Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- [Sonder-Ausgabe] Nr. 3 (13.8.1911)
- Date
- 1911-08-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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will ihnen etwas erzählen, was Kann charakterisiert. Es waren Differenzen ausgebrochen; denn unser Herzl hatte in einer Beziehung genau dieselben Eigenschaften wie Warburg, nämlich, dass er von kaufmännischen Dingen nichts verstand. Kann ist gegangen, und von derselben Stunde m hat er mit mir gearbeitet genau in derselben Weise wie früher, ohne dass jemand eine Ahnung dawn hatte. Ueber drei Jahre hat Kann bei der Bank gearbeitet, ohne Titel, ohne Rechte, und wie hat er gearbeitet! Er hat alles gemacht. Und als Herzl nachher das erfahren hat, und wir zusammenkamen, da. hat er ihm die Hand gedrückt und Tränen sind ihm in die Augen gestiegen ob einer derartigen Treue. (Stürmischer Beifall.) Die stärkste Charaktereigenschaft Kanns ist die, dass er ein grundehrlicher Mensch ist, dass er stets nur die Wahrheit sagt, und dass er, ganz gleich, ob er damit jemandem wehtut oder nicht — das ist die einzige scharfe Ecke an Kann — die "Wahrheit gerade heraussagt ohne irgendwelche Rücksicht, wenn es um ernste Dinge geht, wenn es gilt, die zionistische Sache zu verteidigen. Dass diese Berichte jetzt angekoni men sind, zwei Tage, bevor der Kongress eröffnet wurde, das konnte er nicht wissen. Nun will ich Ihnen sagen, warum die Sache nicht verstanden wird. Herr Pasmanik sagt: nachdem wir jahrelang gefordert haben, dass die Gelder nach Palästina herübergthen, kommt jetzt Kann und hat diese Idee aufgegabelt! Ja, Herr Pasmanik, der Unterschied zwischen uns, die in der Leitung sind und den andern ist der: wir arbeiten und die andern reden! (Stürmischer Beifall und Widerspruch.) Vor vier Jahren hat bereits Dr. Jacobson bei uns den Antrag gestellt^ dass wir die Jüdische KoioniaLbank und die Anglo Palestine Company zu einer grossen Bank vereinigen. Wir hatten den Plan überlegt: wir können nicht so rasch von der Stelle kommen, der eine von unseren Direktoren sitzt in Jaffa, der andere in Moska.ii, der dritte anderwärts. Dass wir darüber nicht öffentlich gesprochen haben, ist doeh selbstverständlich. Wenn Banken irgend welche Projekte haben, gibt man sie doch nicht in die Zeitungen, ehe sie fertig sind. Wenn wir die Sache vollfihrt haben, werden wir sie vortragen. Ich führe dies aJs Beispiel an für die Art, wie missverständliche Anpassungen entstehen. Weiter sprach Herr Pasmanik von der Vertiefung des Zionismus. Von anderer Seite wurde unsere Initiative vermisst usw. Ob die andern es verstehen, weiss ich nicht, ich verstehe es nicht. Solange man mir nicht einen positiven Vorschlag macht und mir sagt, ^vas ich tun soll, welche Initiative icJi ergreifen soll, was heraus kommen soll, wie man vertiefen soll, sind das allgemeine Redensarten. (Sehr richtig.) Auf eine Anfrage des Herrn Wolffsohn erteilt darauf Herr Wolffsohn einige Aufklärungen über die Entlassung des Herrn Eisenstadt aus der Anglo- Palestine- Company. Geehrter Kongress! Ich habe Ihnen eigentlich alles gesagt, was ich auf dem Herzen habe, und was ich nicht auf dem Herzen habe. Schöne Reden müssen sie sclion von andern erwarten. Ich habe jetzt einen Antrag zu stellen, da es von anderer Seite nicht geschehen ist: Ich beantrage Dechargeerteilung für das A.-C. Vorsitz ender Dr. Bodenheimer: Es liegt mir bereits ein solcher Antrag vor. Wolffsohn: Geehrter Kongress! Ich habe Ihnen auf die Fragen, die gestellt sind, Antwort gegeben. Noch ein Wort: Ich trete zurück, wie ich gesagt habe, und ich richte die dringende Bitte an Sie: Verfahren Sie mit der neuen Leitung milder als mit der alten! Die Versammlung bricht in tosenden Beifall aus. Lange Zeit dauert das Händeklatschen und Hochrufen und Tücherschwenken an. Ein Teil der Versammlung, die sich erhoben hat, stimmt die Hätikwah an. Vorsitzender Dr. Bodenheimer kann sich nur mit grösster Mühe verständlich machen. Dr. Bodenheimer: Die Worte, die Herr Wolffsohn gesprochen hat, werden gewiss viele Bitterkeit hinweggeräumt haben, die sich in den letzten zwei Jahren angesammelt hat. Ich hoffe, dass wir jetzt die Arbeiten des Kongresses mit Ruhe werden fortsetzen können. Das Wort hat Herr Dr. Daiches zur Stellung eines Antrages. (Unruhe.) Ich bitte um Ruhe. Wir kommen ja zu einer Abstimmung. Dr. Daiches: Wir haben soeben eine Generaldebatte zu Ende gebracht, die den Beginn einer neuen Epoche im Zionismus anzeigt. Wenn wir 41 n die Generaldebatte vom neunten Kongress zurückdenken, dann können wir erst die Bedeutung der gestrigen und heutigen Debatte erfassen und würdigen. Damals Anklagen und Vorwürfe, jetzt wohlwollende Beurteilungen, Ich stelle den Antrag, dass wir hier alle einstimmig dem E. A. C. die Decharge erteilen in dem Bewusstsein, dass dieser Kongress einen Fortschritt und eine Erstarkung im Zionismus bedeutet. Herr Kessler: Ich stelle den Antrag, dass wir dem E. A. C, Herrn Prof. Dr. Warburg umd besonders unserem bewährten Verwalter der Finanzen, Herrn Kann und in allererster Linie unserem hochverehrten Präsidenten Wolffsohn Decharge erteilen und dass der Kongress seine Dankbarkeit ausspricht für die Arbeiten, die diese Herren im Interesse unserer Bewegung geleistet haben. (Stürmischer Beifall) Delegierter Rosenthal: Ich beantrage: Der Kongress beschliesst, dem Präsidenten des E. A. C. sowie den Herren Kann und Warburg Decharge zu erteilen und den Dank auszusprechen. Dr. Osias Thon: Ohne ein Wort der Begründung — die liegt ja in der Stimmung, die sich in Ihnen ausgelöst hat, als Dr. Daiches seinen nicht sehr geschmackrollen Antrag hier vorgebracht hat — stelle ich folgenden Antrag: Der Kongress spricht dem E. A.C. für seine ^ierj ährige fruchtbare und erfolgreiche Arbeit Vertrauen und Dank aus, dankt aber insbesondere Herrn Präsiienten David Wolffsohn dafür, dass er uns das grosse Erbe Herzls nicht nur erhalten, sondern auch gemehrt hat. (Stürmisclier Beifall.) Dr. Daiches und Dr. Halpern verlangen eine kurze Pause vor der Abstimmung. Beide Anträge werden abgelehnt. Der Kongress beschliesst, über den Antrag Dr. Thon zuerst abzustimmen. Es gehen nunmehr die Herren Dr. Mos shisöhn die hebräische, Dr. Tschlenow die russische und Israel Cohen die englische Uebersetzung ies An-