Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 33 (18.8.1911)
- Date
- 1911-08-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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fernsteht. Wenn es nur eine politische Tätigkeit wäre, hätten wir sie iricht begonnen. Sie ist in eminenter Weise eine kulturelle Tätigkeit; denn sie hebt das Niveau der gaLisischen Massen. Sie ist in eminentem Sinne eine moralische Tätigkeit, denn sie trachtet, den Boden den Demoi&lisierern, den Brunnenvergiftern, zu entziehen, die diese Presse bestechen. Es ist unsere Absicht, diesen Herrn, die, wenn sie gewählt werden, unsaubere Geschähe machen, den Boden zu entziehen. Unsere Tätigkeit Ist eine eminent kulturelle und eminent moralische. Ich stelle hienrit die Frage an den verehrten Präsidenten David Volffsohn, wie er sich zu dieser Sache stellt. Ich könnte die Frage auch nicht an ihn stellen, denn, wie es heisst, wird er nicht mehr Präsident der Bewegung sein. Aber David Wolffsohn bleibt David Wolffsohn, (Stürmischer Beifall.) Er war der Führer der Bewegung und bleibt immer eine autoritative Person in unserer Bewegung, dessen Worte für uns gelten. (Lebhafter Beifall.) Ich stelle hiemit die Frage: Wie denkt Herr Davil Wolffsohn über diese hochkulturelle, moralische Arbeit «der galizischen Zionisten? Präsident WHilffsohn (mit stürmischem Beifall begrüsst): Geehrter Kongress! Es ist mir selbstverständlich nicht eingefallen, die Arbeiten unserer Freunde in Gralizien zu verurteilen oder gar zu verdammen. Ich hatte Gelegenheit, unsere Freunde in Gralizien bei ihrer Arbeit zu sehen und hege Sympathie und volle Bewunderung für die scWere und mühevolle Arbeit, der sie sich unterzogen haben. Ich stehe aber selbstverständlich, wie ich bereits hier gesagt habe, auf dem Standpunkt, dass unsere Gesatmtorganisation (Sehr richtig!) sich in keiner Weise mit der Landespolitik eines Landes zu befassen hat, aus den Gründen, die ich ebenfalls hier angeführt habe. Tür die Männer, die in Gralizien für die jüdischen Interessen arbeiten, muss jeder, der ein jüdisches Herz hat, Sympathien empfinden. (Stürmischer Beifall.) Vors. Dr. Mai'morek: Ich teile mit, dass die westösterreichischen Delegierten auf Grund einer Sammlung der Frau Fe u eist ein aus Graz den Präsidenten David Wolffsolm in das goldene Buch eintragen. (Beifall). Vorsitzender Dr. Marmorek: Ich erteile nunmehr Herrn Motzkin als Referenten des Emigrationsausschusses das Wort. Delegierter Motzkin: Ich lege Ihnen die Resolutionen vor, zu denen der EmigrationsausscKiss heute gekommen ist. Sie bestehen aus einem Teil, der einstimmig angenommen wurde, während der letzU Absatz nur die Ansicht des Herrn Trietsch darstellt. Die Anträge lauten: „Der Zionismus beharrt auf seinem Standpunkt, dass die Lösung der Judenfrage nur in der territorialischen Konzentration in Palästina enthalten ist. Dieser _ Aufgabe hat er sich in erster Linie zu widmen. In Anbetracht der immer wachsenden jüdischen Auswanderungsnot schliesst sich der Zionismus alLen Bestrebungen nach Gesamtorganisation und Demokratisierung der Auswanderungshilfe an. Ef vertritt die Ansicht, dass es eine Seihe produktiver Anregungen und wichtigerer Normen auf 4em Gebiet des Auswanderungswesens gibt, li«e nur infolge eines Meinungsaustausches und einer Koordinierung der verschiedenartigsten Elemente zutage gefördert werden kennen. Der Zionistenkongress begrüsst darum, mit Freuden die Idee d«es Emigrationskongressfcs und mahnt alle Elemente im Judentum zu einer Beteiligung am Kongresse. Deir Zionistenkongress fordert das künftige A. C. auf, aui einemEmigrationskongmSj der Gewähr dafür bietet, dass an ihm grosse Organisationen, jüdische Gemeinden u. s. w. sich beteiligen, auf jeden Fall als zionistische Organisation sict "vertreten zu lassen. Unsere Parolen sollen dabeisein: A. Allgemeine Organisierung und Regelung der jüdischen Auswändemng, B. Erforschung aLl-er Arbeitsmöglichkeiten im Orient und möglichste Ablenkung des Auswuiderungsstrornes nach dem Orient." Der Antrag Trietsch lautet: „l>er Kongress empfiehlt dem Palästinaressort bezw. «lern E. A. C., mit den für Palästina und überhaupt für die Türkei existierenden Informationsbureaiis in Verbindung zu treten zwecks Koordinierung ihrer Tätigkeit und Gründung weiterer Bureaus für die Emigration nach dem Orient." Delegierter Trietsch: Ich habt mich in der Kommission, in -der von 4 Mitgliedern 3 Antragsteller waren — es war&n im ganzen nur 4 Mitglieder erschienen — an der Diskussion in der Hoffnung beteiligt, dass die Gegenseite meine praktischen Antmge auf Schaffung eines zionistischen Emigrationsamks schliesslich annehmen wferde. Das ist nicht geschehen. Ich musste daher meinen Antrag vor den Kongress bringen. Mein Antrag laiilet: „Der Kongress beschliesst die Schaffung eines zionistischen Emigrationsamtes mit dem Sitze in Berlin und mit folgenden Zwecken: 1. Sammlung informativer Materialien über alle Möglichkeiten jüdischer Ein wand erangnach Palästina und anderen (vorzugsweise den nächstgelegenen) Gebieten des osmanischen Reiches. 2. Verbreitung dieser Informationen. 3. Realisierung (resp, Beihilfe zur Realisierung) der gefundenen Möglichkeiten.^ Der erste Antrag schliesst den zweiten nicht aus. Ich schlage aber vor, meinen Antrag als den zionistisch positiven stierst anzunehmen und dann den Antrag der Kommission. Delegierter Dr. Da ich es: Ich möchte Ibitten, die Anträge der Kommission nicht anzunehmen, da ich dfcr Ansicht bin, dass die Emigrationsfi'age nicht in den Kongress gehört. Ich glaube, dass wir unsere ILr-äfte nur zersplittern werden, Ausserdem werden die grossen Organisationen, die sich mit der Emigration befassen, unsere Mitarbeit abl<üinen. In oer Behandlung der Eimigrationsfrage durch die zionistische Organisation sehe ich die G-e fair einer Zersplitterung der Kräfte. Delegierter Trietsch: Der Vorredner hat ja nur an den Antrag der KoomissLon gedacht und da wäre seine Ansicht berechtigt. Aber das zionistische Emigrationsamt rg-ehört durchaus hierher. Es ist daher angezeigt, dass mein Antrag,, der sich ja darauf bezieht, angenommen wird. Delegierter Motzkin: Die Beschlüsse der Kommission sind ja nur die spezialisierten Beschlüsse von gestern. Sie gehen im Wesen daraufhin, dass wir, wenn ein Emigrationskongress zustande kommt, dab ei sein sollen, um eventuelle Ühitnationalisierungstendenzen zuriK~tzuweisen. Ich sehe nicht ein, warum wir eine solche Gelegenheit, die uns neue Kräfte zuführen kann, nicht benutzen sollen. Ich beantrage daher, die Vorschläge der Kommission anzunehmen. I>er Antrag Trietsch ist ein S^ouierantrag. Delegierter Rosenfeld (französisch); Ich beantrage im Namen der internationalem Organisation zur Bekämpfung des Mädchen-