Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 32 (11.8.1911)
- Date
- 1911-08-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Ntf. 32 DIE MKE LT 805 Vizepräsident Dr. Bodenheimer : Sie gehen über den Eahmen der Generaldebatte, über den Bericht des Actionscomites hinaus. Ich höre mit grossem Interesse Friedensschaimeien, aber ich bitte Sie, sich streng in dem Rahmen der Debatte zu halten. Dr. Dai eh es.beruft sich darauf, dass der Bericht an zwei Stellen von len Gymnasien in Jaffa und Jerusalem spricht. Ich verlange nur, dass es jüdische Kulturinstitutionen sein sollten, und dass die künftige Leitung dem nächsten Kongre ss einen Berichtüb»erdie Tätigkeit der Schulen in Pa Kästina bringt. (Leltiafter Beifall und Rufe: zur Sache!) Wir hoffen, dass dieser 3£ongress der Friedenskongress sei, auf Äem wir uns alle wieler zu einem Bunde zusammenschliessen un-d so am besten arbeiten für das Wohl der gesamten Menschheit. (Lebhafter Beifall.) Rechtsanwalt Dr. Hantke (mit Beifall begrüsst) : Diese Generaldebatte trägt einen ganz anderen Charakter als die des letzten Kongresses. Die Gründe sind ja klar. Ich übe nicht Kritik, ich verteidige nicht, was war, ich stelle nur fest, was kommen wiid, oder richtiger gesagt, was kommen sollte. "Welches ist die Aufgabe der Leitung in der nächsten Zeit? Wir hallen, uns ja alle jetzt zu der Ansicht durchgedrungen : wir müssen ein Arbeitsprogramm haben, wenn «die Leitung sich nicht durch Zufälle in der Arbeit treiben lassen soll. Die vornehüLste Aufgabe der Parteileitung ist ja selbstverständlich die politische Seite ihrer Tätigkeit; und diese Arbeit kann heute nicht mehr ein einzelner Mann leisten. Selbstverständlich wird es immer eine unserer wichtigsten Aufgaben bleiben, die Grossmächte über unsere Ziele aufzuklären. Denn wir haben es ja immer gesagt, die Juden frage .ist keine innere jüdische Präge, sondern eine Frage des allgemeinen Lebens der Tölker .und kann nicht losgelöst werden von der Rücksichtnahme auf alle Machtfaktoren der Kulturwelt. Wir wissen, das.s alle unsere Arbeit bis zu einem gewissen G-rade abhlbigig ist von dem Wohlwollen der Vöfiker, in denen wir leben, ich kann sogar sagen, aller geistigen, aller politischen Orossmächte der Welt. Und so müssen -wir die öffentliche Meinung und insbesondere die in der Türkei für uns zu interessieren suchen. Aber der wichtigste Bestandteil unserer Tätigkeit ist natürlich die Ar beit in Palästina selbst, und da weise ich auf einen Fehler in unserer Systematik, wenn ich es so nennen darf, hin. Wir haben uns seit 1903 gewöhnt, von politischer und praktischer Arbe it als von Gegensätzen zu sprechen, und diese Art von Untersclieidung ist auch historisch verständlich. Denn ursprünglich rerstand man ja bei uns unter Politik nur den verhältnismässig kleinen Abschnitt der diplomatischen Arbeit. Diese Unterscheidung ist aber von ganz verhängnisvollen Folgen geworden; d«enn sie hat die klare Einsicht in den Zusammenhang unserer Arbeit und insbesondere in die Tatsache verhindert, dass gerade unsere ganze Tätigkeit in Palästina den wichtigsten Teil unserer Aufgaben bildet. Wenn wir in Palästina Bankgeschäfte treiben, wenn wir Land kaufen, wenn wir Schulen gründen, kulturelle Institutionen unterstützen, oder was wir sonst in Palästina tun, alles.das ist politischer Zion ismus. Diese Erken ntnis ist auch insofern von Wichtigkeit, als wTir in den ersten Tahren unserer Bewegung alle unter dem Eindruck gestanden luaben, dass die wichtigste politische Arlxeit ausschliesslich Sache eines kleinen Kreises von Mitgliedern des E. A. C. sein könne, und das ist falsch. Wenn wir für <ten N. F. sammeln, irgend eine Tätigkeit ausüben, so darf jeder einzelne von uns vom Bewusstsein getragen sein, dass er mit dem E. A. C. zusammen an der wichtigsten Arbeit mitwirkt. Wir müssen die Sammeltätigkeit zusammenfassen unter den einen richtigen Gesichtspunkt: dass alle diese Arbeit Politik Ist, dann wird die Ar beitsfreudigkeit auch unter die einfachen Männer in unseren Beihen kommen, die nicht anders mithelfen können als in dieser Weise. Unsere Arbeit in Palästina wird wich erst dann richtig g-ewürdigt werden. Denn wenn wir einsehen, dass praktische Tätigkeit in Palästina Palästinapolitik ist, dann werden wii auch zu der Klarheit kommen, dass das nur auf Grund einei ganz systematischen Arbeit geleistet werden kann. Der kleinste Fehler, den wir machen, weil wir kein festes Prinzip haben, kann, schlimmste Folgen haben, und vor allem kommt Verwirrung Itinein, weil man nicht genau weiss, ob das E. A. C. sich von Zu fallen leiten lässt oder ein Programm hat. Wenn Sie diese Auffassung von Palästinaarbeit mit mir haben, dann, werden Sie mit mir den Plan verwerfen, der vor kurzem durch die Presse gegangen ist, die Einsetze ng eines politischen Komitees an einen andern Ort als an den Sitz des E. A. C. Wer das E. A. C. nach Berlin wünscht und ein politisches Komitee in London, der verstellt unter Politik nur die sogenannte diplomatische Arbeit, nur einen kleinen Teil der Politik, und das ist ein grundlegender Fehler, nicht bloss eine verschiedenartige &usdrucksweise. Entweder ist dann das politische Komitee das eigentliche E. A. C. und dieses nur eine Inkassostelle für Seh ekel, oder es wird so werden, wie bei dem Beschluss vor einigen Jahren: wir -werden keine Kandidaten dafür finden. Ich sehe von Programmvorschlägen ab. Das Palästinaprogramm, das wir vor zwei Jahren beschlossen haben, können Sie belassen. Nur bedarf es des Ausbaus nach der Seite der kulturellen Betätigung in Palästina. Es ist notwendig, dass dieser Kongress sich an die Beschlüsse des fünften Kongresses erinnert, der die Ii'age der nationalen Erziehung als eine der wichtigsten Aufgaben der zionistischen Organisation bezeichnet und es jedem Zionisten zur Pflicht macht, an dieser Arbeit mitzuwirkeni Hört! hört!). Dieser Beschluss ist niemals aufgehoben worden, und ich finde es traurig, dass es notwendig ist, diese fundamentale Wahrheit wieder ins Gedächtnis zurückzurufen. Palästinaaabeit, ohne die Herzen der palästinensischen Jugend zu haben, keisst ein Gebäude errichten, das kein Fundament hat (BeifalL). Die Frage der Organisation, die Arbeit in der Presse tritt dahinter zurück. lein hoffe, dass es auf diesem Kongress gelingen wird, die Organisa tionsfrage für einige Zeit aus der Debatte herauszubringen. Sehr wichtig aber ist die Frage der Propaganda; und so aidfällig es klingt, haben wir doch vom ersten Augenblick nichts anderes getrieben als Propaganda. Ich habe den Eindruck, dass wir auf diesem Gebiet noch sehr zurück sind und dass es notwendig ist, die Propaganda in den Ländern mehr zu zentralisieren und einheitlicher zu gestalten. Jede Ortsgruppe sagt Ihnen: bei uns liegen die Verhältnisse anders, sind besondere Umstände. Das ist nicht richtig; Propaganda ist überall dasselbe, ohne Unterschied, und die Fehler, die in Deutschland gemacht werden, sind ebenso Fehler in Oesterreich und Russland und sonstwo. Deshalb ist es notwendig, dass wir die Propaganda einheitlich gestalten und einer vom andern lernen, Dann wird es niebt so sein, dass man in einem Lande dio schönsten Erfolge lat und einige Meilen davon ist alles tot. Neben diesen beiden grossen Gebieten liegt nur noch die verwaltende Tätigkeit oder, wie man sie auch genannt hat, die kaufmännische Tätigkeit, und da ist es notwendig, auf einen Punkt hinzuweisen, der uns zwar allen bekannt ist, aber nicht beachtet wird Auch die ganze Tätigkeit der Bank, der A. P. C. und des H. F. ist das Tätigkeitsgebiet des A. C. Wir haben eine Organisation, der alle diese Dinge zu Eigentum gehören, und wir haben die Institutionen nur geschaffen, weil wir aus juristischen Granden besondere Körperschaften brauchten, und wir haben verschiedene Institutionen an Stelle einer geschaffen, zur Ordnung des Haushalts oder Besserung der Propaganda oder aus sonstigen Zweckmässigkeitsgründen. Das ist leider sehr häufig übersehen worden, und der Kongress muss zeigen, dass er diese Auffassung teilt. Dem Kongress dürfen auch die materiellen Grundlagen nicht entzogen werden, die er für sich selbst geschaffen hat. Und wenn wir immer hören, über diese Dinge kann dicht verhandelt werden, denn dazu muss das Direktorium des H. F. u. s. w. erst seine Zustimmung geben, so ist das falsch. Ge/riss sollen ihre Gutachten soviel wie möglich gehört werden, aller sie sollen nicht zu bestimmen haben. (Beifall.) Diese drei Geriete sind nun nicht etwa selbständige Ressorts, so dass eins mit dem andern nichts zu tun hätte, sondern sie sind nur die drei Teile, aus denen gemeinsam ein Arbeitsgebiet des E. A. C. sich zusammensetzt und nur wenn diese drei Sachen in einem innern Zusammenhang stehen und gemeinsam behandelt werden, kann eine richtige Politik im E. A. G Zustandekommen. IDeshalb ist es notwendig, dass wir in unserer Organisation, die ja jetzt wohl schon feststeht, Aenderungen treffen; ein E. A. C. an einem Orte, und kein zu grosses A. C, das sich übersehen lässt. Das ist ja nur die Rückkehr zu den Grundsätzen der Organisation, die Herzl geschaffen hat: ein A. C. von 23 Peisonen und ein E. A. C. — nicht das Wort Präsidium 1 wir hale-n schon Präsidenten genug in unserer Bewegung — von 5 Personen oder 6, die an einem Orte wohnen. Meine Landsmann, s-cliaft hat mit grosser Mehrheit gefordert, dass die Mitglieder des E. A. C. mit Ausnahme des Präsidenten der Kolonialbank an einem Platz wohnen sollen und dass der vorgeschlagene besondere Präsident des grossen A. C. wTegfallen soll. Denn dem gr ossen A. C. ist die vollkommene Freiheit, die es haben soll, gewährleistet dadurch, dass ein Drittel jederzeit /