Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- [Sonder-Ausgabe] Nr. 3 (13.8.1911)
- Date
- 1911-08-13
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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832 DIEl|&ELT No. 3 Gemeinsames Mittagessen der Delegierten des Ersten Kongresses. Die Delegierten, die schon am ersten Kongress anwesend waren, werden zu einem gemeinsamen Mittagessen, heute 172 Uhr nachmittags im Hotel Habsburg, eingeladen. Berichtigung. In dem Nekrolog in No. 32 auf Seite 801 soll es in Zeile 12 von oben richtig heissen: „Leib Rosenthalu. — In der Rede des Hrn. Dr. Daiches auf Seite 804 soll es in der 2. Spalte, Zeile 12 und 15 von unten heissen: „Gymnasium in Jaffa",— In dem Berichte über die Versammlung der Organisation für hebräische Sprache ist aus Versehen unter den Rednern der Name des Herrn Dr. Benderski weggelassen worden, der sich dagegen aussprach, dass für die Verbreitung der hebräischen Sprache eine eigene Organisation gebildet werde. Diese Arbeit sei ein organischer Bestandteil der Aufgaben des Zionismus. Nachtrag zur Präsenzliste. Zu der vorgestern veröffentlichten Liste der Kongressdelegierten sind noch die Herren Ch. Lauer, Dr. Th. Epstein, und Dr. Franz Oppenheimer nachzutragen. Montag den 14. August 7 Uhr abends im Kongressaal (Stadtkasino) Dr. Ig. Zollschan (Wien) wird einen Vortrag über das „Jüdische Rassenproblem" halten. Zutritt für Jedermann. Theatervorstellung. Zugunsten des jüdischen Nationalfonds und zur Stärkung des Kassenfonds des „Linas Hazedek", Basel, gibt der „Jüdische dramatische Verein" Montag den 14. August in der grossen Burgvogteihalle eine Theater- Aufführung, Die Wahl fiel auf J. G-ordin's Drama „Ohasia die Jesoime". Rumänische Landsmannschaft. In der ersten, am Vormittag des 8. August slattgefundenen Sitzung wurden zum Vorsitzenden der Landsmannschaft für die Dauer des Kongresses Herr M.Heinrich Schein und zum Schriftführer Herr Ingenieur Grünberg gewählt. Es beteiligten sich an der Sitzung die Delegierten: Pineles, Schein, Frl. Pineles, Rabbiner Dr. Nacht, Rabbiner Dr. Alperin, A. Schloi mowitz, Dr. Steiner, Herz, Braunstein, Rosenbaum, Dr. Eben, Ing. Grünberg, Du ff und Diamant. In den Permanenzausschuss wurden entsandt die Herren Schein, Ing. Grünberg und Dr. Steiner In der am 9. August stattgefundenen Sitzung wurde über die Stellung beraten, die die Landsmannschaft zu den wichtigsten am Kongresse zu erörternden Fragen einzunehmen hätte. Aus den längeren Debatten, an denen sich fast sämtliche Mitglieder der Landsmannschaft beteiligten, resultierte der Wunsch, dass der Präsident der Bewegung nicht wie im neuen Statutenprojekte vom Engeren Actions-Comite, sondern vom Kongresse gewählt werde, weil er nach Ansicht aller nur dadurch eine grössere Autorität erhalten könnte und der ganzen Bewegung gegenüber eine grössere Verantwortung hätte. Bezüglich der Person des künftigen Präsidenten wurde der Wunsch geäussert, sich für die Wiederwahl des Herrn Wolffsohn einzusetzen, da derselbe eine bedeutende Arbeitsfähigkeit während seiner Amtszeit bewiesen; sollte aber Herr Wolffsohn die Leitung nicht annehmen wollen, so solle man sich den Vorschlägen der Majorität anschliessen, um so zu beweisen, dass die rumänische Landsmannschaft entfernt sei, auf dem Kongresse irgendwelche Obstruktion zu maclien. Die Landsmannschaft hat an den Sitzungen der kleinen Landsmannschaften unter Vorsitz des Herrn Dr. Marmorek teilgenommen, um die Ansicht derselben genau kennen zu lernen, ohne jedoch ihre Selbständigkeit aufzugeben. Bei Beratung über die für das E. A. C. in Betracht kommenden Personen sprach man sich in der Landsmannschaft auch für die Heranziehung der Herren Dr. Tschienow und Ingenieur Ussischkin aus. Den Beratungen wohnte sländig als Gast Frau Ing. R. Grimberg bei. Unser Blau - Weiss - Euch. Der Bericht des Actionscomites. \ Der Bericht des Actionscomites ist diesmal mit jenem des Hauptbureaus des .1. N. F. in einen Band vereinigt und referiert ausführlich über die seit dem Hamburger Kongress entfaltete Tätigkeit auf politischem, organisatorischem und kulturellem Gebiet, sowie in Palästina. Ueber die politische Tätigkeit in der T ü r k e i wi rd a us ge fii h rt: Wir bemühten uns, sowohl die allgemeine wie insbesondere die jüdische Oeffentlichkeit der Türkei über unsere Ziele nud Bestrebungen aufzuklären. Bei dieser Arbeit waren uns insofern Erfolge beschieden, als innerhalb der ottomanischen Judenheit sich an sehr vielen Stellen ein lebhaftes und erfreuliches Interesse für alle national-jüdischen Angelegenheiten zeigte. Unserer Sache erstanden mehrere aufrichtige Freunde, und in breiten Kreisen, vor allem bei der Jagend, erwacht immer mehr die Sympathie für unsere Bestrebungen. Auch die allgemeine Oeffentlichkeit fängt allmählich an, sich mit inisern Zielen vertraut zu machen. Allmählich werden doch die Vorurteile zurückgedrängt, allmählich gewinnt das ottomanische Volk und seine leitenden Kreise ein klares Bild von dem, was wir wollen. Der Zionismus entwickelt sich, namentlich in den letzten Monaten, zu einer politischen Frage, der man mehr oder* weniger sympathisch gegenüberstehen, an der aber kein Staatsmann heute noch gleichgültig vorübergehen kann und die früher oder später, wenn die Zeit, die Verhältnisse und die Menschen reif dafür sein werden, ihre Lösung finden muss. So wie in Westeuropa der Zionismus bei seinem ersten Erscheinen grosse Widerstände auslöste, hat auch in der Türkei das Aufblühen und Umsichgreifen der neujüdischen Idee die reaktionären und assimilatorischen Elemente innerhalb der Judenheit veranlasst, den Kampf gegen den Zionismus und die jüdischnationale Idee überhaupt aufzunehmen. Leider hat diese Bekämpfung des Zionismus Formen angenommen, die eine Gelahrdung des Gemeinwohles der ganzen ottomanischen Judenheit befürchten lassen mussten. Die fortgesetzten Bemühungen, den Zionismus als unvereinbar mit loyal-ottomanischen Gefühlen und mit der ottomanischen Reichsidee hinzustellen, hatten auf die Dauer eine Wirkung, der sich sogar massgebende Stellen nicht immer gänzlich entziehen konnten. Wir haben aber unsere aufklärende Tätigkeit unbeirrt und nicht ohne Erfolg fortgesetzt. Während noch in der am l.März ds. .Ts. in der türkischen Kammer stattgehabten Debatte über den Zionismus sämtliche Redner, die zum Wort kameif^ sich in abfälliger Weise über unsere Bestrebungen äusserten, herrschte schon am 16. und 17. Mai ds. Ts., als der Zionismus nochmals in der Kammer zur Sprache kam, in der Debatte ein ganz anderer Ton. Die Reden einiger Delegierter, die ganz abenteuerliche Beschuldigungen gegen den Zionismus vorzubringen wussten, fanden kaum noch die Aufmerksamkeit der Kammer und wurden weder im fernem Verlauf der Debatte noch in der Presse ernst genommen. Dagegen wurden unsere Bestrebungen von mehreren Rednern ganz energisch in Schutz genommen. Es wurde ferner die Anregung zur Sprache gebracht, eine parlamentarische oder Regierungskommission einzusetzen, die die Frage des Zionismus zu studieren hätte. Leider wurde diese Idee von ihrem Initiator nicht zu einem positiven Antrag verdichtet, der zur Abstimmung hätte gelangen können. Immerhin kann die Tatsache, dass die Einsetzung einer Kommission, die sich mit der Frage des Zionismus zu befassen hätte, im türkischen Parlamente erwogen worden ist, uns nur mit Genugtuung erfüllen. Ebenso wichtig wie erfreulich ist es auch, dass in der türkischen Presse die zweite Kammerdebatte allgemein zu Erörterungen Veranlassung gab, die einen weit sympathischeren Charakter trugen, als es je zuvor der Fall gewesen war. In dem Teile des Berichtes, der der allgemeinen organisatorischen Arbeit gewidmet ist, wird zunächst der Einigungsbeschluss der Jahreskonferenz erwähnt, worauf die einzelnen dem E. A. C. unterstellten Kommissionen besprochen werden. Eine ausführliche Erörterung erfährt die Finanzlage und die zu ihrer