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Die Welt · 1911-08-18 · 33 (18.8.1911) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
33 (18.8.1911)
Date
1911-08-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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864 < DIE! bestehenden. Kolonien und der Städte Arbeiterhäuser mit Gartenwirtschaften für verheiratete Arbeiter errichtet werden. (Beifall.) Wir halten es für verfrüht, diese Vorschläge schon heute zum Beschluss zu erheben, da wir nicht wissen, ob die Mittel schon in der nächsten Zeit bereit gestellt werden können und es sich für uns nur um Anregungen handelt, die auf ihre Durchführbarkeit zu prüfen sind. Als wir in die Behandlung der kulturellen Frage eintraten, haben wir die Fragen der Fonds für die Beschaffung der Mittel für alle palästinensischen Zwecke nicht nur für die der Kolonien und den Landerwerb und die im engsten Zusammenhang damit stehend 311 Zwecke beraten, also wirtschaftliche Zwecke in den Städten. Wir beschlossen da, Ihnen eine Resolution zu unterbreiten, die fast genau übereinstimmt mit der Resolution, die Dr. Zweig in der N". - F. - Debatte vorgeschlagen hat. Sie lautet: Resolution 6: ,,Der Kongress empfiehlt der Leitung, die Sammelstellen des J. N. F. derart auszugestalten, dass sie gleichzeitig auch als Sammelstellen der anderen Fonds der zionistischen Organisation fungieren und dass die verschiedenen Sammelmittel der Bedeutung und dem Bedürfnisse gemäss auf die verschiedenen Fonds verteilt werden.44 Wir halten es für eine Sache der Oekonomie, dass bereits vorhandene Organisationen, die noch nicht vollauf belastet sind, auch für die anderen Fonds benutzt werden. Die Schaffung von neuen Organisationen für neue Fonds hat sich als unmöglich erwiesen; desgleichen die Aufbringung grösserer Mittel mit anderen Sammelmitteln als sie der N. F. besitzt. Wollen wir auch andere Palästinazwecke fördern, so müssen wir Fonds dafür schaffen; das ist nur in der vorgeschlagenen "Weise möglich, „der Bedeutung und dem Bedürfnisse gemäss.44 Konkrete Vorschläge in bezug auf kulturelle Unternehmungen bringen wir Ihnen heute nicht, aus dem Grunde, weil die Mittel nicht bereit und manche Fragen auch noch nicht kongressreif sind; aber unseren Anteil an der kulturellen Tätigkeit in Palästina wollen wir durch folgende Resolutionen bekunden : Resolution 7: „Der Kongress anerkennt den hohen Kulturwert des von dem Meister der hebräischen Sprache herausgegebenen „Milou Halaschou haiwrith" und drückt den Wunsch aus, dass die Fortsetzung dieses Werkes durch entsprechende Subvention aus Organisationsmittel gefördert werde.4' (Beifall.) Zur Erklärung : Das ist auch bisher geschehen; es handelt sich nur darum, dass es auch weiter geschieht und dass wir unsere Sympathie diesem Unternehmen aussprechen. Resolution 8: „Der Kongress begrüsst freudig die in letzter Zeit entfaltete vielversprechende literarische Tätigkeit in Palästina, wie sie hauptsächlich in den Publikationen „Hachinuch" und „Moledeth" sowie in den Ausgaben des „Leain" und „Sephet" zum Ausdruck kommt." Leider musste sich die Palästinakomrnission mit einer Sache befassen, die wir 111 einer ungemein konzilianten und nach keiner Richtung hin verletzenden Resolution behandelt haben. Diese stellt sich aber als ein Minimum dar. Sie wissen alle, wie hoch der Kulturwert der in Palästina geschaffenen neuen Schulanstalten ist. Sie wissen, welche gewaltige Bedeutung für die Wiederbelebung der hebräischen Sprache, insbesondere für die Befestigung der Jugend in den nationalen Kulturwerten unsere Gymnasien in Jaffa und Jerusalem und die Tachkemoni - Schule haben. Leider hat die Tatsache, dass nebeneinander Schulen verschiedener Richtungen bestehen, solcher freisinniger Richtung und die Tachkemoni-Schule, eine Art von Kulturkampf hervorgerufen, und es ist von einer Seite zu Ausschreitungen gekommen, zu denen der Kongress Stellung nehmen muss. Man hat gewichtige Vorwürfe erhoben, die objektiv absolut unrichtig sind und auch das Mass des im Kampfe lieblichen und Erlaubten überschreiten. (Lebhafter Beifall.) Unsere Resolution, die ja entschieden nicht aufreizen will, lautet folge udermassen : Resolution 9 : „Der Kongress begrüsst das Wachstum der nationalen Schulanstalten in Palästina, sieht das Nebeneinanderbestehen von xAmstalten verschiedener Richtung für durchaus natürlich an und spricht die Erwartung aus, dass das Verhältnis derselben kein anderes als das eines friedlichen Wettbewerbes auf erziehlichem und geistigem Gebiete sein wird." (Lebhafter Beifall.) Sie sehen, wir haben nur das ausgedrückt, was Ussischkin hier gesagt hat: wetteifert miteinander in der Arbeit, aber kämpft nicht miteinander. Die Resolution kann von allen Seiten angenommen werden. KELT No- 33 ' Eine sehr dankenswerte Anregung erhielten wir von unserem Freunde Rabinersohn, der dem in Palästina allgemein vorhandenen Mangel an geistiger Nahrung durch Einführung von Wanderbibliotheken abhelfen will. Er stellt seine tätige Mithilfe zur Verfügung. (Beifall). Eine Resolution über das Mikrobiologische Institut wird Ihnen Herr Dr. Benderski unterbreiten, weil die Aerzte dieses dem Palästinaamt abnehmen und sich selbst für die Durchführung einsetzen wollen. Wir haben uns Enthaltsamkeit in bezug" auf die Vorschläge an den Kongress auferlegt. Die Verhandlungen im Palästinaausschuss waren ausserordentlich lehrreich und das Material wird von grossem Werte sein für spätere Verhandlungen. Zum Schluss noch eine kleine Bemerkung. Die erfreulichste Erscheinung dieses Kongresses ist, dass trotz der Dehätten im türkischen Parlament und trotz mancher Misserfolge in Palästina sich keine Stimme auf dem Kongress erhoben hat, mit der Palästinaarbeit aufzuhören. (Beifall). Dieser gute Wille, unter guten und widrigen Umständen an der Paläsinaarbeit festzuhalten, isr ein Neues. Selbstverständlich heisst es nicht, einfach darauflosarbeiten. Aber jede Arbeit innerhalb der natürlichen Grenzen soll ohne Kleinmut und mit der Hoffnung auf Erfolg in Angriff genommen und durchgeführt werden. (Lebhafter Beifall). Vorsitzender Dr. Bodenheimer unterbricht diese Verhandlung mit einer Trauermitteilung: Einer unserer ältesten und treuesten Gesinnungsgenossen, ein Mitglied des Zentralkomitees, Dr. Kaufmann in Freiburg, der mit sehnendem Herzen noch hierher blickte auf den 10. Kongress in der Hoffnung, an ihm teilnehmen zu können, ist nach kurzem Krankenlager soeben verschieden. Wir werden diesem Mann, der in den Zeiten, wo der Zionismus aufs schärfste bekämpft wurde, als echter Mann zielbewusst und energisch für die zionistische Sache eingetreten ist an der Seite von Theodor Herzl, ein treues Andenken bewahren. Ich danke Ihnen, dass Sie sich zum Zeichen der Ehrung des Verstorbenen von Ihren Plätzen erhoben haben. Dr. Benderski (spricht hebräisch) macht unter lebhaftem Beifall Mitteilung über den Zusammenschluss jüdischer Aerzte und Naturforscher zur Förderung, des Sanitätswesens in Palästina — Aerzte und Naturforscher aus ganz Europa. Wir haben schon einen Schatzmeister mit dem Beginn einer Kasse. Es sind schon einige Institutionen begonnen, z. B. die Gründung eines hygienischen Instituts und namentlich die Fortbildung von Aerzten, ferner im Anschluss an die Bibliothek in Jerusalem eine medizinische Bibliothek. Wir wagen sogar an die Gründung einer jüdischen medizinischen Akadomie in der Türkei zu denken. Der Beitrag beträgt 6 Mark pro Jahr, aber wir nehmen auch ausserordentliche Mitglieder auf, Geheimräte usw., — die müssen aber den Beitrag etwas grösser gestalten. Im Anschluss an das Palästinaressort in Berlin ist jetzt ein Bureau geschaffen. Auch die Herren Misrachisten können mit uns ganz ruhig zusammenarbeiten. l>er Redner erklärt, die Auslagen für das erste Jahr, etwa 1000 Mark,, auf seine Tasche zu übernehmen. (Beifall.) Del. Foner schilfert in Jargon die unzulänglichen Zustände hinsichtlich der Landparzellierung in Palästina. Es. fehlt an Land für die, die Kolonisten werden wolhn. Vorsitzender Dr. Bodenheimer: Diese Dinge wurden im Palästinaausschuss eingehend besprochen; sie beschäftigen das N.-F.-Direktorium und das Palästinaressort schon seit mehreren Jahren. Wir kennen die Schwierigkeiten. Wenn wir eine grosse Landparzellierungsgesellschaft haben, wie die P. L. D„ C, die wirksam arbeiten kann, dann werden diese Missstände aufhören. Del. Rabinersohn (mit Beifall begrüsst) regt, wie schon gestern im Palästinaausschuss, die Einrichtung eines hebräischen Theaters im Anschluss an das Gymnasium in Jaffa an. Es sollen jüdisch-nationale Stücke ins Hebräische übersetzt und mit den Kindern, die ja hebräisch sprechen können, einstudiert werden. Es stehen uns hervorragende Künstler, die das einschlägige Material studieren können — im Museum in Berlin, im Louvre in Paris — zur Verfügung. (Beifal{.)

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