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Die Welt · 1911-08-10 · (10.8.1911) Nr. 1 · page 15

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
(10.8.1911) Nr. 1
Date
1911-08-10
Page
– (sequence 15)
Language
German
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NTo. 1 DIE^ELT 793 Dann ging man an die Wahlen im Permaiicnzausschus.s-e. Die Debatte gab Gelegenheit, die prinzipiellen Anschauungen der Delegierten über die Kongressfragen eingehend zu erörtern. Vorwiegend war es die Frage der Wahl der Leitung und ihres Präsidenten, welche dabei besprochen wumI e\ Doch die Debatte ragte weit über diesen einzelnen Pucill hinaus und die Landsmannschaft zog fast alle schwebenden Fragen eingehend in den Kreis ihrer Betrachtungen. Dr. Wiener stellte den Antrag, die Delegierten Mitsprechend den verschiedenen Anschauungen der deutschen Landsmannschaft zu wählen und schlug die Herren Wßr. Kollenscher, Heymann, Blumenfeld und Simon \r»r. Dr. Kollenscher wünschte jedoch, dass die Wahl trst dann vorgenommen werde, wenn die einzelnen Kandidaten sich zu der Frage der Wahl des Präsidenten des K. A C geäussert hätten, welche sehr bedeutsam sei. Dann solle die Landsmannschaft die Wahl unter den Kandidaten nach den Erklärungen derselben entsprechend treffen. Dr. H a lp c r n und Dr. Hantke betonten, dass eine Erörterung einer einzelnen Frage keine Richtschnur für die Wahl sei und meinten, in diesem Falle müssten alle Kongressfragen cur Erörterung gelangen. Von anderer Seite wurde eine die Herren Gronemann, Simon, Dr. Loewe und Dr. Kolleuscher erschlagende Liste beantragt. Während der Rede Dr. Hantkes erschien Präsident Wolffsohn im Saale und wurde stürmisch akklamiert. Er nahm auf mehrere Anfragen des Herrn Trietsch, die süch mit der Frage der Leitung befassten, das Wort und fülirtc aus, dass eine Wahl des Präsidenten durch das E. iV. C ein Fehler wäre, dass gerade diese Frage, da es sich um die Autorität des Präsidenten handle, von Wichtigkeit sei. Es sei ein Fehler gewesen, beim letzten Kongresse Delegiere in den Permanenzausschuss zu entsenden, die Anschauungen vertraten, welche nicht die der Mehrheit waren. Darum solle diesmal, um solche Fehler zu vermeiden, die deutsche Landsmannschaft nur Delegierte in den Permanenzausschuss entsenden, welche die Anschauungen ihrer Mehrli rit repräsentieren. Das sei der einzige Wahlmodus. Dr. Kollenscher sprach sich für die Wichtigkeit üler Wahl des Präsidenten durch den Kongress aus und schlug, um diese Anschauung zu vertreten, als Delegierte in den Permanenzausschuss die Herren Gronemann, Dr. Loev«, liuldschiner und Kollenscher vor. Die folgenden Redner, Dr. Loewe, Barth, Stahl sprachen in ähnlichem Sinne. Herr Blumenfeld besprach in längerer Rede die Grundanschauungen über Leitung u \u\ Organisation und führte aus, es sei notwendig, die Organisation so zu leiten, dass die Gesamtpartei zur Leitung \crirauen habe. Die Zentrale müsse das Herz des Parteilebc~ras sein. Auch er sprach sich für eine Majoritätswahl unler zwei Listen aus und schlug eine Liste, bestehend aus (Lwi Herren Halpern, Heymann, Simon und Blumenftld vor. In den nun folgenden Reden der Herren S i m o n, Halpern, Trietsch, Kollenscher und Lichtheiim wurden die Ausführungen der Herren Dr. Kolleuscher und Blumenfeld näher beleuchtet. Das Ergebnis der Debalte war die Wahl der Herren Simon, Dr. Hey m a n n, H a 1 p C7 n and Wiener zu Delegierten in den Permanenzausschuss. In das Präsidium der Landsmannschaft wurden tfie Herren Dr. Hantke (Präsident), Gronemann und Wiener (Vizepräsidenten) gewählt. Mediziner ^Versammlung. Auf Initiative des Hrn. Dr. Benderski-Kiew hat hLrr am Montag eine Versammlung von Medizinern stattgefunden. Ks wurde über Hygiene in Palästina gesprochen und tfie Gründung einer med.-zionist. Vereinigung beschlossen, die jm Verein mit den palästinensischen Aerzten die Hygie ite im Lande zu fördern hätte. Um sich zu organisieren, Mittel und Wege zu plranmässiger, fruchtbarer Arbeit zu finden, wird auf Donnerstag, den 10. August, 8 Uhr abends, Kohlenberg 31, eine Versammlung aller dem Kongresse beiwohnenden Äerzte im (i Mediziner einberufen, mit folgender Tagesordnung : 1. Referat über Palästina vom mediz. Standpunkte. 2. Organisation einer med.-zionist. Vereinigung. 3. Hygienisches Institut und medizin. Schule in Palästina. Es wird um zahlreichen Zuspruch gebeten, Gäste, die sich für diese Fragen interessieren, sind herzlich willkommen! Beratungen der „Organisation für hebräische Sprache und Kultur". Am 4. August fand in Basel eine Plenarsitzung des Gesamtkomitees der »Organisation für hebräische Sprache und Kulturs der Herr M. Ussischkin präsidierte. Im Namen des Berliner Zentralkomitees erstattete Herr S. Hurwitz den Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit der Leitung. Danach gehören gegenwärtig der »Histadruth« etwa hundertundfünfzig Vereine an in Deutschland, Russland, Oesterreich, Lngland, Frankreich, Rumänien, Schweiz, Amerika, Türkei und Palästina. In Deutschland, Russland, Rumänien und Palästina existieren besondere Landeskomitees, deren Aufgabe es ist, die hebräische Betätigung in ihrem Lande nach den besonderen Verhältnissen und Bedingungen auszugestalten und einheitlich zu organisieren. Besonders erfreulich ist es, dass auch in Deutschland eine rege hebräische Bewegung einsetzt und namentlich in weiten Kreisen der jüdischen Jugend ein intensives Interesse für die hebräische Sprache sich offenbart. So sind in Berlin und mehreren anderen jüdischen Zentren in Deutschland hebräische Sprachkurse und vielfach auch Gruppen der «Histadruth Ibrith begründet worden. Die bisherige Tätigkeit der Gesamtorganisation zeigt, dass das Interesse für die Neubelebung der hebräischen Sprache überall im erfreulichen Wachsen begriffen ist. Herr Zlotopolsky erstattete darauf den Bericht über die Tätigkeit des russischen Landeskomitees. Er hob darin hervor, dass die hebräische Bewegung in Russland trotz der äusseren Schwierigkeiten und Hindernisse immer tiefere Wurzeln fasst und in steigendem Masse in die Schichten der Volksmassen eindringt. Die Agitation wurde durch Entsendung von liednern und Verbreitung von geeigneten Propagandaschriften mit Erfolg betrieben. Insbesondere wurden vielfach spezielle Gruppen zur Verbreitung der hebräischen Presse und Literatur gebildet, die eine wirksame Tätigkeit entfalten. Sodann berichtete Herr M. Seheinkin über die hebräische Bewegung in Palästina und betonte, dass daselbst die Bestrebungen der »Histadruth gleichsam von selbst stetig verwirklicht werden. In der anschliessenden Debatte wurden verschiedene Vorschläge für die weitere Ausgestaltung der Organisation und ihres Wirkungskreises gemacht. U. a. brachte Herr Dr. Klatzkin die Anregung vor, die »Histadruth Ibrith « möge die Vermittlung von hebräischen Lehrkräften organisieren, an denen es in Deutschland an vielen Orten mangele. Herr Ussischkin dankte darauf im Namen der Versammlung dem Zentralkomitee und den Landeskomitees für ihre hingebungsvolle Tätigkeil zur Förderung der >Histadruth« und der gesamthebräischen Bewegung. In der Nachmittagssitzung referierte Herr Josef Lin im Namen des Berliner Zentralkomitees über das Verhältnis der »Histadruth« zu den anderen jüdischen Organisationen, insbesondere zum Zionismus. Für die »Histadruth s so führte er aus, ist es eigentlich gar keine Frage, dass ihr Verhältnis zur zionistischen Organisation, die ihr geistig und ideell am nächsten steht, das denkbar beste und freundschaftlichste sein muss. Die »Histadruth <, weit davon entfernt, der zionistischen Organisation in irgend welcher Hinsicht Abbruch tun zu wollen, ist und wird stets bestrebt sein, auf die zionistischen Kreise in fruchtbringender, kulturfördernder Weise einzuwirken und zugleich durch die Hebraisierung nichtzionistischer Elemente der zionistischen Idee vorzuarbeiten und ihr in jenen jüdischen Schichten vorzubereiten, die bisher aus Mangel an Kenntnis des historischen Judentums und seiner Kulturschöpfungen der nationalen Benaissancebewegung fernstanden. Im Anschluss hieran machte Redner eine Reihe praktischer Vorschläge für eine agitatorische Tätigkeit der »Histadruth« während des / i o n i s t e n k o n g r e s s e s. Diesen Ausführungen folgte eine längere Diskussion, an der sich u. a. die Herren Sokolow, Tschernowitz, K1 e i n m a n n, Zlotopolsky und F e 1 d s t e i n beteiligten n nd die mit der prinzipiellen Annahme der vom Referenten gestellten Anträge endete, mit deren Ausführung eine besondee Kommission betraut wurde. Weitere Verhandlungen werden noch im Laufe der Kongresstage stattfinden.

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