Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 30 (28.7.1911)
- Date
- 1911-07-28
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 30 DiEl^ELT 735 „Mo r iah", welche sehr fleißig für alle zionistischen Institutionen sammelt. Die Gedenkfeier gestaltete sich zu einer großartigen Manifestation für den zionistischen Gedanken. Nachdem Dr. Kahan in formvollendeter Rede die großen VerdieiLsle Herzls um die nationale Wiedergeburt des jüdischen Volkes besprochen, wandte er sich dem Zionismus zu. Er schilderte die moralische und die physische Judennot, widerlegte in ausführlicher Weise die Anwürfe der Assimilation und wies darauf hin, daß gerade in der letzten Zeit jene intellektuellen Kreise, die den Zionismus früher bekämpft haben, langsam in das Lager der Zionisten einrücken. Wenn auch unser großer Herzl gestorben sei, so war es won unsern Gegnern verfrüht, zu behaupten, daß damit auch der Zion ismus verschwinden werde, denn ein Mann könne wohl sterben, akr eine große Idee, die sich so rasch in das jüdische Volk eingewurzelt habe, könne niemals untergehen. Er besprach eingehend die glänzenden Erfolge des Zionismus in Palästina in wirtschaftlicüier und kultureller Beziehung, indem er alle großen zionistischem Institutionen kurz skizzierte. Dr. Kahan ermahnte das Publikum, an der Verwirklichung des zionistischen Ideals schon aus (üründen der Selbsterhaltung fleißig mitzuarbeiten und dem jüdischen Volke eine Heimstätte in seinem Herkunftslande Palastina zu gründen. Dr. Kahan, dessen Rede auch eine ganz beleutende oratorische Leistung darstellte, — denn ein solch vorzügü eher Redner sprach hier noch niemals zu Juden, — wurde vielfach von der begeisterten Zuhörerschaft mit Zurufen und vielem Beifall unterbrochen. Am Schlüsse seiner Rede durchbrauste den Saal ein nicht enden wollender Beifallssturm, was als ein Beweis gelten mag, daß er zu den Herzen der Anwesenden Eingang gefunden und sie für die zionistischen Ideen entflammt hatte. Der Redner wurde vielseitig überaus herzlich beglückwünscht. Sein Vortrag läßt eine nachhaltige Wirkung erwarten. — Es wurden verschiedene Propagandabroschüren verteilt und auch Hkr den Jüdischen Nationalfonds gesammelt. — Am nächsten Tage wurde auf Vorschlag des Vereins sowohl im sephardisd-en als auch im aschkenasischen Tempel nach dem Frühgebet ein Trauergottesdienst abgehalten. Abends versammelte sich za Ehren des Gastes eine kleine Gemeinde in den Souterrainlokalitäten des Hotel Zentral, wo ein Kommers abgehalten wurde. In fröhlicher Stimmung verabschiedete sich Gesinnungsgenosse Dr. Kahan von uns. Er hat uns und unserer Idee einen großen und dankenswerten Dienst erwiesen. Schweiz Bern. Am 16. Juli veranstaltete der hsesige akademische Zionistenverein eine Herzlfeier, bei welcher die Herren Professor Ornstein-Basel, Dr.Levy-Biel, Dr. Mossi nsolin -Jaffa (hebräisch), und cand. jur. Dobranizky sprachen. Die Peier fand in der Synagoge in Anwesenheit des ganzen Vorstandes statt. — Am Nachmittag versammelte sich der akademische -Zionistenverein, um über Kongreßfragen zu diskutieren. Herr Prof. Orr stein entwickelte in vornehmer Weise seine Ansichten über die sclrwebenden Kongreßfragen und fragte zuletzt mit Recht: „Nun, besteht wirklich eine so große Meinungsverschiedenheit zwischen meinen studentischen Wählern in Holland, denen ich doch meine Ansichten vorgetragen habe, bevor ich gewählt wurde, und euch osteuropaischen Studenten?" Seine Worte waren von großer Wirkung, wie sie selten ein westeuropäischer Redner hier ausübt. Seine Begeisterung für alles Nationale, sein Verständnis für das osteuropäische Judentum brachten uns einander nahe und das konnte man am besten aus der Diskussion ersahen, die sich so ruhig und freundschaftlich gestaltete. England Bradford. Am 20. Tamus fand hier in der Synagoge der „British and foreigen Jews" eine Herzlfeier statt, bei der Herr Rabbiner Dr. Strauß die Gedächtnisrede hid-h Rumänien Galatz. Am 16. Juli wurde im Schneide rtempel eine Feier für das Seelenheil unseres unvergeßlichen Dr. Elieodor Herzl abgehalten. Das Gotteshaus war gedrängt voll. IMach dem Minchagebet hielt Herr Sam. Pineles die Gedenkrede, in der er den Zionismus in Rumänien seit seinem dreißigjährigen Bestehen und besonders seit Herzls Auftreten 1897 besprach. Er schilderte in trefflicher Weise den 1. Kongreß und die folgenden neuen Kongresse, denen allen er beigewohnt hat. Wie jeder Mohammedaner einmal in seinem Leben nach Mekka pilgere, so müßte jeder gutgesinnte Jude einen Zionistenkongreß besuclien. Zum Schluß zählte er alles auf, was Herzl in seiner kurzen Laufbahn Großes geleistet, und forderte die Jugend auf, im Sinnt des uns stets Unvergeßlichen zu arbeiten. Hierauf verglich Rabbinatskandidat Jacob Sei ächter in warmen Worten im Anschluß an den vorwöchentlichen Tlnoraab schnitt Herzls Tod mit dem Mose. Die Anwesenden lauschten mit großer Aufmerksamkeit dem Vortrage. Zum Schluß rezitierte Rabbinatskandidat Jacob Schächter das „El mole rachamim" und trug dann ein hebräisches Lied „Zionstrauer" vor. Tunis Tunis. Der Verein „Zion" in Tunis vei'anstaltete am 20. Tamus eine Herzl-Gedenkfeier, die einen selir würdigen Verlauf nahm Vizepräsident Jacob Boccara) und Sekretär Joseph Brany schilderten in ergreifenden Worten den großen Verlust, der durch den Tod Herzl dem gesamten Judentum enstanden ist. Die Versammlung beschloß, zwei Bäume imHerzl-Walde zu pfla-iizeii. XIV. Jahreskonferenz der Föderation der amerikanischen Zionisten (Von unserm Berichterstatter] Die XIV. Jahreskonferenz der „Föderation of American Zioriists" wurde Sonntag den 2. Juli in Tannersville unter Beteiligung von 120 Delegierten eröffnet. Dr. J. L. Magnes führte den Vorsitz, da Ehrenpräsident Dr. Harry Frieden wald si«ch gegenwärtig in Palästina befindet. Begrüßungstelegramme und. Briefe liefen ein von Herrn David Wolff söhn, Dr. Max Nordau, Dr. Bodenheim er und Dr. Franz Oppenheimer. Herr Wolffsohn weist auf die Leistungsfähigkeit der amerikanischen Zionisten hin und knüpft an dieselben große Erwartungen. Dr. Max Nordau verspricht sich viel vom Wachsen der zionistischen Idee in Amerika. Herr Prof. Friedländer, der Chairman der Exekutive, sandte an die Konvention einen Brief, in dem er die Wichtigkeit der künftigen Leitung der Föderation hervorhebt. Nach Verlesung den* Briefe und Telegramme verlas Herr L. Cohen den Bericht der Exekutive. Derselbe zeigte eine bedauerliche Abnahme der zionis-tischeu Vereine im letzten Jahre. Die Föderation zählt rtlomentaei 106 gutstehende Vereine, im Gegensatz zu den 230 im letzten Jahre. Finanziell hingegen ist ein Fortschritt zu verzeichnen. Anstatt eines Defizits von 2210 Dollar im letzten Jahre hat die Föderation dieses Jahr einen Oberschuß von 775 Dollar. Begeisterung rief der Bericht des Herrn Rubin, Manager des J. N- F.-Bureaus hervor. Seit das Bureau auf eigenen Füßen steht, hat sich die Einnahme fast verdoppelt. Es wurden im Jahre 1911 20149 Dollar für den N. F. gesammelt. Die Konvention beschloß, dem Leiter des N. F.¬ Bureaus den Dank auszudrücken. Einen gleichen Beschluß faßte die Konvention für Miss Henriette Szold, die unermüdliche Sekretärin der Föderation, die krankheitshalber am Erscheinen verhindert war. Es wurde beschlossen, eine Szold-Stiftung ins Leben zu rufen, deren Zweck es ist, den besten Aufsatz über Zionismus im nächstfolgenden Jahre zu honorieren. Das Kapital für diese Stiftung wurde noch während der Verhandlungen von den Delegaten gezeichnet. . Die Konferenz faßte ferner den Beschluß, dem X. Kongreß zu empfehlen, daß jedwede zionistische Institution für die Zwecke der Administrative finanziell beisteuern soll. Die Nachmittagssitzung wurde mit einem Bericht des Herrn Joseph Basondess über das „Jiddische Folk", das offizielle Organ der Föderation, eingeleitet, dessen fernere Existenz gesichert sei. Der „Maccabaean", das englische Propaganda-Organ der Föderation, sei im letzten Jahre so vernachlässigt worden, daß die Konvention dessen Fusion mit dem „Jiddischen Folk" beschließen mußte. Gedeihliche Arbeit leistete die „Joung Judäa.". Der Bericht:des Herrn B. Brickner über diese Organisation jugendlicher Zionisten ist voll des Lobes über den Wachstum der „Joung Judäa "-Vereine in den Vereinigten Staaten. Sie besitzen gegenwärtig 130 Vereinigungen junger Zionisten, wovon 50 auf die S tadt New-York entfallen. Die Konferenz beschloß, diese Vereinigung mit 300 Dollar jälirlich zu subventionieren. Nach Verlesung dieses allgemein beifällig aufgenommenen Berichtes entstand eine Palästinalebatte, an der sich die Herren Dr. L. Magnes, Lubarsky, Ab. Goldberg, Dr. Büchler, Zwi Cohen u.a. beteiligten. Das Resultat dieser Debatten war der Beschluß, dem X. Kongreß die Neutralhaltung in Angelegenheiten der inneren Politik des Ottc manischen Reiches zu empfehlen. Die übrigen Verhandlungsgegenstände betrafen hauptsächlich lokale Fragen. Von den Beschlüssen seien noch folgende hervorgehoben: 1. Die Konferenz übernimmt sämtliche Kosten für 'die Einladung eines hervorragenden Znonisten aus Europa,