Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- [Sonder-Ausgabe] Nr. 3 (13.8.1911)
- Date
- 1911-08-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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No. 3 DIE 3^k:elt 825 Versuch mit dem Erbbaurecht zu machen, um auch für die städtische Siedelung und etwaige Einrichtung von Gartenstädten eine gesunde Grundlage zu schaffen und die Eigentums r der Häuser in ein dauerndes Verhältnis zum Jüdischen Nation»!tonds als Besitzen des Grund und Bodens zu nringen. Als einen grossen Mangel unserer Verwaltung empfinden wir die Unüberaichtkichkeit derselben. Wir erwägen daher den Gedanken, einen Inspektor in Palästina anzustellen, der nach kaufmännischen Grundsätzen alle;iinsew Besitzungen in Palästina beaufsichtigt und deren Verwaltung einrichtet Ob wir tür diesen Zweck dem Palä-ti iiaarnc einen stäuäigen Beamten beigeben oder ob wir denselben zeü, weise hinüherschicken das bleibt noch zu erwägen. Ich halte es aber auch für edne Pflicht der Männer, welche an der Spitze der Verwaltung des Nationalfonds stehen, sich von der Entwicklung unserer Einrichtungen in Palästina persönlich zu überzeugen. Darum habe auch Loh die Absicht, in kurzem selbst eine Inspektionsreise nach Palästina zu unternehmen. Eine 11 ene Schwierigkeit taucht nunmehr für unsere Verwaltung auf, die icl nicht unterlassen möchte, an dieser Steile zu erwähnen. Seitens der iVlisrachi wird Klage darüber geführt, dass die Arbeiter in Palästina» und auch solche, die auf den Nationalfondsgiitern angesiedelt sind, durch ihr öffentliches Auftreten die rdi^iöse Empfindun geines grossen Teiles der jüdis hen Bevölkerun jr Palästinas veiletzen. Das Bureau der „Misrachi"4 tritt an u»s mit der Frage heran, welche Schritte wir tun uud getan habe n, um derartige fiüDsstände zu verhüten. Ich muss nun zunächst sagen, dass uns roa einem verletzenden Ve halten von Arbeiteria auf Natioüaitoudsländereien nichts bekaunt geworden ist. Ich muss aber aucli deutlich erklären, dass ich nicht glaube, dass der J. N. F. berechtigt ist, eine religiöse Polizei üi«t die auf den Landereien des Nationalfonds oder sonst in Palästi tia. angestellten Arbeiter auszuüben. (Stürmischer Beitall.) Burufe: Jjas hat niemand verlangt. Bodenhe.mer : Aber Sie werden es verlangen, Ich erkläre — wenn es nicht verlangt werden sollte, um so besser — dass dies unmöglich ist. Eine Formel, die ich vertreten könnte, dürfte vielleicht dahin lauten, dius-s unsere Bureaus und Verwaltungseinrichtun<£&n so beschaffen sein müssen, dass jeder gesetzestreue Jude ohne Beeinträchtigung seiner religiösen Ueberzeugung auf unseren Besitzungen leben und arbeiten kann. Wir können die Vorbedingungen scfeiaifen für die religiöse Freiheit auch des allerfröinmsten Juden, aber nicht für einen Zwang, durch den wir die Gewissensfreiheit des Einzelnen beschränken würden. (Lebhafter BeifRÜ.) Es gibt eine einfache Möglichkeit für die gesetzestreuen Zionisten,dem von ihnen gerügten Missstand ein Ende zu inuachen, nämlich class sich gesetzestreue Arbeiter in grosser Anzahl der Kolonisation in Palästina widmen uiwl der Einfluss dieser Elemente massgebend wird, ich möchte abe r doch hervorheben, damit kein Irrtum hieraus entsteht, dass an f allen unseren Besitzungen die strengste Sabbatruhe an Sithbaten und Feiert eigen herscht (Zurufe: in der Theorie), soweit unsere Verwaltungsorgane darauf Einfluss haben (Widerspruch von den Misrachi) mnd dass wir auch darauf achten, dass die religiösen Bestimmungen bezüglich des Schmittah-Gesetzes eingehalten werden können. Die Misrachi haben aber auch keinerlei Veranlassung, mit unserem Verhalten ihnen gegenüber unzufrieden zua sein. Wir sind denselben in der Frage der Bildung einer Kolonie aus gesetzestr&uen Juden aufs weitgehendste entgegengekommen. Leider wauen unsere Bemühungen in dieser Richtung bi s jetzt ohne jeden Erfolg. Den Misrachi ist es bis jetzt nicht gelungen, das erforderliche Minimum von Frcs. 50 000. — aufzubringem, welches nötig gewesen wäre, um diese Kolonie mit Inventar und nötigen Einrichtungen zu versehen. Wenn es dem Misrachi gelingen würde, miülii* positive Kolonisationsarbeit in Palästina zu Selsten, dann würden auch vermutlich diese Klagen aufhören, d» dann die Anhänger der gesetzestreuen Richtung selbst mit der praktischen Arbeit zur Erhaltung und zum Ausbau ihrer Sieddungen genug zu 1un haben werden. (Beifall.) Zum Schlüsse gestatten Sie mir noch, den Wunsch zu äussern, dass die s &liöne Entwicklung, welche der Nationalfonds Ii is jetzt genommen, hat, nicht durch eine allzu heftige Kritik gestört werden mochte. Die Möglichkeiten dieser Entwicklung siii d ganz unbegrenzte. Wenn ich auch zu Eingang meiner Ausfüli rangen betont habe, dass wir ein Rekordjahr zu verzeichnen haben, so könnte doch der Fonds eine vielfach höhere Bedeutung erlangen, als es heule der Fall ist, wenn wir alle Kräfte hierfür einsetzen wollten. Gedenken Sie, wenn in der ganzen Welt nicht m«lir geleistet würde, als was jetzt an Agitationsarbeit in Südafrilaund Belgien schwebt, dass wir dann einen Jahresertrag vom über 12 Millionen Mark erzielen könnten, dann haben Sie einen Begriff davon« Und dieser Jahresertrag ergäbe immer nur erst einen Beitrag von einer Mark für den Kopf der jüdischen Bevölkerung der Welt. Kein inneres Hi mdernis steht der Erreichung dieses Zieles entgegen. Dann würde aber auch das türkische Volk einsehen, weichen Nutzen die z ionistische Bewegung dein osmanischen Reiche bringen kann, da vür dann auch tatsächlich in der Lage wären, die menschenarmen und brachliegenden Länderstrecken Syriens und Palästinas in faleur zu setzen und mit friedliebenden und fleissigen Menschen zu hesiedeln. Hoffen wir, dass dieser Zeitpunkt nahe ist und auch die gereiften Männer und Frauen unter uns ihn erleben mögen. Dann sind, wenn ein gehobener Ton mir an diesem Jubiläumskungress auch in einem sachlich trockenen Geschäftsbericht erlaubt ist, Talsperren, Oelbaumwälder. Gartenstädte, Hafenanlagen, Museen und Hochschulen kein Gebilcl der Phantasie, keine Fata Morgana mehr, sondern in greifbare Kahe gerückt. Die zionistischen Maurer haben aber dann an einem ewigen Denkmal für das jüdische Volk gebaut und es kann alle Mitarbeiter an diesem Werk, wenn es einmal vollendet ist, das Hochgefühl von Goethes Faust erfüllen, und sie können dann mit ihm erklären : Es wird die Spur von unseren Erdentagen nicht in Aeonen untergehen. (Stürmischer Beifall.) Vizepräs. Dr. Tschlenow: Ich habe Ihnen einige Mitteilungen zu machen: Die in Basel anwesenden Antwerpen er Zio nisten tragen Herrn Präsidenten AVolffsohn in das Goldene Buch ein. (Beifall.) Die holländische Landsmannschaft und die anwesenden Holländer tragen das Mitglied des E. A. G., Herrn Jacobus K ann, in das Goldene Buch ein. (Beifall.) — Die russischen Zionisten tragen die Herren J. L. G oLclh erg, Temkin, Dr. Kohan-B ernsteiri, Dr. Tschlenow und M. Ussischkin zur Feier ihrer 30jährigen Arbeit im Diensk des Zionismus in das Goldene Buch ein. (Beifall) Der Permanenzausschuss tritt sofort zusammen. Das Wort hat der Vors itzende des Aufsichtsrates des J.G.T., Herr Dr. Katzenelsohn. (Lebhafter Beifal 1.) Dr. Katzenelsohn: Hoher Kongress! Auf dem neunten Kongress in Mamburg ist zum erstenmal ein Bankrefe rat erstattet worden. Es waren damals besondere Verhältnisse, die dies veranlassten. Auf dem Kongress konnte nämlich keine Generalversammlung der Bank stattfinden, deshalb war ein Kongressreferat über die Tätigkeit der Bank notwendig. In diesem Jahre sukL wir in einer besseren Lage; wir haben am Montag die Generalversammlung der Bank. Daher wäre jetzt eigentlich ein Bericht überKiaupt nicht nötig; ich erstatte einen solchen ganz kurz aber doch, weil das Leben unserer Hanken mit den palästinensischen Verhältnissen so eng verknüpft und verbunden ist, und die Banken ein so wichtiger Faktor für Palästina geworden sind. Ueber den t.G.T. werden wir am Montag eingehend verhandeln. Nur ein paar Daten aus dem Bericht, den Sie inzwischen in Händen haben. Im Jahre 1909 betrugen die Umsätze des l.C.T. 8 Millionen Pfund, 1910 dagegen 91/» Mi llionen. Brutto-wie Netto-Gewinn waren relativ besser als 1909. Vir waren leider nur in der Lage, dieselbe Dividende wie 1909 zu verteilen, die Gründe sind Ihnen bekannt; es wäre wohl möglieh gewesen, etwas höher zu gehen, wir haben es aber vorgezogen, hei der alten Dividende zu bleiben. Das Aktienkapital der A.P.C. ist um 25,000 Pfund erhöht worden, natürlich aus den Mitteln (lies l.C.T. Nun das Wichtigste aus dem I. G.T., zur Illustrierung unserer Mittel im Orient. Ich nenne die Vcrgleichszahlen, um die Entwicklung Ihnen deutlicher zu machen, nicht per 1. Januar, sondern per 30. Juni 1911. Das-Kapital der A. P. C. betrug am 1. Januar 1910 69,138 Pfund, jetzt 93,800 Pfund. . Der Kredit beim l.C.T. am 1. Januar 1910 650 Pfund, jetzt 47,000 Pfund. (Hört! Hört!) Ausserdem hat die A.P.C. noch einen Akzept-Kredit von 12,000 Pfund. Es arbeiten also jetzt dort 143,000 Pfund. Ich hoffe, iass die Herren, die auf dein vorigen Kongress den Antrag gestellt haben, dass wir die Mittel allmählich nach Palästina herüberbringen sollten, durch diese Ziffern befriedigt sein werden. Das Aktienkapital der A L.B.C. beträgt 15,000 Pfund, die Schuld 380,160 Pfund. In Summa hatten wir vor 11/2 Jahren 123,288 Pfund, jetzt 197,960 Pfund drüben. Das ist nicht nur geschehen infolge des Hamburger Kongressbeschlusses, sondern weil das Geld jetzfl in Palästina nötig ist. Damit verabschiede icli den l.C.T. und komme zur A.L.B.C. Von diesem jungen Institut können wir wirklich mit Freude und Genugtuung berichten, mit seiner Entwicklung sehr zufrieden sein. Die Dividende von 1909 in Höbe von 6°/o haben wir für 1910 beibehalten und auch 1911 sind die Geschäfte gut, und es ist mindestens auf denselben Gewinn zu rechnen, wenn nicht auf einen noch besseren. Dieses Ergelniis muss um so mehr befriedigen, als in Konstantinopel 1910 eine Anzahl neuer Banken erölfnet worden sind, mit einer scharfen Konkurrenz, über die alle Banken klagen.