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Die Welt · 1911-08-14 · [Sonder-Ausgabe] Nr. 4 (14.8.1913) · page 15

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
[Sonder-Ausgabe] Nr. 4 (14.8.1913)
Date
1911-08-14
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 4 : DIE2 der fremden Sprache klar zu machen; dass der Unterricht dazu die Schüler anleiten soll, das Hebräische nicht als eine tote Büchersprache, sondern als eine geschichtlich gewordene, stetig sich Portentwickelnde anzusehen — das wären die Aufgaben des Schulyereins, wohingegen der Sprachverein sich bestreben müsste, in allen Volkskreisen durch Schrift und Rede ein lebendiges hebräisches SprachgefüLl zu entwickeln und durch die Erkenntnis, dass das Hebräische eines der köstlichsten Güter unseres Volkes ist, die Begeisterung für jüdisches Volkstum, für die historische Kontinuität und den unzerreissbaren Zusammenhang mit Palästina zu wecken und zu scharfen. Beide Vereine wären aber unzureichend, würden wir ihnen nicht eine Sprachakademieals wissenschaftliche Instanz zur Seite stellen. Jeder Gebildete begreift, wie sehr es uns nottint, eine solche Instanz zu schaffen. Diese Frage ist aber zu einer definitiven Beschlussl'assung noch nicliit reif. Ich stelle daher den Antrag: Das E. A. C. 211 ersuchen, dass es für die weitere Klärung der Frage sich bemühe, bezw. dass es eine Kommission beauftrage, den Gegensland einer weiteren Erörterung zu unterwerfen, insbesondere den Stoff ü her Z we ck und Wesen, ^Bestellung, Einrichtung, Geschäftsbetrieb, Befugnisse und V oLLz ugsgewa lt einer Sprachakademie zu sammeln, zuordnen und die so gewonnenen Ergebnisse einer späteren Versammlung d e s A. C vorzulegen. Indem ich mir vorbehalte, einer m gründenden Kommission manche Details vorzulegen, will ich hier nur auf die allgemeine Bedeutung ei 11 «er solchen Anstalt aufmerksam machen. Will man einer solchen Anstalt jenen helleren Glanz und jene höhere Würde verleihen, welche die Bedeutung unserer Sprache fordert, so wird man ihr alle die gefeiertem Namen und bewährten Kräfte zuführen müssen, «die unter den Lebenden als Meister und Kenner der S prache gelten. Damit erweitert sich dann die Äufgal>e der Sprachakademie ganz ungemein ins Weite und Tiete. Dann treten zugleich alle die Gegenstände hervor, deren Erforschung, Ergründung und Darlegung Selbstzweck der Wissenschaft ist, insbesondere die Geschichte der Sprache, die eigentliche Sprachkunst od tr Sprachlehre, die Aussprache, gewisse Dinge in beziig auf die vergleichende Sprachwissenschaft, die Sprache einzelner Dichter und Schriftsteller, die Herausgabe literarischer Denkmäler, der Wortschatz mit seinem Wechsel, Wachsen und Schwinden und was dergleichen mehr ist. In Palästina ist bereits ein kleiner Anfang gemacht worden, wir begrüssen alle Versuche, wir beteiligen uns mit inniger Sympathie an allen Histadruthformen, aber unser Bestreben und umser — sagen wir — Ehrgeiz fordert es, dass der Zionismus auf all diesen Gebieten das grösste leiste, ftenn nur durch Vereinigung der Diaspora mit Palästina und der hier und dort führenden Geister kann der Nation in vollem Masse jener Nutzen geschafft weiden, den die Befähigung der isolierten Verbände nur andeuten und anbieten und seine Kraft nur zu einem Teil leisten kann. Und um all diese Wünsche einer praktischen Lösung entgegenzuführen, stelle ich als., den einzigen, sofort zu verwirklichenden Antrag: D«er Kongress beschliesse die Schaffung eines Hebräischen Ressorts am Zentralburesu. EELT =---- - 851 Hochverehrter Kongress! Jede Bewegung hat in der ersten Zeit Parolen, aber aus den Parolen ergeben sich Probleme. Man kann nicht für immerdar im Nebel der Allgemeinheiten weilen: man muss an die Dinge herangehen. Wir wissen jetzt, was man tun muss, um in einer Nation, wie es die jüdische ist, Einfluss zu gewinnen. Im Volk des Buches werden Sie nie ohne Buch vorwärts kommen. Das ist der Schlüssel zum jüdischen Herzen. Arbeiten wir nach dieser Richtung! Der Erfolg kann uns nicht fehlen. Wir werden siegen und durchdringen, wenn wir mit vollem Ernst bemüht bleiben, den wichtigsten Besitzstand unseren nationalen Kultur, die Sprache wieder zu gewinnen. Eine Nation ohne Sprache ist national taubstumm. Mit der Sprache bauen wir das Volk und durch das Volk Palästina. Für diese ganze Bewegung bauen wir auf das Wiedererwachen und Erstarken des jüdischen Selbstgefühls, das ja sichtlich im Gange ist; nur muss man mitwirken mit freiem, gutem Willen und zäher, stiller Begeisterung. Ich meine also, dass die Förderung unserer nationalen Sprache eine Angelegenheit ist, der jeder Zionist, ja jeder Jude — beide Begriffe sind für mich identisch — mit ganzem Herzen sich hingeben sollte und dass diese Hingabe die Zwecke des Zionismus nach allen Richtungen nur fördern kann. Ich bitte also meine Anträge als Resolutionen des Kongresses grundsätzlich anzunehmen. (Stürmischer, minutenlanger Beifa 1 h) Vorsitzender Uss ischkin (hebräisch): Ich bitte die folgenden Redner, ihre Reden so zu halten, dass auch die nach folgend Gemeldeten noch Zeit erhalten, nach dein alten pdisehen Grundsatz : Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Dr. Nacht (hebräisch): Die Eroberung' der Gemeinden durch die hebräische Sprache liegt im Bereiche der Möglichkeit. Das IIebräischsprc<c3ien ist für uns ein wichtiger, aber nicht der einzige Grundsatz. Die Sprache ist nur ein Mittel zur .Erhaltung der Thora. Wir entstammen alle den Talmudlehrhäusern und können auf die dort aufgespeicherten Schätze nicht verzichten. BrenneA Auffassung müssen wir aufs schärfste zurückweisen. Auch Herr Ussischkin hat ein Institut geschaffen, das nicht so liandelt, wie es sollte. Auch bezüglich der Sabbatruhe sind hier gestern nicht zu billigende Aeusserungen gefallen. Wir haben Glauben und verzweifeln nicht. Wir können nur jüdisches Epikuräertum dulden, aber nicht nach Brenners Art. Ussischkin : Ich ersuche den Redner, zu Sokol&ws Re - ferat zu sprechen und nicht Privatpersonen hineinzuziehen. Dr. Nacht: Die „Histadruth" ist bestrebt, die Helvraisierung der jüdischen Familie zu verhindern. Man kann iuich ein „Am Haarez" sein, wenn man Hebräisch versteht. Ma.11 muss auch den Inhalt nicht ausser Acht lassen. Herr Sokoknv hat den Fehler begangen, uns die Mittel zum Zwecke und die Art der Ausführung nicht angegeben zu haben. Das einzige Mittel ist die Gründung von Vereinen in jeder Stadt, wo üionisten wirken, welche für die Verbreitung der hebräischen Sprache sorgen und auch die Kenntnis der alten und neuen hebräischen Literatur verbreiten sollen. Es ist ein Antrag eingegangen, die Redezeit auf 10 Minuten zu beschränken. S y r k i n widerspricht. Der Kongress beschliesst die Beschränkung auf zelin Minuten. Dr. Samuel Daiclies : Se hajom, assa Adonai nagila w'nismecha bo — Das ist der Tag, den Gott gemacht, an demirir uns freuen und jubeln. Viele von uns hatten, sich daran gewöhnt, die Kultur frage als einen Stein des Anstosses zu betrachten. Noch vor wenigen Tagen hatten wir gefürchtet, dass das Hineinbringen der Kultur frage in den Kongress eine Gefahr für die Organisation bedeuten würde. Dieser Kongress hat gezeigt, dass dies ein grosser Irrtum war. Der X. Kongress hat uns sdhon gezeigt, dass die Kuiturfrage die erste, die bedeutendste Frage un-

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