Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 33 (18.8.1911)
- Date
- 1911-08-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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No, 33- . I. C. T.: Lehnen Sie ab! Es ist ei» Unglück, wie Bodenheimer gesagt hat. Präsident Wolffsohn wiedeifcwlt: Wir haben heute dafür gesorgt, dass die Leitung wirtschaften kann. Nach weiteren Erklärungen wirf abgestimmt. Das vorgelegte Budget wird en bloc angenommen. Unter Ablehnung der weiteren Anträge wird folgender Antrag im Anschluss hieran gleichfalls angenommen: Der Kongre ss erklärt: Es ist Pflicht aller Gesinnungsgenossen, die zukünftige Leitung durch freiwillige Jahresbeiträge zu unterstützen. (Amiirag Ussischkin-Heymann). Kulturdebatte. Damit ist die Budgetfrage erledigt. Auf Vorschlag von Wolffsohn wird beschlössen, sofort in die Erledigung der Anträge des Kultur au sschus ses einzutreten, ... damit hernach der Schluss des Kongresses in besonderer Sitzung ( erfolgt. Dr. Sam. Daiches: Ich beantrage, die Kulturdebatte auf den nächsten Kongress zu verschieben.. (Stürmischer Beifall, Widerspruch von der Gegenseite,) Syrkin erhebt Widerspruch. Wir haben einen Auftrag; die Resolutionen müssen zur Abstimmung gebracht werden. Die Würde des Kongresses würde sonst verktet. Der Antrag Daiches wird abgelehnt. Syrkin erstattet in hebräischer Sprache (Dr. Thon übersetzt . ins Deutsche) den Bericht der K ult*i rkomm ission. Er beantragt folgende drei Resolutionen: Die vom Kongresse eingesetzte,, aus Vertretern aller Gruppen und Föderationen bestehende Kommission stellt fest: Die verschiedenen Stuoniungen und Fraktionen des Kongresses stimmen La der Ueberzeugung überein, dass unsere Kulturntnd Erziehungsarbeit aufs innigste zusammenhängt ntrfc der hebräischen Sprache und mit all den Kulturschätzen, die unser Volk seit Jahrtausenden aufgehäuft hat. Von dieser Ueberzeagung ausgehend, beehrt sich die Kommission, dem Kongresse nachstehende Anträge zur Beschlussfassung zu unterbreiten: I. Der X. ZionistenkoDiügress fordert das E. A.C. auf, die Kulturarbeit in Palästina und im Orient zu organisieren und zu zentralisieren. II. Der X. Zionistentongress gibt seinen Willen kund, dass in keiner dei von , der zionistischen Organisation geschaffenen Institutionen für Kulturarbeit irgend etwas unternommen werden darf, was der jüdischen Religion zuwiderläuft. III. Der Kongress erklärt die Kulturarbeit in den Ländern der Diaspora für eine autonome Anv . gelegenheit der einzelnen Landesorganisationen und Föderationen; er legt jeloch jedem Zionisten und allen Landesorganisatiomo und Föderationen die ,. . . Pflicht auf, für die Forderung und Verbreitung <r , jüdisch-nationaler Kultui anf allen Gebieten jüdi- ,; schien Schafifens und Volkslebens zu wirken. . , -Del. Simon beantragt Enbloc-Annahme der Resolutionen ..ahne Debatte. . Dr. Friedemann beantragt in Gemeinschaft mit Struck, "dieser im Auftrage der Misrachi, in eine Verhandlung über die Resolutionen auf diesem Kongress nicht einzutreten, sondern sie dem A. C; zur Prüfung zu überweisen. Del. Strack: Die Anhänger des Misrachi lutben sich jederzeit bereit gefunden, auf politischem Gebiete mit Zionisten aller Richtungen gemeinsam zu arbeiten. Auf dem Gebiete der Kultur aber, welche innerhalb des Judentums aufs engsle mit der Religion zusammenhängt, und wo sieh Weltanschauungen gegenüberstehen, ist aus Gründen des Gewissens eine gemeinsame Arbeit mit andersgesinnten Freunden aussichtslos. Aus diesem Grunde fordert der misrachi im Namen der Einheit und Einigkeit unserer Organisation, um eine gedeihliche und friedliche Zusammenarbeit auch in Zulmnift zu ermöglichen,; dass der 869 Kongress die Ausführung der Kulturaufgaben den einzelnen Parteien und Föderationen überlässt. Der Misrachi legt ausdrücklich die Förderung der Kulturaufjpiben allen Gesinnungsgenossen dringend ans Herz und verpflichte sich, das von ihm in Palästina begonnene Schuhwerk und d ie Arbeit der neubegründeten Jüdischen Kulturgeseilschaft aufs riirigste fortzusetzen. Im Falle der Ablehnung unseres Antrages müssen wir uns weitere Schritte vorbehalten und lehnen jede Verantwortung für die daraus entstehenden Konsequenzen ab. Wir hängen mit allen Fasern unseres Herzens an der von unserm unvergesslichen Führer H erzl geschaffenen zionistischen Organisation und wünseinen nichts sehnlicher, als innerhalb derselben Schulter an Schulter lüad mit P^uch allen für die Erreichung unseres grossen Zieles azu kämpfen! Und es gibt noch viel zu kämpfen, viele gemeinsame Feinde sind noch zu besiegen! Ich beschwöre Euch alle, meine Gesinnungsgenossen: Verlasset nicht den gemeinsamen Bodwi! Lasst uns gemeinsam kämpfen und gemeinsam siegen! (Leblafter Beifall.) Es findet eine leb -hafte Geschäftsordnungsdebatte über die Behandlung der'Resolutionen statt Kaplansky-Kaplan gibt für die Poale Zion eine Erklärung ab: Die zionistische Organisation darf das kultur-e Ue und Erziehungswerk nicht aus der Hand lassen. Deshalb haben wir dem ersten Teil der Resolution in der Kommission zugesti mmt. Wir waren bereit, uns mit einer Erklärung gegenüber der Fraktion der Misrachi zufrieden zugeben, dass der Zionismus und die zionistische Organisation in Religionsfragen völlig neutral sind, Religion ist Privatsache. Auf weitergehende Erklärungen konnten wie in der Kommission nicht eingehen. Der zweite Teil der Resolutiun ist eine üeberraschung nach den Mitteilungen, die die Delegirten aus Palästina in der Kommission machten. Alle Erziehung- und Kulturanstalten, die wirkliche Kultur verbreiten, müssen gefördert werden. Redner beantragt getrennte Abstimmung über die Resolution. Del. Halpern verlangt debattenlose Am nähme der Resolutionen. Sie sind ein Minimum dessen, wofür nnan überhaupt vom Standpunkt der Kultur eintreten muss. Die Uder Weisung an den A. C. bedeutet nichts als eine glatte Ablehnungunserer gesamten Kulturarbeit. Rabbiner Raines (Beifall): Ehe ich Misrachi war, dachte ich, der Zionismus kann alle Richtungen vereinigen. Nun sehe ich, die Kulturarbeit spaltet das Volk. Der Redner appelliert an die Misrachisten, der Organisation treu zu bleiben, Andererseits ersucht er aber um die Ausschaltung der Kultn rfrage, da sie die innere Einheit stören müsse. Die Debatte wird geschlossen. Dr. Tschlenow stellt aus dem Protokoll des zweiten Kongresses fest, dass damals der Kongress einen den jetzigen Resolutionen ganz ähnlichen Beschluss gefasst hat, der noch jetzt gilt. Er richtet an die Misrachisten den Appell, siel, wenn diese Beschlüsse jetzt von neuem gefasst werden, nicht von der zionistischen Organisation loszureissen. Rabbiner Rabinowitsch: Wenn derMisrachi ans derOrganisation austreten sollte, e r werde bleiben (stürmischer Beifall). Weshalb solle er gehen? Glaube man denn, dass er im Lager der Antizionisten bessere Juden finden werde? (Heiterer Reifall.) Wünschenswert ist, dass die Kulturfrage auf dem Kougiess nicht behandelt wird, denn sie bringt Missverständnisse. Sohle aber der Kongress den Resolutionen zustimmen, dann werde ct nicht dagegen sein. Nur die eine Bedingung: Am Sabbat soll bei uns geschlossen sein! (Lebhafter Beifall)!' Die drei Resolutionen werden fast einstimmig angenommen. Wahlen. Vors. Dr. Marmorel : Wir kommen nunmehr zu den Wahlen. Das Wort hat der Referent des Permanenzausschusses Herr Dr. We i z in ann. (Beifall). Ör, Weizmann: Der Permanenzaussdiuss schlägt Ihnen vor: In das Kongressgericht: Berthold Feiwel, Leo Motzkin, Dr. Walter Münk und Dr. W. Steinitz. Wir beantragen die En bioc-Annahme. (Angenommen.) Als K o u g;re s s an w alt: Herrn Dr. Bode n heimer. die^elt