Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- [Sonder-Ausgabe] Nr. 3 (13.8.1911)
- Date
- 1911-08-13
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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No. 3 DIE3&ELT \7 829 Boris Goldberg: In der Dechargeerteilung für das A. C. habem wir ausdrücklich betont, dass das grosse Erbe Herzls vermehrt worden ist. Wenn wir aber zif fernmässig die finanziellen Instrumente der Bewegung betrachten, .und insbesondere die Vermehrung der Aktienkapitale unserer Banken, so kommen wir z u dem Schluss, dass in der zweiten, der Kölner Periode, diese Vermehrung ganz massig war. Wir haben in den Banken nicht viel mehr, als das, was wir in der ersten, der politischen Periode gebammelt haben. Das gesamte Kapital ist sehr gering im Verhältnis zu der Grösse der Aufgaben, die von Jahr zu Jahr immer zahlreicher, vielseitiger, grossartiger werden. Ich hatte gehofft, einige Winke ttfber unsere Bankpolitik zu bekommen, namentlich wie für die Sicherung des Geldes gesorgt wird. Grossartige .Fjiternehmungen stehen bevor, eine Menge wirtschaftlicher Aufgellen; da müssen wir daran denken, in welcher Weise wir grössere Mittel in den Dienst der Bewegung steilen. Wir können uns nicht stets darauf beschränken, die Aktien nur unter unseren eigenen Gesinnungsgenossen abzusetzen. Wir müssen, wie jeder Orosskaufmann und Grossunternehmer, an den internationalen Geldmarkt gehen. Del. Schwiff ersucht um Aufklärung folgender Fragen: Warum sorgt der J. CT. nicht dafür, dass seine Aktien auf der Hondoner Börse kotiert werden, wie die Aktien der anderen Aktiengesellschaften? Warum gründet der J. C. T. nicht eine spezielle Abteilung für eine jüdische Lebensversicherung, die-nach genauer Berechnung einen jährlichen Eeingewinn von 13 Millionen Rubel bringen kann? Der Redner erklärt, das von ihm ausgearbeitete Projekt sei von Herzl, Nordau und vielen russischen Juden begmtachtet worden. Warum also kommt es nicht zur Ausführung? Dr. Pinkus: Die internen Dinge gehören in die GeneiaLversammlung. Nur einige prinzipielle Punkte. Ich halte unsere Bank für durchaus solid fundiert und gut eingerichtet. Weshalb a,ber veröffentlicht die „Welt" nicht die Gewinn- und Verlusb'-echnung? Ich persönlich bin gegen eine formelle Besteuerung des N. F. Ich halte es nicht für einen Nutzen, wenn die Aussenwelt weiss, die Bank wird von einer politischen Bewegung besteuert. Wir haben die Bank geschaffen; sie ist Fleisch von unserem Pleisch und Blut von unserem Blut, da ist es doch ganz selbstverständlich, dass sie ihren treuesten Agenten subventioniert, die zionistische Bank für zionistische Zwecke. Die Finanzfrage sollte für uns gar nicht existieren; es niusste der Bank eine Kleinigkeit sein, 100,000 M jährlich für die Bewegung herzugeben. Die Banken sollten Finanzierungsinsfcitute sein; die A. P. C. u.s.w. sind ganz falsch finanziert. Woni ist der Geldmarkt da, wenn sie das Kapital der Mutterbanlc brauchen? Es muss möglich sein, Geld zu beschaffen. Privatim sind die Leiter unserer Banken 'gewiss ausgezeichnete Geschäftsleute und grosse Kaufleute, aber sowie sie in unsere Banken eintreten, fühlen sie sich nicht mehr als einfache Kaufleute, so<ndern als Administratoren, gewissermassen von Staatseigentum. Wenden Sie Ihre grossen kaufmännischen Fähigkeiten auch feei uns an! An ein wirkliches Au flehen unseres Banksystems ist nicht zu denken, wenn Sie nicht bald den Weg zum internationalen Geldmarkt finden. Der Angelpunkt der zionistischen Arbeit im Orient ist bis heute die Bankpolitik. (Beifall bei einem Teil des Kongresses.) Vorsitzender Dr. Ts c hie na w: Es ist nienumd mehr zum Wort gemeldet. Direktor Katzenelsohn (Lebhafter Beifall.) Es tut mir sehr leid, dass die Debatte so kurz war. Die Rede von Goldberg hal>e ich leider nicht gehört und kann ihm daher jetzt nicht antworten. Auf Schwiff's Fragen werde ich nach guter jüdischer Art mit Gegenfragen antworten. Die Dividende! Wo gibt es sonst eine Bank, die eine ganze Menge Ausgaben für die zionistische Bewegung hat? Ich habe Ihnen auf dem vorigen Kongress zahlenmässig nachgewiesen, dass in den letzten sieben Jahren di«e Kolonialbank über 20,000 Pfund für direkte zionistische Zwecke ausgegeben hat. Sie können es im Protokoll nachlesen; manche Sachen muss man immer von neuem wiederholen. Sonst würden wir Dividenden geben, wie sie jede kaufmännische Bank gibt. Vielleicht sollte man uns wirklich daraus einen Vomvurf machen. Aber einer der Redner hat uns die Schatzmeister ender die Wachhunde der Bank genannt; ganz richtig! Was in iim-seren Kräften liegt, die Gelder der Bank zu hüten, das tun wir ehrlich (Zustimmung); dass wir aber den Umständen entsprechend tfür zionistische Zwecke Ausgaben machen, das verringert die Dividende, die wir eigentlich geben sollten. Darin liegt schon die Antwort, warum wir nicht an der Londoner Börse kotiert werden. Damit das gesehenem soll, müssen wir eine ReLlie von Jahren eine Dividende von iifcer 4 °/0 verteilt haben. Und wenn wir den Beschluss fassen, Tie er hier beantragt wird, dass wir die alten Dividenden für verfallen erklären sollenr dann verzichten wir hierauf ewig auf iie Kotierung. Sie frag-cm, warum wir keine Versicherung liaben? Dazu müssten wir zunächst unsere Statuten ändern, ein neues Geschäft machen. Wm haben uns mit der Frage eingehend beschäftigt; aber es ist ein grosses Unternehmen, das ein grösseres Kapital nötig macht, als wir haben, und es ist ein riskantes Unternehmen. Es war ein lieblingsgedanke von 'Jierzl, der gehofft hat, auf diese Weise die jkiischen "Kapitalien heranzuziehen! AT>er das lässt sich nicht in dieser Unterhaltung erwägen. (Schwiff ruft : Ohne Grundkapital 1) — dagegen muss ich mich entschieden aussprechen, dass wir die Lebensversicherung und das Schicksal vieler jüdischer Familien ohne Grundkapital in die Hand nehmen sollen. Auf die Bemerkungen des Dr. Pinkus habe Ich nicht viel zu sagen. Ich habe ihm früher Bravo zugerufem und tue es auch jetzt, nur mit einer kleinen Einschränkung: Wie sollen wir erwarten-, dass das grosse Publikum unsere jUktien kaufen soll, die der, A. P. C. oder sogar der A. L. B. C, wenn Sie, die grossen Zioiristen so wenig kaufen? Wenn wir einen grossen Aufruf machen und kaum 2000 Francs aufbringen — (Zuruf: Die grosse Welt hat Geld, wir haben keins!) - mehr oder weniger werden wir doch auch haben. Ausserdem, unsere Institution ist noch viel zu jung. Ein fremdes Publikum, dem das Interesse an unserer Bewegung fehlt, wird sich sehr schwer entsclliessen. Dagegen ist es sehr wundeiftar, wenn wir von einer Institution, die Dividende gibt und sich bewährt hat, die Aktien nicht kaufen. (Zuruf: Sie fordern ja 5°/o Aufgeld, wenn man sie kaufen will. Sie wollen ja ga r nicht verkaufen!) Die Veröffentlichung der Gewinn- .und Verlustrechnung durch die „IVelt" könnte allerdings erfolgen. (Beifall.) Nunmehr wird die Debatte über den Nationalfomls zu Ende geführt. Herr Struck ändert seinen Antrag in folgenilie Fassung: In Beslätigung früherer Beschlüsse, erklärt der Kongress: Das Direktorium des N. F. hat dafür zu sorgen, dass in der Leitung tuid Verwaltung der Nationalfonds-Besitztümer die jüdischen. Gebote respektiert werden. Der Antragsteller führt zur Begründung dieser Aer-nderung aus, dass bei der Fassung des ursprünglichen Antrags einige Worte weggeblieben seien; und leider sei er dahin missverstiuiden worden, als ob er und seine Freunde in intoleranter Weise die Freiheit, einzelner Personen beeinträchtigen wollten; das liege ihnen vollkommen fern, Herr Struck legt sodann, um die Echtheit des Briefes des Oberrabhiners Ivuk zu beweisen (Dr. Tschlenow: die ist nicht angezweifelt worden!), den Brief von Kuck, in dem er mitteilt, dass er den Brief an den N. V. abgesandt habe, auf den Tisuh des Hauses nieder. Dr. Levy als erster Gecieralredner: Zu unserem grossen Bedauern ist der Leiter des PaÜstinaamtes, Dr. Ruppin, nicht anwesend. Kr sollte auf dem Kongress sein, um über alle Dinge Ausku uft zu geben. Gerade wejl es sich bei dem N.-F. um ein Werk handelt, das bestimmt ist, dk Zukunft des jüdischen Volkes zu sieltern, die Rettung des heimatlosen Judentums herbeizuführen, ist die grösste Sicherung nohvendig. Vertrauen zu Personen genügt nicht; wir müssen die Möglichkeit haben, die geschäftlichen Transaktionen zu kontrollieren. Die Revisionskommission hat ihrem Sitz in Europa, kann alao die Dinge nicht selbst studieren. Dc:r Redner beantragt die Einsetzung einer Kontrollkommission Palästina. Ussischkb hat es verstanden, durch seine moist-örhatte Rede die Debatte aaf ein hohes Niveau zu heben, im Segensatz zu Dr. B ode nhe i m e r, der den Misrachisten vorgeworfen bat, sie verlangten die Schaffung einer Polizeigewalt. Wir wollen den Juden, die inr nach Palästina führen, nicht bloss tirot geben, sondern aucli jüdischen Geist, jüdische Kultur, wir ^wollen, dass auch die jüdische Seele wieder aufleben soll. ((Beifall.) In die persönlich e, private Freiheit des Einzelnen wollen wir uns nicht einmischen. Aber es gibt auch eine Grenze fiiir die individuelle Freiheit und gerade die Vertreter der Poale Zion sollten bedenken, weSehe hohe Bedeutung das jüdische Gesetz für die Arbeiterschaft hat, durch die Anordnui g der Sabbutrube, durch die Forderung sozialer Reformen. Sie sollten bedenken., dass Sozia-