Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- [Sonder-Ausgabe] Nr. 3 (13.8.1911)
- Date
- 1911-08-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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822 .DIE SEGELT No. 3 träges Dr. Thon, nachdem ihn Herr Dr. Friedemann deutsch verlesen hatte. Dr. Bodenheimer: Wir schreiten zur Abstimmung! Ich bitte die Herren Delegierten Platz zu nehmen. Wer für den Antrag Dr. Thon ist, möge die Hand erheben. Nach einer Pause: Bitte die Gegenprobe. Der Antrag ist fast einstimmig angenommen. Das Wort hat Herr Wolffsöhn. Die Mitglieder des Kongresses erheben sich von ihren Sitzen. Minutenlange Hochrufe und Tücherschwenken. Ein Teil der Delegierten stimmt die Hatikwah an. Präsident Wo 1 ff söhn erhebt mehrere Male die Hand zum Zeichen, dass er um Ruhe bittet. Endlich tritt Ruhe ein. Präsident W olffsohn: Geehrter Kongress! Ich danke Ihnen für die schönen Worte, die der Kongress für meine Arbeit und für die Arbeit meiner Freunde Professor War bürg und Jakobus Kann gefunden hat. Für Professor Warburg brauche ich keine Erklärung abzugeben, denn er ist hier. Aber für mich und Herrn Kann, die wir Ihnen unseren Dank für die grossartige Ovation sagen, darf ich aussprechen, dass Herr Kann und ich, obgleich wir von der Leitung zurücktreten, auch weiter in derselben Weise für unsere Sache arbeiten werden. Die Szenen von vorhin wiederholen sich nun. Stürmische Rufe: Hoch Wolffsohn! Auf der Galerie und im Saal erhebt sich alles und applaudiert. Nachdem die Ruhe wieder eingetreten ist, erklärt Vorsitzender Dr. Bodenheimer: Wir fahren in unseren Beratungen fort. Es liegt der Antrag vor, dass die beantragte Organisationskommission vom Permanenzausschuss zusammengestellt werde. Wir werden dies also dem Permanenzausschuss ^übergeben. Der Permanenzausschuss wird sofort nach Schluss der Sitzung im Zimmer nebenan zusammentreten und uns dann seine Entschlüsse mitteilen. Es tritt eine kurze Pause ein. Nach derselben schliesst der Vorsitzende Dr. Bodenheimer nach einigen geschäftlichen Mitteilungen die Sitzung. Schluss der Sitzung 7 Uhr. Nächste Sitzung Freitag, den 11. August, 10 Uhr vormittags. Dritter Tag. Fünfte Sitzung. Freitag, den 11. August. Präsident Dr. Max Nordau eröffnet um 10 Uhr 5 Minuten die Sitzung. Sekretär Dr. Eosenblüth verliest aus dem Einlauf die Telegramme der kanadischen und südafrikanischen Föderationen, des „Bezalel" in Jerusalem und der Gemeinde AI ex an drowsk, die ihren verstorbenen Rabbiner Abr. Uscherow in das Goldene Buch einträgt. Präsident Dr. Max Nordau: Geehrter Kongress! An Herrn David Wolffsohn, Präsdenten der zionistischen Organisation, ist heute folgende Depesche Sr. Hoheit des Grossvesirs eingetroffen (sie lautet in deutscher Uebersetzung) : „Herrn David Wolffsohn, Basel, von der Hohen Pforte in Konstantinopel. Ich danke Ihnen aufrichtig für die Sympathien, die Sie aus Anlass der letzten Heimsuchung ausgedrückt haben, und für die grossherzige Spende zugunsten der Verunglückten. Hakki." Es ist dies die Antwort auf eine Drahtung, die am ersten Tage des Kongresses nach Konstantinopel gesandt wurde, und die folgenden Wortlaut hat, den ich Ihnen gleichfalls in deutscher Uebersetzung vorlese: „An Seine Hoheit Hakki Pascha, Grossvesir in Konstantinopel. Der in Basel versammelte Zehnte Zionistenkongress hat seine Arbeiten mit folgendem. Beschluss begonnen, der vom Actionscomite beantragt und durch begeisterten Zuruf angenommen wurde: Der Brand in Konstantinopel hat den Zionistenkongress tief bewegt, der der ottomanischen Kegierung seine schmerzlichen Sympathien ausdrückt und sie bittet, eine Spende von 5000 Francs annehmen zu wollen, um zur Erleichterung der Leiden beizutragen, die der Bevölkerung der ottomanischen Hauptstadt durch das Elementarereignis verursacht worden sind. David Wolffsohn, Präsident der Zionistischen Organisation." (Lebhafter Beifall.) Präsident Dr. Nordau: Das Wort hat nunmehr Herr Dr. Bodenheimer zur Erstattung seines Berichtes über den Nationalfonds. Vizepräsident Dr. Tschlenow übernimmt den Vorsitz. Dr. Bodenheimer: Sehr geehrte Versammlung! Nach dem Vorgang des letzten Kongresses kann ich mich auch diesmal auf eine kurze Ergänzung des ausführlichen Berichtes beschränken, der Ihnen irn Druck überreicht worden ist. Sie werden aus demselben ersehen, dass sich die Sammlungen des Nationalfonds noch immer in einer aufstrebenden Linie bewegen und voriges Jahr die Rekordziffer von über M 455,000.— erreicht haben, obwohl wir zu gleicher Zeit über M 100,000.— für den Genossenschaftsfonds sammelten. Nach dem Ergebnis des ersten Halbjahres ist auch in diesem Jahre mindestens dieselbe Summe zu erwarten. Dieses glänzende Ergebnis unserer Sammeltätigkeit ist nicht allein der Organisation, die wir in allen Teilen der Welt geschaffen haben, zu verdanken, sondern in erster Linie der unermüdlichen Tätigkeit einer grossen Anzahl von Gesinnungsgenossen, die ihre Arbeit in den Dienst des Nationalfonds gestellt haben. Es ist hier nicht der Ort, Namen zu nennen, aber ich darf hervorheben, dass unsere Gesinnungsgenossen in S ü d - A f r ik a und in Belgien in Beziehung auf den erzielten Erfolg an der Spitze stehen, da sie prozentual die höchste Ziffer mit einer Mark pro Kopf der jüdischen Bevölkerung erreicht haben. Ganz besonders aber muss ich dann die Opfer Willigkeit unserer Freunde in Oesterreich rühmen, welche die Wiener Sammelstelle mit einer nicht genug anzuerkennenden Energie geleitet haben. Auch die russischen Gesinnungsgenossen, welche im Dienste des J. N. F. stehen, haben hiermit ein neues Martyrium des Juden Volkes auf sich genommen. Abgesehen von vielem anderen, was in dieser Geschäfts - periode zur Durchführung gelangt ist, haben wir uns seit dem letzten Kongress mit den Sammlungen und der Einrichtung der Siedlungsgenossenschaft befasst und diese Arbeiten zu einem gewissen Abschiuss gebracht. Nach den bisher eingegangenen Berichten ist zu erwarten, dass die Hoffnungen, welche wir auf dieses Unternehmen gesetzt haben, alle Aussicht haben, sich zu verwirklichen. Ueber die Art, wie wir unsere Aufgaben der Verwaltung des Nationalfonds auffassen, brauche ich nur auf meine "früheren Ausführungen auf dem Haager Kongress, sowie auf dem Kongress in Hamburg zu verweisen. Ich habe damals Erklärungen