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Die Welt · 1911-08-13 · [Sonder-Ausgabe] Nr. 3 (13.8.1911) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
[Sonder-Ausgabe] Nr. 3 (13.8.1911)
Date
1911-08-13
Page
– (sequence 14)
Language
German
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lismus niemals bedeutet, dass jeder tuu kann, was er will. So wenig wir einen Zwang: auf einzelne Personen ausüben, so sehr können wir verlangen, das alles, was vom Kongress aus geschieht, übereinstimmt mit den Traditionen des judischen Volkes Man hat sich auf den Sohweiss, auf die Opfer der Arbeiter in Palästina berufen. Bedenkt man nicht, welche Verfolgungen die ungebildeten unterdrückten russischen Juden ertragen haben, welche Opfer sie gebracht haben, um sich ihr Judentum zu erhalten? (Beifall.) Und nun müssen wir erleben, dass auf djm Boden des alten Palästina der Leiter des Nationalfonds 11 Monate hat verstreichen lassen, bis er auf ein Schreiben des .Rabbiner Kuk die Anweisung gegeben hat, dass auf den Giite/n des Nationalfonds das jüdische Gesetz geachtet wird. (Hört! Hört! bei den Misrachisten, Unruhe und Widerspruch.) Auf den Gütern der Ica und des Baron Rothschild wird das Schemitagesetz respektiert; nur auf Gütern des N.-F. hat man sich geweigert, diesen Respekt vor dem altjüdischen Religionsgesetz zu bekunden. (Unruhe.) Ussiscbkin meint, das werde nicht auf den Kongressen geordnet, die orthodoxen jungen Leute sollten sich aufraffen zu positiver Arbeit. Gewiss, wir fürchten diesen Kampf der Geister nicht. Auch Bodenheimer hat uns vorgeworfen, dass wir nicht genügend positive Arbeit leisten. Haben bei der Siedlungsgenossenschaft die Vertreter des Misrachi sich nicht in einer Weise betätigt, die weit über ihre Verhältnisse hinausgeht? Haben die armen Juden Russlands nicht mitgearbeitet auch an der Kolonüalbank? Wir hoffen, dass gerade auch die radikalen Elemente sich mit uns vereinigen werden, dass auf dem I oden von Zion ein selbstbewusstes, aber ein echtes Judentum lebt. (Beifall.) Ben Zwi. (Redner spricht hebräisch). Geehrter Kongress! Ich spreche im Namen des Poale Zion. Die religiöse Frage, die uns Jahre lang beschäftigt, kann hier nicht in wenigen Stunden gelöst werden. Wir Poale Zion sind Freidenker. Wir wollen mit den Misrachisten nicht rechten. Die Geschichte wird richten. Aais nationalen, nicht religiösen Motiven sind wir in die Bewegung eingetreten. Wir verlangen Toleranz -— hier aber Wullen manche diese vernichten. Damit würde aber zugleich die Ei nheitder Bewegung vernichtet werden. Haben die Misrachisten in Palästina Opfer gebracht? Wieviel haben sie für den Kolonisationsfonds geleistet? Sic haben nur negativ gewirkt. Wir protestieren gegen den Versuch, die Religion in die Prinzipien der Bewegung hineinzubringen. Wir schätzen hoch den sozialen Wert der Sabbatruhe, sind aber gegen die beschränkung der persönlichen Freiheit. Warum protestieren Sie nicht gegen das Verhalten der orthodoxen Kolonisten ihren Arbeitern gegenüber? Wir begnügen uns nicht mit der Nichtbeschränkung der Denk- und Handlungsfreiheit, sondern verlangen ausdrücklich die Anerkennung der Arbeiterorganisation. (Lebhafter Beifall). Del. Berlin. Der Nationalfonds ist der -wertvollste Schatz unserer Bewegung und entspricht gerade den alten Traditionen des jüdischen Volkes. Wir kämpfen nicht gegen die Institution, sondern gegen deren Fehler. Wir schätzen die Arbeiter, können aber auf unsere Heiligtümer nicht verzichten. Nicht im Namen der Intoleranz sprechen wir. Wir kümmern uns nicht um ihre privaten Handlungen; sie haben sich aber ölT'entlieh versammelt und den Sabbat entweiht. Das ist eine Heiligtumsentweihung. Wir haben bestimmte, konkrete Forderungen. Wenn Sie darüber spotten, was wir als heilig betrachten, so tun Sie unrecht. Die Sabbatentweihung wird ja gar nicht, bestritten. Und das geschieht auf dem Besitztum des gesamten jüdischen Volkes. Der gerade Weg ist der uns von der Thora vorgeschriebene. Wo ist die Toleranz der Leiter des Nationalfonds? Versuche, den jüdischen Nationalismus von der Religion zu trennen, gab es noch nicht. Wir begnügen uns nicht mit Versprechungen. Wir wollen, dass der Kongress ganz klar die Sache festlegt. Dr. Tsch lenow: Was das Präsidium sagt, das geschieht im Namen des Kongresses. * Dr. Schemarja Levin. Nach dem gestrigen Tag bin ich glücklich konstatieren zu können, dass der Zionismus doch noch nicht so trocken ist, als er gestern ausgesehen hat. Ich bin froh zu konstatieren, dass, wenn ma* von Nationalfonds spricht, nicht nur von Geschäften, von business die Rede ist, sondern dass man nicht das verstecken will, Avas lebt. Es gibt zwei schöne Dinge im Zionismus. Das eine, das feinste Geschenk, ist die zionistische Idee. Wir haben die Bank und den Nationalfonds geschaffen, aber womit? Eben mit der Idee, die uns höher über alle jüdischen Parteien stellt, und deshalb freue ich mich, dass wir wieder vom lebendigen und entwicklungsfähigen Zionismus sprechen. Gewiss: Wenn keine Ordnung in unseren Institutionen herrscht, so gehen unsere Institutionen bankerott. Aber wir haben doch ein viel grösseres Vermögen, als acht Millionen Mark, und das ist der zionistische Gedanke. (Stürmischer Beifall,) Das zweite Moment ist noch schöner als der Gedanke. Das Kind ist schöner als die abstrakte Idee des Menschen, denn es birgt in sich noch Entwicklungsfähigkeiten.' Ein solches Kind hat unsere Idee bereits geboren. Das ist der neue Jischuw in Palästina. (Stürmischer-Beifall.) Ich muss die traurige Tatsache konstatieren, das wir, auch wenn wir deutsch sprechen, uns doch nicht verstehen. Weshalb? Weil Sie jene Theoretiker sind, die sich als Politiker ausgeben, weil Sie in der Abstraktion schweben und das, was in Palästina keimt und schon dem freien Auge sichtbar ist, noch niemals gesehen haben. Die Frage, die der Misrachi hier aufgeworfen hat, ist keii: e Frage des Volkstums, nicht einmal eine solche der zionistischen Bewegung, -sondern die Frage : 'Sein oder ^Nichtsein! Diese jFrage hat nur ihre Anwendung auf die Intensität oder Verwirklichung des Zionismus gefunden. Das Leben ist viel stärker als Gesetze. Alle Gesetze sind einmal aus dem Leben hervorgegangen und, weil wir in Golus leben, so verstehen wir, dass wir uns nicht ausleben können, weil wir Gesetze haben, die auf einem andern Boden ihren Ursprung hatten, und die wir ins Exil mittrugen. Das Streben nach einer Wiedergeburt ist etwas, was mit dem ganzen Kämpfen und Bingen eines Volkes und seiner Seele zu tun hat, und deshalb wird man umsonst versuchen eine Trennung hervorzurufen in dem Sinne : Hier ist der Messias für die Alten, hier ein Surrogat für die Jungen. Aber in dem Augenblick, wo wir uns als Zionisten werden absondern wollen von unserem Judentum, sind wir keine Zionisten mehr. (Stürmischer Beifall.) Ich kenne keine Grenzen zwischen den überlieferten und meinen neuen Hoffnungen. Wenn man eine Scheidewand zwischen Vergangenheit und Zukunft .aufbauen Will, dann schneidet man auch die Zukunft ab, und sie wird unverständlich. Es ist ein Kampf und nicht mit Resolutionen — wenn auch Herr Dr. (Bodenheimer für dieselben eintreten würde — kann man dem neuen Leben in Palästina anderen Formen verleihen. Was man im Golus durchmacht, 'wird auch in Palästina durchgemacht. Denn dort sind Elemente, die auf eigene Faust handeln und uns nicht fragen, wie sie ihr Leben einrichten sollen. Arme und junge Leute, die nichts hatten, als ihre Seele und ihr schöpferisches Talent, haben dort aus eigener Kraft etwas geschaffen. Wer nach. Palästina kommt, strebt nach besseren Bedingungen, damit er sich ausleben kann. Wir sind in einer so schrecklichen Situation, dass niemand von uns die Garantie übernehmen kann, ob noch zwischen ihm und seinen Kindern oder Enkelkindern ein gewisser Zusammenhang in der nächsten Zukunft bestehen bleiben wird. Hunderte und tausende unserer Besten gehen von uns, um nie wiederzukehren, und wir stehen gleichgültig da und haben für diese Jugend nichts geschaffen. Und da gehen junge Leute hin, die für die Zukunft schaffen wollen. Verbittern Sie doch diesen jungen Leuten,nicht das Leben! (Stürmischer Beifall.) Und was unsere Schulen anbetrifft: Es mag ja sein, dass wir nicht das beste Lehrmaterial haben. Aber "wir können uns glücklich schätzen, dass wrir noch solche Idealisten haben, die für 1200 oder 2400 Francs da unten arbeiten. ^Stürmischer Beifall.) Ich habe einmal mich 6 Wochen lang in einen Schüler des so oft genannten Gymnasiums in Jaffa verwandelt, und da habe ich die blutige Arbeit der Lehrer gesehen und sie doch beneidet. Ihrer Arbeit wegen und ihres Idealismus wegen, mit dem sie auf die jungen Seelen wirken. Ich stimme vielleicht nicht in allen Anschauungen mit Ihnen überein. Aber bei dem Ideenkämpf, den wir führen, gibt es nur ein Mittel : Man kann den Gegner nur durch besseres Beispiel bekämpfen. In unserem Kampf gegen die Allianee werden wir nur siegen, wenn wir Schulen schaffen werden, bessere Schulen. Das ist auch der einzige Rat, den man den Herren Misrachim erteilen kann. Eine Fortsetzung des Kampfes, meine Herren Gesinnungsgenossen, wie Sie ihn führen, ist nicht einmal unethisch, sondern unästhetisch. Schaffen sie lieber etwas besseres! Redner kommt nun auf die Sabbatfrage zu sprechen, die er für sehr ernst erklärt. Obzwar man an vielen Orten, z.B. in Südrussland, den herrschenden Verhältnissen, die nun einmal nicht zwei Feiertage in der Woche gestatten, Konzessionen machen muss, so wird doch der Jude niemals im Golus den Sab* bath aufgeben und den Sonntag heiligen. Auch dem Getauften fällt es schwer, am. Sonntag den Sabbathrock anzuziehen. (Stürmische Heiterkeit.) Gibt es ein Fleckchen in der Welt, wo der Sabbat so schön ist wie in Palästina, trotz der poalezionistischen-"Gruppen? .(Stürmische Heiterkeit.) Trotzdem sich in Palästina viele bemühen, dass es goisch aussehen soll, ist es jüdischer als irgendwo in der Welt. '(Stürmischer Beifall.) Legen Sie auf die Wagschale eine Strasse wie Tel Awiw mit seinen

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