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Die Welt · 1911-08-10 · (10.8.1911) Nr. 1 · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
(10.8.1911) Nr. 1
Date
1911-08-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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vornehmlich dank unserem Freunde Clarence de Sola (Beifall), und dann Belgien (Beifall). Dann muss ich noch auf ausdrückliches Ersuchen meines Kollegen Jakobus Kann, der durch ärztliches Verbot verhindert ist, hier zu erscheinen, einen Brief verlesen, den er an den Kongress gerichtet hat, weil er Wert darauf legt, seinen Standpunkt zum Ausdruck zu bringein Haag-, im August 19JU. Geehrter Kongress! Auf ärztlichen Rat werde ich den Beratungen des Kongresses dieses Mal nicht beiwohnen. Ich bedauere dies um so mehr, da ich dadurch nicht in der Lage bin, etwaige Anfragen an die Leitung, soweit dieselben meinen Anteil betreffen werden, persönlich zu beantworten. Ich sende dem Kongress auf diesem Wege meine besten Grüsse und spreche den Wunsch aus. dass seine Beratungen von brüderlichem Geiste getragen sein und seine Beschlüsse unserer Sache zum Heile gereichen mögen! Hätte ich persönlich anwesend sein können, so hätte ich Ihnen meine Gedanken über einige der Fragen, die uns alle beschäftigen, mündlich mitgeteilt. Gestatten Sie mir. dies jetzt schriftlich zu tun. Ich glaube, dass wir nach wie vor an dem Baseler Programm festhalten müssen. Abgesehen davon, dass niemand au unseren Ernst glauben würde, wenn wir es fallen Hessen, haben wir zu einem solchen Wandel weder eine äussere, noch eine innere Veranlassung. Der Kongress wird sich mit der Ausgestaltung unserer Organisation befassen, und von selbst wird sich dabei das Hauptinteresse der Einrichtung der Leitung zuwenden. Ich habe immer den Standpunkt vertreten, dem ich auch hier Ausdruck verleihen will: unsere Leitung kann, wenn sie eine kräftige und zielsichere sein soll, nur eine homogene, eine einheitliche, gleichgesinnte sein. Dies ist am besten dadurch zu erreichen, clacs der Kongress den Präsidenten der Bewegung wählt und dass dieser sich nach freiem Ermessen seine Mitarbeiter auswählt. Ich weiss, dass sehr viele diese Lösung weder für möglich, noch für wünschenswert halten, aber ich bin überzeugt, dass die Zukunft mir recht geben wird. Dem Kongress steht die Aufgabe bevor, unsere Finanzen gründlich zu sanieren. Es wird nötig sein, dass wir unsere Ausgaben einschränken, indem wir aufhören, grosse Summen für die Unterstützung von Presse-Unternehmungen aufzuwenden, und iudem wir ferner das Bureau des Palästinaressorts mit dem Zentralbureau verschmelzen. Andererseits sollen wir aber unsere Einnahmen vermehren. Obgleich ich fürchte, dass die Idee der Besteuerung unserer Institutionen bei der praktischen Durchführung auf Schwierigkeiten stossen wird, wäre ich dafür, den Versuch zu machen. Vor allen Dingen sollen wir aber den Samrnelapparat des Jüdischen Nationalfonds in den Dienst der Gesamtorganisation stellen, indem bekannt gegeben wird, dass von einem bestimmten Datum an ein gewisser Bruchteil der National fondsspenden für die Zwecke der Organisation bestimmt wird. Jeder Spender wird von vornherein wissen, dass er diesen Bruchteil seiner Spende der zionistischen Organisation geben wird und ich glaube nicht, dass die Opferfreudigkeit dadurch abflauen würde. Eher wird das Gegenteil eintreten! Für Beiträge über einen gewissen Betrag hinaus, z. B. Fr. 1000 könnte man, sofern dieselben für einen bestimmten Zweck gespendet werden, eine Ausnahme machen, Auch mit der weiteren Ausgestaltung unserer Institutionen wird sich der Kongress befassen müssen. Und da muss ich einige sehr ernste Worte sprechen. Wir sollen uns hüten immer wieder mit kleinen, lebensunfähigen oder schwachen Unternehmungen zu kommen und dafür grosse Reklame in den Zeitungen und in Versammlungen zu entfalten, wobei entweder nichts oder sehr wenig herauskommt. Noch hat sich keine der vielen Unternehmungen von Professor Warburg konsolidiert und schon kündigt er in der „Welt" (1911 Nr. 1) neue Gründungen an, für die er gar die zukünftigen Einnahmen der Oelbaumspende „verbuchen" will! Ich habe Herrn Professor Warburg wiederholt gewarnt wegen seiner Führung der Oelbaumspende, ich habe lnspektionen verlangt, aber es blieb alles beim alten.*) Seine Ideen mögen sehr schön sein, aber in der praktischen Durchführung liegt die Schwierigkeit. Bevor die zionistische Organisation sich mit denselben identifiziert, wird es unsere Pflicht sein die Gewähr dafür zu verlangen, dass die Unternehmungen, für die Herr Professor Warburg verantwortlich ist, nach soliden kaufmännischen Grundsätzen sichergestellt und weitergeführt werden. Was nun unsere weitere Arbeit betrifft, so glaube ich, dass wir. was den praktischen Teil dieser Arbeit angeht, in erster Reihe werden bestrebt sein müssen, das, was wir haben, zu konsolidieren. Ich verstehe darunter, wie schon oben erwähnt, die Vereinigung des Palastinaressorts mit dem Zentralbureau. Ferner die Uebertragung der Geschäfte des J.O.T. auf die A. P. C.; die Verwaltung der Oelbaumspende durch den Jüdischen Nationalfonds-, die Reorganisation der P. L. D. C. und des Bezalel. Bei. unseren neuen Unternehmungen werden wir mit der Tatsache rechnen müssen, dass wir als zionistische Organisation dabei durchaus auf unsere eigenen Kräfte angewiesen sein werden und dass wir deshalb keine kostspieligen Experimente machen dürfen, die unsere Kräfte übersteigen. Bei meinen längere Zeit fortgesetzten Bemühungen, das jüdische Grosskapital in Paris, London und Berlin für unsere wirtschaftlichen Unternehmungen in Palästina heranzuziehen, stellte es sich, obwohl ich grosszügige und fachmännisch begutachtete Projekte rentabler Unternehmungen auf dem Gebiete der Bewässerung, der elektrischen Anlagen, des Verkehrswesens u. s. w. ausgearbeitet hatte und vorlegte, heraus, dass das nichtzionistische Kapital für unsere wirtschaftliche Arbeit noch kein Interesse zeigt. Darnach müssen wir uns richten. An dieser zukünftigen Arbeit hoffe ich, als privater Zionist und in den Stellungen, die man mir anvertrauen wird, nach dem Masse meiner Kräfte mitzuwirken. Es würde mir aber unmöglich sein, in die neilzuschaffende Leitung einzutreten. Ich sehe dabei ganz davon ab, dass schon mein Gesundheitszustand mich zwingt, mir grössere Schonung als bisher aufzuerlegen. Ich habe aber die Erfahrung machen müssen, dass ich mit meinen Ansichten, von denen ich nicht abgehen kann, in der Minorität bleibe und dass meine Warnungen nicht ge- *) Hierzu bemerken wir, dass in den letzten Tagen ausführliche Gutachten über den Stand der Oeibaumpllauzungen, ven denen Herrn Kanu hei der Abfassung seines Briefes nichts bekannt war, eingelaufen sind.

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