Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- [Sonder-Ausgabe] Nr. 3 (13.8.1911)
- Date
- 1911-08-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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N. F. erfolgt. Das geschieht ja auch schon. In der ersten Zeit geschah das nicht; nach meiner Ansicht geht es nicht besser, eher etwas schlechter als früher, d. h. die Sammlungen sind etwas geringer geworden. Ich schiebe das darauf, dass der N. F. viele Leute zu befriedigen hat und nicht die Intensität auf die Sammlungen für die Oelbaumspende verwenden kann, wie wir es früher getan hatten; es kann auch einen andern Grund haben, jedenfalls geht es nicht besser. Die Leitung ist jetzt in den Händen des Palästinaamts, d.h. des Dr. Ruppin. Nun hat er seit längerer Zeit die Furcht geäussert, dass die Sache drüben nicht richtig gehandhabt wird. Ich weiss, dass sich bei jeder Gesellschaft, die sich mit Baumpflanzungen abgibt, in der ersten Zeit Schwierigkeiten ergeben, die uns aber nicht abschrecken, weil das später nachgeholt wird. Nun, ich war nach manchen Nachrichten, die von drüben kamen, etwas ängstlich und habe deshalb auch der Ansicht zugestimmt, dass wir einmal die Sache untersuchen Hessen; aber das wusste Herr Kann; wir hatten den Befehl schon herausgegeben. Nun wundert es mich ausserordentlich, dass er schreibt: „ich habe Inspektion verlangt, aber es blieb alles beim alten!" Die Sachverständigen sind doch dort nicht so ohne weiteres zur Hand. Wir haben Herrn Aaron so hn beauftragt, aber der hat auch etwas anderes zu tun, als gleich die Inspektion zu machen. Er hat dann einen Bericht hergeschickt nebst einem Bericht von Ruppin, der die Schlüsse aus der ganzen Lage zieht. Da hat sich herausgestellt, dass jeder Baum von den 15—20,000 Bäumen, die in der Pflanzungsschule stehen, bis zu seiner Vollendung M 7.50 kosten wird, d. h. nur 25°/o mehr, als wir im Durchschnitt angenommen haben. Wenn das richtig ist, dann können wir sagen, mit 6 Mark werden . wir zweifellos auskommen, ich hoffe, später sogar billiger. Aber selbst wenn sie M 6.50, selbst wenn sie M 7.— kosten sollten — ist das ein Grund, eine so wichtige, eine so vitale Institution wie die Oelbaumspende, hier vor der Oeffentlichkeit zu kritisieren? (Sehr richtig!) Ich komme zum Pf 1 anzungs verein in Palästina. Der ist sehr klein geblieben; wir haben uns wenig darum gekümmert. Wir haben ihn damals besonders deshalb gegründet, weil wir glaubten, dass die gesetzestreuen Gesinnungsgenossen an dieser Sache Interesse haben würden; sie haben es nicht gehabt, er ist klein geblieben, die Pflanzungen gehen zurück. Von einer Nichtkonsolidierung dieses Vereins kann keine Rede sein. Dann kommt der Verein Bezalel, den er noch ganz speziell anführt als einen Verein, der reorganisiert werden müsse. Gerade dieser Verein steht nun zufälligerweise unter der Leitung eines sehr tüchtigen Kaufmanns, der ihm fast seine ganze Zeit widmet und dessen enormer Tätigkeit und Liebe für diesen Verein wir es zu verdanken haben, dass er sich in kurzer Zeit so mächtig ausgedehnt hat. (Beifall.) Der Verein hat ein grosses Budget. In diesem Jahre wird er für ziiia 150,000 Frs. Ware machen, im nächsten Jahre für 200,000 Frs., und fast ohne Betriebskapital; d. h. das Kapital sparen wir uns ab von den Ueberschüssen. Die einzige Schuld ist ein Kredit bei der Bank, ich glaube von 30,000 Mark oder dergleichen. Ich möchte ein gewerbliches Unternehmen sehen, das derartig sicher steht; denn wenn wir die Ware berechnen, so bekommen wir doch die ganzen 150,000 Frs. wieder, so dass der kleine Kredit reichlich gedeckt ist. Ich vermag nicht einzusehen, weshalb dieser Verein vom kaufmännischen Standpunkt einer Reorganisation bedürfte. Wir kommen nun zu den wirklich kaufmännischen Unternehmungen: das Palästina-Industriesyndikat. Es ist ein Studiensyndikat; es soll zusehen, welche Industrien in Palästina mit Erfolg betrieben werden können. Eine Konsolidierung dieser Gesellschaft scheint mir auch vorläufig gänzlich überflüssig zu sein. Die Immobiliengesellschaft in Palästina! Die Gesellschaft kauft städtische Terrains, parzelliert und verkauft sie. Sie hat soviel Kredit hei den Käufern, dass diese ihr Geld vorher einschicken, so dass sie den grössten Teil ihres Kapitals auf der Bank liegen hat; wenigstens bis vor kurzem, jetzt hat sie grosse Käufe gemacht. Sie hat keine Schulden, alles Geld ist auf der Bank und alles ist in guten,, sicheren, verkäuflichen Terrains angelegt. Also wo bleibt da ein Grund zur Konsolidierung? Nun kommen wir zu der P. L. D. C, und diese hat tatsächlich in den ersten beiden Jahren einen rechnerischen Verlust gehabt, wie es jedes landwirtschaftliche Unternehmen auf neuem Boden anfänglich haben muss. Deshalb die Gesellschaft zu konsolidieren, ist kein Grund; man soll ihr mehr Kapital geben, man soll ihr mehr Aktien abnehmen, damit sie für ihr Parzellierungsgeschäft nicht soviel Kredit beim N. F. nehmen muss. Das ist die Konsolidierung, die ich vorschlage. Dass der N. F. ihr aber Darlehen gibt und geben muss, ist selbstverständlich; denn das ist doch gerade der Zweck des N. F., solange, er noch nicht für seine eigene Rechnung unveräusserlichen Boden kaufen kann. Also auch da sehe ich keinen Grund zu den Befürchtungen und zu den Beschwerden, die Herr Kann hat. WTenn wir aber das System des Herrn Kann annehmen, immer warten wollen, bis eine Sache schon Erfolg hat, wie weit wären wir jetzt? Wir wären noch nicht über den J. C. T. hinausgekommen (sehr richtig); wir hätten noch nicht die A. P. C, geschweige denn den N. F.! Also ich glaube, auch das Prinzip des Herrn Kann ist nicht richtig. Dass wir eine kaufmännische Leitung haben wollen und ihrer bedürfen, ist selbstverständlich, und darum habe ich in Herrn Awadiowitzeinen tüchtigen Kaufmann, und er wird mir auch bezeugen, dass ich nichts tue, von dem er sagt, dass es unvorsichtig ist. Ich bin kein Kaufmann und ich kann mich in diesen Sachen irren; da, wo es sich um Verwaltung fremdej Gelder handelt, ist es ganz recht, dass ich einen kaufmännischen Berater habe, und das werde ich immer so machen. Herr Kann hat immer das System und die Idee aufgestellt, man solle von Nicht-Zionisten die grossen Kapitalien erhalten. Ich habe ihn immer gewarnt und gesagt: Herr Kann, versuchen Sie es, Sie werden dieselbe Erfahrung machen, wie ich sie gemacht habe; und hier steht es schwarz auf weiss: Er scheint auch keinen Erfolg gehabt zu haben. Also wenn wir weiter kommen wollen, so bleibt uns nichts anderes übrig, als auf dem alten Wege weiter zu gehen. Jetzt haben wir es ja nicht mehr nötig; wir haben das ja schon geleistet. Für die Kulturinstitutionen, das Museum u. s. w. werden wir Mittel suchen und werden sie finden. Ich habe mir immer überlegt, wie können wir die Mittel auf anderem Wege finden, als dass wir immer an das grosse Publikum herantreten, was sehr geringe Ergebnisse hat? und ich bin zu dem Resultat gekommen, dass es doch keine anderen Mittel gibt als die, die der N. F. anwendet, d. h. die Agitation von Mann zu Mann, durch Reisen und Sammelstellen. Und wenn wir dabei dem N. F. keine Konkurrenz bereiten wollen, müssen