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Die Welt · 1911-08-14 · [Sonder-Ausgabe] Nr. 4 (14.8.1913) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
[Sonder-Ausgabe] Nr. 4 (14.8.1913)
Date
1911-08-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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gedeiht und in Palästina arscheinen die alten und häufen sich neue Zeitschriften und Broschürenserien, die uns das Unmittelbarste vermitteln, den Erdgeruch Palästinas. Und der Milon Ben-Jehudas, dieses unglaubliche Riesenunternehmen eines Einzelnen, schreitet vorwärts. Ich könnte auch noch unseren alten wackern Verein Mekize Nirdamim erwähnen, der in den letzten Jahren die Herausgabe alter Manuskripte mit grosser Tüchtigkeit zu betreiben begann, aber ich kann hier nicht vollständig sein. Ich möchte nur noch ein Wort über ein älteres Projekt sagen. Vor Jahren habe ich von dieser Tribüne aus eine hebräische Enzyklopädie angekündigt; ich glaubte Grund zu haben, die Sache als gesichert zu betrachten, aber die Voraussetzungen sind nicht eingetreten und das Projekt harrt noch seiner Verwirklichung. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Von anderer bewährter Seite wurde eine judaistische Enzyklopädie in hebräischer Sprache angekündigt; auch dieses hoekbedeutende Unternehmen ist nicht zustande gekommen. Ja, es ist eben wie mit allen grossen Projekten, die von dieser Tribüne aus angekündigt worden sind: Nickt alle konnten verwirklicht werden, nicht alle in dem beabsichtigten Umfange verwirklicht werden. Das schadet nicht; daraus wird man niemanden einen Vorwurf machen. Man inuss nur wollen und arbeiten, man muss nur eine anhaltende Aufwärtsbewegung sein und sich nicht in den Schmollwinkel setzen, wenn man seinen Grundsätzen nicht sofort Geltung verschafft. Und spricht man von Arbeit, so soll es gesagt werden: Nirgends sehen wir eine so unentwegt systematische Arbeit, die sich Achtung erzwingt, nirgends so konsequent durchgeführte Bemühungen, wie auf dem Gebiete unserer Volkskultur. Seht euch doch die Fortschritte der hebräischen Redesprache an! War noch vor einigen Dezennien der Träger der hebräischen Literatur der hausierende Meckabber, so war der Vertreter der hebräischen Rede der exotische Meschulach oder der Wunderrabbi an Sabbattagen — etwas Weltfremdes, Abenteuerliches, Wir selbst haben diese Entwickelung durchgemacht, wir selbst haben an ihr mitgeschaffen. Ich erinnere mich, als ich vor dreissig Jahren in einer Versammlung hebräisch sprach, sagte mir ein kritisch gerichteter Freund: Sie sind ein Träumer — meschugge wollte er sagen, nur wählte er ein milderes Wort. Vor zehn Jahren "sagte er mir bei ähnlicher Gelegenheit: Sie sind ein Poet, und jetzt macht er mir Komplimente, ich sei ein Prophet gewesen» Nein, lieber Freund — nur ein ganz gewöhnlicher Jude, nur ganz ungekünstelte, freilich nicht dumme Juden waren wir alle, die sagten: Ohne Rede wird der Sprachleib zum Sprachleichnam und ist die Schriftsprache die höchste Anwaltschaft der Sprecheinheit, so bleibt die gesprochene Sprache der dazu höchst nötige Lebensstrom. Wir begannen zu sprechen und viele lachten. Hier in Basel sagte mir jemand auf einem der ersten Kongresse, er habe den Eindruck, als ob ich zu ihm „dawente" (orte) — die Töne klangen ihm so synagogal. Scheut Euch jetzt heräm, und ihr werdet sehen, wohin die Linie zionistischer Entwickelung läuft! Wir hatten „Safa- Brurah-Vereineu, wir haben jetzt in Rassland gegen fünfzig „Chowewe-Sfas-E wer- Vereine", wir arbeiten zuletzt an der „Histadruth Lesafah Uletarbuth Ibrith" und „Hatechijah" — eine grosse hebräische Verlagsgesellschaft, bei der sich grosse Mäzene hebräischen Schrifttums zusammenfinden, soll gegründet werden. Ich könnte sagen: Nach so wenigen Jahren des Wirkens sind unsere Erfolge grösser fast, als vorher kühnste Hoffnung erwarten konnte. Wo in der Welt ist eine alte Sprache im Laufe einiger Dezennien lebendig geworden? Ich könnte sagen, wir, die national-kulturellen Zionisten, sind zu einer Macht herangewachsen, mit der man wohl oder übel rechnen muss, und die nicht weit hinter uns liegenden Zeiten sind gründlich vorbei, wo man wähnen durfte, man könne diese Bewegung totschweigen oder mit ein paar seichten Spässchen abfertigen. I)iese Sachlage bezeichnet gewiss einen höchst erfreulichen Fortschritt. Zugleich aber erwächst aus ihr die ernste und dringliche Mahnung, dass wir nun um so fester halten an den Grundsätzen, denen wir unsere bisherigen Erfolge verdanken. Ich gehöre nicht zu den. Zufriedenen. Ist es auch unter uns Zionisten in dieser Beziehung etwas besser geworden — „was sind wir, wenn wir allein sind?" Wir müssen ja das ganze Volk gewinnen — und draussen sieht es düster aus mit dem jüdischen Nationalbewusstsein und mit der Nationalsprache! Im Westen ist Hebräisch eine Reliquie, in Russland — ist es bedroht. Die gelehrten Vertreter der Wissenschaft des Judentums schreiben in allen möglichen Sprachen, nur nicht in ihrer eigenen. Die jüdischen Gemeinden führen ihre Bücher und ihre Korrespondenz in allen Sprachen der Welt, nur nicht in ihrer eigenen. Man müsste ein Mezzofanti sein, um die Chronik des jüdischen Lebens in letzter Zeit noch verfolgen zu können. Wir verstehen einander nicht mehr und damit ist alles aufgelöst. Der Mangel einer gemeinsamen Sprache, die hebräische Sprachentfremdung ist die grösste unserer Schwächen. Hier müssen wir eingreifen, hier gilt es national zu wirken und Zionismus zu schaffen. Es war gut, dass die hebräische Histadruth in der Eröffnungsrede des Kongresses begrüsst worden ist. Ich hoffe, dass die Histadruth Gutes leisten wird; nach literarischer Richtung knüpfe ich besonders grosse Erwartungen an Techijah; ich möchte auch eine grosse Ausdehnung der Chowewe Sfas Ewer sehen. Aber nicht auf die Form, sondern auf den Inhalt kommt es an. Der Zionismus muss hier aktiv sein. Es gilt alle Bemühungen zusammenzufassen und durch das grosse Gewicht gemeinsamen Bestrebens und Willens der guten Sache dienen. Denn nur mit vereinten Kräften ist der Sieg zu gewinnen. Viel geistige Tat und viele materielle Mittel sind erforderlich, um das Ziel zu erreichen; deshalb kann eine einzelne Institution nur wenig, eine einheitliche Bewegung aber Vieles und Grosses erringen. Zunächst für Palästina — denn wo drückt sich der süsse Klang unserer Sprache inniger aus, wo drängt sich ihre bezwingende Gewalt mächtiger zum Herzen, wo ist es so geboten und möglich, die ganze Sprache aurleben zu lassen wie dort? Aber wir müssen auch hier alles anstreben, damit wir wenigstens einen Teil erreichen. Hochverehrter Jfongress! Der Worte sind genug gewechselt worden; wir wollen Taten sehen, aber den Taten gehen Gedanken voran. Ich werde es versuchen eine Reihe von Thesen und eine Reihe von Vorschlägen darzulegen. Thesen. I. Die Verbreitung und Verlebendigung der hebräischen Sprache in Palästina, ihre Geltung — neben der Staatssprache — als Schrift- und Volkssprache, ihre Förderung

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