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Die Welt · 1911-08-18 · 33 (18.8.1911) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
33 (18.8.1911)
Date
1911-08-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 33 DIE3qKELT 861 auch versucht, die Möglichkeit zu schaffen, dass es seine Punktionen auch wirklich erfüllen kann: das repräsentative Prinzip, das Priwaip der Verantwortlichkeit, die Wahl durch den Kongress, das war auch der ursprüngliche Gedanke} er rurde aber verwässert dadurch, dass die Landesorgani sationen ihre Vertrauensmänner hineinsetzen sollten. Man hat zwei nicht zusammengehörige Elemente zmiimmengebracht und dadurch das Actionscomite aktionsunfähig gemacht. Darum haben wir eine Teilung voigenommen: das Actionscomite, und daneben eine Zentralcomite, welches Delegierte der Landesorganisationen nach der Stärke ihrer Verbände umfasst und wumit den landsmannschaftlichen Gedanken zum Ausdjuck bringen soll. Wir haben einige Aenderungen bil der bisherigen Regel vorgenommen, von folgendein Gesichtspunkt geleitet: wir müssen den demokratischein Gedanken durchsetzen: dass zwar jede hervorragende Persönlichkeit die Möglichkeit hat, sich in der Organisation eben kraft der Persönlichkeit die Macht und dei Einfluss zu verschaffen, die die Persönlichkeit gewährt; aber wir glaubten das nicht dadurch fördern zu solkn, dass wir ihr schon von vornherein diese Position gab; sondern wir dachten, dass wir dann am besten erleimen, ob die Persönlichkeit wirklich so überragend isi, wenn die Bedingungen, unter denen sie arbeitet, die gleichen sind, wie die der anderen. Nur der; der sich »us gleichen Verhältnissen eine Führerrolle schaffen kau», soll diese Position auch wirklich bekommen. (BeifallDenn sonst würden wir das zäsaristische Prinzip in der Verfassung niederlegen. Missverstehen Sie mich nicfot: unsere Verfassung hat Platz für zäsaristische Persönlichkeiten, aber diese sollen nicht einen unabänderlichen Bestandteil unserer Verfassung bilden. Wir haben ein Kollegium eingesetzt von 5 bis 7 Personen, von denen mindestens die Hälfte, also 3 bis 4, am selben Orte wohnen muss^ Aber diese Bestimmung ist nur das Minimum dessen, was die Organisationskommission für notwendig angeseli fcn hat. Wir glauben, dass Zionisten, wenn sie so beieinander wohnen, dass sie alle Arbeit kollegial erledigen, s ofort alle auftauchenden Fragen miteinander besprechen, eine geschlossene einheitliche Korporation darstellen. Einen anderen Gesichtspunikt haben wir in der Organisationskommission nur flücErtig besprochen und fixiert, aber es ist ein neues Moment. Wir haben uns entschlossen, den Landesorganisati-o nen und Sonderverbänden Korporationsrechte zu geben, 3ie sie bis jetzt im Statut nicht besessen haben. Aber rar lassen dabei die Freiheit für die vorhandene Entwicklungstendenz, für die Bildung von Parteigruppen ohn es Rücksicht auf die Landsmannschaften im Kongress. In den allerletzten Tagen haben wir noch eine kleine Aenderung im Statut vorgenommen: das grosse Actionscomite soll nicht aus 23, wie wir es ursprünglich vorschlugen, sondern aus 25 Mitgliedern bestehen. Ich hoffe, dass über diese Aencleiauig keine Diskussion entstehen wird. Eine weitere kbine Aenderung: für die Organisationsbildung soll nicl* die Summe der Schekel in einem Jahre, sondern in zwki Jahren massgebend sein. Das Organisationsstatut soll auch dazu dienen, die Differenz, die zwischen dtn Weltanschauungen der Zionisten und der anderen JiLlen besteht, nicht zu verflachen, sondern zu vergrössero. Denn wir müssen uns dessen bewusst sein, dass mu. von den anderen eine tiefe Kluft trennt und dass ein zionistischer Verein nicht einem der anderen jüdischen Vereine gleich zu achten ist. Ich will nicht flarüber streiten, ob wir eine Partei sind oder eine Bewegung im jüdischen Volke; alles ist richtig, aber nur zum Teil richtig. Aber eins wollen wir im Gedächtnis 1 ehalten, dass wir nicht ein Statut geschaffen haben, wie^s sich die anderen philanthropischen, von Notabein geleiteten jüdischen Organisationen geschaffen haben, sondern den Rahmen für alle diejenigen, die sich radikal unterscheiden von der Weltanschauung aller anderen jüdischen Organisationen, Wir können uns gelegentlich mit ihnen treffen in gemeinsamer Arbeit, aber eine Annäherung an die Idee der anderen Organisationen kann es finrj. uns nicht geben, es sei denn, dass die anderen zu ums kommen. Wenn der Zeitpunkt kommt, wo wir das. Gefühl haben, dass wir uns den Anschauungen der anderen Organisationen genähert haben, dann müsseiii wir uns sagen: es besteht eine Gefahr für den Zionismus und seinen Gedanken, und wir müssen uns dann sagen, dass wir einen Schritt vorwärts zu machen haben. Dazu müssen wir das abstrakte und langweilige -Instrument der Organisation mit wirklichen Gedanken erfüllen. Wir begraben den Zionismus, wenn wir die Organisation als eine Zusammenfassung von Vereinen und nicht als eine Zusammenfassung von Persönlichkeiten mit viiklicher Weltanschauung erfassen, (Lebhafter Beifall.) Vorsitzender Dr. Bodenheimer gibt zunächst eine Erklärung ab: Sie erinnern sich, dass ich in der Debatte über den N. F. die Erklärung abgegeben habe, dass Behauptungen, die von misrachistisclier Seite von der Kongresstribüne erfolgt sind, eine frivole Unwahrheit darstellen. Ich habe mich nach Durchsicht der Akten davon überzeugt, dass die Misrachi-Öelegierten allem Anschein nach in gutem Glauben gehandelt haben. Selbstverständlich lag es mir vollkommen fern, irgendwie die Ehrenhaftigkeit eines Delegierten Iricr anzuzweifeln und ihn kränken oder beleidigen zu wollen. Ich nehme aus diesem Grunde, und da die Herren subjektiv — infolge eines Missverständnisses — ihre Mitteilungen hier gemacht haben, die jene Herren krLnkende Erklärung zurück. (Beifall.) Wir fahren nunmehr iu der Beratungdes Organisationsstatuts fort. Dr. B od en hei mc r legt zunächst dar, wie das Präsidium die Sache zu behandeln gedenkt. Natürlich ist eine Einzelberatung des Statuts in gleicher Weise, wie sie in der Kommission erfolgt ist, unmöglich, da müssfce der Kongress noch acht Tage sitzen. Gemeldet sind zur (Generaldebatte bereits 35 Redner, diese Damen und Herren wolll-en doch irgend welche positiven Abänderungsvorschläge vorbringen. Er werde daher nur das Wort erteilen zur Stellung von Anträgen uud zu ihrer ganz kurzen Begründung. Diese Anträge wird der Organisationsausschuss, der bisher wegen der Tätigkeit des Permanenzaus chusses noch nicht zusammentreten konnte, noch heute prüfen und dann einheitliche Vorschläge dem Kongress unterbreiten. Bei einer anderen Behandlung der Sache besteht die Grefahr. dass durch die Annahme irgend eines Sonderwuu dies an einer Stelle das ganze Fundament des Organisationssba.tuts zerstört wird. Redner halte z. B. nach wie vor die RegeLung der Frage der Sonder verbände für nicht richtig; aber es würde ein Fehler sein, diese Präge noch in diesem Moment zu feiner Kampffrage zu. macheu. Der Vorsitzende richtet au die Delegierten die Aufforderung, seinem Beispiel zu folgen und Sonjerwünsche, wenn sie nicht an die Existenz der Bewegung rühren, nur iickzus teilen. Delegierter Gronemann erhebt Einspruch gegen dieses Verfahren, das eine Präjudizierung des Kongresses bedeute; denn es setze von vornherein voraus, dass er mit dem Statut liu Ganzen sich einverstanden erkläre und nur event. einige Punkt« ändern wolle. Nun ist eine Durchbera-

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