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Die Welt · 1911-08-13 · [Sonder-Ausgabe] Nr. 3 (13.8.1911) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
[Sonder-Ausgabe] Nr. 3 (13.8.1911)
Date
1911-08-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Glücklicherweise ist es dem jungen Institut gelungen, nicht nur auf dem Gebiete des Bankgeschäfts, sondern auch des Kommissionsgeschäfts äusserst wichtige Verbindungen und Beziehungen zu gewinnen, so d;iss Mir noch bessere Resultate in der Zukunft erhoffen dürfen. Noch wichtiger aber ist, dass wir durch diese Bank wichtige Vertretungen und Verbindungen in Konstantinopel bekommen haben, die uns zeigen, dass wir auf dem Gebiete von Konzessionen nicht mehr so verlassen und hülllos sind wie früher. Und nun zur ältesten und liebsten Tochter, zur A. P. C. Zunächst einige Worte über Handel und industrielle Entwicklung Pa I ä s t i n a s i n d i ese m J ahre. Leider war 1910 die Ernte in Palästina sein' schlecht, so schlecht, dass man genötigt war, für 1,300,000 Francs Weizen einzuführen, um die Bevölkerung zu ernähren. Unter diesen schwierigen Umständen wäre zu erwarten, dass namentlich in solchen AgriUuUurländern ein sehr grosser Bückgang des Handels eintreten würde. Glücklicherweise war das nicht der Fall. Die Weizeneinfulir hat den Import natürlich erhöht, der Export hat sich um 2\'j Millionen Francs vergrössert; im ganzen stehen sie auf gleicher Hohe mit je 25 Millionen Francs. Die Erhöhung der ExporlziUera beruht auf der Produktion von Früchten »i. s w.; allein der Export von Orangen . belief sich auf 6 Millionen Francs Wert Ich erwähne das aus zwei Gründen : erstens weil die A. P. C. einen wesentlichen Anteil an dieser Vergrösserung des Handels hat, dann aber wird es ''Ihnen auch Freude bereiten, wie fruchtbar dieses schöne Land geworden ist. Sie kennen den Vergleich Israels mit de.r Sonne, die, wo sie hinkommt, das Land befruchtet und neues Leben schafft, und wo Israel weggeht, entsteht eine Wüste. Ich glaube, es ist das etwas übertrieben, wenn mau von anderen Ländern spricht, aber es trifft zu für Erez Israel, (beifall.) Die Touristik hat sich in diesem Jahre um fast 50 °/o vermehrt: 7170 gegen 5560. Die Industrie im Lande entwickelt sich leider wenig, sie steht fast auf demselben Punkte wie früher Leider geschieht für Wege uni.1 olfenüiche Bauten noch immer sehr wenig; wir wollen auf Besserung hoH'on. Dem jüdischen Handel fehlen sprachkundige, uniernehinungs 1 us ti ge Leute. Auch die Filialen der Bank entwickeln sich gut. Die kleine Filiale in Jaffa hat in der ersten Zeit einen kleinen Verlust gehabt, doch darauf kommt es nicht an; es ist zu erwarten, dass sie der jüdischen Kolonisation in der Umgebung Nutzen bringt. .Kcfererit berichtet dann weiter kurz über einzelne Operationen der Bank. Besonders entwickeln sich die Kredite für die Plan t a g e n und für die anderen Unternehmungen. Die L e i n - g e n o s s e n s ohaf t e n haben sich in diesem Jahre lediglich um unseren Kredit von 17,000 Pres, vergrössert, leider nicht mehr. Hoffen wir, dass diese beiden Institute in Palästina sich mehr entwickeln. Es ist eine der wichtigsten Aufgaben, dass wir kooperative Tätigkeit den Leuten in Palästina beibringen. Wir haben 1200 Mitglieder, wir arbeiten sehr hübsch, aber das muss sich bedeutend vergrössern. Die Dep o t - E in 1 age n betrugen am 31. Dezember 1.90(J 4,ü78,:-330 Pres., am 30. Juli Ulli 5,9U8,004 Pres., d. i. also in diesen anderthalb Jahren eine Vergrösserung der Einlagen um 30 %. Wenn wir bedenken, dass die Ernte schlecht war, keine besonders günstigen Industrieverhältnisse bestehen und trotzdem die Einlagen sich um mehr als eine Million vergrössert haben, so folgere ich daraus, was ich schon im vorigen Jahre betont habe, dass man fühlt, wie sehr sich die Vermögenslage des Landes verbessert hat. Man merkt, es. dass Geld ins Land hineinkommt. Unsere Investierung betrug am 31. Dezember 1909 5,078,710, jetzt 7,729,213 Pres., d. i. also eine Zunahme um mehr als 21/2 Millionen oder um 52 °/0. (Beifall.) Manchem wird vielleicht eine solche Vergrösserung etwas amerikanisch vorkommen. Ich erkläre Ihnen, das ist nicht amerikanisch, das ist zionistisch. (Lebhafter Beifall.) Nun, 8 Millionen, das ist noch kein Goldregen nach amerikanischen Begriffen, aber wenn Sie bedenken, dass der gesamte Umsatz in Palästina 50 Millionen jährlich beträgt, Import und Export, und dass wir davon 8 Millionen investiert haben, so werden Sie daraus ersehen, was für ein mächtiger Paktor für Palästina jetzt die A.P. C. geworden ist. Wohl sehen wir keine plötzlichen Sprünge, es ist wie ein Baum : wenn wir ihn ein Jahr nicht gesehen haben, dann merken wir von aussen keine grosse Veränderung; aber in diesem Jahr hat der Baum schöne Früchte getragen, er hat einen neuen Bing angesetzt und namentlich sind seine Wurzeln tiefer eingedrungen. Und wenn man bedenkt, dass er auf einem so unendlich teuren Boden gedeiht, dann wird er jeden gewiss befriedigen müssen. Sie wissen von dem alten Wanderer, der an einem Baum sich so sehr gefreut hat, dass er sagte : ,,Dieser schöne Baum! Welchen Segen soll ich Dir spenden? Den, dass ich wünsche, dass alle Bäume ebenso schön am Wasser stehen, ebenso reiche Früchte tragen und ebenso gedeihen sollen wie dieser." Diesen Wunsch hege ich für alle Institutionen, die der Zionismus schaffen wird. (Beifall.) Dr. Sah Daiches beantragt Beschränkung der Redezeit. Unter lebhaftem Protest der Misrachi wird der Antrag angenommen und die Bededauer auf 15 Minuten beschränkt. Hermann Struck (mit lebhaftem Beifall empfangen): Liebe Gesinnungsgenossen! Der freundliche Beifall, für den ich Ihnen von Herzen danke, lässt mich hoffen, dass sie auch den Ideen un*d der ernsten Arbeit der Föderation Misrachi, in deren Namen ich zu Ihnen spreche, Verständnis und Würdigung entgegenbringen. Ich hoffe sogar, die anderen Herren auf meine Seite zu bringen. Aus dem Munde des Dr. Bodenheimer haben wir alle mit inniger Freude vernommen, dass unsere landwirtschaftlichen Unternehmungen in. Palästina zu den schönsten Hoffnungen berechtigen. Dann hat aber Dr. Bodenheimer, des Beifalls eines Teiles dieser Versammlung sicher, uns mit dem Ausdruck „religiöse Polizei" zu belegen gewagt, den ich als unerhörte Beleidigung der Misrachi-Organisation auf das schärfste zurückweise. (Lebhafter Beifall der Misrachi, grosse Unruhe.) Man hat uns schon früher von leitender Steile aus als Sabbatrichter und Schnüffler verspottet. (Zustimmung bei den Misrachi.) Liebe Gesinnungsgenossen, das rührt uns nicht, wir lächeln darüber, wenn auch schmerzlich. Wir gehen mit Scheuklappen durch die Welt. Wir sehen nicht nach rechts und links, wir treiben keine Politik, wir gehen, auf eine unerschütterliche Ueberzeugung gestützt, geradeaus unseren Weg. Schimpfworte, wie die eben erwähnten, sind keine Beweise. Als die Vertreter des traditionell-religiösen Prinzips im Zionismus sehen wir uns veranlasst (Unruhe und (Zurufe) — sehen wir uns veranlasst, warnend auf diesen nicht (Zurufe) — sehen wir uns veranlasst, warnend auf diesen wunden. Punkt zu weisen. Unser allverehrter Präsident Wol f f - söhn hat auf das Dringendste zur Kritik aufgefordert. Ich will nach seinen Worten eine freundschaftliche Kritik üben, die den Zweck hat, nicht zu verbittern, sondern zu bessern. Gar manche Klage ist mir zu Ohren gekommen; ich will aber an dieser Stelle keine Einzelheiten vorbringen, sondern Ihnen nur durch Verlesung eines Briefes ein Stimmungsbild geben. Der Brief stammt von der Hand eines Mannes, der in Palästina bei allen Richtungen als makelloser Charakter, als glaubenstreuer, aber toleranter Jude allgemeines, uneingeschränktes Vertrauen geniesst. Er ist ein Aufschrei aus tiefstem Herzensgrunde, und ich bin überzeugt, dass diese Worte Ihnen allen zu Herzen gehen werden. Herr Abraham Jitzchak Hakohen Kuk, Oberrabbiner' in Jaffa und den Kolonien, schreibt an die Leitung des J. N. F. : Jaffa, 25. Tammus 5671. An die sehr geehrte Leitung des jüdischen Nationalfonds! Als Eingeweihter, dem unsere Kolonisation in Erez Israel nahegeht, sehe ich mich verpflichtet dem geehrten Komitee Dinge mitzuteilen und es anzuregen mit allen Kräften, eine Angelegenheit zu ordnen, die das Wesen und die Grundlage des Bestandes der Kolonisation, ihre Ehre und ihren Ausbau, sowie die Ehre des jüdischen Nationalfonds im allgemeinen, seine Entwicklung und Verkleidung betrifft. Sie, geehrte Herren, mögen erfahren, dass das System der Verletzung der Heiligtümer unserer Religion in allen Teilen der Ansiedlung, besonders aber auf den Besitzungen des Nationalfonds in sehr heraus fordernder Form, speziell durch Entweihung des Sabbats und der Feiertage (hört! hört! bei den Misrachi) sehr verbreitet ist. Die Arbeiter und Beamten kümmern sich nicht im geringsten um das. was Israel heilig ist, und mit Verachtung entweihen sie die Heiligkeit der Festtage durch öffentliche Arbeiten (Zuruf: Privatsache! anderer Zuruf: Unwahr!), durch Fahren, Reiten, Tragen und Feuer anlegen wie an gewöhnlichen Werktagen, zum Schmerze aller derjenigen, in denen jüdisches Empfinden lebt und die mit Befremden sehen, wie ihr Allerheiligstes mit Füssen getreten wrird, durch Brüder in Erez Israel, — im heiligen Lande. Die Sache hat bereits einen solch schrecklichen Grad angenommen, dass nur Gott weiss, was das Ende dieses Skandals sein kanii, wenn nicht durch weisen und gerechten Rat dem Uebel gesteuert wird. Sie, die verdienstreichen Vorgesetzten, haben die Pflicht, alle Arbeiter und Beamten, die auf den Gütern des Nationalfonds Ihnen unterstellt sind, durch sehr energischen Befehl und strengen Verweis zu bewegen, diesen ihren Weg zu verlassen und fortan allem, was Israel heilig ist, mit Achtung und Respekt zu begegnen und. sich vor jeder Entweihung des heiligen Tages zu hüten.

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