Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- [Sonder-Ausgabe] Nr. 3 (13.8.1911)
- Date
- 1911-08-13
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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No. S DIE3^ELT 831 nichtfrommen Leuten und es wird sich zeigen, dass diese eine Tel Awiw - Strasse ganz Frankfurt überwiegt. (Stürmische Heiterkeit und Beifall.) Ich hoffe, dass wir uns über das, was wir nicht tun dürfen, noch «inigen werden. Ein bischen Entgegenkommen ist nötig, aber kein solches Entgegenkommen, dass man sagt, wenn man denk Misrachi einen Finger gibt, dann will er die ganze Hand. (Stürmischer Beifall.) Vorsitzender Dr. Tschlenow: Das Wort hat Herr Dr. Bodenheimer. Dr. Bodenheimer: Der Redner, der von stürmischen Beifall empfangen wird, erklärt: Ich werde nicht in 'der Lage sein, diese Stürme der Begeisterung hervorzurufen, wie mein Ereund Dr. Lewin, der auch mir aus dem Herzen gesprochen hat. Aber es ist leider meine Pflicht, wieder zu den trockenen Zahlen zurückzukehren, um einige Behauptungen zu widerlegen, die hier in dem Parteikampf aufgestellt worden sind. Da hat Herr Dr. Zweig, einer unserer verdienstvollsten Mitarbeiter in Wien, obwohl er die Arbeit des Nationalfonds volUuf anerkannt hat, gleichzeitig die Behauptung angestellt, dass wir zu einem gegebenen Zeitpunkt die Sammlung für die P. L, D. C. von Köln aus unterbrochen haben. Darüber t/in ich dem Kongress Rechenschaft schuldig. Es handelte sich lediglich um einen Kompetenzstreit zwischen der P. L. D.C. und dem National fonds. Wir verlangten, dass vor Erledigung dieses Zwistes der Verkauf der Shares der P.L. D. C. unterbrochen werde. Das allein war massgebend; es ist also unrichtig, dass hierbei irgend welche parteipolitische Tentenzen mitgewirkt hätten. Mit. der Anregung des Herrn Dr. Zweig, die Sammlungen für Palästina zu vereinigen, bin ich einverstanden. Wir sind im Begriffe, einen Plan hierfür zu entwerfen. Den Antrag des Herrn Dr. Levy, eine Kontroikommission des Kongresses f ür die Unternehnm ngen in Palästina zu schaffen, bitte ich nicht jetzt, sondern erst nach dem Bericht der Palästina- Kommission zu verhandeln. Ich komme nun zu den Beschwerden des Misrachi. Der Vorgang der die Unterlage für den ganzen Kampf bildet, ist ein sehr einfacher. Auf einer Kolonie Ein Ganim haben sich Arbeiter an einem jüdischen Feiertag zu einer Versammlung zusammengefunden. Sie kamen zu Pferde und es wird auch erzählt, dass sie in der Versammlung Protokoll führten. Daraus wird dem Nationalfonds ein Vorwurf gemacht. So unvorsichtig und ununtemehtet sind nun die Herren, dass sie sich nicht einmal die Mühe gegeben haben, festzustellen, dass Ein Ganim nichts mit, dem N.-F. zu tun hat, dass es eine Kolonie ist, die vom Odessaer Komitee errichtet wurde. Da sollen die Misrachisten ihre Angriffe geg&ra das Odessaer Komitee richten. Dr. Bodenheimer kommt auf den Brief des Oberrabbiner Kuk zurück und stellt nochmals fest, dass er nicht in die Hände des A-C. gelangt ist. Sonst Tiirde er die Antwort erhalten haben- Was haben wir mit Ein Ganiin zu tun? Welche Macht haben; wir, die Arbeiter zu hindern, dorthin zu reiten und am Sabbat eine Versammlung abzuhalten? Ich bin nicht genau vertraut mit den streng religiösen Gesetzen der Juden, habe aber den festen Willen und den allerheissesten Wunsch, obwohl ich auf einer freien^Anschauung stehe, den ,~Iuden, die ihre Religion erhalten wollen, mit allen Kräften zu helfen und in allererster Linie den Juden in Palästina, unseren freunden in den Kolonien. Aber welche Macht hat denn der N.-F. ,hier einzugreifen? Was sollen wir tun? Herr Struck verwähl sich gegen den Ausdrunk, den ich gebraucht habe über die „religiöse Polizei". Er hat mich missverstanden: Ich habe nicht gesagt, die Misrachisten wollen eine Polizei und wir seien dagegen; ich habe umgekehrt gesagt, wir, der N.-F. sind nicht berechtigt und nicht in der Lage, eine „religiöse Polizei" zu bilden. Was soll ich tun, um den Arbeiter vom Pferde zu bringen, um einem andern Feder und Papier aus der Hand zu nehmen? v In entschiedener Weise weist Dr. Bodenheimer dann die Vorwürfe zurück, die gegen die Y-erwaLtung des N.-F. in Sachen des Schmitagetsetzes erhoben wurden. Auf Grund der ihm vorliegenden Korrespondenz, die er verliest, führt der Präsident des N.-F. gegenüber der Behauptung-, dass die Schmittatngelegenbeit durch elf Monate hingezogen worden sei, den Nachweis, dass er das betreffende von Rabbiner Kuk eungesandte Dokument sofort unterschrieben zurückgesandt habe, sohald es in seine Hände gekommen war. Als die Reklamation seitens der Misrachi-Föderation erfolgtehabe er sofort an die Vertretung in Palästina telegraphiert: „Beachtet Kuks Ratschläge bezüglich Schmitta." Einen Kampf, wie ihn der Misrachi führt, darf ma.11 nicht mit solchen willkürlichen und frivolen Behauptungen auskämpfen. Man darf es nur auf dem Boden der Wahrheit tun. (Beifall ) Auch das ist ein Grundsatz des jüdischen Gesetzes. (Stürmischer Beifall.) Schic-lcen Sie die jungen Leute, iiee auf dem Boden des Gesetzes stellen, starke Arme und einen guten jüdischen Geist haben, nach Palästina, dass sie Seite an Seite mit den anderen jungen Leuten, d ie jetzt dort hinausgezogen sind, um sich in den Dienst der Siedlung zu stellen, für Ihre Sache einstehen. Geben Sie Ihr Geld für «die jüdischen Arbeiter, und via* werden gemeinschaftlich Versuchern, auf dem Boden des alten jüdischen Geistes die Siedlung in hilästina neu zu erwecken. (Slürmischer Beifall.) Vorsitzender Dr. Ischlenow fasst das Ergebnis der Debatte zusammen. Die Forderungen der Misrachisten beziehen sich ausschliesslich auf öffentliche Institutionen uni Einrichtungen. Von keiner S«e ite wird irgend ein Ansfruch erhoben auf Einmischung in das Privatleben. Was ersteres betrifft, so habe ick bereits im Namen des Präsidiums erklärt und Dr. Bodenheimer im Namen des N".-F., dass wir selbst bemüht s-ind, in unseren öffentlichen Institutionen das jüdische Gesetz zu respektieren. Wenn Herr Berlin meint, dass ihm das nicht genügt — (Zuruf Berlins: ich nehme es zurück!). Der ganze Kongress wird sich mit soMien öffentlichen Erklärungen seitens der leitenden Körper sei aften begnügen. Dann brauchen wir keine Extrabeschlüsse. (Beifall). Und wenn von keiner Seite der Wunsch geäussert wird nack einer Einmischung in das Pri\grtleben, dann haben wir die Plattform gewonnen, auf der wir Zionisten aller Richtungen gemeinschaftlich, brüderlich, friedlich arbeiten können. (Beifall). Es ist vielleicht in der Ordnung, dass wir diese Ueberzeugung gerade im dem Moment gewinnen werden, wo der Tag des Friedens eintritt: wir stehen vor Sabbat, das ist die Zeit,, wo der Friede in die Seele jedes frommen Juden einzieht. (Beifall). Betonen wir nur das, was uns einigt: las ist unsere gemein schädliche Arbeit für unser Volk. Wenn also vom Kongress kern Widerspruch erfolgt, so denke ich, dass der Kongress sich mit dieser Erklärung seitens des Präsidiums lind Direktoriums begnügt und Herr Struck wird dann seinen Antrag zurückziehen. ("Beifall). Es geht der Antrag ein : Der Kongress spricht Dr. Bodenheimer für seilte Arbeit für den Nation alfonds den wärmsten Dank aus. (Stürmischer Beifall). Dr. Bodenheimer: Ich kann diese Erklärung nur annehmem, wenn der Dank auf meine Mitarbeiter im N.-F. ausgedehnt wird. (Zustimmung). Hermann Struck: Nacli der Erklärung, die dei Präsident des Kongresses mild der Direktor des Nationalfonds mit Zustimmung des Kongresses abgegeben haben, dass sie mit unserer.Forderung einverstanden sind, verzichte ich auf die A bst immung über den Antrag* (Beifall). Nach geschäftlichen Mitteilung m schliesst die Sitzung um 7 Uhr. Nächste Sitzung Sonntag 10 Uhr vormittags. Finanzkommission. Die nächste Sitzung der Finanzkommission findet Sonntag, pünktlich um 9 Uhr frül im Kasino, I. Stock, Zimmer des A.-C.-Saales statt- Die Mitglieder der Kommiss ion werden höfl. gebeten, pünktlich zu erscheinen.