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Die Welt · 1911-08-11 · 32 (11.8.1911) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
32 (11.8.1911)
Date
1911-08-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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pressung, Seifenfabrikation, Maschinenbau, Zementstein« etc. von Privatleuten ins Leben ge rufen worden. Aber auch sonst haben sich durch grosse Spenden manche Gesinnungsgenossen verdient gemaclLt, ich erinnere z. B, — ohne auf Vollständigkeit Anspruch machen zu wollen — an die Unterstützung eines kfasikkonservatoriums und die Begründung einer Handrerkerschule in Jaffa durch Herrn Rabinerson in Kiew, gm die Ermöglichung des Hausbaues des hebräischen Gymnasiums in Jaffa durch Lordmayor Moser in Bradford, sowie die Spende des Herrn Ephraimsohn in Bradford für dasselbe. Für Arbeiterwohnungen hat ausser Hetrrn David Wolffsohn noch ein Herr Halperin aus Kiew boeträchtliche Summen zur Verfügung gestellt, die Gelder für die Erforschung des toten Meeres hat Herr Hermann Tietz in Berlin zur Verfügung gestellt. Noch manche andere Spenden sind in Vorbereitung, und wenn auch die bekannte J reigebigkeit unserer Glaubensgenossen sich bisher uiaserm alten Lande leider nur in sehr schwachem Mx&se zugewandt hat, abgesehen natürlich von Sir Mörses Montefiore und Baron Edmund von Rothschild, so lassen sich doch in neuester Zeit merkliche Fortschritte erkennen. Es wird wohl noch geraume Zeit verstreichen, bis wir in dieser Beziehung das Beispiel der in der Diaspora lebenden Griechen für ihr Stammland nachgeahmt und eingeholt haben werden, aber man beginnt doch schon in unsern wohlhabenderen Kreisen mehr und mehr die moralische ^Verpflichtung zu fühlen, wenigstens einen Teil seines Uberflusses dem Lande (hr Väter zuzuwenden. Schreiten wir auf dem bisher begangenen Wege ruhig weiter! Wir können sicher sein, ckss dereinst das ehemals so schöne, später dann verwüstete und verlassene, jetzt aber durch unsere Arbeit wieder in aufsteigender Entwicklung begriffene Erez Israel sich zu einem Juwel in der Krone der vielen schönen Länder des ottomanischen .Reiches entwickeln wird. Wir brauchen nicht zu zweifeln, dass diese Arbeit, die übrigens schon ihren Lohn in sich selbst trägt, auch seitens des ottomanischen Staates dankbare Anerkennung finden wird, kdenn die Regierung muss und wird zu der Erkenntnis ^gelangen, dass wir nicht nur das ILand reich und zufrieden gemacht haben werden, sondern was noch mehr wert ist, dass durch unsere Arbeit dem Lande eine zahlreiche arbeitsame Bevölkerung zugeführt wurde, auf deren Treue der ottomanische Staat sich in guten und trüben Zeiten blindlings wird verkssen können. (Stürmischer minutenlanger Beifall.) Adolf Böhm (Beifall) : Die Debatte soll auf einem höheren Niveau stehen als in Hamburg. Dort wurde ein kleinlicher Kampf geführt, vielleicht von allen Seiten; so soll es jetzt nicht sein. Ich wül mehr prinzipiell sprechen. Es wäre eine Verletzung des Friedensprotokolls der Jalweskonferenz, wenn wir hier in der Hamburger Art gegen einander losgingen. Wir sollten das schon nicht mit Eücksicht auf die Erklärung unseres Präsidenten, aus der auch hervorgeht, dlass er seine Gesundheit im Dienste unserer Bewegung so ziemlich aufgebraucht hat. Ich werde deshalb ü&er Prinzipien sprachen und nicht persönlich : über unseren Standpunkt, der Gru ppe, die man mit einem Ausdruck, den ich nicht billige, Opposition nennt, und den Standpunkt der anderen Seite. Mit den Schl»gworten : politischer — praktischer Zionismus wird die "Situation verwirrt. Die Kon* gressdebatten müssen auf einer allgemeinen Plattform sich bewegen, der allgemeinen Idee, der allgemeinen Prinzipien, eines allgemeinen .Systems. Der Standpunkt der — sagen wir — offiziellen Seite ist in der Hauptsache : Kräftigung der Organisation, Sammlung von Geld, Arbeit in Palästina — alles andere ist vom Uebel! Die Intellektuellen seien keine praktischen Leinte; sie zerstörten leicht, könnten aber nicht aufbauen 1 Hat denn — wenn ich das vorerst akzeptieren will — die Leitung danach gehandelt? Das Notwendigste und Wichtigste müsste ftir sie sein, die Organisation recht straff zu machen, einen lebendigen Blutstrom zu lenken von dem Herzen der Bewegung, vom Sitz der Leitung in die Organisationen. Das ist nicht geschelien. In den sechs Jahren, die ich die Ehre habe, in Westösterredch an leitender Stelle zu stehen, habe ich keine lebendige Blutwelle aus Köln bekommen. Unsere Organisation wird von dort aus nicht gekräftigt, sondern sehr oft werden Bewegungen, die unsere Organisation schwächen können, begünstigt. Sodann müsste die Leitung möglichst alle guten Kräfte heranziehen; nicht nur einen Beamtenstab, sondern daneben hochintellektuelle Kräfte, die wir im Zionismus genug haben; wir müssen sie nur heranziehen. Sehr viele intellektuelle Kräfte haben die Zentrale verlassen, wurden abgestossen, aber Ersatz ist nicht gefunden. Alle Intellektuellen sehen wir im andern Lager. Wir haben am N. F. und seinem Vorsitzenden gesehen, wie wunderbar dieses Systemwenn es, nur gehandhabt wird, floriert. Der Vorsitzende des P. hat diesbezüglich vollkommen einwandfrei gehandelt, er hat auch steine Opponenten herangezogen, alle Anregungen entgegengenommen, etc. Die Palästina-Arbeit! Venn wir geschichtlich zurücksehen, so werden wir finden, ösl&s wir sie gegen alle Widerstände erkämpft haben; wir waren es, die sie gefordert haben. Die am meisten für Palästina gearbeitet haben, das waren immer die Leute, die man heute Opposition nennt. Also das ist ganz gewiss nicht ein Grund zur Spaltung. Aber Palästina-Arbeit ist ein Schlagwort; es handelt skh darum, in welchem Geiste sie geleitet wird, welche Polle nun ihr zuteilt. Meine Freunde und ich sagen : gewiss, dieser offizielle Standpunkt ist berechtigt; es ist wahr : wir müssen Geld sammeln, die Organisation kräftig&n, in Palästina arbeiten. Aber das ist nicht der ganze Zionismus- Unser Standpunkt ist — gestatten Sie vielleicht diesen anmassenden Ausdruck — ein höherer. Wir sagen, die Aufgabe des Zionismus ist, angesichts der zersetzenden Tendenzen, die im Westen herrschen (Assimilation) und im Osten (Depravierung «durch unglückliche Verhältnisse), der Schwierigkeiten in Palästina, angesichts der das Judentum herunterbringenden, auflösenden destruktiven Tendenzen, welche die Zukunft unseres Tolkes gefährden, eine ebenso starke Widerstandskraft aufzurichten: den Zionismus; und daraus geht schon hervor, dass das wichtigste an der zionistischen Bewegung nur sein kann, dass sie als geistige und moralische Macht aufgerichtet wird. (Beifall.) Das ist das Primäre im Zionismus. Es nützt nichts, nur Geld zu sammeln; in dem Punlrt werden wir mit der Ica niemals konkurrieren können. Das vichtigste ist, dass die Bewegung nicht auf Kosten der Tiefe in die Breite gedehnt wird; denn in dem Moment, in dem wir den Zionismus verwässern, geben wir ihn auf, sind wir nichts anderes als ein jüdischer Yerein, nur dass die Vereinsbeiträge Schekel heissen. Wir verwahren uns dagegen, dass der Zionismus immer blutleerer gemacht wird, dass man uns* herunterdrückt zu einer Partei innerhalb des Judentums. Nein, wir müssen den Idealismus wieder aufrichten zu dem, was er unter Herzl wair, dass er wieder ist das Gewissen, das Herz und der Geist des ganzen Judentums. Es ist nicht richtig, dass wir dadurch weiter kommen, dass wir unaufhörlich, unermüdlich agitieren. (Zum! : an das Volk appellieren 1) Mit der Agitation kommen Sie bis zu einem gewissen Punkte und kommen dann nicht weiter, als dass die Schekeizahler um so und soviel vermehrt werden. Gewiss, Agitationen sind wichtig und ich selber habe agitiert; aber das wichtigste ist, das Judentum geistig zu sionisieren, das heisst, eine Ideenpropaganda zu entfalten, und das ist etwas ganz anderes als Agitation. Wir sind nicht so schwach, wie heute gesagt wurde. Wir haben für diese Aufgabe etwas ganz Ungeheures; alle Ideen und Tendenzen, die im Judentum noch wirksam sind, was noch lebenskräftig ist im Judentum, das strebt uns zu. Das ist das Wasser, das unsere Mühlen treiben wird, nicht die Agitation. Und dies&n Zionisierungs- und Nationalisierungsprozess sehen wir gamz klar , vor Augen (Beifall), und ich verlange daher, dass die Mhrung mit aller Macht, nicht nur widerwillig, sich in den Dienst der Ideenpropaganda stellt. Sie finden in Bussland und in Oes terreich eine machtvolle nationale Bewegung, die sogar in die Folitik umgeschlagen ist. Gewiss soll die Landespolitik nicht woa der Zentrale gemacht werden, aber sie soll begreifen, dass dieses Nationalisieren der jüdischen Massen uns vorwärts bringen muss und uns vorwärts gebracht hat (Beifall); Sie sehen das an dem Hauptnest der Assimilation Wien. Und es ist auch nicht richtig, wenn die Leitung sagt: Das ist Sache der Landesorganisat-ionen! Die Leitung kann sich in die politischen Bewegungen nicht einmischen, aber man muss Verständnis und Interesse für diese Bewegung haben und für die'Bedeutung (der Zionisierung der Massen; denn jede Nationali-

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