Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 33 (18.8.1911)
- Date
- 1911-08-18
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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874 D I E MKE LT No. 33 zeugung aus, dass die nationale Wiedergeburt des jüdischen Volkes eng verknüpft ist mit der Renaissance der hebfäischötif Sprucfte ünd'liKültuf*' und rdäissf es eine heilige nationale Pflicht ist, alle zu diesem Zwecke führenden Mittel zu ergreifen." Die Resolution fand begeisterte einstimmige Annahme. Unter den Klängen der Hatikwah schloss die Versammlung gegen Mitternacht.__ Nachtrag zur Präsenzliste. Dr. M. Guckmann, A. Brünn, Dr, E, Simonsohn, D. Alcalay. Del. Boccara aus Tunis. Berichtigungen. In der Eede von Dr. Samuel DaichejS Nr. 4, S. 851, 9. Zeile von unten: „spricht hebräisch". Seite.852, Zeile 22: lies „wichtig" statt „nichtig". Zeile 23: nach ,fjaji|v hunderten" ist folgender Satz ausgefallen: „So war es auch zur ZeitEsras". Zeile 24. Nach Ufer fehlt: „des Jordans". Zeile 25. Lies „handelten", „gründeten". Zu S. 844. Dr. Samuel Daiches protestiert gegen die Erschliessung der Emigrationsfrage in die Tagesordnung des Kongresses. Bezalel und Palä st inaaus Stellung. Während der Kongress von Palästina, seiner Entwicklung und Zukunft spricht, liegt in einem weiten Saale des Kongressgebäudes die Gegenwart Palästinas, seine neue Zukunftsgegenwart herrlich ausgebreitet. Das, was sich dort dem Blicke bietet, ist die Antwort des Lebens auf unser Wollen; und diese Antwort ist so, dass unser Herz freudvoll jeden Zweifel des Denkens besiegt und«sich nur dem Ahnungsgefühl des* Grossen, Werdenden, Seienden ergibt. Wieder zeigt der „Bezalel" dein Kongress sein Werk; und voll Staunen sieht das Auge neue Wunder. Denn wunderbar ist es, kaum zu glauben, wenn man sieht, wie unerschöpflich die Möglichkeiten der Arbeit sind, die der Bezalel hervorzaubert. Seit dem letzten Kongresse ist zu den bisherigen Formen des Kunsthatid werks. welche die Schule pflegte, die Damaszener arbeit, das Brandbild auf Sammet, die Elfenbeinschnitzerei und - maierei, die Kupferätzung hinzugekommen. Die in Sammet gebrannten Bilder mit ihren weichen Linien rufen das Entzücken jedes Beschauers hervor. Die Damaszenerteller und. -vasen, auf deren gelbem Grunde die seltsam geschlungenen hebräischen Buchstabenbänder aus Silber oder Kupfer eingehämmert sind, geben den besten bisherigen Arbeiten dieser Art, welche in Europa soviel Liebhaber finden, nichts nach, sind sogar durch die Eigenart des Ornamentes viel origineller als jene. Und Originalität sichert dem Kunstgewerbe stets den Markt. Zu welcher prächtigen Feinheit der Künstlersinn des Professors Schatz das Handwerk mit der Kunst zu einen weiss, davon geben die Filigranarbeiten, in welche kleine Elfenbeinreliefs eingelegt sind, Zeugnis. Hier hat sich Gewerbe und Kunst zu einem harmonischen Bilde geschlossen, einem ästhetischen Genuss eigener Art. Durch eine namhafte Spende ist es der Schule möglich geworden, Vasen, Teller, Büchschen und Kästchen aus Holz, Messing und Elfenbein, auf die im Kunstgewerbe am höchsten geschätze Weise arbeiten zu lassen, indem Kunstschüler des Bezalel künstlerische Formen und Bilder aus der einfachen Form des Holzes und Metalles schnitzen oder treiben oder in sie einätzen. Das ist die höchste Stufe des Kunstgewerbes, welche Kunst mit Handwerk zusammensehliesst — und das Wunder ist geschehen; in kürzester Zeit ist der Bezalel soweit gekommen. Die kleinen, zarten Reliefs, welche Künstlerhand auf Elfenbein hingehaucht hat, die dunkelgetönten Kunstglasuren, welche farhenschwerer Künstlersinn aus gebranntem Ton erblühen liess, das alles sind Anfänge, seit kurzer Zeit entstandene Arbeitsformen der Schule und sind doch so reich an Originalität, so reich in ihrer Ausführung, so ganz vollendet, dass es unbegreiflich scheint, woher die Künstlerschaft im ersten Anlauf kommt. Wohl am meisten vom grossen Wollen. Die Teppiche, Holzarbeiten und Filigrangebil de haben ihre Nuancen, Bilder, Sujets und Formen fast unbegrenzt vervielfacht und geweitet. Es ist, als gäbe das Land mit dem unendlichen Wechsel seiner Farben und Formen, von Licht und Schatten dem Künstlersinn stets Neues zu erleben und zu formen. Das Land mit seinem Reichtum ist der Reichtum unserer prächtigen Schule. Und doch liegt in den Zeichnungen und Ornamenten, die der Bezalel ausgestellt hat, gleichzeitig eine dem Äuge wohltuende Einfachheit, die etwas Grosses in sich hat. Es ist weniger das Porträt, das die Stärke der Kunstschüler bildet, als die Landschaft und vor allem das Ornament. Jakob Stark hat aus dem hebräischen Alphabet eine Anzahl linearer Ornamente geschaffen, die meisterhaft sind in der Harmonie ihres Ineinanderstrebens und Zusammen - webens. Gerade das Ornament ist die Grundlage der Kunst. Die Buchstabenornamente Starks sind Kunst, jüdische Kunst. Er ist eine Hoffnung auf die Zukunft unserer vom Golus gedrückten Sinne. Und nur dort, in Palästina, im Bezalel wird sie sich erfüllen. Und der Bezalel ist unser, ist aus unserem Willen.. . In dem grossen Saale aber hat sich das ganze, reiche Palästina unseres Willens zu einem grossen Bilde vereinigt. Was der Frauenverband für Kulturarbeit in Palästina schuf, ist Segen des Erwerbes für das Land und Segen der Freude des Schaffens für uns. Die feingegliederten Spitzen, welche das Entzücken unserer Damen erregen, sind ein Arbeitswert Palästinas. Wir schalten die Arbeit im Lande. Dafür segnet es uns. Es segnet unsere Bauern mit dem reichsten Ertrage. In einer Ecke des Saales stehen Aehren aus Palästina, Aehren, die jüdischer Fleiss hervorbrachte. Und sie sind so stark und voll, wie der Wille derer, die das Land behauen. Unser Herz schlägt fester, wenn wir das sehen; und es schlägt liebevoll freudig, wenn wir die Hefte des hebräischen Gymnasiums in Jaffa und in Jerusalem zur Hand nehmen. Das modernste Wissen wird in der uralten Sprache ausgedrückt, das Bewusstsein urältester Kraft bindet sich an die modernsten Mittel des Unterrichtes, des Lehrens und des Lernens. Lehren und Lernen war seit je die Stärke unseres Volkes und hier, im hebräischen Gymnasium, wurde es aus der Kraft des Woilens zum wahren Leben, zur Zukunftsahnung unseres geistigen Seins. Wohl ist noch manches nur ahnungsvoll angedeutet im jetzigen Stande des Gymnasiums; der Lehrmittel, die wir iiier sehen, sind wenige. Aber umso bewundernswerter ist die Kraft der Lehrer, welche die Schüler mit so wenig Mitteln das Schauen lehren können. Wer die naturgeschichtlichen Zeichnungen in den Heften der Schüler sieht, weiss freudig, dass hier neue Juden emporwachsen im alten Lande, Juden, die Freude am Schauen, an der Welt des Lebens haben. Und in demselben Saale, wo unser Leben in Palästina unserem Herzen sich machtvoll einprägt, hat der Jüdische Nationalfonds in