Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 31 (4.8.1911)
- Date
- 1911-08-04
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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Stundenpläne usw.) bereichern. Sdbon auf diese Weise allein kann fast ganz kostenlos eine schöne Sammlung entstehen, die den palästinensischen Schulen ersprießlich werden kann. Doch wird es noch selbstverständlich größerer Mittel bedürfen, um das Museum zu dem zu machen, was es tatsächlich sein soll: eine ergiebige Quelle, aus der Lehrer, Erzieher und Eltern Mut und Kraft, Anregung und Belehrung für ihre schweren Aufgaben und verantwortungsvollen Pflichten schöpfen sollen, eine zentrale Sammelstelle für das zurgeistigen undkörperlichen Pflege der heranwachsenden Jugend Palästinas erforderliche Material. Es wird daher Aufgabe aller Organisationen und Vereine sein, die sich mit dem Unterrichts- und Erziehungsproblem in Palästina beschäftigen, je nach der Ausdehnung ihres Schulwerks zur Unterhaltung dieses Institus beizutragen, dessen Zweck es sein wird, ihr Wirken zu unterstützen und zu fördern. Die Verwaltung des Museums soll sich dementsprechend aus Vertretern der beitragenden Vereine zusammensetzen. Ort des Schulmuseums. Als den geeignetsten Ort für ein jüdisches Schulmuseum denke ich mir Jerusalem. Ihr historischer Glorienschein sowie die überwiegende Majorität ihrer jüdischen Bevölkerung machen die altehrwürdige Metropole Palästinas auch zum Zentrum der modernjüdischen Kultur. Außerdem hat Jerusalem jetzt schon eine große Anzahl von Schulen aller Typen: Die Zahl der Zöglinge in den modernen Schulen und in den Kindergärten beträgt etwa 3000, während die Unterrichtsanstalten alten Stils von einer doppelten Anzahl von Schülern besucht werden. Werden sich jene unmittelbar die Segnungen dieser neuen Kulturinstitution zu eigen machen, so werden sich auch diese ihrem Einfluß für die Dauer nicht entziehen können. Und so oft die Lehrerschaft des übrigen Palästinas nach der Metropole kommen wird, — und dies sollte recht oft geschehen, — wird sie im Jüdischen Schulmuseum stets neue Anregung, immer neue Belehrung finden. Was das Herz dem Körper ist, das soll das Schulmuseum in Jerusalem dem gesamten Schul- und Erziehungswesen unseres Landes werden. Rußland Herzlfeier in Warschau Anläßlich des 20. Tamnus fand in Warschau eine Herzlfeier statt. Die Gedenkrede hielt Nahum Sokolow, der in meisterhafter Weise ein Bild von Herzl als Künstler und als Schöpfer des Zionismus entwarf. Der Zionismus vor dem Forum des russischen Senats Die jüdische Gemeinde der Stadt Ostrolenka, Gouvernement Lomsha, führte beim regierenden Senat Beschwerde gegen den Gouverneur von Lomsha, der die Wahl des Herrn Pinchas zum Rabbiner wegen der Zugehörigkeit desselben zur „Gesellschaft der Zionisten" annulliert hatte. Der Gouverneur berief sich auf ein Geheimzirkular Plehwes vom 24. Juni 1903, in welchem die Gouverneure und Stadthaupleute angewiesen wurden, Erkundigungen über die in ihren Amtsbezirken bestehenden zionistischen Organisationen einzuziehen, die Propagierung des Zionismus zu verbieten, zionistische Versammlungen und Zusammenkünfte, wie auch Sammlungen für zionistische Zwecke zu verhindern usw. Das Zirkular empfahl ferner, bei der Bestätigung von Wahlämtern in der jüdischen Gemeinde zunächst Erkundigungen über die Zugehörigkeit der Kandidaten zur zionistischen Organisation einzuziehen und demgemäß zu verfahren. Nach eingehender Beratung der Beschwerde sprach sich der Senat im Februar 1907 mit neun gegen drei Stimmen für die Annullierung der Verfügung des Gouverneurs aus, indem er darauf hinwies, daß das Gesetz keine Bestimmung enthält, wonach es verboten wäre, das Amt eines Rabbiners einem Zionisten zu übertragen. Die Frage wurde dann auf Veranlassung des Oberprokureurs des Synods nochmals der ersten Abteilung des Senats zur Erledigung überwiesen. Das Ergebnis ist nun diesmal ein ganz anderes als im Jahre 1907. Die überwiegende Mehrheit des Senats pflichtete der Ansicht des Justizministers bei, wonach „der buchstäbliche Sinn der Gesetzesbestimmungen keinen Zweifel übrig läßt, daß das Bestätigungsrecht des Gouverneurs bei Rabbiner wählen der jüdischen Gemeinden unbeschränkt ist" Der Senat wies daher die Beschwerde der jüdischen Gemeinde von Ostrolenka ab. Polnischer Antisemitismus Der Zwiespalt in den Reihen der polnischen Nationaldemokraten, die bisher als die unbeschränkten Herren der politischen Situation galten, nimmt in letzter Zeit immer größere Dimensionen an. Mit dem unbestrittenen Einfluß dieser Partei auf die weiten Volksmassen ist es nun zu Ende. Im Hinblick darauf wird zur Zeit in politischen Kreisen Polens die Frage der Schaffung eines politischen Blocks nach dem Vorbild der galizischen „Rada Narodowa" lebhaft erörtert. Diesem Block sollen beide Fraktionen der Nationaldemokraten, fer er die Realisten, der Progressistenverband und die sog. „Ludowcy" unter Aufrechthaltung ihrer parteimäßigen Selbständigkeit angehören. Die Hauptaufgabe des Blocks soll darin bestehen, die Wahl von Juden und Sozialdemokraten zu Abgeordneten von Polen zu verhindern. Hilfe für jüdische Abbrändler in Rußland Das Deutsche Bureau der Alliance Israelite Universelle teilt uns mit, daß in einer Anzahl jüdischer Gemeinden Rußlands letzthin verheerende Brände gewütet haben. Das Zentralkomitee in Paris hat an die durch die Katastrophen besonders schwer heimgesuchten Ortschaften, und zwar an die Gemeinden Mir (Gouv. Minsk), Janischki (Gouv. Kowno), Vorotynstschina (Gouv. Mohilev\ Karelitschi (Gouv. Minsk), Olita (Gouv. Souwalki), Dwine (Gouv. Grodno), Jagory (Gouv. Kowno) Beihilfen im Gesamtbetrag von 12000 Frs. geschickt. Für verschiedene russische Jeschiboth hat das Zentralkomitee den Betrag von 2000« Frs. bewilligt. Eine Spende von 20000 Frs, für zionistische Zwecke Auf Veranlassung des Kronrabbiners Aronsöhn, Ingenieurs in Sirkin, hat Herr Hep ner, Besitzer einer Zuckerfabrik, 20000 Frs. für zionistische Zwecke gespendet. Ein russischer Qeßler Der Chef des Bezirkes Pultusk ließ in den jüdischen Synagogen bekanntmachen, daß er, weil die jüdische Jugend sehr verdorben und revolutionär gesinnt sei, hiermit anordnen, daß forta die jungen Juden, wenn sie ihm begegnen, den Hut zu ziehen haben; Zuwiderhandlungen werden mit siebentägiger Gefängnisstrafe geahndet. Neue Methoden der Judenverfolgung AlseinPendantzuden Gerüchten über neue Rechtseinschränkungen: für die Juden auf dem Gebiete des Handels und der Industrie, — die, wie verlautet, in der Sitzung des Ministerrats vom 17. Juli bestimmte Formen erhalten sollen,— wird berichtet, daß die Reichsbank bereits einen symptomatischen Anfang gemacht hat. Seit einiger Zeit wird nämlich den jüdischen Kaufleuten und Diskonteuren ihr Kredit in der Reichsbank bedeutend herabgemindert, bzw. ganz entzogen. Diese Maßnahme bleibt natürlich auch nicht ohne Wirkung auf das Verhalten der Privatbanken den betreffenden Klienten gegenüber. In Warschauer Handelskreisen wird versichert, daß dieser Umstand bereits schwerwiegende Folgen für den Kreditmarkt .gezeitigt hat. Die Zahl der Bankerotterklärungen nimmt mit jedem Tage enorm zu. Selbstverständlich ziehen all diese Stockungen und Falissements auch die ausländische Handelswelt in Mitleidenschaft. Daher die feine Nase und die Empfindlichkeit des Auslandes gegenüber den Judenverfolgungen nach dieser Richtung hin, während andere, schwerere Verfolgungen dasselbe kalt lassen... . Vom russischen Bildungsressort Der Kurator des Kiewer Lehrbezirks Zilow stellt in seinem» Berichte für 1910 u. a. fest, daß in der von Juden dicht bevölkerten Stadt Karnenetz das Schulieben an der unheilbaren „Judenkrankheit" leide. Zilow betont die Verdienste des Kuratoriums des Lehrbezirks in der Einschränkung der Aufnahme von jüdischen Schülern. Seinen Maßregeln zufolge wurde in mehreren Gymnasien die Aufnahme von jüdischen Schülern ganz eingestelit. In der Stadt Klimowitsch, Gouvernement Mohilew, wurde das Privatgymnasium in ein Staatsgymnasium verwandelt. Das Lehrpersonal und sämtliche nichtjüdischen Schüler blieben auf