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Die Welt · 1911-08-18 · 33 (18.8.1911) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
33 (18.8.1911)
Date
1911-08-18
Page
– (sequence 16)
Language
German
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872 DIEMKE LT No. 33 Konsequenzen daraus zu ziehen, die vollen Konsequenzen. Möge jedem Präsidium das gleiche Glück beschieden sein wie diesem: die schönen Kongresse, wie stürmiseh ihre' Verhandlungen sein mögen, wie schwer die Meinungen'- auf einander platzen werden, zu gleichern friedvollem, einträchtigem Ende zu führen, wie diesen Kongress. (Lebhafter Beifall.) Dr. Bodenheimer: Verehrter Kongress! Wir kommen zum Schlüsse dieser Tagung, zum Schlüsse dieses bedeutungsvollen Kongresses. Es ist viele und ernste Arbeit geleistet worden. Wir haben ein neues Organisationsstatut geschaffen, eine neue Geschäftsordnung dem Kongress gegeben. Die Palästinakommission hat in stunden- und lagelangen Beratungen wertvolle Beschlüsse dem Kongresse zur Annahme unterbreitet. Dasselbe gilt für den Finanzausschuss und die anderen Ausschüsse, und nicht zum wenigsten gilt es vom Permanenzausschuss, der neben dem Kongress den ganzen Tag hindurch sich der mühevollen Aufgabe unterzog, die Kandidaten für die verschiedenen Ausschüsse zu sichten und schliesslich uns das künftige grosse Actionscomite und die Leitung, das Engere Actionscomite, zu präsentieren. Und die Uebereinstimmung, die sich hier am Schlüsse dieses Kongresses kundgibt, ist nicht zum wenigsten auf die ernste Arbeit dieses Pemanenzausschusses zurückzuführen, — der Männer, die das Opfer gebracht haben, den Verhandlungen des Kongresses zum grössten Teile fern zu bleiben, um diese mühevolle Arbeit segensreich zu führen. Geehrter Kongress! In zweiter Linie ist es unsere Pflicht, allen denjenigen zu danken, die sonst zum Gelingen dieses Kongresses beigetragen haben. Wir danken insbesondere für das freundliche Schreiben der Regierung des Kantons Basel. (Lebhafter Beifall.) Wir sagen Dank der Zionisten Basels für die aufopferungsvolle Art und Weise, in der die Damen und Herren der hiesigen Ortsgruppe sich betätigt haben, alle die Wochen vor dem Kongress und während des Kongresses, Vorbereitungen zu treffen, unseren Verhandlungen und dem Kongress auch ein festliches Gepräge zu geben durch die Veranstaltungen, zu denen sie die Kongressdelegierten eingeladen haben. (Lebhafter Beifall.) Wir danken den Damen und Herren des Bureaus und den Ordnern (Beifall). Meine Damen und Herren! Es ist ein Jubiläumskongress, den wir feiern, und unser Freund Tschlenow hat schon darauf hingedeutet, welche bedeutungsvollen Vorgänge sich in diesem Saal für uns schon vollzogen haben. Nur muss ich eins sagen : es hat mich gewundert, dass Freund Tschlenow, als er damals mit dieser Gruppe den Saal des Kongresses verliess, nicht wusste, ob er zurückkehren würde. Wir, wir wussten, dass er zurückkehren wird. Denn wir sind ein Volk, wir haben uns für einen Zweck vereinigt. Wir sind untrennbar verbunden, bis wir das Ziel erreicht haben (Stürmischer Beifall). Wir haben hier auch Erinnerungen gepflegt, und zur Feier dieses Jubiläums-Kongresses hat sich die kleine Zahl derjenigen, die den ersten Kongress mitgemacht haben, im gleichen Saale versammelt, in dem wir damals getagt haben. Es war eine kleine Zahl: nur 24 Männer sind von jenem Tag geblieben, die wir uns hier versammelt haben; andere" Kameraden haben wir durch den Tod verloren, oder sie haben sich auf dem Weg von uns getrennt. Aber es sind neue Scharen dazugekommen und heute sind wir doppelt und dreifach stärker als damals. Neue Männer haben sich uns angeschlossen und wir haben die Zukunft des jüdischen Volkes vor uns. Nun, meine Damen und Herren, als ich in jenem Saale war, da sah ich im Geiste ein Bild vor mir, ein Bild, das ich im Museum des Palais Luxemburg in Paris gesehen habe, ein Bild des Malers D e t a i 11 e. Dieses Bild stellt ein schlafendes Heer vor: Kameraden liegen am Boden und träumen, und da sehen sie in den Wolken die Geister ihrer hingeschiedenen Kameraden in den Kampf vorausziehen, in den Kampf, der ihnen den Sieg der morgigen Schlacht bringen wird. Meine verehrten Damen und Herren, auch uns gleicht dieses schlafende Heer; die Geister der Hingeschiedenen, diejenigen, die die Begeisterung für die zionistische Sache früher in unsere Seelen geträufelt haben, die werden uns helfen, den Sieg zu erringen, wenn wir weiter fortschreiten. Und in diesem Bewusstsein können und dürfen wir uns geloben, der neuen Leitung mitderselben Hingebung, derselben Treue, derselben Begeisterung zu dienen, mit der wir in schweren Stunden unserem Führer David Wolffsoh n zur Seite gestanden haben (Stürmischer Beifall). Wenn wir nunmehr im Vertrauen auf die Energie und das Zielbewusstsein unserer neuen Leitung derselben folgen, dann darf uns dss tröstliche Bewusstsein erfüllen, dass die Zukunft uns gehören wird, und dass, um mit Nordau zu sprechen, unserem anderen grossen Führer in unserem Lager, auf dem die blau weisse Flagge mit dem Davidschild weht, in unserem Lager Israel sein wird. Damit schliesse ich den zehnten Zionistenkongress. (Stürmischer Beifall. Die Versammlung singt stehend die Hatikwah). Dr. Weizmann: Unter den 24 Männern vom ersten Kongress befindet sich jetzt auch einer hier, den ich nur auf der Galerie gesehen habe, Achad Haam. Ich hoffe, dass er auf dem nächsten Kongress unten sitzen wird (Beifall). Schlu ss des Kongresses 11 Uhr nachts. Bilder vom Kongress. „Ein Land, ein Volk, eine Sprache, ein Zionismus" — es sind die Worte unserer grossen Einheit, welche David Wolffsohn in seiner Eröffnungsrede sagte. Es ist jene Einheit, welche nur vom Sinn erfasst werden kann. Doch die Sinne sehen eine Vielheit, eine Mannigfaltigkeit, Bilder; — erst der Sinn reimt sie zum Bild, zum grossen Bilde im Herzen aller. Doch auch die Bilder sind gerade das Grosse des Kongresses im Aeusseren, sie zeigen das Leben. Diese stille Stadt mit ihren leisen Gässchen, in welcher der Kongress tagt, wird durch dieses wunderschön bildhafte Leben in eigenartiger Weise geformt, während der kurzen Zeit des Kongresses. Der winkelige Platz, wo das Kasino steht, kann sich gar nicht gewöhnen an das Treiben und Hasten, an die lebensvolle Eile, die auf ihm summt und surrt Da bespricht eine Gruppe hastig die wichtigsten Ereignisse des Kongresses und dort tönt in der Wiedergabe einer starken Bede der herzbefreiende Beifall nach, den sie weckte. Beim Eingang zum Gebäude drängt es ein und aus. Das Getöse der drängenden, lachenden, freudwirren Masse durchdrängt die Stimmen der Zeitungsverkäufer, welche die Kongressausgaben der »Welt« feilbieten. Und gleich werden sie umringt und umdrängt; da stiebt plötzlich der Haufe auseinander. Man lässt sich kaum Zeit zum Lesen. Denn gerade wird in einer Ecke eine Gruppe photographiert, und die nicht auf das Bild kommen, nehmen mit Scherzen und Lachen an dem freundlichen Akt Anteil. Die Glocke schellt. Die Sitzung beginnt Der Platz wird leer. Jetzt wird der Kongressaal zum bunten Bilde. Jeder eilt zu seinem Sitz. Doch nicht lange bleibt das Bild der Ruhe. Die Erregung und Bewegung rührt das Bild auf. Es wogt im Saal. Der Präsident spricht. Mit seiner dunklen klaren Stimme. Man schart sich um die Tribüne. Es wird wieder still. Und dann geht ein Brausen durch die Masse, ein Brausen der Einheitsfreude. Der grosse Gedanke hat der Menge, den einzelnen Bildern, wieder ihre Einheit gegeben, die Einheit die der Sinn unseres Lebenswillens ist- Mitten im Saale sitzt ruhig und still ein Delegierter aus Tunis in seiner reizvollen Tracht. Auch wenn er geht ist das kein Bewegen, sondern ein Schreiten. Er ist die Würde selbst. Und ihn brachte der Wunsch nach unserer Würde her den weiten Weg. Er schreitet ihn. Der Kongress geht den Weg, der Zionismus schreitet ihn ... Oben auf der Tribüne ist regstes Leben. Dort muss das Leben des Kongresses in Hast gewirkt werden. Und die Bilder wechseln. Bald erscheint das Löwenhaupt Nordaus in der Mitte, bald die Gestalt Ussischkins. Und um sie leuchtet es in allen Formen und Typen des jüdischen Antlitzes. Da schimmert ein weissgrauer Kopf auf, dort blitzt ein roter Fez empor, halb verdeckt von einem dunklen Käppchen. Alles ist lautlos, auch die eifrigsten Gespräche der Leiter. Dafür wiegt sich und wogt die Menge des Saals in den Wellen steter Anteilnahme. Und sie harrt aus und folgt den Verhandlungen fast atemlos, ohne alle Eindrücke, die vielen Erregungen auch nur ein wenig zu besänftigen. Mit ihr, mit dem ganzen Kongress lebt die Galerie ganz im Banne des unaufhörlichen Geschehens, das da sich bietet. Kopf an Kopf drängt sich da und Spannung ist auf dem Antlitz der Hunderte von Zuschauern. Auch sie werden ins Leben gebannt, zum Leben, das sie wollen Denn sie sind Juden... Wenn dann die Sitzung zu Ende ist, kommt wieder Leben in die Gänge und Hallen und Seele im Gebäude. Zunächst beginnt der Sturm im Kongresspostamt und dann

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