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Die Welt · 1911-08-11 · 32 (11.8.1911) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
32 (11.8.1911)
Date
1911-08-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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802 DiE^ELT No. 32 diesem Weg fraglich schien, überhaupt nicht betreten. Tat Herzlesaus Opportunismus oder hatte er selbst schon das unbedingte Vertrauen in die Erlangung eines Charters eingebüsst, das mag dahingestellt bleiben, jedenfalls berief er im Jahre 1902 Dr. Franz Oppenheimer, Dr. Soskin und mich, also drei Anhänger der praktischen Kolonisation nach Wien zu einer Sitzung des grossen Actions-Comites, um sich Vorschläge für die praktische Palästinaarbeit von ihnen unterbreiten zu lassen; und zwar stimmte man den Vorschlägen zu, eine Lehrfarm, eine landwirtschaftliche Versuchsstation und ein genossenschaftliches Gut in Palästina zu errichten. Um die Vorarbeiten hierfür zu machen, wurde auf dem sechsten Kongress im Jahre 1903 die Palästinakommission gegründet, der ausserdem auch noch die Erforschung Palästinas, die Einrichtung von Auskunftsstellen, die Herausgabe einer populärwissenschaftlichen Palästina-Zeitschrift, sowie die Vorarbeiten zur Errichtung eines hygienischen Institutes zugewiesen wurden. So begann denn vor jetzt neun Jahren der Evolutionismus in den Chartergedanken die erste grosse Bresche zu schlagen. Die seitdem verflossene Zeit kann man kurz bezeichnen als die soziale Durchkämpfung des evolutionistischen Palästinagedankens. Wie im einzelnen die auf dem 6. Kongress gewonnenen festen Beziehungen zu Palästina in den folgenden acht Jahren ausgebaut wurden, braucht hier nicht des näheren erörtert zu werden, sind doch die wichtigsten Momente sicherlich in Ihrer aller Gedächtnis. Ohnehin erhalten Sie ja über die Entwicklung der bedeutendsten Institutionen, nämlich der Bank und des Nationalfonds, noch besondere Berichte. Dass auch die Palästinakommission in den vier Jahren ihrer Tätigkeit mit Erfolg gearbeitet hat, dafür legen die praktischen Hesiduen derselben Zeugnis ab; vor allem der Verein Bezalel, der in Palästina schon 400 Menschen im Kunstgewerbe beschäftigt, sowie die Oelbaumspende, deren zwei Pflanzungen bis zu 100 jüdischer Arbeiter beschäftigen. Schon jetzt stellen diese zukünftigen Oelbaumwälder eine, unserer wichtigsten Positionen in Palästina dar, und es lässt sich auch schon übersehen, dass sie nach einer Reihe von Jahren die darauf verwandte Arbeit reichlich belohnen wird. Auch der Palästina-Pflanzungsverein entwickelt seine von jüdischen Kolonisten angelegten Mandel- und Olivenpflanzungen in befriedigender Weise weiter und das Palästina-In du s trie- Syndikat beginnt seine Gelder mehr und mehr in Palästina nutzbringend anzulegen. Die damals begründete Zeitschrift Palästina hat sich nach manchen Wandlungen jetzt unter der sachverständigen Leitung unserer österreichischen Freunde recht erfreulich .entwickelt und entspricht den Anforderungen, die Kenntnis Palästinas in unsern Kreisen zu vertiefen, in anerkennenswerter Weise. Vor vier Jahren, auf dem VIII. Kongress, wurde dann die Palästinakommission durch ein Palästina-Eessort abgelöst, aber die Arbeit ging unter dem neuen Namen in ähnlicher Weise wie bisher weiter, nur wurde sie erleichtert und vertieft durch die Einrichtung einer parallelen Instanz in Palästina, die sich in wenigen Jahren zu einem ausserordentlich wichtigen autoritativen und sachverständigen Faktor entwickelt hat. Unter den in den letzten 4 Jahren begründeten Institutionen ist die Palestine Land Development 0°, unser Parzellierungsinstitut, bei weitem das wichtigste. Wenn erst seine Bedeutung von allen erkannt sein wird, und durch eine rege Beteiligung das erst zu einem Viertel vorhandene Kapital dieser Gesellschaft auf die wünschenswerte volle Summe von 50,000 gebracht sein wird, dann wird sich auch der eminente Nutzen dieser Institution schnell in vollem Masse zeigen. Schon jetzt hat diese Gesellschaft die Parzellierungstätigkeit praktisch aufgenommen, indem sie im Begriffe ist, in geschäftsmässiger Weise eine grosse neue Kolonie zu schaffen, und ausserdem hat sie die schon im Jahre 1902 geforderte Lehrfarm in Form der Bewirtschaftung eines schönen grossen Gutes ins Leben übergeführt. Weitere Ergebnisse dieser Periode sind die eng mit dem Nationalfonds liierte Siedlungsgesellschaft Erez Israel, welche das auch in allgemein menschlicher Beziehung hochwichtige sozial wirtschaftliche Problem eines genossenschaftlich geleiteten Gutes praktisch zu erproben bestimmt ist, ferner die Immobiliengesellschaft Palästina, welche die städtische Parzellierung mit grossem Erfolg betreibt, die Gründung einer landwirtschaftlichen Versuchsstation bei Haifa durch amerikanische Philantropen, sowie die Errichtung der Land- und Plantagengesellschaft Tiberia, welche den ersten Zusammenschluss grösserer meist russischer Kapitalisten zur intensiven Bewirtschaftung eines Gutes in Palästina darstellte. Schliesslich sind noch zwei in dieser Periode begründete Vereine zu erwähnen, nämlich der Verba.nd jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina, der sich mit Eifer und Geschick den städtischen und ländlichen Erwerbsfragen des weiblichen Geschlechts in Palästina zuwendet und daneben die Gesundheitspflege daselbst zu fördern unternommen hat, und als neueste Errungenschaft die Gesellschaft für Palästinaforschung, die endlich einmal dem beschämenden Zustande ein Ende gemacht hat, dass in wissenschaftlicher Beziehung von jüdischer Seite aus nichts getan wird, um das Land unserer Väter zu erforschen. Schon in diesem Herbst soll die erste Expedition herausgehen, um das tote Meer mit den neuesten Methoden moderner Wissenschaft zu untersuchen. Ueber alle diese erwähnten Institutionen und Unternehmungen finden Sie ausführliche Angaben in dem vorliegenden Bericht des Äctionscomites, und wenn es möglich gewesen ist, nach einer Arbeit von so wenigen Jahren schon einen so stattlichen Bericht herauszugeben, so spricht allein diese Tatsache besser als alle sonstigen Ausführungen für das sieghafte Vordringen der systematisch-evolutionistischen Palästinaarbeit unserer Bewegung. Was noch fehlt, sind grösstenteils Institutionen kultureller Natur, und auch davon sind mehrere in Bearbeitung, wie z. B. die Nationalbibliothek, das National museum und das hygienische Institut. Wir dürfen also wohl hoffen, in nicht zu ferner Zeit, für die wichtigsten Bedürfnisse Palästinas in wirtschaftlicher und geistiger Beziehung die nötigen Grundlagen geschaffen zu haben. Aber auch der Einfluss unserer Arbeit auf die Beteiligung des privaten Kapitales wohlhabender Gesinnungsgenossen ist schon deutlich erkennbar. Manch einer hat in den genannten Unternehmungen recht erhebliche Summen investiert oder dafür gespendet, wie z. B. die amerikanischen Mäcene der Versuchsstation oder des vom Hilfsverein der Deutschen Juden gegründeten Technikums, sowie die Moskauer Herren, die den Erwerb des schönen Landgutes Medjdel am Tiberiassee ermöglicht haben. Ferner sind Fabriken für Oel-

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