Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- (10.8.1911) Nr. 1
- Date
- 1911-08-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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No.T DIE^ELT deutung dieser grossen Zeit herabzusetzen und zu behaupten, dass sie praktisch nicht produktiv gewesen sei, (Stürmischer Beifall.) Die grössten praktischen Arbeiten sind gerade in diesem Zeitabschnitt geleistet worden, Die Organisation selbst, der Kongress, die Jüdische Kolonialbank, die An glo-Palestine Company und der Jüdische Nationalfonds, lauter Institutionen, die die Grundsäulen unserer Bewegung geworden sind, der feste Kitt, der unsere Organisation in den a Herstürmischsten Zeiten zusammengehalten hat und inoch jetzt zusammenhält. (Beifall.) Allerdings waren äiese Schöpfungen, wie es auch nicht anders sein konnte, noch nicht fest gefügt, da uns damals doch noch jede Erfahrung auf diesem ganz neuen Gebiet gefehlt hat, Erst der zweiten Periode, die ich als die „Kölner" bezeichnen will, ist die Festigung und der Ausbau dieser Institutionen vorbehalten geblieben. Diese Kölner Periode hat unter den denkbar ungünstigsten Umständen begon neu. Dr. Herzl, der Schöpfer unserer modernen Bewegung, der geniale Führer, der Moses unserer Zeit, war mitten in seinem Wirken plötzlich gestorben. Der Ugandaslieit tobte in allen Ecken und brachte uns das Schlimmste, was eine junge Bewegung treffen kann, den Riss, die Spaltung. Gleich darauf brach in Russland die Schreckenszeit der Pogrome herein, die unsere Organisation dort lahm legte und eine Zeitlang nicht nur die Leitung, sondern auch die gesamte Organisation gänalich in Anspruch nahm. So folgte Schlag auf Schlag, und es erforderte mehrere Jahre, bis wir uns erholen und wieder sammeln konnten. Mit Einsetzung der grössten Energie ist es uns schliesslich doch gelungen, manche Schäden auszubessern, die in der ersten Periode begonnenen Arbeiten zu entwickeln und auch manches Neue hinzuzufügen. Unsere Organisation wurde fester, die Banken einträglicher, und der Nationalfonds erreichte den jetzigen hohen Aufschwung. Ausser den Filialen der Anglo-Palestine Company haben wir in dieser Periode die Anglo Levantine Banking Company neu geschaffen. Eine gute zuverlässige Vertretung an den wichtigsten Punkten, in Palästina und in der Hauptstadt des türkischen Reiches, haben wir uns eingerichtet und in allen Zweigen unserer Verwaltung uns e-iiien tüchtigen Beamtenstab herangebildet. (Beifall.) Die Siedelungsgenossenschaft und noch eine g^nze Reihe anderer Institutionen sind teils direkt von uns gegründet, teils indirekt durch unsere Mithilfe entstanden, und andere sind noch in der Entstehung begriffen. Dies, geehrter Kongress, sind die praktischen Leistungen der zweiten, der Kölner Periode! (Beifall.) Der zionistische Geist hat auch in dieser Zeit nicht genullt, Wir hören seine Schwingen lauter und kräftiger raus<lien als jemals zuvor. Mit diesem Kongress treten wir in den dritten Zeitabschnitt der zionistischen Geschichte ein, in eine neue Periode. Diese beginnt erfreulicherweise unter günstigeren und glücklicheren Bedingungen als die vorherige. Möge sie auch fernerhin vom Glücke begünstigt werden und möge es ihr gelingen, uns zum heissersehnten Ziel & zu führen, nach Zion. (Lebhafter Beifall.) Geehrter Kongress! Im Namen des Grossen und Engeren Actionsconntes und auch in meinem eigenen Namen begrüsse ich Sie alle, die Delegierten und auch die Gäste, die hergekommen sind, um unserem Zehnten Kongress beizuwohnen! Möge dieser Kongress seine hohe Mission erfüllen und seine Aufgaben glücklich lösen. Möge er uns vor allem das bringen, was uns am meisten Not tut, die Einigkeit. (Beifall.) Die Uneinigkeit hat viel dazu beigetragen, dass wir von unserem Land entfernt worden sind. Nur durch Einigkeit können wir die Rückkehr ins Land beschleunigen. Einigkeit und Einheit muss unser Losungswort sein. Ein Gott, ein Volk, eine Sprache, ein Land, ein Zionismus! (Minutenlanger stürmischer Beifall im ganzen Hause.) Ich eröffne den Zehnten Kongress! Präsident Wolffsohn schliesst seine Rede in hebräischer Sprache. Präsident Wolffsohn teilt aus der grossen Reihe der eingelaufenen Begrüssungsschreiben einige mit. Die Baseler Regierung hat an den Kongress folgendes Schreiben gerichtet: Basel, den 7. August 1911. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt an das Bureau des Zehnten Zionisten-Kongresses in Basel. Für die Aufmerksamkeit, die Sie uns durch den Besuch Ihres Herrn Präsidenten erwiesen haben, beehren wir uns, Ihnen aufrichtig zu danken, ebenso für die Einladung, uns bei der feierlichen Eröffnungssitzung vertreten zu lassen. Da es aus geschäftlichen Gründen voraussichtlich nicht möglich sein wird, dieser Einladung zu entsprechen, möchten wir Sie bitten, dem Kongresse in unserem Namen den Willkommgrass zu entbieten. Wir hoffen, die neue Basler Tagung möchte seinen Bestrebungen ebenso förderlich sein wie die früheren und nehmen die Rückkehr des Kongresses nach Basel als ein Zeichen dafür an. dass er den genius loci als ihm günstig gestimmt erkennt. Und gewiss wird die Bevölkerung Basels auch bei dieser Tagung mit herzlicher Teilnahme das Ringen um die grossen Ziele verfolgen, die den Kongress bewegen; ein Ringen, bei dem die Grösse der Ziele die aus allen Gegenden der Erde zusammengeströmten Glieder der Versammlung bisher stets wieder zu der gleichen hellen Begeisterung entflammt hat. Im Namen des Regierungsrates, Der Vicepräsidout: Dr. H. Blocher. Der Sekretin* : Dr. Ä. ImHof. Präsident Wolffsohn stellt fest, dass der Kongress sich zum Zeichen des Dankes erhoben hat Wir danken der Regierung auf das wärmste für den liebenswürdigen Empfang, den sie uns geboten hat. (Lebhafter Beifall). Ein Schreiben mit mehreren hundert Unterschriften von Juden der Baseler Gemeinde lautet: An den 10. Zionistenkongress, Basel. Hochgeachteter Herr Präsidei t! Hochgeachtete Herren! Als sich im Jahre 1897 der 1. Zionistenkongress in den Mauern Basels versammelte und seinem hier mit Ernst und Begeisterung festgelegten Programme den