Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 31 (4.8.1911)
- Date
- 1911-08-04
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3315709-3316458-3316492--54827-3348630- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No. 31 DIE^ELt 767 gehoben zu werden verdienen. Die durchaus ernste umd würdevolle Stimmung der Feier übte eine tiefe Wirkung auf das Publikum. Karlsbad. Die zionistischen Kurgäste treffen sich jeden Mittwoch um Vs9 Uhr abends im Restaurant Kirsch, Haus Linkoln, Egerstraße. Kroatien Agram. Am 22. Juli veranstaltete der jüdisch-nationale akademische Verein „Judea" eine imposante Gedenkfeier für Theodor Herzl, die einen würdigen Verlauf nahm. Schorn eine halbe Stunde vor dem Beginn der Gedenkfeier war der Saal des Grand Hotel dicht besetzt Unter den Anwesenden waren viele Damen. Nach der Begrüßungsrede des Präsidenten der „Judea", cand. iur. Pinto, ergriff Dr. Alexander Licht, Ehrensenior ctes genannten Vereins das Wort zur Gedenkrede. Seine Rede, im der er die herrliche Gestalt fierzls, seine Größe und Bedeutung für das Judentum treu zu erklären wußte, wurde mit großem Beifall aufgenommen. Einen besondern künstlerischen Genuß bot die Deklamation des Schauspielers Josef Papic, eines Sepharden, d«er auch Mitglied des kgl. Landestheaters ist. Er rezitierte mit vi«l Verständnis und Wärme das.Gedicht „Der jüdische Mai" von Morus Rosenfeld (in kroatischer Übersetzung von Dr. A. Licht) und ein Gedicht aus Münchhausens „Juda". Das dankbare Publikum zollte Ihm lebhaften Beifall. Nach einigen Schluß- und Dankesworten des Präsidenten Pinto nahm die würdige Feier ihr Ende. In die Sammelbüchse des Vereins ging für den Jüdischen Nationalfonds ehe ansehnliche Summe ein. Rumänien Bukarest. Am 16. Juli fand in der großen Synagoge die Herzl-Gedenkfeier des Zentralkomitees der Bukarester zionistischen Vereine statt. Der Saal war bis zum letzten Platz gefüllt, und die Menge lauschte andächtig den weihevollen Gesängen des Tempelchors und den ergreifenden Worten des Herrn Rabto. H.Alp er in. Herr Herscovici, Präsident des Vereins „Idealul", fnihrte dann in längerer Rede aus, was Theodor Herzl dem Zionismus bedeute, den Organisator, der den Zionismus auf eine wirtschaftliche Grundlage stellte durch Schaffung des Nationalfonds und der Kolonialbank. Redner schloß mit einem Appell an alle Zionisten, wiirksam für die gemeinsame Sache durch Förderfing der von Herzl geschaffenen Institutionen tätig zu sein. Herr Dr. J. W. Steiner, Präsident des Zentralkomitees, sprach der Gemeinde und .dem Herrn Präsidenten Ascher Abramovici den Dank für die Überlassung der Synagoge aus mnd legte dar, wie lächerlich es sei, wenn Gemeinden den Zionismus als staatsfeindliche Institution betrachten und ihm die Tore ihrer Synagogen verschließen glauben zu müssen. Die Feier schloß miit einem Chorgesang. Oberkantor Seifert trug durch seine Mitwirkung viel zu dem Gelingen dieser schönen Gedächtnisfeier bei. Am Nachmittag desselben Tages fand in denn Tempel der Schneider-Gemeinde eine Trauerfeier statt, bei welcher Herr Rabb. Dr. Niemirower eine ergreifende Gedächtnisrede hielt, die einen tiefen Eindruck bei den Hörern hinterließ. Es sprachen noch die Herren J. Mayer söhn vom Zentralkomitee, Mos. Schwarzfeld, Präsident des Vereins „Chowewe Zioii David", nud M Perlmutter. Es wurden ca. 30 Ölbäume und ein ansehnlicher Betrag für den Nationalfonds gesammelt. Eine Herzl-Nurnmer des „Curierul Esraelit" Unser rumänisches Bruderorgan, der »Curierul Israelit", hat zum Todestage Herzls eine sehr geschickt zusammengestellte Herzl- Nummer herausgegeben, deren reicher Inhalt sowohl dem Andenken Herzls als auch in besonderm Maße dem Lebenswerk unsers verstorbenen Führers, dem Zionismus und seinen Institutionen, gewidmet ist. Wir heben besonders hervor; „Der Zionismus in Rumänien" von M. Schweig, „Die Entwicklung des Zionismus" von Max Nordau, „Was können wir durch den N. F. erreichen?" von Dr. Bodenheimer, „Die hebräische Sprache unl die nationale Idee" von Dr. J. Nacht" usw. Die Herzl-Nummer wird wohl unserer Sache in Rumänien neue Freunde werben. Wiener Brief Drohobyczer Justiz Die in der Geschichte der Wahlen beispiellos dastehenden Vorfälle von Drohobycz haben bisher nicht mir keime Sühne gefunden, sondern nach bekannter österreichischer Methode sehen wir, daß die Debatte im Parlament über Drohobycz weit hin ausgeschoben wurde, bis dringende Staatsnotwemdigkeiten, wie Bankvorlage, Wehrvorlage, und Parteinotwendigkeitrai erledigt waren. Aber schließlich will man doch zeigen, daß man «in Kulturstaat ist, und so darf es nicht wundernehmen, daß sich die Parteien förmlich drängten, ein Wort für Drohobycz einzulegen. Nicht weniger als sechs Üringlichkeitsanträge sind in Angelegenheit der blutigen Vorfälle in Drohobycz eingebracht worden. Voll Entrüstung, nach dem bekannten „Haltet den Dieb!" bringt der Polenklub namens der polnischen Demokraten einen Dringlichkeitsantrag ein. Die polnischen Sozialdemokraten, die ruthenischen Sozialdemokraten, der Ruthenenklub machen die Sache zu einem Politikern, in dem es sich nicht so sehr um Sühne für die Opfer und Änderung des Systems handelt, sondern vielmehr um Erreichung von Vorteilen für dbsa Gruppen und um den Ruhm, als Retter der reinen Wahlen mnd als Änderer des galizischen Systems dazustehen. Außer diesem Anträgen wurde ein solcher vom Abgeordneten Breiter und eine* vom Abgeordneten Strauch er eingebracht. Im ganzen und großen war *das Petit dasselbe: Einleitung einer strengen Untersuchung, Bestrafung der Schuldigen und Unterstützung der Hinterbliebenen. Sechs Dringlichkeitsanträge, — und dazwischen beleuchtet wie ein greller Blitzstrahl eine in Angelegenheit der Drohobyczer Vorfälle: bekannt gewordene Gerichtsverhandlung die Situation, und es kann schon heute gesagt werden: Sühne und Strafe werden im Einklänge zu der Kultur des Landes stehen, in dem Drohobycz liegt Die erwähnte Gerichts verhau Illing fand dieser Tage vor dem Kreisgerichte in Sambor statt, Angeklagt war der 23jährige Adolf Montag, der das unerhörte Verbrechen begangen hatte, einige Tage nach den Vorfällen in Drohobycz bei Gericht die Anzeige zu erstatten, daß ihn der Bezirkskommissär Dr. Lyszkovsky mit dem Säbel mißhandelt habe. Was? Ein Jude wagt es, gegen einen k. und k. Bezirkskommissär eine Klage zu erheben? Das schreit nach Sühne. Die Autorität des Staates muß gewahrt werden. Die Staatsanwaltschaft erhebt gleichzeitig gegen Montag die Anklage wegen öffentlicher Gewalttätigkeit. Dr. Lyszkovsky war zur Verhandlung nicht erschienen, aber aus seinem Protokoll war hervorgegangen, „er habe den Eindruck gehabt, daß Montag ihn überfallen wollte, und deshalb habe er sich mit dem Säbel gewehrt". Der Jude Montag wurde nach § 83 des österreichischen Strafgesetzes wegen öffentliche! "Gewalttätigkeit zu einem Monat schweren Kerkers verurteilt. Wohl wurde gegen dieses Urteil Berufung eingelegt, und die 20 Verteidiger der übrigen wegen der Drohobyczer Vorfälle angeklagten Demonstranten haben ^schlössen, beim Justizminister die Delegierung eines Wiener Gerichtes zu verlangen, da die galizischen Gerichte befangen erscheinen, wohl werden in der Parlamentsdebatte die Vorgänge von allem Gesichtspunkten aus besprochen werden, — aber Sühne dürfte d«m jüdischen Volke nicht werden. Drohobycz im Parlament Die Verhandlung über die sechs Dringlichkeitsanträge im Parlament vollzog sich unter der allgemeinen Teilnahmslosigkeit des Hauses. Es beteiligten sich außer Dr. Strauch er fast nur Mitglieder der galizischen Parteien an der Debatte. Für die Regierung gaben der Minister des Innern und der Landesverteidigungsminister Erklärungen ab, in denen mit vielen Worten herzlich wenig gesagt wird. Aber selbst aus diesen dürftigen Antworten geht hervor, wie unberechtigt der Waffengebriiich war, der durch angebliche Revolverschüsse eines Unbekannte» provoziert worden ist. Aber auch die Wahlschwindeleien der Garde Löwensteins erfahren hierdurch ihre Bestätigung. Interessant ist, daß der Minister des Innern die Versetzung des Bezirkshaupotmanns Piatkewicz ankündigte und ihn durch einen Beamten abzulösen versprach, der sich nicht scheuen werde, in den dunkeln Winkel von Drohobycz hineinzuleuchten. Das Haus erkannte schließlich nur dem Antrag des Polenklubs die Dringlichkeit zu . . . Brief aus Italien „La Settimana Israelitica" Seit zwei Jahren erscheint an Florenz das erste jüdische Wochenblatt in Italien „La Seitimana Israelitica", das vom- Oberrabbiner Dr.S. fi. Margulies ins Leben gerufen worden ist. Das Blatt will eine Lücke im jüdis-clien Leben Italiens ausfüllen: es fehlte nämlich bis jetzt ein Orgam, das die italienischen Juden über das jüdische Leben im Ausland gut informierte und sie zu reger Tätigkeit anzufeuern imstande war. Diesem Zwecke kommt die „Settirnana" mit Eifer entgegen. 2Sie begnügt sich nicht, einfach ein- Nachrichtenblatt zu sein, sondern sucht die italienischen Juden mit