Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- [Sonder-Ausgabe] Nr. 4 (14.8.1913)
- Date
- 1911-08-14
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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No. 4 DIE^ELT 49 und Verschönerung bilden einen integrierenden Teil unseres Arbeitsprogramms. II. Die Hebräisierung des orientalischen Judentums durch Schulen, Vereine, offentliche Vortrage etc. ist die dringendste Kulturpflicht dfcs Zionismus» III. In den1 Diaspora haben, nach unserer Auffassung, die Gemeinden diePflicht, das jüdische Bewusstsein zu erhalten und zu kräftigen, d& aber dies es Bevvus sfcs ein hauptsächlich in lerhebräischen Sprache wurzelt, so ist diese Sprache mit allen erdenklichen Mitteln zu pflegen. Diejenigen ron uns, die sichanGemeindeleitungen beteiligen, haben die Pflicht, die Erkenntnis dieser Notwendigkeit durch die Wiedereinführung des Hebräischen zur Tat zu gestalten. IV. Der Zionismus hat die Eirenpflicht, in all seinen Institutionen, Bureaus und Vereinen im dieser Beziehung vorbildlich zu wirken. V. Jeder Verein hat für die Einrichtung von hebräischen Schulen und Sprachkursen zu sorgen und dasZentralbureau übernimmt die Pflicht, das nötige Material zu liefern. Fjir die Erreichung dieser Zwecke stelle ich folgenden Antrag: Der X. Zionistenkongress anerkennt clie Notwendigkeit, einen hebräischen Schulverein zu gründen, der die Wiederbelebung der hebräischen Sprache als gemeinsamer INsitionalsprache des jüdisclten Volkes bezweckt. Dieser Zweck soll erreicht werden durch: a) Errichtung von hebräischen Freisein!len, die nach Massnahme der Mittel zunächst in den Grossstädten errichtet Vörden und in denen der Unterricht unentgeltlich erteilt werden soll. Das Hebräische soll in diesen JYeischulen wie eine lebende Sprache nach einem einheitlichen Lehrentwurf gelehrt werden. b) Vorbereitende Schritte zur Erhaltung bestehender Schulen mnd zur Gründung neuer hebräischer Mittelunl Hochschulen in Palästina und womöglich auch in der Diaspora. c) Drucklegung und Subventionierung hebräischer Lehr- und Lesebücher für den Gebrauch der Freischulen, der zu gründenden Lehransialten und des Privatunterrichts. Zur Deckung cter Ausgaben nimmt der projektierte Verein jährliche Mitgliedbeiträge in Aussicht. Der Verein wird von Zionisten gegründet and wird vom ZentralbuTeau aus mit dem nötigen Material unterstützt. Ausser dieser pädagogisch-kulturellen Arbeit müssen wir für die Sprache selbst sorgen. A^nch in dieser Beziehung halU ich es für notwendig, zunächst die Prinzipien aufzustellen und dann die sich hieraus ergebenden Anträge zu machen: I. Es ist unsere Pflicht, die Spracke zu wahren, sie vom Fremdartigen zu säubern und durch eine sorgfältige Entwicklang der in ihr vorhandenen Keime sie zu immer grösserer Leistungsfähigkeit auszubilden. II. Die Dinge sind das erste, das zweite aber sind die Worte; wenn die Dinge mehr werden, muss auch die Zahl der Worte grösser werden; w&nn der Dinge Gestalt sich verändert, müssen auch die Worte etwas anders werden, Die Worte sind also wie ein Kleid, das sich nach seinem Besitzer richtet und mit seiner Veränderung auch verändert werden muss. Unsere Sprache ist so reich, dass man selten uansonst sucht, wenn man mir wirklich sucht. Es feilt vielen von uns nur leider viel zu sehr an traditionellem Wissen und nationalem Selbstgefühl; wir sind so sehr von anderen Kulturen abliLngig, dass wir immer y-on demütiger Bewunderung vot dem Fremden uns erfüllen lassen, während wir vieles in unserem eigenen Schrifttum finden können. Es wird manches Gute geschaffen, aber oftmals stolpern wii über willkürliche und geschmacklose Novitäten. Es werden nicht nur Sprachfehler, es werden auch Spr&chfrevel begangen. IV. Die Wortbildnerei muss geregelt werden. Unsere nationale Sprache vereint reine Ursprünglichkeit und Weiterbildsamkeit und hohes Alter mit jugendlicher Frische. Sie ist ein Werk aus einem Gkiss und Pluss. In der Teilbarkeit, Versetzung und Zusammensetzung besitzt unsere Sprache eine Vielgestalt, die sich wendet und kehrt und nach allen möglichen Richtungen fortschreitet. Als Ursache ha1 sie eine Klarheit zur Mitgift, die jeder Lehnsprache mangelt. Sie ist anschaulich gebildet und lebt im AnscLuien. Sie senkt sich in die Tiefen des Gemütes*, sie hat kindliche Einfalt treu bewahrt, ist bündig in der Darstellung, erbaulich in <Ur Rede und kernig im Sprucli Sie lässt in Wissenschaft und Kunst niemals Kenner und Könner im Stich, sie kann, treu gepflegt, mit dem Entwicklungsgange Schritt halten, für jede bessere Gestaltung unseres Voltes passen, für jede Lebensfül.le zureichend sein und mit dem Wachstum des Volkes an Bildsamkeit zunehmen. Nur müssen die Wortbild ner auf die Urgesetze der Sprache Rücksicht nehmen, Niemand hat Fug im fragen: Hat schon jemand so gesagt? Man muss prüfen: Darf man so sagen? Ist es besser nicht auszudrücken? Man muss also zunächst den ganzen Sprachschatz kennen. Im Erwecken scleintoter Urwörter liegt eime wahre Mehrung und Sprach Stärkung, Kein Wort ist für ausgestorben zu achtem. Begrabene Wurzeln, eile noch grün sind und in volkm Wachstum neue Stämme, Aeste und Zweige treiben können, bringen Segen mid Gedeihen. Jedes wieder in Gebrauch kommende Wort ist eine reichhaltige Quelle. Ein nicht zu verachtendes Hilfsmittel zur Bereicherung unseres Sprachschatzes bilden auch unsere hebräischen Eigennamen — die (resamtsprache hat hier Fundgruben und Hilfsquellen, die wahren Sparbüchsen und Notpfennige des Sprachschatzes. Das hebräische Namen System ist das möglichst entwickelte und mit der feinsten Systematik durchgefühlte. Alle unsere Namen hatten ursprünglich eine tiefe sinnvolle Bedeutung. Was unserer Ahnen Geist, Herz und Sinn erhob und bewegte, was ihnen hoch und hehr, gross und schön erschien, cäas Hessen sie in den Namen wiederklingen, die sie ihren. Kindern alsbald nach der Greburt als erstes Angebinde, als dauernden Besitz und bleibenden Schmuck fürs Leben beilegten. Benützen wir diesen Stoff in der Sprache und nebenbei bemerkt: wagen wir es, uns auch wieder hebräisch zu nennen, auch, wenn das gegenwärtig nicht üblich ist. Es gibt etwas Höheres als willenlose blinde Unterordnung unter das „Uebliche"» das ist ein erkanntes Uebel bekämpfen mit dem Mute der Tat. Der Mensch kann, was er will. Wollen wir nur! Die Tatsache der Entjudung (kr Namen beruht auf der breiten Grundlage der Naclahmungssucht. Es ist wahrlich nicht schön, dass wir so oft und so bereitwillig unseren Vaternamen verleugnen,