Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- (10.8.1911) Nr. 1
- Date
- 1911-08-10
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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No. 1 ME 3 Veranstaltungen der Zionistischen Vereinigung Basel zu Ehren des Kongresses. I. Gartenfest im Sommerkasino. Donnerstag, den 10. August 1911, abends 81/* Uhr Konzert dei Basler Feldmusik (48 Mann). Der Abend ist als gemütliche zwanglose Vereinigung der Delegierten, Journalisten und Gäste gedacht. Der grosse Park des Sommerkasino befindet sich in unmittelbarer Nähe des St, Jakobsdenkmals und ist vom Kongressgebäude m Fuss oder mit der Strassenbahn, Linie No. 5 (Steinenberg, Äeschenvorstadt, St. Jakobsstrasse) in wenigen. Minuten erreichbar. II. Grosser Festhommers in der Burgvogteihalle. Sonntag, den 13. August 1911, abends S1/* Uhr verbunden mit Schauturnen des „Jüdischen Turnvereins Zürich" (Sektion des Schweizerischen und Zürcli -e rischen T urn verbands). Die Burgvogteihalle befindet sich in Kleinbasel und ist mit den Linien 1, 4 und G der Strassenbahn (via Mittlere Rheinbrücke) zu erreichen. Zu diesen Veranstaltungen haben Delegierte und Journalisten freien Zutritt. Von den übrigen Teilnehmern wird eine Eintrittsgebühr von je 50 Cts. erhoben. Die Tsr. F.-Sanimlung in Rumänien. In der HalbmomatsstatLstik des vergangenen Monates war in der allgemeinen Besprechung erwähnt worden, dass die Eingänge aus Rumänien gegen das erste Halbjahr 1910 zurückgegangen wären. Nunmehr sendet uns die rumänische Föderation eine Tabelle, aus welcher hervorgeht, dass die Eingänge zum X. F. in Rumänien im ersten Halbjahr 1911 M 12,744 betrugen, während im ersten Halbjahr 1910 M 10,180 eingingen. Die Ursache des scheinbaren Rückganges liegt darin, dass eine Rimesse, die noch in das vergangene Halbjahr fiel, zu spät an das Hauptbureau abgeführt worden war, sodass sie in der Halbjahrsstatistik nicht mehr berücksichtigt werden konnte. Der Rassenkongress. Es war ein glücklicher Griff, den das Actionscomite mit der Entsendung der zionistischen Delegation zudem Rassenkongress in London getan hat. Es war das erstemal, dass die Judenfrage vor der Auslese der internationalen Gelehrtemvelt besprochen wurde und diese Tatsache gewinnt an Gewicht und Bedeutung dadurch, dass die Angelegenheit unseres Volkes vor diesem Gelehrtentribunal durch Männer unseres Sinnes geführt wurde. Das seichte Geplätscher der Redensarten von Verbrüderung und Menschenliebe; das den Assimilanten sonst beliebt, wenn sie kgendwo über Judentum reden sollen, fehlte und selbst Z nn gwill war dadurch so beeinflusst, dass er kraftigere Töne anschlug. Und schliesslich entwickelte unser Wiener Gesinnungsgenosse Dr. Zollschan in männlich-mutigen und entschlossenen Worten die Forderung des jüdischen Volkes nach Licht und Leben. Der zionistischen Abordnung ist es zu danken, dass die Debatte über das Judentum hoch über dem Niveau der übrigen Diskussionen stand. tLT-- 795 Die Debatte fand am Nachmittag des 28. Juli statt. Die allgemeine Diskussion eröffnete Dr. Felix Adler, Professor der Columbia-Universität in New-York, der Anreger des Kongresses überhaupt. Die Judenfrage selbst besprach zuerst Professor Louis Gross mann, dem dann Z an g will folgte, der in kurzer Rede die Hauptthesen seines im Druck verteilten Referates resümierte, Sein Referat begann mit einer Darstellung der Entwicklung des jüdischen Volkes seit seinem Eintritt in clie Geschichte. Das jüdische Problem ist nach ihm ein künstlich geschaffenes, da es der Intoleranz des Heidentums und Christentums entspringt. Weiter skizzierte er die Lage des Judentums in Russland und Rumänien, wie auch in Marokko, Die Komödie und Tragödie der jüdischen Existenz erwachsen in erster Linie aus dem Mangel eines Territoriums, auf dem das Volk sich national ausleben kann. Es hat sich in ein religiöses M ilieu zurückgezogen, das unter der Entwicklung der sozifeien Verhältnisse leidet. Er bespricht weiter die Leistungen der Juden auf den verschiedensten Gebieten menschlicher Tätigkeit und bemerkte, dass es ein bedeutendes Feld jüdischer Arbeit gebe, das der nichtjüdischen Welt unbekannt bleibt, nämlich das Gebiet der modernen hebräischen und Jargon-Literatur. Es war eine Herkulesarbeit, die Herzl vollbringen wollte, um dem zerstreuten Volk die Idee der politischen Reorganisation in einem einzigen Lande vorzulegen. Die jüdische Rasse kann den Druck so vieler feindlicher Umgebungen oder — was noch schädlicher ist, — so vieler freundlicher Umgebungen (hier meint Zangwill offenbar die Assimilation), nicht aushalten. Die territorialistische Bewegung, die den Kern der Herzlichen Idee verltrete, suche einen reellen, nicht aber einen metaphorischen Boden. Es ist nicht die Pflicht der Welt, dLS Judentum als Rasse oder Religion zu erhalten. Die Erlösung kann nur von innen heraus geschehen, aber das Judentum hat ebensoviel Anspruch auf Sympathie und Hilfe, wie sie Italien und Griechenland im Kampf um die Regeneration zuteil wurde. Es ist die Pflicht (1 er Welt, die ethischen Ideale zu erhalten, die sie dem-Judentum, verdankt. Das Judentum befindet sich in einem Dilemma, und der einzige Ausweg ist die Schaffung eines jüdischen Staates oder wenigstens eines jüdischen. Zuiluchtslandes mit lokaler Selbstverwaltung, wohin im Laufe der Jahrhunderte alles echt Jüdische gravitieren würde. Wenn die Welt auch nicht die Pflicht hat, hiebei führend und bestimmend mitzuwirken, so hätte sie doch einen Vorteil in der Fortschaffung des jüdischen Problems. Nacli Zangwill kam Dr. Gast er zu Worte. Er behandelte das Thema mehr von allgemeinen Gesichtspunkten aus. Er verglich in seiner von hohem und edlem Pathos getragenen Rede das Judentum mit dem Radium. Es sei ein radioaktives Element, das überall wirke, überall aber auch zersetzende Kräfte entfalten könne, (Ist seine Stellung eine abnorme sei. Man könne nicht wünschen, dass diese Rasse sich selbst verzehre, um anderen nützen zu können. (Starker Beifall.) Dr. Tgnaz Zollschan sprach zweimal in der Debatte. Seine Ausführungen bildeten den Höhepunkt der Diskussion und wurden von dem Auditorium mit stetig steigendem Interesse verfolgt. In seiner ersten Rede sprich er über das Rassenproblem im allgemeinen und wendete sich zunächst gegen die früheren Redner, die alle Rassen für gleichwertig hielten. Es gibt allerdings keine Kardinalunterschiede in der Rassenbegabung;