen werden. Dänin werden die nächsten zwei Jahre von Erfolg für die zionistische Bewegung sein, dann wird der X. Kongreß auch in dieser Beziehung in der Tat als ein Jubelkongreß bezeichnet werden können." „Jewish Chronicle," London, vom 18-. August, hebt zwei Momente als die wichtigsten aus den Beratungen des Kongresses hervor: die in hebräischer Sprache durchgeführte Debatte und den Beschluß des Kongresses bezüglich der Enii^rationsfrage. „Es ist natürlich fraglich, ob es wünschenswert ist, »daß die Zionisten die Emigranten beeinflussen sollen, sich nach dnem andern Teile der Welt zu wenden als nach dem, mit welchenu sie sich selbst identifiziert haben. Aber es kann keine Frage sein, daß es — den Zionismus von einem höhern Gesichtspunkt beinachtet — zionistische Pflicht ist, das Möglichste zu tun, um die intellektuelle, moralische, soziale'und physische Abbröckelung einzuhalten!, welche im jüdischen Volk durch die regellose, aus ökonomischem Druck und Verfolgung entstandene Wanderung hervorgerufen wird." Unser Konstantinopeler Berichterstatter meldet uns: In den türkischen Kreisen hat der Kongreß vielfachen Widerhall gefunden. Fast die gesamte jüdische und nichtjüdische Presse hat sich mit ihm beschäftigt. Am meisten haben zur Verbreitung der Information über ihn die Depeschen der „Agente Ottomane'* beigetragen, die in den führenden tüllischen Zeitungen, wie „Tanin", „Zia", Ikdam", „Alemiar" sowie in den griechischen „Proodos", „Neologos,c, „Tachydromos'% „Amerolyptos" und den armenischen Blättern wiedergegeben wurden. Einige Blätter, wie das offiziöse Organ des Komitees Union et Progres „Zia", haben ihrenLesern ausführliche Darstellungen, der Verhandlungen geboten, der „Zia" unter der ausdrücklichen Erklärung, daß er das für angezeigt erachte, da der Zionismus im wesentlichen türkische Interesseiii betreffe. Der griechische „Amerolyptos" war das erste Blatt, das selbst vor dem Telegramme der „Agence Ottomane" die Nachricht von der Antwort des Qroßwesirs an den Kongreßpräsidenten zu melden wußKe. Auch brachte der „Zia" die Übersetzung des Nordau-Interviews der „Times". Von den europäischen Zeitungen brachte der „Osmanische Lloyd" und vor allein der „Jeune Türe" dem Kongresse das größte Interesse entgegen, indem sie ihn mit Telegrammnachrichten und ausführlichen Berichten begleiteten. Dagegen halte der „Stambul" nichts anderes über den Kongreß zu vermelden als ein Telegramm der „Presse associee" im Paris, das sich aus München auf dem Umwege über Wien noch einmal das Märchen von dem Zionismus als Vorspann des Deutschtums vorkauen läßt. Das Telegramm verdient als Muster jener niederträchtigen Intrigen, die Nordau so kräftig gezeichnet hat, niedriger gehängt zu werden. Es hat folgende Fassung: „Der Zionismus und Deutschland. Wien, 17. August. Baron von He rtlin g, der Führer des katholischen Zentrums, erklärte auf die Anfrage von Freunden des Katholikenbundes in München über