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Die Welt · 1911-08-13 · [Sonder-Ausgabe] Nr. 3 (13.8.1911) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
[Sonder-Ausgabe] Nr. 3 (13.8.1911)
Date
1911-08-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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820 DIEE^ELT Nö. 3 raus sich mit der Politik aller einzelnen Staaten befassen soll. (Zustimmung.) Ich muss es aussprechen: dass wir Gefahr laufen, dass wir dabei hie und da in Konflikt kommen mit uns selbst, dass die Zionisten in dem einen Lande oft für eine ganz andere Politik arbeiten müssen wie in einem anderen Lande. Ich will auch aufmerksam machen auf die Gefahr, dass wir dabei mit verschiedenen Regierungen in Konflikt kommen könnten. Wir haben schon genugzu leidenwir müssen für uns sorgen, für unsere Idee.] Ich komme nun zu Herrn Rabbinersohn. Die Rede des Herrn Rabbinersohn, den wir das erstemal das Vergnügen haben zu begrüssen, hatmir wirklich Freude gemacht; es war so ein Zug darin aus der alten Zeit, wie man vor zehn, zwölf Jahren mit Projekten kam, dass uns das Herz vor Freude schlug. Er hat vorgeschlagen, dass wir einen Dampfer bauen; auch Herzl hatte dieselbe Absicht, und es ist auch mein innigster Wunsch, dass wir einmal mit einem grossen Dampfer in ganz grosser Zahl nach Palästina überfahren (Beifall). Aber heute ist es noch zu früh. Herr Rabbinersohn ist sogar soweit gekommen, dem Schiff einen jüdischen Kapitän und jüdische Mannschaft zu geben! Ich glaube, es wird so rasch nicht gehen. Es könnte eine grosse Landsmannschaft kommen und verlangen ein Kollegium von Kapitänen (Stürmische Heiterkeit) — meine Herren, Sie haben ja noch nicht zu Ende gehört: ein Kollegium mit dem Sitze in Berlin (Erneute Heiterkeit). Derartige Wünsche müssen wir zurückstellen. Es ist ganz gut, dass wir derartige Ideen haben, es ist ganz gut, dass auch unsere Phantasie ein bisschen weit vorausgeht, und es ist auch ganz gut für diejenigen, die arbeiten, dass sie wirklich den Blick in die Weite richten, und dass sie auch Bilder sehen, die vielleicht nicht der Wirklichkeit entsprechen. Wäre Herzl nicht auch Poet gewesen, wäre er der trockene praktische Mann gewesen, — ich glaube, er hätte die ganze Sache nicht unternommen. Aber es ist gut, und ich habe mich gefreut, dass jetzt unter uns Leute sind, die solche Wünsche vorbringen, und es wird auch eine Zeit kommen, wo diese Leute an der Erfüllung dieser Wünsche mitarbeiten werden. Dann kam Herr Laskar aus Toronto, der jetzt in Palästina war. Wo in aller Welt hat er die 1100 Arbeiter hergenommen, die aus Palästina ausgewandert sind? Ich wäre glücklich, wTenn wir 1100 überhaupt hätten! Herr Laskar, wir haben ein altes Wort: „Die Luft, das Klima in Erez Israel macht klüger! Aber leider scheint Erez Israel die Eigenschaft pzu haben, dass sein Klima zum Uebertreiben bringt. Sie dürfen nicht alles glauben, was von dort erzählt wird; glauben dürfen Sie aber was Ihnen unser Dr. Ruppin, unsere Bank sagt. Leider Gottes müssen wir feststellen: die Herren, die nach Palästina gehen, hören selten auf unsere Beamten, die dazu da sind, ihnen Auskünfte zu geben; die Herren hören auf das, was auf der Strasse erzählt wird, und da hören sie ganz unglaubliche Dinge. Ich wiederhole noch einmal, es ist ganz unmöglich, dass 1100 Arbeiter ausgewandert wärein. Herrn Kaplansky, der eigentlich auch nur über Palästina gesprochen hat, ist ja bereits erwidert worden; nur ein Wort. — Herr Kaplansky sagte — ich berichte wohl richtig, wenn ich bemerke, er ist der Präsident der Poale Zion — er sagte: Wir müssen eine Verständigung mit den arabischen Kreisen suchen. Ich habe dahinter halblaut Bravo gerufen — vorsichtig, weil ich nicht wusste, was noch kommen wird (Heiterkeit), aber es kam sehr gut, er blieb bei diesem Satz stehen. Vollkommen richtig ist es; aber dann möchte ich Kaplansky bitten, er möge auf seine Freunde unter den Poale Zion in Palästina wirken, dass auch da eine Verständigung mit den Arabern gesucht wird, (Beifall.) Jetzt, geehrter Kongress, komme ich zu dem letzten Redner, bei dem sich das Wort bewahrheitet hat: die ersten werden die letzten sein. Herr Pasmanik war in Hamburg der erste Redner gegen das Budget, diesmal war er der letzte! Und er hat inzwischen auch gelernt; das ist keine Schande, ich habe auch in der Zeit gelernt. Er hat gelernt, wie man Kritik übt. Solcher Kritik, wenn sie auch nicht in allen Punkten richtig ist, bin ich dankbar; denn ich habe jetzt die Möglichkeit, verschiedene Missverständnisse aufzuklären und unrichtige Behauptungen richtig zu stellen. Wenn nicht kritisiert wird, so laufen die Dinge immer weiter, und darunter leidet nicht nur die Leitung, sondern die gesamte Bewegung. Herr Pasmanik hat einige Fragen gestellt, auf die ich noch zurückkommen werde. Besonders aber hat er an meinem Kollegen Herrn Jakobus Kann Kritik geübt in Sachen des letzten Briefes. Er fragte, ob dieser Brief dem A. C. vorgelegen hat. Ja, Herr Pasmanik, alle Reden, die Sie heute gehalten haben und auf dem Kongress in Hamburg, hatten auch nicht dem A. C. vorgelegen; und Herr Kann, der leider nicht hier sein kann, ein Mann der sechs Jahre an der Spitze der Bewegung gestanden hat, würde doch auch ein Recht haben, hier zu reden. Wäre er hier gewesen, so hätte er genau dieselben Ausführungen gemacht und sie -wären dann in der „Welt" abgedruckt und ins Protokoll gekommen. Da er nicht hier sein konnte, hat er sich an mich, seinen Kollegen, gewandt und mich gebeten, seinen Brief hier vorzulesen. Herr Kann hat es nicht getan, um zu zanken und zu streiten; er hat es getan, damit die Dinge, die nach seiner Ansicht nicht gut gemacht sind, gebessert werden. Ich möchte vorausschicken, dass Herr Kann genau so wie ich Herrn Professor Warburg als Menschen und Zionisten hochschätzt; Herr Prof. Warburg geniesst unsere grösste Hochachtung, und gerade deshalb wollen wir ihn von den kaufmännischen Geschäften entlasten. Wir wollen, dass er für unsere Bewegung das bleibt, was er wert ist, und wir wollen ihn nicht mit kaufmännischen Dingen belasten, die lieber ein Kaufmann machen soll, als Herr Professor Warburg. Er sagt ja selbst: ich verstehe von kaufmännischen Dingen nichts, aber Herr Awadiowitz gibt mir den Rat. Herr Kann ist der Meinung, dass wir andere Leute zu Rate ziehen müssen bei aller Achtung vor Herrn Awadiowitz. Wir haben eine Reihe von kaufmännisch geschulten Männern: einen Katzenelsohn, ehfen Kann, einen Wolffsohn und manche andere, denen Sie kaum Ihr Vertrauen schenken — und ausgerechnet zu einem Einzelnen sollen wir das Vertrauen haben! (Beifall.) Nun hat Herr Pasmanik gesagt, und das möchte ich mit der grössten Entschiedenheit zurückweisen, dass Herr Kann etwas behauptet hat, das der objektiven Wahrheit nicht entspricht. Geehrter Kongress! Von der ersten Stunde an arbeitete ich Seite an Seite mit Kann. Er war schon beim ersten Kongress. Als wir die Bank gründeten, stellte er sich an unsere Seite. Er hat gearbeitet, und ich

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