Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 33 (18.8.1911)
- Date
- 1911-08-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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860 , DIE % noch so bescheiden sein, das Werk wird blühen und gedeihen! (Lebhafter Beifall.) Schachte] (zur Geschäftsordnung): Es würde nur die Wirkung des Referats abschwächen, wenn wir in eine Diskussion eintreten. (Zustimmung). Ich halte es für das richtigste, möglichst einstimmig ohne Diskussion die Resolution anzunehmen (lebhafte Zustimmung), das ist keine Missachtung der Frauenarbeit. Wir haben den Frauen in unserer Organisation vollständig gleiche Rechte gegeben. Wir wollen auch hier das Wort gelten lassen : weniger reden und mehr arbeiten! (Beifall). Der Schluss der Diskussion wird fast einstimmig, die Reso lution der Referentin einstimmig unter lebhaftem Beifall angenommen. Auf Antrag von Frau Professor Gott heil wird der Vortrag gesondert veröffentlicht werden. Del. T riet sc h fordert noch nach Schluss der Diskussion das Wort zur Frauenfrage und ruft, als es im geschäftsordnunorsmässig verweigert wird: Der Präsident versteht''«nicht die Geschäfte zu leiten! Der Vorsitzende Bodenheimer ruft den Delegierten Trietsch deswegen unter lebhaftem Beifall zur Ordnung. Der Kongress beschliesst auf Anruf des DeLeoricile;.' Trietsch ausdrücklich, dass er das Wort nicht erhalten soll. Vors. Dr. Bodenheimer: Wir kommen nun zur Beratung des 0 rga n i s at i o n s s t a tuts. Das Oryanisationsstatut Berichterstatter der autoritativen Kommission, Dr. Margulies: Die Kommission, die das Organisationsstatut ausgearbeitet hat, hat vor allem in der Geschichte der Entstehung des Statuts eine bestimmte Richtschnur gehabt. Man hat die Jahreskonferenz in Berlin, die die Organisationskommission eingesetzt hat, nicht mit Unrecht die Friedenskonferenz genannt. «Diese Konferenz hat sich einhellig auf gewisse Gesichtspunkte geeinigt. Sie hat, alle Parteien der Bewegung zusammenfassend, den Versuch gemacht, die Gegensätze, die uns trennen, in möglichst abstrakter Form festzustellen und daraus eine Basis zu bilden, auf der die Gegensätze der Parteien versachlicht werden. Von diesem Friedensgeist haben wir uns leiten lassen. Die Organisationsfrage hat zwei Perioden hinter sich. Wir hatten auf einer ganz anderen Basis aufgebaute Statuten den jeweiligen Strömungen der Bewegung anzupassen versucht und daraus ein Flickwerk gemacht. Die Organisationskommission ist nun zurückgekehrt zu den Formen der Organisation, die wir ursprünglich hatten. Wir haben uns bestrebt, den Rahmen des Statuts so weit zu fassen, dass alle Individualitäten der Gruppenbildung, soweit sie beeinflusst sind durch die Verhältnisse in den verschiedenen Ländern, darin Platz finden. Aber andererseits mussten wir, da wir eine über die ganze Welt verzweigte Organisation haben, die sehr schwer zusammenzufassen ist, uns bemühen, den Rahm 211 so straff zu fassen, dass die Organisation nicht vollständig auseinanderfällt. Weder zu eng, damit nicht kommende Entwicklungen diesen Rahmen sprengen oder behindern, und nicht so weit, class überhaupt keine Organisation mehr vorhanden ist. Wir haben an die Spitze des Organisationsstatuts den Leitsatz des Baseler Kongresses gestellt. Ich habe darüber kein weiteres Wort zu verlieren — das ist unsere Fahne. Wir haben die Organisation aufgebaut auf dem Gedanken des Schekelzahlers, wir haben aber im Statut dem Ausdruck gegeben, dass wir in der Bewegung als solcher den einzelnen Schekelzahler nur soweit anerkennen, als er einem besonderen Verband, Landesverband oder Sonderverband, angehört. Wir müssen versuchen, dem territorialen und dem ideellen Gesichtspunkt gerecht zu werden und haben deshalb beide Gruppen nebeneinander berücksichtigt. Wenn wir die [ELT ■ No. 33 Landesunterschiede als Bereicherung der jüdischen Psychologie anerkennen, so können wir nicht darüber hinweggehen. Die Organisationskommission war der Ansicht, dass die Landesorganisation, aufgebaut auf dem Grundsatz des Zusammenwohnens in dem betreffenden Lande, ein zu starkes Moment darstellt, als dass man darüber hinweggehen könnte. Stellen wir es in den Dienst der Organisation, dann dient es zum Zusammenhang; vernachlässigen wir es, dann wird es ein Widerstand, der ihn zerreissen würde. Wir haben aber nicht übersehen, dass es Ideenbildungen gibt, die ein noch stärkeres Band darstellen können, als diese territorial-soziologischen Zusammenhänge. Freilich dürfen wir ihre Entwicklung nicht fördern über das Mass derjenigen Kraft, die ihnen wirklich beiwohnt. Den Ausweg glaubten wir darin zu finden, dass wir den Gedanken des Landesverbandes als das Normale hinstellen und daneben Bildungen innerhalb des Programms volle Freiheit geben dann, wenn sie eine wirkliche Kraft bilden. Und diese wirkliche Kraft muss darin zum Ausdruck kommen, dass eine gewisse Anzahl von Zionisten, ein gewisser Prozentsatz des Zionismus sich um dieses Programm sammelt. Der Referent betont die Schwierigkeiten, die sich bei dieser Lösung ergeben. Wir sind uns ihrer voll bewusst gewesen und haben diese Lösung trotzdem vorgeschlagen, weil wir der Ansicht sind, dass jede andere Lösung noch grössere Schwierigkeiten verursachen würde. Nun war die weitere Frage zu beantworten: wie soll sich die Willensbildung der zionistischen Weltorganisation ausserhalb des Kongresses betätigen? Das heisst: welche Rechte geben wir den Landesverbänden? Wie sollen sie sich bilden, wie sollen sie ihre Leitung zusammensetzen? und das noch viel wichtigere Moment: die Leitungsfrage in der zionistischen Weltorganisation überhaupt-, und zwar die Leitungsfrage als ein sachliches Problem! Der Gedanke, mit dem wir von allem Anfang an in die Bewegung gekommen sind, war der demokratische Gedanke. Ich hebe das hervor, weil es in der Bewegung vielfach üblich geworden ist, über den demokratischen Gedanken die Nase zu rümpfen und hochmütig darüber zu lächeln. Ich glaube, dass der demokratische Gedanke der Grundpfeiler des Zionismus ist. (Beifall.) Wir, die wir in der Agitation gestanden haben, wissen, dass wir unsere Deduktionen auf diesem Gedanken aufbauen mussten. Er hat uns den Schwung gegeben und die Begeisterung, die wir nötig hatten in unserer mühsamen Kleinarbeit. Und mit diesem Gedanken haben wir das Fundament der Herrschaft des Notabelntums zerstört, das leider in der nichtzionistischen Welt das Judentum repräsentiert; es herrschen die jüdischen Notabein, und zwar nicht die geistigen Notabein, sondern die wirtschaftlichen. Wie weit das führt, das sehen wir daran, dass ein Notabler seine Gemeinde zwingen kann, eines der heiligsten jüdischen Gesetze, das der Gastfreundschaft Juden gegenüber, zu verletzen. (Starker Beifall) Wir sehen, dass die Stiftung eines der grössten jüdischen Männer von einigen wenigen verwaltet wird in einem Geiste, der dem Willen des Stifters direkt widerspricht. Wir wollen die Verantwortung des Zionismus auf möglichst breite Schultern legen-, denn nur die Verantwortung erhöht das Interesse. Wir haben im Statut das grosse A. C. als oberste Behörde des Zionismus erklärt. Aber wir haben dabei