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Die Welt · 1911-08-13 · [Sonder-Ausgabe] Nr. 3 (13.8.1911) · page 17

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
[Sonder-Ausgabe] Nr. 3 (13.8.1911)
Date
1911-08-13
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Sanierung gestellten Anträge, sowie die Tätigkeit der einzelnen Abteilungen des Zentralbureaus. Ueber die literarisch-propagandistische und kulturelle Tätigkeit wird berichtet, dass deu jüdische Verlag in rascher Aufeinanderfolge eine Anzahl neuen1 Werke herausbrachte, und zwar: Dr. Pas man ik, „Die Se feie Israels", Dr. Heinrich Loewe, „Die Sprache der Juden", CJi, N. Bialik, Gedichte (deutsch von Dr. Ernst Müller), Dr. Arthur Ruppin, „Die Juden der Gegenwart", und Hermann Blumenthal, „Jünglingsjahre"; ferner gelangten der von der Wiener „Bar Kochba« edierte Jüdische Almanaeh 5670, Dr. Max Nondaus Vortrag in Hamburg, „Das Judentum im 19. und 20. Jahrhundert" und die Broschüre von Dr. Max Besser, „Die Juden In der modernen Rassentheorie" zur Ausgabe. Die Palästinanununier der „Welt" wurde umgearbeitet und ins Englische übertragen, ebenso wie eine englische Broschüre vorbereitet wird. Auf dem Londoner Rassenkongress war die Organisation durch die Herren Dr. Gaster, Sir Francis Montefiore und Dr. Zollschan vertreten. Der Bericht würdigt weiter in warmen Workn die Bedeutung der in der Berichtsperiode aus dem Leben geschiedenen russischjüdischen Schriftsteller Lilienblum, Lewinsky und Rabinowitz für die Renaissance der jüdischen Kultur und fühlt dann in einem Rückblick über die kulturelle Arbeit der letzten zwei Jahre aus: Fast auf allen Linien der jüdischen öffentlichen Betätigung können wir die Tendenz einer entschiedenen Rückkehr zum nationalen Judentum beobachten. Die nationale Idf»e des Zionismus erobert Schritt für Schritt die jüdische Schule und Gemeinde, prägt ihren Stempel unsern philanthropischen Institutio nen auf und wirkt schöpferisch und fruchtbar in allen Gestaltungen des jüdischen Lebens. Die vielen Kräfte, die wir in den letzten Jahren gewonnen, können noch nicht übersehen und richtig eingeschätzt werden, denn es sind die frischen Kräfte der Jugend, die die Keime der Wiedergeburt eines tolzen Judentums in sich tragen; diese Keime können aber erst in der Zukunft zu voller Reife und Enthaltung gelangen. Immerhin können wir jetzt schon mit Sicherheit sagen, dass alles Lebendige und Gesunde, was im Judentum schüft und wirkt, im Zeichen der nationalen und zionistischen Idee steHit, die somit sich zur allgemeinen Ausdrucksform unseres Geisteslebens gestaltet. Ohne sich einer Uebertreibung schuldig zu machen, kann man mit Genugtuung feststellen, dass der Assimilationsgecltuke heute bereits überwunden ist. Er vermag nicht mehr neue Anhänger zu werben, und es ist nur die Kraft der Trägheit, die ihm noch Dauer gewährt. * Der Einfluss des Zionismus, der sich auf weile Kreise erstreckt, ist vornehmlich auf dem Gebiete der jüdischen Kulturarbeit von sichtbarer Bedeutung Bewusst oder unbewußt werden viele jüdische Organisationen vom Geiste der kulturellen Renaissance getragen. Die meisten Leistungen auf dem Gebiete der jüdischen Kultur, die die letzten Jahre aufzuweisen haben,stehen in direkter oder indirekter Verbindung mit dem Zionismus, mit der nationalen Propaganda, die sich nicht nur auf unsere Or»-inisationszwecke beschränkt. Diese erfreulichen Zeichen des unaufhaltsam vorwärtsschreitenden Nationalisierungsprozesses bieten uans die Gewähr, dass unser Ideal in der geschichtlichen Realität unseres Volkes tief wurzelt. Insbesondere ist der grosse Aufschwung hervorzuheben, den in den letzten zwei Jahren die Bestrebungen fiit die Wiederbelebung der hebräischen Sprache genommen haben. Die Ueberzeugung bricht sich in immer weitern Kreisen Bahn, dass die Förderung der hebräischen Sprache und Literatu r zu den ersten Aufgaben der nationalen Arbeit gehört. Ohne eine intensive Pflege unserer nationalen Sprache kann es schlechthin keine echte nationale Kultur geben. Die Behauptung, die hebräi sehe Sprache sei tot und könne höchstens nur noch einen Gegenstand der jüdischen Forschung und Wissenschaft bilden, ist durch unsere heranwachsende Jugend in Palästina längst widerlegt, Inn Lande unserer Väter ist Hebräisch die Sprache unserer besten Söhne, eine lebendige Sprache, die von Tausenden gesprochen wird. In den palästinensischen Kolonien ist sie die Muttersprache der jungem Generation, die Sprache des Schulunterrichts und des gesellschaftlichen Verkehrs. Diese unzweifelhaften Beweise der Lebensfähigkeit des Hebräischen konnten auch in der Diaspora ihre Wirkung nicht verfehlen. Es gibt heute nur noch wenige, die an einer Benaissance der hebräischen Sprache zweifeln. Auch in "Westeuropa macht die Förderung der hebräischen Sprache erfreuliche Fortschritte. Es haben sich in der letzten Zeit an verschiedenen Orten zionistische Jugendvereine gebildet, die die Erlernung der heinmischen Sprache sich zur Pflicht machten. Mehrere zionistische Vereine, besonders in Galizien und Russland, haben hebräische Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene eingerichtet. Das wachsende Interesse für hebräische Sprache und Literatur zeitigte den Gedanken, eine Organisation für die hefträischen Kulturaufgaben ins Lebfein zu rufen. Am 19. und 21. Dezember 19 Ii) tagte in Berlin die zu cllieserri Zweck einberufene Konferenz, an der hervorragende Schriftsteller und Gelehrte und Männer des öffentlichen jüdischen Lebens in ansehnlicher Xahl sich beteiligten. Auf dieser Konferenz wurde ein Zentralkomitee mit dem Sitz in Herlin gewählt, dem u. a. \chad-Haam, Ben-Jehuda, Dozent Dr. lianeth, Martin Buber, Bulben Brainin, Berthold Feiwel, S. llonnvitz, D. Yellin, Dr. Klausner, Dr. Mittwoch, Leo Motzkin, Chachfinn Jacob Meir, N. Sokolow, Rabbiner Dr. Warschau und M. Ussischein angehören, das die Gründung einer „Organisation für ho Ii) mische Sprache und Kultur' und die Einberufung eines hebräischen Kongresses vorbereiten soll. Es gelang dem Zentralkomitee, weitere Ortsgruppen und Landeskomitees (in Deutschland unter Vorsitz des Professors Dr.Mittwoch, in Galizien unter Vorsitz von Solomon Schiller, in Busstiuid von Hillel Slatopolsky) ins Leben z n rufen. Als die Aufgaben der O rts gru ppen wurden bestimmt: 1, die Agitation für die heh'üische Sprache am Orte; 2. die Veranstaltung von hebräischen Sprachkursen, und zwar für Anfänger uhkI Fortgeschrittene; 3. Kooversationszirkel und Literaturkurse. Das Landeskomitee hat die An (gäbe : 1. die Arbeit der bestehenden Orts gruppen zu kontrollieren und neue Ortsgruppen zu begründen; 2. Beschaffung der nötigen Letirni ittel für die Arbeit in den einzelnen Ortsgruppen; 3. die Agitation fin* die hebräische Sprache durch Presse, Entsendung von Wanclerrednern und Gewinnung anderer bereits bestehender Organisationen für den neuen hebräischen Verband; 4. Errichtung einer Centraistelle für den Vertrieb von hebräischen Zeitungen und hebräischer Literatur. Dem einzuberufenden Kongresse sollen folgende Pläne und Entwürfe vorgelegt werden: 1. die Schaffungeines nach den Verhältnissen der verschiedene! i Länder nuancierten hebräischen Erziehungs-, Schul- und Unteni clitsProgramms; 2. OrganisierungdesZusammenhangszwischen clerl liaspora und Palästina als dem natürlichen Zentrum des lebendigen Hebraismus; 3. die Kreierung einer kompetenten Behörde in sprachlichen Angelegenheiten; 4. die Begründung eines grossem Fonds für hebräische Spruche und Kultur. Es ist den Bemühungen der Leiter der hebräischen Organisation gelungen, (Jen Grundstein zu einem grossen hebräischen Verlagsunternehmcii zu legen, das als das Finanzinstitut der Organisation gedachl ist. Diese Verlagsanstalt, die den Namen „Hatechijah" führt, solL mit einem Stammkapital von M 5O0»,OOO errichtet werden, das durch Zeichnungen von Anteilscheinen ä M 500 aufzubringen ist. Es sind bisher zirka M 150.000 gezeichnet worden. Vom 3. bis <(>. November 1910 fand in Kiew ein ans allen Teilen Russlands beschickter Delegiertentag der russischen Landesorganisation für hebräische Sprache und Kultur statt. *E)ie Verhandlungen der Konferenz wurden ausschliesslich in hebräischer Sprache geführt. Is wurden Referate erstattet über den Stund der hebräischen Organisation in Russland und über deren lufgaben in der nächsten Zukunft. In einem Begrüssungsschreiben [fegte Dr. Tschlenow (Mo skau) der Konferenz nahe, d a s Ve rh -ä 11 n i s der hebräi seilen Organisation zur zionistischen Partei zu präzisieren. Einige Mitglieder der Konferenz;, darunter auch BialiUf, waren der Ansicht, die hebräische Organisation müsse ihr Programm in den Beziehungen zum Zionismus genau festlegen. Diese Angelegenheit wurde einer Kommisaion zur Beratung übergebe n. Es wurden einige Beschlüsse, betreffend den hebräischen Kulturkongress, gefasst. Es ist noch die ncrit stürmischem Beifall aufgenommene Rede Bialiks zu erwähnen, die die folgenden Vorschläge enthielt: Schaffung eines nationalen Kanons, Gründung einer Zeitschrift für jüdische Volksunul Sagenkunde, einer Monatsschrift für Fragen de rhebräischen Sprache und des hebräischen Stils und einer dritten Zeitschrift für die Wissenschaft des Judentums. Für den Verlag „Hatechijah" wurde unter den Konferenziriitgliedern und Gästen eine rege Propaganda entfaltet, die dem Unternehmen namhafte Zeichnungen brachte. Aus dem Gebiete der Kulturarbeit in unserer Berichtsperiode ist die Entwicklungdes nationaljüdischen Schulwesens in Palästina besonders zu erwähnen. Das Jaffaer Gymnasium bez«og sein eigenes Haus und eröffnete seine sechste Klasse, die hebräische Mittelschule Ta s ch kemon i entwickelte sich in sehr befrieili gerader Weise. Die Kunslgewerbeschule „Bezalel" wurde weiter ausgebaut und hat sich in ihrer Tätigkeit gut bewährt. Die verschied einen Bestrebungen, in Palästina ein hebiräisches Zentrum zu bilden, haben zur Gründung \ron einigen W^rlagsunternehmungeti geführt. Der Verlag „Barkai" will von Palästina aus auf die gesamten Zweige der Literatur einwirken und zu diesem Zwecke Zeiitschritten und Bücher aus verschiedenen Gebieten herausgeben, Die pekuniären Mittel sucht er durch den Absatz von Anteilscheinen zu je 100 Frs. zu gewinnen. Deir Verlag „Jefeth" hat sie Ii zu*' Aufgabe gestellt, klassische W«erke in hebräischer Uebers etzung herauszugeben. In erster Beihe sollen

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