Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1911-08-14 · [Sonder-Ausgabe] Nr. 4 (14.8.1913) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
[Sonder-Ausgabe] Nr. 4 (14.8.1913)
Date
1911-08-14
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3315709-3316458-3316465--54923-3348730
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

No. 4 — - DIE Jozef Jsraels von Hermann Struck. Im rauschenden Kongresssaale ereilt mich die Nachricht: Israels ist gestorb en. Einer flüstert es dem andern zu, und Nordau spricht Worte des Gedenkens. Wisst Ihr aber auch, Zionisten, dass nun der grösste jüdische Künstler die Augen geschlossen? Der Mann, der jetzt still auf der Bahre liegt, bewegte sich strahlenden Auges noch vor wenigen Jahren unter den Zionisten des Haager Kongresses und auch unsere Augen leuchteten vor Stolz, wenn wir auf ihn blickten, der stets sein nationaljüdisc lies Empfinden bekannte und betätigte. Der kleine Mann, den' gebeugten Hauptes, aber in ungebrochener Rüstigkeit bis in die letzte Zeit sich dem künstlerischen Schaffen hingab, war der jüdischste Künstler, den unser ^rolk hervorgebracht hat! An seinem grossen Meisterwerke „Ein Sohn des alten Volkes," das die Zierde des Amsterdamer Museums ist, kann man den so viel missbrauchten Begriff „Jüdische Kunst" definieren. Denn es ist unmöglich, dass ein Nichtjude dieses Bild so gemalt haben könnte! Ein jeder, denke ich, muss fühlen, dass einer solchen und einer so geair teten Tiefe der Empfindung nur ein Jude fähig sein kann. Zu einer Würdigung Ton Israels' Kunst fehlt jetzt noch die Rahe, und ich möchte, wie schon öfters, mit Liebermann (in seiner wundervollen Abhandlung über Israels) ausrufen: „Aber als ich mich Min an die Arbeit machte, sah ich ein, dass ich Israels "viel zu sehr liebe, um über ihn schreiben zu können." Darum sei LiebermaDii weiter zitiert: „Nur ein wirklicher Dichter könnte Israels ganz gerecht werden, denn Israelis Malerei ist ein Farbe gewordenes Gedicht, ein schlichtes Volkslied, kindlich, im biblischen Sinne einfältig., alles Gemüt, Empfindung und nochmals Gemüt!" Dieser kleine Mann, der am königlichen Hofe mit derselben Achtung und "liebevollen Verehrung begrüsst wurde, wie in der Hütte des ärmsten Fischers, dieser Mann war ein Jude, der stolz auf sein Judentum war. Für das Museum unseres Bezalel hat er ein lebensvolles Selbstbildnis gemalt, das zu seinen schönsten Schöpfungen gehört. Er hat den Sabbat geweiht, indem er während seines ganzen Lebens nie amS&bbat arbeitete — ja — wie er mir oft sagte — nicht einmal an diesem Tage sein Atelier betrat. Mit goldenen Lettern ist sein Name in die Mauern des Amsterdamer Museuias eingemeisselt. Aber auch wir dürfen den Namen Jtozef Israels mit goldenen Lettern in die Tafel eingraben, auf der die Grossen unseres Volkes verzeichnet sind, Basel, X. Zionisteibkongress. Allgemeine Studentenversammlung. Herr Dr. Ornstein hatte vor dem Kongresse den Vorschlag gemacht, auf dem Kongresse eine Studentenversammlung zwecks Gründung «eines allgemeinen zionistischen Studentenverbandes zu veranstalten. Zu dieser Versammlung, die am 12. August stattfand-, hatten sich etwa 75 zionistische jgELT — - 853 Studenten aus aller Herren Länder eingefunden. Verbindungen, Vereine, Klubs etc. aus Deutschland, Oesterreich, Englan<l,Holland,der Schweiz hatten ihre Vertret er en tsendet. Prof, Ornstein begrüsste die Erschienenen aufs herzlichste und erörterte hierauf die Gründe, welche einen solchen Verband wünschenswert erscheinen lassen, Es sei jetzt gerade (Sie Zeit dafür gekommen, dass sich die zionistischen Studentwi und Akademiker zusamrnenschliessen, denn für die Propaganda des Zionismus unter der jüdischen Intelligenz seü eine gute Organisation der zionistischen Intellektuellen notwendig — und die Studenten und Akademiker seien eben vorwiegend die Intellektuellen unserer Bewegung. Es sei auch notwendig, nach aussen hin zu demonstrieren, dass die zionistische Intelligenz einig sei in geistiger Hinsicht. lrnd in geistiger, kultureller Beziehung könnte für unser Endziel viel schon im Golus von unserer Intelligenz geschehen, wenn Kulturarbeit nach einheitlichen Prinzipien geleistet werde. Dies erfordere nun ganz besonders eine Organisation. Auch in praktischer Hinsicht könne eine solche (Organisation grosse Bedeutung gewinnen. Es werde nicht nLr in geistiger Beziehung eine VereinheitlLchung von Ost und West in der Studentenschaft durchgeführt werden, sondern auch gerade für die jüdischen Studenten aus Russland gewissermassen eine soziale Hilfsorganisation zur Ermöglichuiig des Studiums an westeuropäischen U niversitäten gebildat werden können. Denn gerade diese stärksten Kräfte der jüdischen Intelligenz sollen erhalten bleiben. — Aus diesen Gründen sei es notwendig, eine Organisation der zionistischen akademischen Korporationen und auch der einzelnem Akademiker zu bilden. Daher rnög-e eine Kommission eingesetzt werden, welche bis zum nächsten Zionistenkemgress die Organisation der zionistischen Akademiker duirchfüh re- Die Tersammlung nahm die Anregung des Herrn Prof. Ornstein freundlich auf. Von Seiten der Studenten aus Holland, de-n an schweizerischen Universitäten studierenden Akademikern aus Russland, von den Studenten aus England wurde einer sofortigen Gründung Sjnnpathie entgegengebracht und das Wort geredet. Seitens der Studenten aus Oesterreich, Galizien und cler Bukowina, auch Seiten seines Teiles d tr Akademiker aus Deutschland wurden teils Bedenken [betreffs des Zweckes der Organisation dihoben, teils Anregungen auf Aenderung und Verdeutlichung des Zieles der Organisation gemacht- Im allgemeinen jedoch fand die Idee seil r freundliche Aufnahme. Schliesslich einigte man sich auf die von skul. Krämer (Zephiratth Czernowitz) vorgeschlagene Resolution, -welche fast einstiminig angenommen wurde: «Die am 12. August tagende Tersammlung zionistischer Studenten begrüsst im Prinzip die Schaff im g ein er allweltlich en zionistischen Studentenorganisation, selxt eine Kommission ein zur Ausarbeitung eines Organisatioitsentwurfes, der in <l«cn zionistischen Organen zu veröffentlichen ist. Die Kommission hat dann von Seiten der Studentenkorporationen eventuelle Vorschläge zur Aenderung dieses Oi^anisationsentwurffts. entgegenzunehmen. Das ganze Material wird dann auf einem allgemeinen Studentenkongress zu verarbeiten sein, welcher über die Gründung einer Organisation die nötigen Beschlüsse fassen soll.» Die E in sei mng dieser Kommission wurde auf eine neue an einem der nächsten Kongresstage abzuhaltende Besprechung verschoben. Mit einem Dankesvotum an Pro£ Ornstein, den Initiator und Propagator der Idee einer grossen Akademikerorganisation, schloss die erste allweltliche Versammlung der zion istischen Studentenschaft. Am folgenden Tage traten die Vertreter d«r einzelnen Korporationen abermals zusammen und beschlossen, die Vorbereitung Hnrrn Professor Ornstein (Universität Groningen) su übergeben, der die weiteren Schritte im Einvernehmen mit den verschiedenen Korporationen und Einzelpersonen tun wird. Sobald als möglich soll ehu autoritative StudentcmVersammlung stadtfinden. Vortrag. Am Montag, 14. August, nachmittags 4 Uhr wird Herr Aliaroni, der Kustos des Naturhistorischen Museums m Jerusalem, in einem der oberen Säle des Stadtkasinos einen öffentlichen Vortrag über das Jüdische Naturhistorische Museum in Jerusalem halten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.