Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- [Sonder-Ausgabe] Nr. 4 (14.8.1913)
- Date
- 1911-08-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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No. 4 --— DIE] Sekretär Li, Ro s enb lütli verliest die Thesen Katzenelsol n. Vorsitzende Dr. Bodenheim er: Wer für die Thesen ist, möge die Hand erheben, (Nach einer Pause): Angenommen. (Lebhafter Beifall.) Wir kommen zum Antrag rErietscb. Genügt Ihnen, Herr Trietsch, dass Ihr Antrag der künftigen Leitung überwiesen wird? Delegierter I r i e t s c h (Unruhe, Lärm und Zwischenrufe): Meine Herren! So pflegt man Anträge zu behandeln, die Bagatellsachen betreffen. Mein Antrag unterscheidet sich, von den vorhergehenden dadurch, dass hier die Auswanderung nach dem Orient die Hauptsache ist, dort aber äie letzte kleine Nebensache. (Unruhe). Dr. Bodenheiiner: Ich lasse also abstimmen. Delegierter Barth: Ich beantrage über die Resolution Trietsch erst dann abzustimmen, wenn die Finanzfrage gekürt ist. Der Antrag wird abgelehnt. Der Vorsitzende lässt nunmehr über einen Antrag, die Resolution Trietsch der Palästinakommission zu übergeben, abstimmen. (Lärm, Unruhe, zahlreiche Zwischenrufe. Dr.. Margulies: Ich protestiere gegen diesen Abusus.) Da die Abstimmung zweifelhaft ist, wird sie wiederholt, und der Antrag mit 86 gegen 76 Stimmen ange no mm en, Delegierter Motzkin: Es wäre merkwürdig, wenn der Kongress über alle diese Anträge hinweggehen sollte, ohne Stellung zu nehmen. Ich beantrage die Einsetzung einer fünfgliedrigen Kommission, welche die ganze Frage studieren soll. Die Kommission soll aus folgenden Herren bestehen: Böhm, Ussischkin, Dr. Katzenelsohn, Dr. Marmorek und Motzkin. Wir werden uns cäaim auf eine gemeinsame Resolution einigen. Dr. Wald mann: Diesen Antrag haben wir vorhin nicht gekannt. Ich beantrage deshalb, class der Antrag Trietsch dieser Kommission, nicht der Palästinakommission, überwiesen wird. Kapianski: Ich unterstütze den Antrag Motzkin mit der Abänderung, dass wir zunächst das Prinzip der Kommission annehmen und dann die Personen vorschlagen. Ich bin mit der Zusammensetzung der Kommission nach dein Vorschlag Motzkin nicht einverstanden. Ich stelle fest,, dass eine ganze Reihe von Rednern, unter anderen auch Mitglieder unserer Fraktion, wichtige Anträge umterbreiten wollten. Ich erhebe Einspruch dagegen, dass der Kongress einen einzigen Redner angehört hat, ohiiö den andern Gelegenheit zu geben, sich zu äussern. Ich bitte, diese Kommission einzusetzen und ihr die Möglichkeit zur Arbeit zu geben. Ich beantrage gleichzeitig, eine siebengliedrige Kommission zu wählen. (Beifall.) Vorsitzende! Dr. Bodenheimer: Ich wundere mich, dass ein Vertreter der allerdemokratischesten Fraktion gegen die Souveränität des Kongresses Protest erhebt. (Unruhe,) Es werden hier viele Zwischenrufe gemacht. Ich muss mir entschieden verbitten, dass der Vorsitzende in solcher Weise behandelt wird, wie dies hier geschieht. Ich glaube, man müsste den Antrag Kaplanski dem Peraianenaausschuss übergeben, der die Kommission zusammenstelle fit soll. Dr. Margali es: Ich stelle den Zusatzantrag: Die Kommission h^t heute oder spätestens morgen früh dem Kongresszu referieren. KaplanskL: Da die Angelegenheit beschleunigt ergELT — 845 ledigt wird, so beantrage ich. dass die Kommission ebenfalls in beschleunigter JForm gewählt wird. Vorsitzender Dr. Bodenheimer: Es wird beantragt, die Kommission sofort zu wählen und zwar nach folgender Liste: Dr. Katzenelsohn, j\Co t z k i n , Zuck ermann, Dr. Pasmanik, Dr. 0. Thon, Brutzkus und Luba rsky. (Zwischenrufe: Trieisch!) Herr Motzkin erklärt sich mit der Kommission einverstanden, ich lasse also abstimmen. A n g e iL o m m e n. Die Kommission wird sofort zusammentreten. Dr. Marg uli es: Ich beantrage, in die Kommission Herrn Trietsch hineinzuwählen. Delegierter Syrkin: Ich wundere mich, dass ein Delegierter Herrn Trietsch in irgend eine Kommission des Kongresses vorschlägt. (Unruhe). Wir müssen doch etwas Pietät für den Mann haben, der unser Führer war. (Lärm und Zwischenrufe). Dr. Bodenheimer: Ich bitte um Ruhe. Wir werden abstimmen. Es wird beantragt, Herrn Trietsch in diese Kommission zu wählen. Der Antrag ist angenommen. Die nächste Sitzung beginnt um 4 Uhr nachmittags mit der angekündigten Tagesordnung. Ich schliesse die Sitzung. Schluss der Sitzung ll/i Uhr mittags. Achte Sitzung. Sonntag, den 13. August, Nachmittags 4 Uhr. Vorsitzender Ussischkin eröffnet die Sitzung um 4 Uhr in hebräischer Sprache. Diese Sitzung wird im ganzen der wichtigen Frage der geistig-kulturellen Renaissance gewidmet sein. Bevor ich Herrn Sokolow zu seinem Referat das Wort erteile, ersuche ich den Sekretär, einige Mitteilungen zu machen. Sekretär Dr. RosenblütIi teilt mit, class Montag Abend der Vortrag dos Herrn Dr. Zollschan über das R a s s e n - problem und die Judenf rage stattfinden wi rd. Jacobus und Anna Kann teilen telegraphisch mit, dass sie den verstorbenen Maler Jozef Israels in das goldene Buch eintragen. Vors. Ussischkin: Das Wort hat Herr Sokolow. (Stürmischer, sich immer von neuem wiederholender Beilall.) Referat Sokolow. (In hebräischer Sprache.) Hochverehrter Kongress! Es gab eine Zeit, in der wir unsere nationale Sprache wie einen Augapfel wahrten und pflegten. Sie wurde nicht nur in ihrem Lande in grauer Vorzeit geschützt und erhalten, sondern auch in den Ländern fies Exils, nicht nur in Synagogen und Lehrhäusern, sondern auch in Gemeindestuben und in den Familien, in Jen Wohnräumen der Reichen und in den Hütten der Armen uberall, wo ein jüdisches Herz schlug. Man labte sich an ihr, man gab sich alle erdenkliche Mühe, ihre Gesetze zu erforschen, ihren Geist zu erfassen, die feinsten Regungen und Töne ihr abzulauschen. Es gab eine Zeit, als sie betete, sang, lehrte, erzog und unterrichtete in Glaube und G-eschichte, im Leben des Volkes und in den Angelegenheiten der Gemeinden. In dieser Sprache schrieb der Rabbi seine Tlioraerklärungen, der Forscher die Ergebnisse seiner Studien, die Kehillah ihre Erinnerungen und Meniorbücher; jeder Verein, klein oder gross, es mochte auclh. nur ein Verein von armen Handwerkern gewesen sein, das allererste, was er tat, war die Anlegung eines „Pinkas" mit einer schönen Einleitung, ja auch mit Programm, Geschäftsordnung und Organisationsstatut — and es war