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Die Welt · 1911-08-10 · (10.8.1911) Nr. 1 · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
(10.8.1911) Nr. 1
Date
1911-08-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 1 DIE^ELT 791 nügend beachtet werden. Ich könnte unmöglich die Verantwortung weiter mittragen für eine Politik, die die meinige nicht ist und die ich missbillige. Ich missbillige die TJeberstürzung, mit der seit einigen* Jahren neue Projekte vorbereitet oder ausgeführt Verden, und ich sehe leider meine Ansichten durch die negativen Resultate bestätigt. In der Organisation herrschen Auffassungen, mit denen ich mich nicht befreunden kann. "Wir Juden sind immer zur Kritik geneigt, und das hat s.eine gute Seite, solange nicht die Disziplin darunter leickt. Ich meine nicht die formale und erzwungene Disziplin, sondern die freie und freudige Unterordnimg und Einordnung in das Ganze. Die vereinzelten Fälle, lie bei uns vorgekommen sind, dass Zionisten versuclt haben, die Ehre und das Ansehen der eigenen Gesinnungsgenossen anzugreifen, lasse iöh dabei ganz ausser Spiel. So etwas kommt überall vor, und es ist damit wahrscheinlich bei uns nicht schlimmer als bei anderen. "Was ich aber meine, sind die sich immer wiederholenden Verstösse gegen die ersten Grundgesetze einer kräftigen und wohlgeordneten Organisation. Jeder Zionist soll in jedem Jahre den Schekei zahlen. Wie viele Zionisten gibt es, die dies regelmässig tun? Jedes Landeskomite soll in jedem Jahre mit gleichem Eifer den Scheitel sammeln. Wie viele Landeskomites genügen dieser Pflicht? Jeder Zionist soll sich in organisatorischen Dingen nach den Anordnungen seines Landeskomites richten! Wo ist das Landeskomite, das sich noch nicht zu wiederholten Malen über das eigenmächtige Vorgehen einzelner Mitglieder oder ganzer Gruppen zu Ii«klagen gehabt hat? Die Gesamtorganisation wählt sich durch ihre Vertretung eine Leitung. Wie oft und -von wie vielen Seiten und wie hartnäckig hat man ni-olit schon versucht, die Autorität dieser Leitung zu untergraben? Solange wir diese Auffassungen zu überwinden nicht imstande sind, werden wir immer in unserer Arbeit gehemmt bleiben und wird jeder Schritt näher zum Ziele uns tausend unnötige Schwierigkeiten bereiten. Möge dieser Kongress den Anfangspunkt einer neuen Aera bilden; mögen seine Beratungen und deren Ergebnisse einen neuen frischen Geist in die Bewegung und in die Organisation hineintragen. Mög«e er uns eine Leitung schaffen, die kräftig und zielbeuusst, getragen vom Vertrauen der ganzen Bewegung, uns weiterführt auf dem Wege zu unserem Ziele. Dies ist mein innigster Wunsch. J. //. Kann. Präsident W o 1 f f s o h n : Damit habe ich meine Einleitung zur Debatte beendigt. (Beifall.) Das Wort nimmt sodann, mit stürmischem Beifall empfangen, Professor W a r b u rg, zum Palästinabericht. (Wir werden das Referat in iu der nächsten Nummer vollinhaltlich bringen.) * * * Den weiteren Verlauf der Debatte in der Nticlimittagssitzung ,^'eben wir in Folgendem in kurzen Auszügen nieder und werden iü der morgigen Nummer noch genauer darauf: zurückkommen. Del. Ad. Böhm (Reifall) äussert die Erwartung, dass die Debatte auf diesem Kongresse sich auf einem kodieren Niveau halten werde als in Hamburg, wo mau vielfach einen kleinlichen persönlichen Kampf geführt habe. Er wolle das Prinzipielle betonen. Eine persönliche Debatte wie in Haniaiiirg würde eine Verletzung des Friedensprotokolls der Jahreskon ferenz bedeuten. Herr Wolffsöhn habe seine Gesundheit im Dienste der Bewegung «o ziemlich aufgebraucht. Praktischer, politischer Zionismus, das seien Schlagworte. Die offizielle Seite vertrete den Standpunkt : Kräftigung der Organisation, Gcldsammlung für Arbeiten in Palästina; alles andere ist von Hebel! Die Intellektuellen erklärt sie als unpraktische Menschen, sie zerstören gleich, wollten aber nicht aufbauen. Aber das Notwendigste und Wichtigste ist die straffe Organisation, ist die Leitung eines lebendigen Blutstroms von der Leitung in die Organisation hinein, und das ist nicht geschehen. Die Leitung müsste weiter auch ausser dem Beamtenstand intellektuelle Kräfte hinanziehen, statt dessen hat sie sie abgestossen. Diejenigen, die am meisten für Palästina gearbeitet haben, sind die, die man heute Opposition nennt. Palästinaarbeit ist ein Schlagwort, es kommt; auf den ({eist an, in dem gearbeitet wird. Angesichts der auflösenden destruktiven Tendenzen, die die Zukunft unseres Volkes gefährden, gilt es aus der zionistischen Bewegung eine geistige und moralische Macht zu machen. Es nützt nichts, nur Geld zu sammeln, wir müssen den Zionismus ^wieder aufrichten zu dein, was er unter Herzet war. (Beifall.) 'Mit der blossen Agitation kommen wir nur bis zu einem gewissen Punkte und nicht weiter, das Wichtigste ist, das Judentum geistig zu zionisieren, eine Ideenpropaganda zu entfalten. Das ist das Wasser, das unsere Mühlen treiben wird, und diesen Zionisierungs- und Nationalisierung* - prozess sehen wir klar vor Augen. Die Leitung muss sich mit aller Macht auch in den Dienst der Ideeiipropaganda stellen. Es gibt keinen Zionismus ohne Nationalismus. (Beifall.) Auch die Kulturbewcgung ist nie Iit mit Herz und Liebe erfasst und die Emigrationsfrage steht ja heute in einer Krise. Wir dürfen auch nicht über unsere Schwäche jammern. Wir sind nicht schwach. Unser Zentralorgan „Die Welt" nimmt in der Frage der Assimilierung keinen einheitlichen und scharfen Standpunkt ein. Es gibt keinen Frieden mit der Assimilation. In llerzl sprach das Gewissen des Judentums. Warum ist man jetzt so friedlich? Der Zionismus muss auch an jeden einzelnen Zionisten die schärfsten Forderungen stellen. Auch in Palästina muss kulturell und moralisch, neu schöpferisch gewirkt werden. Wir müssen zur Einheit zurück. Heute haben wir zwei Zionismen. Wollen wir zur Einheit, dann dürfen wir nicht alles ausschalten, was dem anderen Teil nicht passt. (Lebhafter Bei lall. ) Dr. Pas in an ik beantragt die Einsetzung einer;■>:■$ gliodrigen Kommission zur Beratung über alle Fragen der Palästina arbeit und eventuell Unterbreitimg einer Kesolution an den Kongress. Der Autrag wird angenommen. Der Kommission sollen u.a. Delegierte, die in Palästina und in der Türkei gelebt haben, angehören. Der Pernianenzausschuss wird morgen früh die Kommission vorschlagen. Ein Antrag II. Bentwich auf Besehrä nkung der Redezeit wird abgelehnt. Dr. Da ic lies: Heute sind wir nicht zum Anklagen hier. Der zehnte Kongress wird endlich Einigkeit und Frieden bringen und zur positiven Arbeit führen. Genug der Stürme, genug der Kämpfe. Es soll einen Vei'söhnungskongress geben, Unsere Weisen sagen, dass es keinen seiinneren Tag im alten Israel gab, als den 15. AI) und den Tag der Versöhnung. Heute haben wir eleu 15. Ab und «den Tag der Versöhnung, iund das ist ein ^utes Omen. (Lebhafter Beifall.) ist irgend eine jüdische Organisation in der Lage, einen Bericht zusammenzustellen, wie den uns hier vorliegenden? Die besten Männer des Judentums sind hier verzeichnet. Redner spricht über die Verhältnisse in der Türkei und bestätigt die Ausführungen Nordaus auf Grund von Aeusserium'en, die auf dem Rassenkongresse iu London ein Mitglied des türkischen Parlaments ihm gegenüber getan hat. Die wichtigste Aufgabe ist, das türkische Volk aufzuklären. Redner bertihrt die Angelegenheit Mossinsobn-Misrachi (Zurufe : Lassen wir das!) und verlangt, dass auf den Gymnasien und Bildungsansiulten in Palästina die jüdische Bibel gelehrt wird, ohne die wir heute nicht ein Volk Israel, sondern Nomaden wären. (Beifall.) Er sddiesst mit dem erneuten Ausdruck der Hoffnung, dass dieser Kongress der Friedenskongress sein werde. Hechtsanwalt Dr. Flaut, ke: Wir müssen ein Arbeitsprogramm haben, die Leitung darf nicht auf den Zufall angewiesen sein. Selbstverständlich ist es die ■wichtigste Aufgabe, die (irossinäclito über unsere Ziele aufzuklären, aber in erster Linio steht die Arbeit in Palästina seihst und es ist. ein Fehler unserer Systematik, dass der Unterschied /wischen politischer und praktischer Arbeit gemacht wird. Unsere ganze Tätigkeit in Palästina bildet den wichtigsten Teil unserer politischen Arbeit. Die 'Tätigkeit der Banken, die Sammlungen usw., alle diese Arbeiten sind politisch, darüber müssen wir aufklären. Der kür/lieh in die Presse gekommene bedanke der Einsetzung einer politischen Kommission unter Tr< 'Inning vom E. A. C. ist zu verwerfen. Das K V.U. darl nicht nur ein Inkassobureau für Schekei sein. Der Kongress muss sich an die

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