Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1911-08-11 · 32 (11.8.1911) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
32 (11.8.1911)
Date
1911-08-11
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3315709-3316458-3316493--54876-3348659
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

810 DIE20&1.T No. 32 der Zionismus haben diese Enttäuschung bereits erlebt. Wir Poale Zionisten haben an die Bereitwilligkeit der jüdischen Plutokratie in Westeuropa niemals geglaubt. Aber wenn wir auf die direkte Mitarbeit, auf den Eifer der jüdischen Masse angewiesen sind, dann müssen die zionistischen Organisationen die Wünsche und Forderungen dieser Arbeiter in erster Linie berücksichtigen. (Beifall.) G-oldreien beantragt aus der noch 16 Eedner enthaltenden Rednerliste die Wahl von vier Generalrednern mit 15 Minuten Redezeit. Dieser Antrag wird angenommen. Dr. Pasmanrk fordert für die russische Landsmannschaft zwei Redner. Vizepräsident Dr. Tschlenow: Sprechen Sie im Namen der russischen Landsmannschaft? Dr. Pasmanik: In meinem eigenen. Tschlenow: Das muss gesagt werden. Ich weiss nicht, wie weit wir hier das landsmannschaftliche Prinzip berücksichtigen wollen. Jedenfalls ist mir von einem solchen Wunsch der russischen Landsmannschaft nichts bekannt. Die Wahl der Generalredner erfolgt zu Beginn der Nachmittagssitzung. Schluss der Vormittagssitzung 123/4 Uhr. Yierte Sitzung. Donnerstag, den 10. August, nachmittags 4 Uhr. Fortsetzung der Generaldebatte über den Bericht des A. C. Vizepräsident Dr. Tschlenow eröffnet die Sitzung. Die Debatte über den Generalbericht wird, zu Ende geführt. Der erste der vier Generalredner ist Dr. Jacob Thon-Jaffa. Dr. Jakob Thon: Ich behalte mir vor, im Palästinaausscliuss auf den einen oder anderen Punkt eingehender zurückzukommen. Iiier nur einige Klarstellungen und Erwiderungen. Herr Kaplansky kann versichert sein, dass wir ein gutes Verhältnis zur Arbeiterschaft anstreben und auch zum Teil erreicht haben; nicht aus Parteirücksichten, sondern weil wir wissen, dass die jungen Leute das zionistische Ideal hoch tragen; sie haben zum Teil mit ihrem Blut das jüdische Gut geschützt. Wir sind bereit, beizutragen, dass die Arbeiterschaft einheitlich, stark und gut organisiert wird; denn um so bessere Aussichten haben wir dann auf ihre Mitwirkung. Beim Bau der Arbeiterhäuser z. B. haben wir sie zugezogen. Aber wir dürfen keine Demoralisation zulassen. Diese Befürchtung liegt in Palästina viel näher als irgendwo anders. Hier ist der demokratische Geist genügend ausgebildet, und es gilt, die Autorität zu stärken, die Achtung vor den legalen Institutionen. Keineswegs können wir dulden, dass in Palästina die Arbeiter Streiks organisieren, wo kein Platz dafür ist, in den nationalen Institutionen. Die Arbeiterschaft muss dem Rechnung tragen, dass die Institutionen mit gebundenen Händen dastehen und nicht durch Streiks geschwächt werden dürfen. Die Resultate unsere Arbeit sind klein und unbedeutend gegenüber den Leistungen des Barons Rothschild und der Ica. Wir haben viel in den SO Jahren gelernt, musst.cn manches verwerfen und neue Wege suchen. Wir können nicht immer wissen, oh sie zum Ziele führen. Ebenso, wie es unrichtig ist, übereilt und unvorsichtig neue Wege einzuschlagen, wäre es, eingeschlagene Wege zu früh aufzugehen. Die 0 e Ibaumspende z. B. ist eine Geduldprobe. Wir pflanzen Bäume, die frühestens in acht, zehn Jahren Früchte tragen, und schon im zweiten, im dritten Jahre sehen wir Ungeduld, man verlangt, dass die Bäume schon wachsen. Ein derartiges liebeloses, zumeist auf nicht genügender Kenntnis der Sache beruhendes Verhalten kann unserer Sache nicht nützen. Man hat die Oelbaumspende eine Spielerei genannt. Gewiss, sie ist nur ein kleines Mittel im Verhältnis zu unserm Programm; aber wir konstatieren mit Freude und Genugtuung, dass dieses Institut mehr und mehr sich entwickelt. Die Oelbaumspende ist das geeignete Mittel, vermöge der Sicherheit der $ache, für Anlagen der Gelder des N. F., und das beste Mittel. 3ijr Ehrung unserer Toten. Es gilt die Aufforstung Palästinas. Grosse Gebiete von Erez Israel liegen brach und leer und kahl; aber wie reich bevölkert waren diese Berge einst. Unsere Aufgabe ist es, das Land auf den einstigen blühenden Zustand zurückzuführen und aus diesen Felsen neues Leben hervorzuzaubern, Leben, das wir im Schweisse unseres Angesichts geschaffen haben, und das uns selbst beleben soll. Die Frage ist natürlich: woher die Mittel, um dieser grossen Aufgabe gerecht zu werden? Das ist nur eine Frage der Quantität. Der Weg ist angedeutet, und ein so populäres Mittel wie die Oelbaumspende müssen wir — wir sind dazu imstande — sehr bedeutend vermehren und ver« grössern. Dem Gefühl der meisten Juden entspricht es, wenn sie durch solche lebendige Steine die Grenzen in ihrem Leben markieren und durch solche Grenzsteine Fäden ziehen zwischen unserer Existenz im Golus und in dem Lande der Väter. Dieses Gefühl dürfen wir nicht durch vorzeitige und durch ungerechtfertigte Kritik abschwächen (Beifall), dieses Gefühl müssen wir entwickeln und ausbilden. Die P. L. D.C. hat, wie Ihnen bekannt, den Kauf grösserer Bodenflächen zu vermitteln und den Parzellen verkauf durchzuführen. In der Bewirtschaftung der Farm Kinereth hat die Gesellschaft in den ersten Jahren Verluste erlitten; aber diese bedeuten nicht viel gegenüber dem, was die Kolonie für uns bedeutet. Früher Durchzugsland für die Beduinen, jetzt eine blühende jüdische Ansiedlung, die ringsum weitere Ansiedlungen vermittelt. Kinereth ist heute das vierfache wert als vor drei Jahren, als es noch Wüste war. Man kann also kaum von einer Reorganisierung reden; was notnotwendig ist, ist die Vermehrung der Mittel. (Vizepräsident Bodenheimer macht den Redner auf die Redezeit aufmerksam ) Auch das Bezalel bedarf keiner Reorganisation, sondern einer Stärkung der Mittel. Es ist jetzt unser einziges Institut, gegen die Emigration aus Palästina anzukämpfen. Die Verhältnisse reichen nicht aus, die Räume werden sofort zu eng. Die Störungen durch die arabische Bevölkerung soll man nicht überschätzen. Sie steilen noch nicht die Meinung der Bevölkerung dar, sondern journalistische Sensationsprodukte. Die Störungen treten am stärksten gerade in den Distrikten auf, wo der Zionismus nicht stark ist, z. B. in Damaskus. Ueber kurz oder lang werden die arabischen Völkerschaften begreifen, dass sie einen nützlichen Faktor in uns haben, in kultureller Beziehung, abgesehen von dem wirtschaftlichen Nutzen den wir dem Lande bringen. Dass die türkische Regierung uns mit der Zeit auch günstiger ansehen wird, ist schon aus berufenerem Munde gesagt worden; ich bin überzeugt, sie wird bald einsehen, wieviel ihr unsere Dankbarkeit wert ist und unsere Bundesgenossenschaft (Beifall). Vorsitzender Dr. B.odenlieimer : Das Wort hat Herr Dr. Pasmanik. (Lebhafter Beifall.) Dr. Pasmanik: Ich erkläre zunächst, dass ich nicht im Namen der russischen Landsmannschaft spreche. {Zwischenrufe.) Vorsitzender Dr. Bodenheimer: Ich bitte nicht durch Zwischenrufe die Rede des Herrn Dr. Pasmanik, dem ja nur 10 Minuten zur Verfügung stehen, in unzulässiger Weise zu verkürzen! Dr. Pasmanik : Ich werde die Leitung nicht kritisieren, da ich konstatieren muss, dass uns die Leitung sozusagen die Mittel in die Hand gibt, um nachzuweisen, dass ihre Mitglieder einander selbst kritisieren. Wenn Herr Kann, Mitglied des E. A. C. Herrn War bürg, Mitglied des E. A. C. kritisiert, dann haben wir einfache Sterbliche nicht weiter zu kritisieren. Ich möchte fragen, ob der Brief des Herrn Kann dem grossen A. C. vorgelegen hat, ehe er hier verlesen wurde, und weiter möchte ich fragen, ob der Brief verlesen wurde, nachdem die Gutachten, welche in der Bemerkung der „Welt" ßrwähnt werden, eingelangt waren. Ein solcher Brief kann tatsächlich grossen Schaden anrichten, besonders wenn es sich herausstellt, dass viele der dort mitgeteilten Tatsachen der objektiven Wahrheit nicht entsprechen. Es ist notwendig, im gegenwärtigen Moment prinzipielle Forderungen aufzustellen über das, was wir eigentlich wollen, und darin wird die direkte Kritik der Vergangenheit liegen. Wir müssen unbedingt zu dieser prinzipiellen Debatte kommen. Das ist der einzige Rückweg zu Herzl. Man hat in der „Welt" geschrieben: „Zurück zu Herzl 1" Was heisst das? Erinnern Sie sich an die Kongresse zur Zeit Herzls. Damals konzentrierte sich alles Interesse hier in diesem Baal. Heute sind wir gezwungen, die ganze Arbeit aus dem Kongress in die Ausschüsse und Kommissionen zu verlegen. Wir müssen zur Zeit Herzls zurückkommen. Was wir prinzipiell von einer Leitung verlangen, kann in einem Wort gesagt werden; Wir wollen eine Leitung, die arbeitet, die aber nicht bloss arbeitet, sondern überall die Initiative ergreift, die durch innere Einheit und durch Schaffensfreudigkeit der ganzen zionistischen Organisation vorangehen soll. AVir verlangen eine Leitung, nicht stark im Eolgen, sondern stark im Befehlen, im Leiten, im Vorangehen. Es ist symptomatisch, dass Herr Kann heute zu den Forderungen, die Mittel des J. C. T., so weit als möglich nach Palästina zu überführen, zu denen er in früheren Zeiten gelächelt hat, zurückkehrt. Die Herren Böhm und Dr. Zollschan haben Vertiefung des Zionismus gefordert. Das könnte verschwommen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.