Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1911-08-11 · 32 (11.8.1911) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
32 (11.8.1911)
Date
1911-08-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3316458-3316493--54875-3348658
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

sonen- und Warentraasport in regelmässiger Route Jaffa- Alexandrien-Konstantinopel-Odessa und zeitweise auch Triest. Der Dampfer soll den Namen „Zion" oder „Theodor Herzl" führen. Der Redner erwartet eine 4prozenige Verzinsung, es sei ein rein kaufmännisches sicheres Geschäft. Mit der Zeit könnte man auch einen jüdischen Kapitän und jüdische Mannschaft haben, für die erste Zeit die yemenischen Juden engagieren. Daneben empfiehlt der Redner zwei kleinere Schiffe für den regelmässigen palästinensischen Küstendienst, die die Produkte der Kolonisten billig und schnell auf den grossen ägyptischen Markt bringen würden. Falls der N.-F. oder der I. CT. die Befuynis oder die Mittel nicht besitzt, solle man sofort eine Sammlung einleiten. Schliesslich empfiehlt Rabbinersohn die Hergab© von 10 000 Pfund durch den I. C. T. zum Hau eines Sanatoriumshotels am Tiberiasee, über dessen Heilquellen sich Prof. Bagin s ki-Berlin begeistert ausgesprochen habe; das Klima se-i für Lungenkranke ideal und die Qut llen für Gicht- und rheumatisch. Kranke ständen höher als ähnliche Quellen in Europa. I)ie Schwefelquellen sind nach ßagiaski die stärksten in . er Welt. Das siad zwar weitgehende Pläne, aber eine grosse Idee muss in grossen Zügen geführt werden, so lehrte uns Theodor Herzl. Diese Vorschläge gehen an den Palästinaausschuss. Herr Laster macht eine Reihe von VorschEg-en, die der Vorsitzende Dr. Tschlenow dem Palästinaaussehw-ss vorzuleben ersucht. Redner fordert, unter Bezugnahme auf seine bei einem Besuch Palästinas gemachten Beobachtungen und eingeholten Informationen : Fürsorge für die Arbeiter, Unterstützung solcher Kolonisten, die ottomanische Unteitanen werden, Vermeidung jedes Anstosses bei den religiös gesinnten Juden in Palästina,in der Führung der zionistischen Institutionen. Dr. Siegmund Werner: Herr Wolffsohn hat bemängelt, dass man mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand nicht kritisieren wolle. Für Adolf Böhm gilt das nicht, er hat tatsächlich kritisiert. In seiner Aufstellung programmatischer Forderungen laggleichzeitig die Kritik der Haltung des A.-C. Fraglich ist nur, ob die programmatischen Forderungen, die Böhm aufgestellt hat, tatsächlich nicht vom A.-C. befo'gt wurden und weiter, ob eine Anzahl dieser Forderungen überhaupt für eine Leitung durchführbar sind. (Sehr richtig!) Herr Böhm hat seine Forderungen schon früher in der „Jüdischen Zeitung", dem Organ des innerösterreichischen Diatriktkomitees veröffentlicht. Damals wussten wir nicht, dass wir hier Frieden machen würden, und srine Forderungen in der „Jüdischen Zeitung" klangen schärfer als hier aut dem Kongress. Er hat da gefordert: 1. Eine Leitung, die durchaus und in jeder Hinsicht auf dem intellektuellen und moralischen Niveau, steht, das der Bedeutung und der Würde des Zionismus entspreche. Die Begründung für diesen, ersten programmatischen Punkt ist uns Herr Adolf Böhm'schuldig geblieben. (Zustimmung.) 2. Fordert er eine Leitung, die genau wisse, was sie wolle und in jeder Äichtung: Land-und Volkpolitik, Ideenpropaganda usw. die Beweg-ang tatsächlich führe. Das ist selbstverständlich etwas, was wir alLe fordern, und es hat mich gewundert, dass Herr Adolf Höhm dies als Forderung der sogenannten Oppositionellen vorgebracht hat, denn dann sind wir alle oppositionell. Es kommt dann eine oranze JLeihe von weiteren Forderungen, die alle ganz selbstverständlich sind und in denen Herr liöhm nichts neues gebracht hat (sehr richtig!), die aher in einer Form vorgebracht werden — und das ist das Wichtige — als ob sie die Spitze gegen die Leitung hätten, (Zuruf: Aber hier hat er das doch nicht getan!) Ich will das a-iisdrücklich festgelit haben, weil man immer davon spiicht, dass in sachlicher Weise Kritik geübt wird und nicht in persönlicher Weise. Eine Ideenpropaganda wird von uns verlangt im Gegensatz zu unserer jetzigen Propaganda. Ich habe bisher immer geglaubt, dass wir eine Idee und zwar in nicht allzu schlechter Weise propagieren. Ich glaube aber doch, Herrn Böhm zu verstehen. Es ist dasselbe, was Dr. Zollschan in einer mir freilich vielmehr zusagenden Weise verlangt hat, dass wir uns in unsere Ieee vertiefen mid die theoretischen Grund lagen des Zionismus weiter ausbauen Das ist ja eine vollständig richtige Forderung; aber wie soll die Leitung das machen? Hat die Leitung jemand, der das unternehmen wollte, gestört? Hat sie ein Inderdikt gegen die Herausgabe des Zollschan'schen Buches erlassen? Sie sehen, es ist billig, sich hier auf dem Kongress mit tönenden Worten Beifall zu gewinnen. (Lebhafte Zustimmung und Widerspruch!) Herr Böhm hat auch, wenn auch nur in weniger scharfen Umrissen, die innerpolitische Betätigung gestreift. Auch Dr. Reich aus der galizischen Landsmannschaft hat uns davon erzählt. Ich gehöre der westösteireichischen Landsmannschaft an, aber ich gestatte mir, audi über die galizischen Verhältnisse zu reden. (Unruhe.) Es ist auf den Kongress gebracht worden, und. da haben wir das Becht, auch den anderen Standpunkt zur Geltung zu bringen.. Sie dürfen nicht glauben, dass alles, was an Zionisten in WesüVDesterreich ist, mit dieser Rede des Herrn Adolf Böhm einverstanden ist. (Zustimmung und Gegenrufe.) Ich bin vollständig einverstanden mit Böhm, wenn er eine Hebräisierung des jüdischen Volkes verlangt. Aber das kann nicht von der Leitung gemacht -werden, das muss von uns gemacht werden, von Grund saus, bei der Erziehung unserer Kinder. (Beifall.) Präsident Dr. Bo denheümer: Ich muss einen Augenblick unterbrechen. Der Perm.menzausschuss versammelt sich jetzt sofort. Dr. Werner: Noch ein rTort: Ich glaube wirklich nicht, dass man unsere Arbeit mit einem schroffen Auftreten nach aussen verbinden muss. Ich'g-Unbe wirklich nicht, dass jedes Judentum, das nicht zionistisch ist, deshalb in Grund und Boden zu verdammen ist. Ich glaube, dass die Assimilationsjuden lange nicht so schlecht sind, wie sie oft hingestellt werden. (Beifall und Widerspruch.) Vergessen Sie nicht, dass die Assimilation ein notwendiger historiscüier Prozess im Judentum war; Sie können die Leute doch niüü dafür verantwortlich machen, dass sie vielleicht aus Mangel an Erkenntnis noch in diesem Prozess verblieben sind, aus lern wir schon herausgekommen sind. Wenn wir uns nicht vollstem4ig aussprechen, wenn wir nichtdie Meinungen auch anderer gleiten lassen — und das ist nötig auch für unsere Verständigung mit den gegnerischen Verbänden — dann wird der Frieden, den wir jetzt schliessen, nicht von langer Dauer sein und wir werten ein mit so grossen Mühen aufgebautes Friedenswerk, bei «dem wir grosse Opfer gebracht haben, umsonst gemacht haben., Friede, aber ehrlicher Friede! (Beifall.) S. Kaplanski: In dem Berichte des A.-C. and in den Ansprachen der Präsidenten des A.-C. und des Kongresses wurde die Bedeutung der zionistischen Aufklärungsarbeit in der Türkei hervorgehoben. Wir stimmen den entschiede neu Erklärungen über die Aufklärungsarbeiten in der Türkei voll zu. Wir müssen dafür sorgen, dass nicht die in der Mliance organisierte assimilatorische Plutokratie als die Vertretung des Judentums betrachtet wird, sondern die Zionisten. Die Arbeit, von der Hantke gesprochen hat, halte ich für minder wichtig. Der Kritik in punkto Landespolitik kann ich mich nicht anschliessen. Die Vorwürfe ^eg-en das A.-C. sind ungerechtfertigt. Das A.-C. hat mit diesen lan despotischen Arbeiten nichts zu tun. Allerdings darf die Neutralität nicht so weit gehen, dass man sich weigeiti, das Andenken unserer Opfer im Kampfe gegen die polnische Sehlaclita und gegen die jüdische assimilatorische Bourgeoisie Oe:s1erreichs in Ehren zu erwähnen. Die Poale Zionhat im Kampf unndie Rechte des jüdischen Volkes in Drohobycz zwei organisierte Mitglieder als Tote zu beklagen. (Der Kongress erhebt sich.) Sie verdienen hier in Ehren erwähnt zu werden. Eine Anregung an die Adiaase der „Welt". Es wird da sehr oft der Ausdruck „zionistische Partei-' gebraucht. Max Nordau hat einmal die Bezeichnung Partei für die zionistische Organisation niit Spott abgewiesen. Dieser Kongress repräsentiert keine Partei, sondern eine PaileLenkonföderation. Der Redner äussert sich soaUnn über die Palästmaarbeit des A.-C. Es soll rückhaltlos aneil-kannt werden, dass das A.-C. die Beschlüsse des Hamburger Kongresses in tatkräftiger und loyaler Weise durchgeführt hat. Gerade weil die Poale Zion zur extremsten Organisation gerechnet wird, halte ich es für erforderlich, das zu betonen. D<us-s der Bau von Arbeiterhäusern in Palästina bereits in AngriÄf genommen wurde, ist gewiss erfreulich. Durch die Errichtung neuer Farmen werden neue Arbeitsgelegenheiten geschaffex, Das muss anerkannt werden, und ich will nicht verhehlen, (Lkss innerhalb der Kongressfraktion unseres Poale Zion-Verbanntes Stimmen laut wurden, dass wir bei diesem Kongress eine Ausnahme machen können und für das Absolutorium zu gunst&n des A.-C. stimmen können. Wir können indes diesen BescHiluss nicht fassen, weil wir eine ganze Eeihe von Beschwerden aus Palästina bekommen haben. Redner bespricht eine Anzahl düe*er Beschwerden. Meine Kritik, sagt Redner, soll kein Angriff gegen War bürg sein, und gerade weil ich heute in der „Welt" einen Brief von Kann gegen Warburg gelesen habe, möchtS ich, dass meine Kritik mit der des Herrn Kann nicht identifiziert werden soll. (Beifall.) Kann hat das westeuropäische jüdisc lte Grosskapitai für Palästina- Unternehmungen zu werben gmicht, ohne Ergebnis. Herzl und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.