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Die Welt · 1911-08-18 · 33 (18.8.1911) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
33 (18.8.1911)
Date
1911-08-18
Page
– (sequence 20)
Language
German
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876 DlES^ELT No. 33- Zionistisches Gartenfest. Die Veranstaltungen und Feste, welche einen Zionistenkongress begleiten, nehmen alle ihren Glanz und ihre rauschende Lebensfrohen: aus der Freude, welche die in eines zusammengeschweisste Vielheit aus ihrem Einheitsgefühl empfindet. So war es auch. gestern wieder bei dem Gartenfeste, welches die Baseler zionistische Ortsgruppe im Sommerkasino zu Ehren der Delegierten und Gäste des Kongresses veranstaltet hatte. Es war ein Fest, bei dem der Jubel herrschte, der helle Jubelton des frohen Einsseins. Und in diesem Eins war bunteste Vielheit. Alle Judentypen der Erde nebeneinander in herrlichsten Kontrasten. Das schwirrte und flirrte und eilte und lebte. Fast jedes Gesicht markant. Das ist der jüdische Zug im Antlitz; er ist das Einende für das Auge. . . . Und in die weichen Laute des Hebräischen mengte sich der rauhe Klang englischer Worte. Die deutsehen Dialekte waren alle zu hören und mancher erinnerte an das golusalte Jüdisch. Rufe, Jauchzen, Lachen tönte in allen Arten der Welt. Doch als die „Hatikwah" vom Orchester angestimmt wurde, da tönte ein tausendstimmiger Ruf, der Ruf des Lebens, ein tausendfaches Jauchzen der beseeligenden Einheit des Lebens, ein Lachen, das Lachen der Judenfreude, des echten jüdischen Frohsinns. Es war ein Chor grossen Seinsgefühls. Und allen jubelte man zu, die in diesem Leben das Schaffen, die Stärke von heute und die Kraft von morgen sind. Achad Haam wurde im Triumph emporgehoben, als Präsident Wolffsohn eischien, scholl lauter, grosser Jubel und den lieben Boris Schatz umbrauste die Woge der Freude und des Dankes, Bald mischten sich in die Klänge der Musik die vielen Lieder, in denen das jüdische Herz singt, mögen sie nun die älteste oder die jüngste Sprache des Judentums sprechen. Sie sprachen nur eine Sprache, die der freien Freude. In den festen Takt des deutschen Studentenliedes tönte das klagende Echo einer jüdischen Volksweise und ward harmonisch abgeschlossen durch den einfachen, weichen Rhythmus eines hebräischen Liedes, das in seinem Ton die Weiten der Palästinaerde wiederklingt. Und die tausend Menschen, die in dem blauweiss geschmückten Garten wogten, gaben alle ihre Freude im Tun und Treiben in reizvoll buntem Ausdruck, wieder. Bald lagerten sich Gruppen im Grase und tollten . und wirrten-; da klang der zarte Glasklang der Champagnergläser und nicht weit davon der Takt des Händeklatschens bei einem Chassidtänzchen. . Der ganze Garten verwandelt seine sommerliche Nachtstille in lauten Jubel und freute sich derer, die in den Tagen ihres Lebens sich ganz freuen konnten, ohne zu zweifeln. Ansprachen wurden gehalten, das scharf gespitzte Wort des Witzes und Wortspieles flog hin und wider, alles* rauschte in einem Rausch der Freude an dem geeinten Zusammensein. Es war ein schöner Abend, der sich bis in die tiefe Nacht' zog, ein reicher Festabend, reich für Auge, Ohr und Herz; und den Veranstaltern spricht jedes Herz innigen Dank. Vortrag Zollschan. Am Montag abend hielt Herr Dr. J. Zollschan seinen angekündigten Vortrag über Rassenpröblem und Judenfrage. Ein zahlreiches Auditorium fand sich zu dem Vortrag im Kongressaale ein und folgte mit lebhaftem Interesse den Ausführungen Zollschans. Wir werden auf den Vortrag, dessen Verständnis durch eine gekürzte Wiedergabe leiden würde, noch ausführlich zurückkommen. Nach dem Referate entspann sich eine kurze, von Herrn Böhm geleitete Debatte, an der die Herren Dr. Waldenburg und Dr.S.Daiches teilnahmen. Herr Julius Löwy beantragte, der Kongress möge das E. A. G. ersuchen, die Uebersetzung der zweiten Auflage des Zollschanschen Buches »Das Rassenproblem« ins Englische zu fördern. Der Antrag wurde angenommen. Versammlung von Vertrauensmännern des N. F. Am Montage den 14. August fand im Kongressgebäude eine interne Besprechung von Vertrauensmännern des Nationalfonds statt, die für die N. F.-Propaganda sehr erfreuliche neue Anregungen brachte. Ueber die Erzielung grösserer Spenden und ..Stiftungen sprachen sehr interessant zwei bekannte Gesinnungsgenossen, die in der Arbeit für den N. F. seit langem die besten Erfolge erzielt haben. Herr Hugo Schachtel-Breslau gab sehr nachahmenswerte Winke über die agitatorische Seite der Frage, während Herr Dr. Zweig-Wien auf die juristischen Formalitäten der einzelnen Länder einging. Die Versammlung folgte den Ausführungen der beiden Referenten mit grösstem Interesse und beteiligte sich sehr rege an der Diskussion. Gesellschaft Jüdischer Aerzte und Naturwissenschaftler für medizinische Interessen in Palästina. Auf Veranlassung des Herrn Dr. B e nderski - Kiew fanden am Donnerstag, den 10. August und Samstag, den 12. August, Versammlungen der dem 10. Zionistenkongress beiwohnenden Aerzte und Naturwissenschaftler statt. Schon auf den vorigen Kongressen hat es mannigfache Versuche gegeben, die jüdischen Aerzte für die hygienischen Verhältnisse in Palästina zu interessieren und zu organisieren. Erst auf diesem Kongresse gelang es, eine Organisation ins Leben zu rufen. Auf der ersten Versammlung wurden die Teilnehmer durch die Herren Dr. Benderski und Dr. Feigenbaum in ausführlichen Referaten über die Eigentümlichkeiten der sanitären Verhältnisse in Palästina informiert. Das Ergebnis der überaus angeregten fach wissenschaftlichen Diskussion war der einmütige Beschluss, eine Organisation jüdischer Mediziner und Naturwissenschaftler für sanitäre Fragen in Palästina zu gründen. In der zweiten Sitzung wurde unter Leitung von Herrn Dr. Stahl - Tarnowitz eine „Gesellschaft jüdischer Aerzte und Naturwissenschaftler für medizinische Interessen in Palästina" gegründet. Das Programm der Gesellschaft ist die wissenschaftliche Erforschung der sanitären Verhältnisse in Palästina, idas Studium der Mittel und die Unterstützung aller dahin gerichteten Bestrebungen, um die Gesundung von Volk und Land in Palästina herbeizuführen. Zur Erreichung dieses Zieles sind zunächst in Aussicht genommen : 1. Die Erweckung des Interesses für diese Fragen und die Organisierung der jüdischen Aerzte und Naturwissenschaftler; 2. die Organisierung der palästinensischen Aerzte und Naturwissenschaftler im Rahmen unserer Gesellschaft; 3. die Förderung wissenschaftlicher [Untersuchungen in Palästina und Publizierung deren Ergebnisse; 4. die energische Unterstützung des Komitees für die Errichtung eines hygienischen Instituts in Palästina; 5. die Schaffung einer medizinisch-naturwissenschaftlichen Bibliothek für Palästina; 6. die Veranstaltung von ärztlichen Fortbildungskursen in Palästina; 7. die Propagierung der Idee der Schaffung einer jüdischen medizinischen Akademie in Palästina. Die weite Fassung unseres Programms erfolgte aus dem Gesichtspunkte, eine breite Basis für unsere Bestrebungen zu schaffen. An der sehr angeregten Diskussion beteiligten sich u. a. Herr und Frau Dr. Marmorek-Paris, die Herren D. Trietsch, Dr. Hayne-Canada, Dr. Beham, Dr. Benderski, Dr. Stahl, Dr. Hildesheimer. Uebereinstimmend wurde die Ansicht vertreten, dass wir ungeachtet der weitesten Ziele, die wir uns gesteckt haben, sofort mit praktischer Arbeit zu beginnen haben. Es wurde auch in diesem Sinne ein Beschluss gefasst. Die Versammlung verlangte ferner, dass vom Kongress drei Aerzte als Sachverständige der Palästinakommission beigegeben würden und schlug hierfür die Herren Drs. Beham, Benderski und Feigenbaum vor. (Unserem Verlangen ist bereits entsprochen worden.) Für die ferneren Arbeiten der Gesellschaft wird ein Zentral - ausschuss in Berlin bestimmt; zum geschäfts führenden Sekretär wird Herr Dr. Feigenbaum-Berlin (Bleibtreustrasse 35—36) gewählt. Für die Kongresszeit werden die Herren Dr. Benderski, Dr. Feigenbaum und Dr. Stahl mit der Geschäftsführung beauftragt. Unser Mitgliedsparagraph lautet: Ordentliches Mitglied kann jeder jüdische Mediziner und Naturwissenschaftler werden; Ausserordentliches Mitglied jeder Freund unserer Bestrebungen. Mitgliedsanmeldungen bitten wir zunächst an die Adresse der Herren : Dr. Benderski-Kiew, Dr. Feigenbaum-Berlin, Bleibtreustrasse 35—36 (ab 1. September) und Dr. Stahl-Tarnowitz zu richten. Der vorbereitende Ausschuss : Dr. Eenderski. Dr. Feigenbaum. Dr. Stahl.

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