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Die Welt · 1911-08-10 · (10.8.1911) Nr. 1 · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
(10.8.1911) Nr. 1
Date
1911-08-10
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Beschlüsse des V. Kongresses erinnern, der es jedem Zionisten zu Pflicht gemacht hat, an der nationalen Erziehung mitzuwirken. Es ist traurig, dass an diese fundamentale Wahrheit noch erinnert werden muss. (Beifall ) Die Propaganda in den Ländern muss mehr zentralisiert und einheitlicher gestaltet werden, denn Propaganda ist überall dasselbe. Die Geldinstitute dürfen nicht als das Eigentum des E. A C. gelten, der Kongress hat sie für sich selbst geschaffen. Wir müssen ein E. A. C. an einem Orte und ein nicht zu grosses, ein übersichtliches- Grosses A. C. haben. Der vorgeschlagene besonderer Präsident des grossen A. C. muss wegfallen. Aber Sie müssen dem E. A. C. Geld geben, bas ist das Wichtigst«;. Wenn die Leitung Geld beschallen muss, kann sie keine positive Arbeit leisten. Wir müssen sie aus der Defizit Wirtschaft herausbringen. Die Besteuerung des N. F. hat immer mehr Anhänger gefunden. (Beifall und Widerspruch). Die Personen frage ist wichtig, aber das wichtigste ist, ein Prinzip festzustellen. Wir kommen vorwärts, der Kreis unserer Mitarbeiter vergrössert sich; dieser Kongress wird sich hoffentlich als der Anfang einer neuen Entwicklung darstellen (Beifall). Auf eine Anfrage von Dr. Felix Kavenna gibt Präsident Wo 1 ffsuhn unter stürmischer Zustimmung des Kongresses die ausdrückliche Erklärung ab, dass die Zionisten alle Ursache haben, für Italien, seine .Regierung und seinen König die grössten Sympathien zu haben und nur wünschen können, dass in allen Ländern die Juden so behandelt werden wie unsere Brüder in Italien, und dass alle Fürsten der Erde so denken und so handeln würden wie der König von Italien. Wenn eine zionistenfreundliche Zeitung in Konstantinopel einen Artikel gegen die italienische Regierung schrieb, so ist das zu bedauern, aber man sei nicht in der Lage das zu hindern. Von Seite der Zionisten werde niemals etwas Feindseliges gegen IlaLien ausgehen. (Erneuter stürmischer Beifall). Dr. Max Nord au stellt unter stürmischem Beifall fest, die Anfrage des flenn Dr. Kavenna zeige, dass seine Aufzählung von Brunnenvergiftung in seiner Vormittagsrede sehr unvollständig gewesen sei. (Beifall und Zustimmung). Die Rednerliste wird hierauf geschlossen und für die noch vorgemerkten Redner eine Redezeit von 10 Minuten eingeführt. Die Beratung wurde um 7 Dhr geschlossen und wird morgen fortgesetzt. Die sechste Konferenz der russischen Zionisten in Basel. Unsere russischen Freunde werden bekanntlich durch ungemein ungünstige äussere Bedingungen daran gehindert, an der Entwicklung und dem Ausbau ihrer Landesorganisation zu arbeiten. Bei den durch die ungeheure Ausdehnung des Reiches und die absonderlichenpolitischen Zustände4 bedingten Kompliziertheit und Verschiedenartigkeit der Verhältnisse wäre eine systematische und unablässige Arbeit zur Ausgestaltung der Organisation mehr als irgendwo erforderlich. Indes kann in Russland nach dieser Richtung" leider nur sehr wenig geleistet werden. Seit der Entstehung des organisierten interterritorialen Zionismus hatten die russischen Zionisten bis jetzt nur fünfmal Gelegenheit, zu einem Delegiertentag zur Beratung über die Bedürfnisse und Anforderungen ihres Parteilebens zusammenzutreten, und zwar war es ihnen nur ein einzigesmal — in Minsk — 'vergönnt, in Russland einen regelrechten, aus ordm.mgsmässigen Wahlen hervorgegangenen und zahlreich besuchten" Delegiertentag abzuhalten, um über die wichtigen Tages- und Programm fragen ruhig zu bemteu und zu beschliessen. Die andern Delegiertentage waren entweder, wie der Melsingforser — natürlich wieder einmal infolge der äussern Lage — nicht sehr zahl reich besucht und in orgauisatoriscli-konstitutionelier Beziehung unzulänglich vorbereitet, oder aber sie fanden im Anschluss an einen Kongress statt, wo die Kongressathmosphäre und die im Vordergrund des Interesses stehenden Kongressfragen eine ruhige und eingehende Behandlung der speziellen russischen Interessen nicht gestattetet). Auch diesmal nuissten sich nun unsere russischen Freunde damit bescheiden, über ihre wichtigen Fragen in Basel im Anschluss an den Kongress zu beraten. Am Sonntag, 6. August, 12 Uhr präzise, wurde im Hotel zur Post die sechste Konferenz der russischen Zionisten erölfnet. Anwesend waren 80 bis 100 Delegierte und zahlreiche Vertreter der Presse und Gäste. Herr B. Gold borg eröffnete die Konferenz mit einer hebräischen Rede, in welcher er in grossen Zügen ein Bild von der Entwicklung und der gegenwärtigen Lage des Zionismus im allgemeinen und in Russland im besondern entwarf und unsere Aufgaben und Richtlinien für die nächste Zukunft skizzierte. Die formvollendete Rede wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Im Namen einer am Vorabend der Konferenz stattgefundeneri Beratung des Z.K. und der russischen Mitglieder des A. C. wurden Vorschläge für die Wahl ins Präsidium gemacht und per Akklai n ation angenom inen. Sodann wurde derjenigen Fieimde und Gesinnungsgenossen gedacht, die in der Zeit zwischen der fünften und sechsten Konferenz unsern Reihen durch deu Tod entrissen wurden. Mit tiefer Ergriffenheit nannte der Vorsitzende die Namen Lilienblums, Lewiuskys, Schefers und vieler anderer, wie auch die Namen der aufopferungsfreudigen Helden jüdischer Regerierationsarbeit in Palästina, jener Arbeiter und Wächter in den palästinensischen Kolonien, die ihr Leben bei der Verteidigung von jüdischem Gut und Blut hingaben. Die Anwesenden erhoben sich von ihren Plätzen. Hierauf gelangt der Bericht des russischen Z. K. (hebräisch) zur Verlesung. Es ist dies eine zugleich traurige und erhebende Geschichte übar den Leidensweg, den die zionistische Bewegung in Russiand während dieses Zeitraumes durchzumachen hatte. . Die Fülle der aufgezählten Arbeiten, die trotz allen enormen äussern Schwierigkeiten während dieser Zeit auf dem Gebiete der Agitation und Propaganda, de)- Förderung der zionistischen Presse der Weckung des Interesses für Palästina" und wirtschaftliche Betätigung in Palästina geleistet wurden, das Eingreifen und die rege Anteilnahme des Z. K. an allen wichtigen Fragen des öffentlichen Lebens der russischen Juden, schliesslich aber die grossen Schwierigkeiten, (he es zu überwinden galt, um nur die Organisation gegen den rücksichtslosen Ansturm von aussen zu erhalten — all dies berechtigte sehr die Behauptung des Z K., dass es zwar nicht viel geleistet, immerhin aber das getan hat, was in seinen Kräften lag. Einen Auszug aus dem Berichte des russischen Z. K. werden wir in einer der nächsten Nummern der „Welt" bringen. Nach einer kleinen Pause wird der Rechenschaftsbericht der russischen Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds verlesen. Das Wichtigste über diese Arbeit ist in dem Rechenschaftsbericht des A. C. an die Kongressdelegierten enthalten. In der Abendsitzung und während der zwei Sitzungen am folgenden Tage wurde über den Bericht des Z. K. namentlich aber über die Frage der Neugestaltung der Gesamtleitung sehr lebhaft, z. T. auch recht leidenschaftlich diskutiert. Die Debatte ging bald auch auf prinzipielle Programmfragen über, wobei gewisse Gegensätze zwischen der grossen Mehrheit der Versammlung, die den Standpunkt des sog. praktischen, oder, wie er auch vielfach bezeichnet wurde, des organisch-synthetischen Zionismus vertrat und einer Minderheit, die die politische Seite des Zionismus im herkömmlichen Sinne betonte, zum Vorschein kamen. An der Debatte, die stellenweise sich zu einer sehr ernsten und sachlichen Erörterung der wichtigsten Fragen des zionistischen Programms und der zionistischen Anschauung gestaltete, beteiligten sich u. a. Dr. Sc hmar ja Lewin, Dr. Weitzmaun, Dr. Ts eh lenuw, A. M. ßoruchow, M. Scheinkin und Dr. Mossinsohu einerseits, M o t z k i n, Dr. Bruck, Dr. B r u t zk u s, Kaplan und Syrkin andererseits. Die Debatte schloss mit einem von Ussischkin beantragten und mit brausendem Beifall aufgenommenen Vertrauensvotum für das Z. K. In bewegten Worten sprach sodann Dr. Tschlenow dem äussern Bedingungen zufolge unwiderruflich abtretenden Z. K. den Dank der russischen Zionisten für ihre langjährige verdienstvolle Tätigkeit. In der Frage der Neugestaltung wurde einstimmig und unter dem grossen Beifall der Versammlung der Antrag Tschlenows zum Besehluss erhoben, wonach die russische Landsmannschaft die unbedingte und ungeschmälerte Verwirklichung der diesbezüglichen Beschlüsse der Jahreskonferenz verlangt. In der Abendsitzung vom 7. August hielt Herr N. Sokolow eine grossangelegte, wirkungsvolle Programmrede, die geradezu einen Beifallssturm entfesselte. Am Dienstag, 8. Juli, befasste sich die russische Landsmannschaft im Anschluss an ein Referat des Herrn Boruchow mit Palästi anfragen. Sitzung der deutschen Landsmannschaft. Die deutsche Landsmannschaft hielt am 7. August ihre erste Sitzung ab. Nach den Begrüssungsworten des Präsidenten des Z. K., Dr. Hautke, schritt man zur Erledigung der Hauptpunkte der Tagesordnung: Wahl des Präsidiums der Landsmannschaft und Wahl der Delegierten in den Permanenzausschuss. Die Wahl der Landsmannschaftsleitung wurde bis zum Schlüsse der Sitzung verschoben und Dr. Hantke provisorisch mit der Leitung dieser Sitzung betraut.

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