Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- [Sonder-Ausgabe] Nr. 3 (13.8.1911)
- Date
- 1911-08-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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No. 3 E)!E3^ELT 823 über die Arbeit des National fonds .a-bgegeben, die ich heute nur wiederholen könnte. Ich möchte Sie freundlichst bitten, sich mit den Richtlinien, die ich früher gegeben habe, einverstanden zu erklären, und ich glaube, der Sei fall, welchen Sie mir beim Erscheinen auf der Tribüne gezollt Siaben, darf mir einige Koffnung geben, dass Sie mit der Tätigkeit des National fonds im der verflossenen Periode nicht unzufrieden sind. Vielleicht dürfte es aber dennoch am Platze sein, noch einige kurze Bemerkungen hier anzufügen. Man betrachtet in weiten Kreisen den Nationalfonds als eine philahtropische Gesellschaft, welche verpflichtet ist, überall, wo ein gemeinnütziges Institirt in Palästina in Not gerät, einzugreifen und mit seinen Mittefln zu helfen. Diesem Irrtum muss entschieden entgegengetreten, werden. Der National fonds ist, wie schon der Name andeutet, ein national-soziales und in diesem Sinn gemeinnütziges UnkTiiehmen. Er dient zwar dem ganzen Volke, aber nur in Gemässheit seines Zweckes und i lach den Grundsätzen einer geordneten Vermögensverwaltung, hiernach ist er im Grunde nichts anderes, als eine Landervc rfos- Gesellschaft. Um diesem Ziele nLcht entfremdet zu werden, müssen die Gelder des Fonds au-cli bei einstweiliger, .anderweitiger Verwendung fruchtbringend, d. h. verzinsbar angelegt werden und Sorge getragen werden., diese einstweilig zu anderen Zwecken angelegten Gelder in abseibarer Zeit wieder aus ditesen Unternehmungen herausziehen zu tonnen.- Aus diesem Gesichtspunkt sind Anlagen spekulativer J-[atui\ die mit irgend einem Bisiko verknüpft sind, wenn es sicii nicht um Vermehrung unseres Grundbesitzes in Palästina mini seinen Grenzgebieten handelt, unter allen Umständen zu Ycrineiden. Selbstverständlich vertreten wir den Grundsatz, Gellanlagen in Unternehmedi gen, die der Kolonisation in Palästina förderlich sind, allen anderen vorzuziehen. Wir haben deshalb daTon Abstand genommen., die neuerdings zufiiessenden Gelder im europäischen Staats- oder Kentenpapieren anzulegen, und Sie werden sich aus der Skala, die in der Ausstellung unserer Sammelmittel zu sehen isfi, davon'überzeugen, dass unsere .sämtlichen, neu zugeflossenen Stenden unmittelbare Verwendung in Palästina gefunden haben. Leider scheint die Meinung, dass cLfcr National fonds eine Gesellschaft sei, deren Kasse für alle zionistischen Zwecke zur Terfügung stehe, auch in sehr einflnssreichen Kreisen Fuss gefasst zu haben. Man hat sogar vorgeschlagen, dass der J. N. F. die Kosten des Kongresses übernehmen oder überluaupt das Defizit der Organisation zu deÄen berufen sei. Man ibersieht dabei, dass die Verwendung der Gelder unseres Ebnds nur im Rahmen seines Zweckes möglich ist. Es gibt g^rvviss auch sonst noch eine Menge Institutionen, welche eine Dnterstützung von zionistischer Seite v»hl verdienen würden, «es ist aber ein Unrecht, an die Hilfe clees Nationalfonds zu demken, anstatt für solche Unternehmungen Sammlungen einzuleiteiu, um dieselben finanziell-zu unterstützen. So ist z. B. der Becalel ein überaus segensreiches Unternehmen. Jedermann wind es billigen, wenn der Nationalfonds diesem Unternehmen zwei schöne Häuser zur Verfügung gestellt hat, in welchen er sich nach seinen Bedürfnissen einrichten und entwickeln kann, llan wird uns auch nicht ernstlich tadeLo, dass wir die Miete für die ersten Jahre teilweise erlassen Laben. Es wird andererseits verständlich sein, dass wir für die Folge auf eine regelmässige Zahlung der Miete auch von dieser' Institution rechnen müssen. Wir müssen es ablehnen, aus diesen einstweiligen Hilfeleistungen eine Regel herzuleiten und es als eine moralische VerpflicMung des Nationalfonds zu betrachten, »nf eine Verzinsung seter in solchen Grundstücken angelegten Kapitalien dauernd zu versiebten. Selbstverständlich wird der N-citionalfonds, wo es sich* um ein Unternehmen handelt, das Hunderten unserer Stammesg-e-iiossen neue Erwerbsmöglichkeiten erschliesst, sich mit einer niedrigen Verzinsung begnügen und cflem Bezalel gegenüber nicht etwa als ein harter Hausherr, der auf seinen Zins pocht, auftreten. Im Laufe der Zeit sind dem National fonds Unternehmungen angegliedert worden, die man als Tochter vereine oder Gcsehschaften desselben bezeichnen kann. Ich nenne nur die Oeibaumspende, den Genosse m Schafts fonds unl die David- und Fanny-Wolffsoolin- Stiftung zur Errichtung von Arbeiterwohnungen in Palästina. Auch andere G-e-sellschaften sind durch Kreditgewährung zu dem National foiiis in ein näheres Verhältnis getreten, sodass derselbe ein erhebliches Interesse an deren Verwaltung hat. AlHis die Oelbaumspende betrifft, so muss aber der Irrtum aufgeklärt, werden, der auch durch die gestrige Erklärung des Hrn. Prof. IVarburg unterstützt wird, als ob der Nationalfonds die VerwaltungderP f 1 a n z u n g e n in Palästina führe. Diese stehen nach wie vor unter der direkten Leitung des Palästina-Kessorts in Berlin. Der J. N. F. hat vorläufig lediglich die Sammlungen fünr die Oelbaumspende und die Verwaltung des Fonds selbst übernommen und weist die für die Pflanzungen erforderlichen Gelder gemäss dem Beschlüsse des Vorstandes der Oelbaumspende aife, Immerhin hält es die Nationalfondsverwaltung für ihre Pflünht, bei diesem ihr so nahestehenden Unternehmen mit dem Palästina-Bessort darüber zu wachen, dass eine geordnete GescMftsgebahrung stattfindet. Sie hat deshalb eine Inspektion übei' unsere Oelbaumpflanzungen veranlasst, aus der hervorzugehen, scheint, dass sich dieselben in einer normalen Entwicklung befinden, wenn wir auch noch mit den Schwierigkeiten einer ers ten Versuchsperiode rechnen müssen. Die Festlegung auf eine mathematische Grenze der Kosten eines Oelbaumes möchte ich aber auch Herrn Professor Warburg noch nicht empfehlen, Die J. N. F. Verwaltung hat durch eingehende Korresponde nz mit dem Leiter des Palästina - amtes dafür Sorge getragen, dass«lie Ausgaben nach einem jährlichen Voranschlag eingerichtet werden und eine Ueberschreitung dieses Budgets nur in Ausnahmefällen stattfinden darf. Wir hoffen auf diese Art zu erreichen,, dass die Arbeiten im Kähmen unserer finanziellen Kraft geleitet werden und die Kosten der Verwaltung im Verhältnis zu den Leistungen stehen. Der gegenwärtige Zustand ist noch nicht ganz zulänglich und hat zur Erörterung von Kompetenzfragen nnschen den einzelnen Verwaltungen Veranlassung gegeben. Wir halten es darum auch für unsere Pflicht, die Einflussphäre des National fonds gegenüber diesen Verwaltungen klarzustellen, damit Missverständnisse und hieraus fliessende Verstimmungen vermieden werden. Die wichtigste Frage, welchen1 die National fonds Verwaltung nunmehr gegenübersteht, ist die ei mer geplanten Besteuerung von 10 % seiner Einnahmen zu Gunsten der Organisation. Es wäre gewiss ein sehr bequemer Weg dir die Zentralleitung der Bewegung, wenn ihre Mittel aus ScLekeigeldern nicht ausreichen, in die Kasse des Nationalfonds oder der Bank zu greifen und ihren Bedürfnissen daraus Befriedigung' zu schaffen. Ich halte aber diesen Ausweg für einen sehr gefährlichen Weg, für einen Holzweg schlimmster Sorte. Es ist ein Irrtum, wjenn man annimmt, dass man auf diese Art mit einem bestimmten im voraus abschätzbaren Einkommen rechnen könnte. Im Gegenteil ist mit aller Bestimmtheit zu erwarten, (Uss in dem Augenblick, in dem die Besteuerung des Nationalf omls beschlossen wird, die Einnahmen desselben wesentlich zurückgehen und infolgedessen auch die Einnahmequelle der Besteuerung versickern wird. Ich bin der Ueberzeugimg, wenn die Spenden für organisatorische Zwecke, jind nicht unmittelbar für Zwecke der Kolonisation in Palästina gesammelt werden, eine Haupttriebfeder für die Popularität der Sammlungen des J. ]SLP. versagen wird. Man möge das Imponderabile des moraiisclwai Momentes nicht vergessen, das den Spender erfüllt, wenn er s«edne Spargroschen dem J. N. P. widmet, um Grund und Boden in Palästina zu erwerben. Es ist auch ein Irrtum, der widerlegt werden muss, als ob der Nationalfonds nicht schon heute einen erheblichen Teil zu den Kosten der Organisation beitrage. AVenn der Nationalfonds 10°/o seiner Einnahme den Sammelstellen überlässt, so ist ohne weiteres ersichtlich, dass die you diesen Sammelstellen entwickelte Propagandatätigkeit durch Arerbreitung von Flugblättern, durch Veranstaltung von Versammlungen, durch Wort und Schrift ebenso sehr der allgemein zionistischen Propaganda dient, als der speziellen Arbeit für den Nationalfonds. Ganz davon abgesehen, dass auch die ßeteiligung des Nationalfonds an wichtigen, allgemeinen, zionistischen Einrichtungen wie z. B. dem Palästina-Amt in Jaffa, sowie ander „ AV e 11" als eine Beteiligung an den Kosten der allgemeinen Organisation zu betrachten sind. AVenn man das Faait dieser Summe zieht, so wird sich ergeben, dass diese Ausgabe-n auch heute schon einen bedeutenden Prozentsatz ausmachen. Es soll nicht bestritten werden, dass der Nationalfonds auch seinerseits durch die Einrichtungen der allgemeinen Organisa tion ausserordentliche Vorteile geniesst. Es ist selbstverständlich, dass der Nationalfonds ohne diese allgemeine Organisation un«l ihre Funktionäre in den verschiedenen Ländern überhaupt mioht existieren könnte. Es ist aber hierbei zu berücksichtigen, dass wie bei jeder geordneten Organisation ein Rad in das andere greifen muss, wenn die Maschine arbeiten soll. Alle diese Dinge sind früher schon hervorgehoben worden und es lohnt kaum, sie zu wiederholen. Aber eines möchte ich doch nicht unterlassen, nochmals zu betonen. Die Spannkraft der zionistischen Propaganda wird wesentlich beeinträchtigt, wenn die Ueto'zeugung allgemein wird, dass der Schekel nur eine Aushilfe se=in soll, in. Ergänzung anderer Mittel zur Erhaltung der Organisation. (Beifall.) AVenn es notwendig ist, wird man die Steuerschraube einfach etwas höher anziehen. Dem wird man daniL nicht entgegenhalten können, dass auf diese Art die Mittel des J. N. F. völlig seinem Zwecke