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Die Welt · 1911-08-14 · [Sonder-Ausgabe] Nr. 4 (14.8.1913) · page 6

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
[Sonder-Ausgabe] Nr. 4 (14.8.1913)
Date
1911-08-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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842 DIEÄELT No. 4 nicht Illusionen hingeben können, schon angesichts der Tatsache, dass wir schon 14 Jahre an dem offiziellen Zionismus arbeiten, vom voroffiziellen nicht zu reden, und noch nicht absehen können, wann eigentlich das gesamte Judentum mit uns geht, so können wir die Antwort nicht erteilen in bezug auf die Lebenslage derer, die so bedrängt sind, dass sie auswandern müssen, die nicht warten können. Wenn es eine Aufgabe gibt, die zur Erhaltung des jüdischen Volkes weiter beiträgt, so ist es die palliative Regelung der Auswanderungsfrage; schon diese ist von ungeheurer Wichtigkeit. ad 2; Sollen wir daran arbeiten als Juden oder als Z i o n i s t e n? Es ist selbstverständlich, dass wir im grossen und ganzen daran als Juden zu arbeiten haben; aber es gibt Momente, in denen wir unbedingt den zionistischen Standpunkt festlegen müssen. Es ist ein charakteristischer Prozess, dass die Juden sich konzentrieren. 92% der Juden, die nach London eingewandert sind, wohnen in nur zwei Stadtteilen; ähnliche Verhältnisse sind in Newyork, Chicago, Philadelphia, einer Reihe anderer Städte. Diese Verhältnisse resultieren neben wirtschaftlichen Verhältnissen aus nationalen Stimmungen Nun kann es aber kommen, dass die Auswanderung eine andere Richtung nimmt, dass man die Juden zu zerstreuen strebt und dass man das entgegen dem innersten Willen der Juden auch erreicht. In den letzten Jahren ist es zweifellos das Bestreben der Juden, die ganz oder halb assimiliert sind: dass man die Juden doch so zerstreuen könnte, dass sie überall in dem Milieu untergehen. Ganz unmöglich ist es historisch nicht, dass das Judentum dann untergeht. Nun haben wir freilich schon grosse jüdische Zentren, aber man kann sie zersplittern. Wird aber die Quantität immer geringer und geringer, so wirkt das auch dahin, dass die Qualität des Volkes geschwächt wird. Dem Einzelnen wird vielleicht geholfen werden, dem jüdischen Volk wird der grösste Schaden, ein historisch vielleicht unverbesserlicher Schaden zugefügt (Zustimmung). Können wir als Zionisten gegenüber solchen Erscheinungen ruhig dastehen? Und darin werden uns auch diejenigen unter den Nichtzionisten helfen müssen, die das Judentum erhalten wollen. Daher ist es vom zionistischen Standpunkt wichtig, dass wir uns an allen Bestrebungen beteiligen, die die Auswanderung befördern. Hier gilt es zu verhindern, dass etwas gegen die nationale Arbeit geschaffen wird, und darum müssen wir uns in vollem Masse daran beteiligen. (Beifall.) Daher werden wir uns klar werden müssen, wie wir uns bei einer etwaigen Organisierung der Gesamtauswanderung zu verhalten haben. Die Aufgabe der Regelung der Organisation ist von einzelnen aus unseren Reihen schon lange vor der Frankfurter Konferenz zur Erörterung gestellt worden. Ich habe schon 1903 den Versuch gemacht, in Petersburg die Ica zu bestimmen, an diese Aufgabe heranzugehen. Die Anerkennung der Auswanderung ist zum Teil für diese die Anerkennung der Judenfrage. Für uns liegt die Judenfrage viel tiefer, für uns ist die Auswanderungsfrage nur eine Einzelheit der Judenfrage; aber für die Elemente, die überhaupt nicht eine Judenfrage anerkennen wollen, war schon die Aufrollung der Auswanderungsfrage etwas sehr Unangenehmes, denn sie mussten damit wenigstens einen Teil der historischen Tatsache zugeben. Im Laufe der Jahre haben sie es nicht nur zugegeben, sondern sie sind selbst in die Durchführung der Auswanderungsfrage hineingegangen, und sie haben in technischem und materiellem Sinne viel geleistet. Es ist nicht richtig, dass sie nur vom bureaukratischen Standpunkt die Sache behandelt haben; 400 Kommissionen arbeiten in Russland. und auch ausserhalb Russland haben andere Gesellschaften viel geleistet. Was sie aber nicht geleistet haben — und das führt zur Antwort auf die dritte Frage —, das ist, dass sie überhaupt kein Prinzip für ihre Tätigkeit aufgestellt haben, und, soweit sie es getan haben, war es ein entnationalisierendes und kein nationalisierendes, und dem müssen wir entgegentreten. Darum sollten wir Zionisten uns nicht gleichgültig gegen den Plan einer Gesamtorganisierung der Auswanderung stellen, in Form eines Emigrationskongresses. Ein solcher Kongress wird, und das ist das besonders wichtige, eine Demokratisierung dieser Arbeit herbeiführen und damit eine Nationalisierung. Wenn das jüdische Volk darüber zu sagen und zu urteilen haben wird, dann wrird das im nationalen Sinne ausfallen. (Zustimmung.) Wenn nun eine grosse Reihe, wenn nicht alle Vertretungen der Juden, Organisationen, Gemeinden und grossen Gruppen zusammenkommen, dann ist für uns eine Tribüne geschaffen, auf der die gesamte Regelung der Frage besprochen werden könnte. Darum möchte ich auf die technischen Einzelheiten eingehen und meine Gedanken in folgenden Sätzen formulieren (liesst): Der Zionismus erblickt in der Wanderung der jüdischen Massen nicht nur ein Resultat allgemeinwirtschaftlicher Verhältnisse, sondern in erster Reihe eine Folgeerscheinung der historischen Judennot. Der Zionismus glaubt darum, dass die endgültige Lösung dieses Problems historisch mit der Lösung der Judenfrage, d. h. mit der territorialen Konzentrierung in Palästina verknüpft ist. Die zionistische Organisation glaubt jedoch an die Möglichkeit dieser Lösung erst für jenen Zeitpunkt, in dem der Zionismus einerseits die gesamte Judenheit repräsentieren und über ihre Machtmittel verfügen, andererseits im Orient, speziell in Palästina noch weitere positive Leistungen aufweisen wird. Für die nächste Zukunft erblickt der Zionismus in jeder Erleichterung und Regelung der Emigration eine temporäre Lebensfrage der bedrängten Massen, an der Vertreter aller nationalen Gruppen mitzuarbeiten verpflichtet sind. Von unserer Gesamtauffassung ausgehend, sehen wir jedoch in jedem Streben, das auf die Zerstreuung und Pulverisierung der Judenmassen ausgeht, eine antinationale Tendenz, welche geeignet ist, die Auflösung des jüdischen Volkstums zu fördern, und die jüdischen Massen zu entnationalisieren. Sowohl aus diesem Grunde als aus verschiedenen anderen, schliesst sich der Zionismus allen Bestrebungen nach Gesamtorganisierung und Demokratisierung der Äuswanderungshilfe an. Er glaubt, dass es eine Reihe produktiver Anregungen und wichtiger Reformen auf dem Gebiet des Auswanderungswesens gibt, die nur infolge eines Meinungsaustausches der verschiedenartigsten Elemente zutage gefördert werden können. Der Zionistenkongress begrüsst darum mit Freuden die Idee des Emigrationskongresses und mahnt alle Elemente im Judentum zu einer Beteiligung am Kongress. Der Zionistenkongress fordert das künftige A.-C. auf, falls ein Emigrationskongress zustande kommen sollte, der Gewähr dafür bietet, dass an

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