Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- [Sonder-Ausgabe] Nr. 3 (13.8.1911)
- Date
- 1911-08-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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entzogen werden. Denn hat man einmal diesen Weg beschritten, so ist es unmöglich, sich später auf dies prinzipielle Bedenken zu berufen. Nichts ist leichter, als so unter Umgehung des Zweckes des Nationalfonds die Gelder desselben für alle möglichen anderen Unternehmungen zu verwenden und alle Mühe und Arbeit, welche die bewährtesten Führer unserer Bewegung daran gesetzt haben, um den Fonds ein für allemal auf die sichere Grundlage seiner Zweckbestimmung zu stellen,, wird vergeblich gewesen sein. Hier muss man denjenigen, die hierauf hinarbeiten, entgegenrufen: „Caveant consules ne quid detrimenti capiat fundus noster Judaicus." Deshalb habe ich aber auch schwere Bedenken, ob das Direktorium die Verantwortung für die Durchführung eines solchen Beschlusses übernehmen könnte. Trotzdem möchte ich diesem formeilen zionistischen Moment nicht die ausschlaggebende Bedeutung geben. Wenn dieser Beschluss als ungesetzlich erachtet würde und wirkungslos bleiben müsste, wäre dies ein Fiasko, dem wir den Kongress unter keinen Umständen aussetzen dürfen. Ein Mittel der Besteuerung dieser Institution dürfte überhaupt erst dann versucht werden, wenn alle anderen Mittel versagt haben, die notwendigen Geldquellen für die Erhaltung unserer Bewegung zu eröffnen. Solange man nicht die Propaganda intensiv ausgestaltet, solange man nicht neben dem Schekel den Jahresbeitrag der Mitglieder der Bewegung, die zu einer freiwilligen Steuer in der Lage sind, eingeführt hat, solange hat man kein Recht, auf das Mittel der Besteuerung der Institutionen zurückzugreifen. Dies führt dazu, dass sich selbst der Führer der deutschen Landsmannschaft, Herr Hantke, zu der Behauptung versteigen konnte, der Fonds gehöre dem E A. C Nein, er gehört dem jüdischen Volk (Lebhafter BeifalL und wir, die Verwalter, sind dem Grossen A. C. und damit auch dem Kongress für die treue Verwaltung gemäss seinem Zwecke verantwortlich. Unsere Leitung wird gewiss zu diesem Mittel nicht greifen. Wer nicht das Vertrauen in die Werbekraft unserer Bewegung und in seine eigene Fähigkeit hat, die frische Quelle der Begeisterung wieder fliessen zu lassen, die uns an den Werdetagen des politischen Zionismus erfüllt hat, verdiente es nicht, durch das Vertrauen des Kongresses in die Leitung der zionistischen Weltorganisation berufen zu werden. Ich bitte Sie alle, etwaigen Versuchen, die Besteuerung des Nationalfonds einzuführen, mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten. (Beifall.) Die Nationalfond Verwaltung hat aber nicht nur eitel Lob geerntet, sondern hat auch im Laufe der verflossenen Jahre inige Kritik erfahren. Es scheint, dass man in einzelnen Kreisen der Auffa surig huldigt, dass der Na-ionalfonds noch nicht genug im Ra «men seiner Zwecke m Pa ä^tina getan hat. So hat Herr Professor Warburg der Nationalion sverwaltung Vorschläge unterbreitet, weic e Verwendungsmöglichkeiten sich in dieser Richtung noc weiter iür den Fonds ergeben würden. Auf diese Vorschläge trt ffen zum Teil die lrüheren Bemerkungen zu, dass sie sich nicht streng im Rahmen unserer Zweckbestimmung bewegen, zum Teil sind sie sehr beachtenswert. Es mag aber darauf hing.-wiesen werden, dass die Beträfe, welche wir jetzt schon für palästinensische Au gaben festgelegt haben nach dem Massstab der gegenwärtigen Vermein ung unseres Fonds, eine dreijährige eifrige Sammelarb it aller unserer Sammelstellen erfordern wurde. Nach unseren bisherig-n Erla^rungeu wird aber kaum ein Jahr verge >en, ehe sich schon weitere Verwendungsmöglic leiten in dieser Richtung von selbst ergeben Darum ist es überflüssig, sich schon jetzt >ie über den Kopl zu ze br< eben. Seit ich an der Spitze des J. N.F. stehe, ist noch kein Pfennig, um den sich das Vermögen des Nationalionds durch die Sammlungen vermehrte, für einen anderen Zw ck verwendet worden, als für Kolonisationsarbeiten in Palästina. So wünschenswert für uns di * Förderung alle - Ko onisation^unternehmunuen in Palästina ist, müs en wir auch bald wieder daran denken, einen Teil unserer Gelder anzusammeln, wozu wir schon auf Grund unserer Statuten verpflichtet sind, wonach ein Viertel unseres Kapitals in leicht flüssig zu machenden Werten dauernd anzülegen ist. Es ist manchmal nöt g, zeitweise Selbstbeschränkung zu üben, und wenn s a das Direktorium darauf beschränkt, diejenigen Projekte gründlich zu prüien, welche das Paiästinaamt uns empfiehlt, hat es reichlich genug zu tun und nicht nötig, sich den Kopf darüber zu zerbrec en, was wir mit den Geldern anfangen sollen, die wir noch gar nicht haben. Ich muss mich auch gegen den Vorschlag aussprechen, neue Fonds fnr Kolonisation und Kulturarbeit zu gründen, weiche geeignet sind, die Werbetätigkeit des Nationalfonds einzuschränken Wir haben jetzt so vielerlei gemeinnützige Fonds und wirtschaitliche Unternehmungen, auch einen Kulturfonds, dass es wirklich nicht nötig ist, noch einen neuen Fonds für derartige Zwecke zu senaffen. Nicht die Gründung neu t Fonds ist ein Erfordernis, sondern der Ausbau der bestellenden Einrichtungen, dies kann nicht de tlich und dringend gemig wiederholt werden. In einer Aeusserung Prof. Weitztna ns in der „Jüdischen Rundschau", dass die Richtliui-m unserer Arbeit itn K»ngress festgelegt werden sollen. Geheint mir nur eine gewisse Unzufriedenheit mit dem Erfolg unserer Tätigkeit zum Ausdru k zu kommen, da doch kein ernster Realp litiker erwarten kann, dass in dieser Hiusieht mehr getan wird, als durch meine lrüheren Erklärungen aui dem Haager und Hamburger Kongress gr-schehen ist. Es ist nämlich meine Meinung, dass es besser ist, etwas zu schaffen, als darüber zu reden. Man könnte uns höchstens den Vorwurf machen, dass wir noen viel zu viel Lärm von UDserer Arbeit schlagen. Wir könnten vielleicht noch viel bescheidener sein. Denn im Grund sind es doch nur winzige Samenkörner, die wir ausstreuen. Wenn ich auch jih;ht das Wort ohne Einschränkung unterschreibe, dass die Zionisten die besten sind, die am wenigsten rede.-i. Diese Unzufriedenheit des Herrn Professor Weitzmann können wir ja sehr gut verstehen, da auch uns vieles viel zu langsam vorangeht. Wir müssen aber m t unseren Mitteln rec im-n und den Schranken, welche uns die Zweckbestimmung des Fonds auterlegt. loh komme nun zuletzt zu einigen Einwendungeu, welche von Herrn M. K. in der „Ha efirah" gemacht worden sind. Herr K. tade t die grossen Ausgaben des Nattonaltouds. Er meint, es wäre besser, hi» r zu sparen. Wir wären Herrn K. sehr verbunden, wenn er uns den einzelnen Posten unseres Budgets angeben möchte, bei welchem wir mit der Sparsamkeit beginnen sollen. Ich glaube nicht, dass Herr K. damit einverstanden wäre, dass wir unsere Sparsamkeit mit der Entziehung unseres Beitrages für das Palä tinaamt beginnen würden, das ja Iderr K. selbst als eine sehr nützliche Einrichtung betrachtet. Was aber die Spesen für die Sammelstellen betrifft, die einen grossen Posten unserer Ausgaben ausmachen, so wäre zu befürchten, dass die ausserordentlich fruchtbringende Arbeit dieser Bureaus für die Fulge eingeschränkt werden mi'is-te, wenn wir mit unseren Ausgaben, die doch der Propaganda dienen, sparsamer sein wollten. Dasselbe gilt für die Publikationen, für welche wir in unserem Budget belastet sind. Ein jeder, der mit den Dingen vertraut ist, wird wissen, welche kolossale propagandistische Bedeutung die Publikationen des Nationalfonds in der Presse der ganzen Welt haben. Durch diese wiid die Aufmerksamkeit weitester jüdischer Kreise fortdauernd auf unseren Fomis und seme Tätigkeit gelenkt und nicnts kann der Ausdehnung und der Popularisierung unseres Fonds mehr dienen, als diese Veröffentl chungen, für welche wir im Verhältnis zu ihrer Bedeutung nur ganz unerhebliche Opfer bringen. Wenn Herr K. davon spricht, dass der Nationalfonds keinen Boden verpachten solle, ohne dafür entschädigt zu werden, so entspricht das durchaus einem ständigen Grundsatze unserer Verwaltung. Auch für unsere Verpachtung an dieP.L D.O. haben wir * ine Entschädigung erhalten, zwar nicht in barem Geld, a» er in Aktien dieses Unternehmens. Wir wollen die Hoffnung noch nicht aufgeben, dass wir von diesen Aktien eine entsprechende Dividende ziehen. Es mag aber darauf hingewiesen werden, da s durch nie Tätigkeit der P.L.D.C. unser Land nicht schlechter geworden ist, sodass, wenn* unsere Erwartungen in dieser Richtung getäuscht werden sollten, und wir das Land wieder in unseren Besitz bekommen, wir aucn daun durch die Verpachtungen an die P.L.D.C. keinen wesentlichen Schaden erleiden werden. Der Vorschlag des Herrn K., der Nationältbuds möge Bode.i zum Weiterverkauf erwerben, lässt aber auf eine völlige Unkenntnis dieses Herrn über das Wesen und den Zweck des Nationalfonds schliessen. Es ist wirklich merkwürdig, dass ein Mann, der die Einrichtungen des Nationalfonds einer Kritik unterzieht, nch nicht einmal diese grundlegende Bestimmung des Nationalfonds kennt, dass derselbe nicht berechtigt ist, auch nur eine Quadratelle des Bodens, den er erworben hat, wieder zu verkaufen. Auf weniger unterrichtete Kreise muss diese Kritik aber den Eindruck machen, als ob das Direktorium des J. N. F. nützliche Verwendungsmöglichkeiten seiner Gelder vernachlässigt habe. Darum ist eine solche Art derselben höchst gefährlich. Nun sind wir nicht so eingebildet, um nicht zu wissen, dass uns re Verwaltung immer noch an manchen Mängeln krankt. Dafür üben wir aber die notwendige Selbstkritik, die viel wichtiger ist, als der Tadel eines Aussenstehenden, weil wir einen viel besseren Einblick in unsere Verwaltung und die Schwächen derselben haben, als andere* Wir sind fortwährend bestrebt, unsere Erfahrungen auszunutzen. So habe ich z. B. auf dem letzten Kongresse offen auf gewisse Schwächen in unserem Vertrage mit der Häuserbaugesellschatt ,.Actiuzat Bajit" hingewiesen. Diesen Mängeln haben wir versucht, bei unserem Vertrage mit der „Nachlath Benjamin", der Schwestergesellschatt von „Achuzat Bajit" wieder gut zu machen, indem wir dieser Grenossenschalt eine ewige Rente für die Benutzung des Grund und Bodens, wof ür wir das Darlehen geben, aufenegt haben. Wir beabsichtigen in Kürze noch einen weiteren