Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 30 (28.7.1911)
- Date
- 1911-07-28
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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> 734 *IE% Zentralbureaus der Zionistischen Föderation Misrachi wollte, eine Austrittserklärung in dieser öffentlichen Versammlung verlesen würde, da es sich hierbei um interne Angelegenheiten der Ortsgruppe handelte, die nicht in eine öffentliche Versammlung gehörten. Schließlich sprachen ja einige Misrachisten in der Versammlung, und wenn die Versammlung um 1 Uhr nachts nach einer glänzenden Erwiderung des Herrn Dr. Mossinsohn einen der Misrachisten nicht noch ein zweites Mal anhören wollte, sondern Schluß der Versammlung verlangte, so war der Vorsitzende gegen dieses Verlangen aus der Versammlung selbst machtlos. Aus dieser Darstellung, welche sich lediglich an die Tatsachen hält, dürfte jeder nicht Voreingenommene erkennen, auf weicher Seite das Recht ist, und wir wollen es ruhig dem Urteile unserer Gesinnungsgenossen überlassen, ob wir in diesem Falle recht gehandelt haben, und wie das Verhalten unserer misrachistischen Mitglieder zu charakterisieren ist. Bemerkt mag noch werden, daß die Herren schließlich ihre Austrittserklärung dem Vorstande unserer Ortsgruppe schriftlich einreichten, dabei es jedoch für nötig hielten, diese Erklärung, die ohne Kenntnis des vorhergegangenen Sachverhalts ein ganz schiefes Bild der Sachlage geben mußte, auch an solche Zeitungen zu senden, die, wie der „Israelit" jn Frankfurt a. M., den Zionismus stets aufs schärfste bekämpfen. Übrigens sind auch nicht 20 Misrachimitglieder aus unserer Ortsgruppe ausgetreten, wie es in einigen Zeitungsnotizen hieß, sondern nur 16, da einer der Unterzeichneten überhaupt nie Mitglied unserer Ortsgruppe war und drei andere schon früher keinen Mitgliedsbeitrag mehr gezahlt und daher aus unserer Mitgliederliste gestrichen worden waren. Anderseits sind aber auch einige Mitglieder unserer Ortsgruppe, die gleichzeitig Mitglieder der Misrachi-Ortsgruppe waren, aus dieser ausgetreten und haben nunmehr ihren Schekel der deutschen Landsmannschaft gezahlt. Mit dieser aktenmäßigen Darstellung halten wir die Angelegenheit für uns für erledigt und unterwerfen uns ruhigen Gewissens dem Urteile unserer Gesinnungsgenossen. Der Vorstand der Zionistischen Vereinigung, Frankfurt a. M. i. A.: Dr. Siegfried Schwarzschild. Deutschland Bad Kissingen. Die hier zur Kur weilenden Zionisteri veranstalteten am Todestage unseres großen Führers im Restaurant Neptun eine Herzl-Gedenkfeier. Nach einer kurzen Eröffnungsansprache des Herrn Dag. David, Posen, ergriff der Festredner, Lehrer Auerbach, das Wort. In überzeugender Weise erklärte er die historische und kulturelle Bedeutung des Zionismus, streifte dann die Persönlichkeit Herzls und bot endlich eine überaus interessante Schilderung seiner soeben zurückgelegten Palästinareise. Das zahlreiche Auditorium lauschte mit größtem Interesse den Ausführungen des Redners, insbesondere wenn er auf den Unterschied zwischen dem alten und dem heutigen von deutschen und jüdischen Kolonisten kultivierten Palästina hinwies, und spendete 6 Ölbäume für den Herzlwald. Mit dem Absingen der „Hatikwah" endete die würdige Veranstaltung. Köln. Die hiesige Ortsgruppe der zionistischen Vereinigung für Deutschland versammelte sich am Abend des 22. Juli im Saale des Hotel Berlin zu einer stimmungsvollen Gedenkfeier für Theodor Herzl. Der Vorsitzende Herr Max Gold reich begrüßte die Anwesenden, worauf Frl. Nanny Auerbach mit tiefern Empfinden einen der Bedeutung des Abends gewidmeten Prolog sprach. Herr Adolf Po Hak würdigte dann in längern Ausführungen Herzls Persönlichkeit und Lebenswerk. Er legte besonderes Gewicht auf die Konstatierung, daß sich auch die jüngsten Forderungen nach intensiverer kolonisatorischer Tätigkeit in Palästina ganz im Sinne der Herzischen Auffassung von der Aufgabe des Zionismus halten. Es gebe zwar viele, die den Herzischen Standpunkt für überwunden halten, aber alles, was der Zionismus bisher an positiven Werten geschaffen, sowie alles, was er für die kommende Zeit taktisch und programmatisch zu leisten haben wird, ist von Herzl vorbereitet worden. Der Redner unterstützte seine Ansichten durch die Verlesung zahlreicher beweiskräftiger Belegstellen aus Herzls Reden. Der starke und nachhaltige Eindruck der Rede wurde noch durch weitere Vorträge des Frl. Auerbach vertieft, die einiges aus „Altneuland" las. Das Auditorium folgte mit reger und dankbarer Aufmerksamkeit den einzelnen Darbietungen und beteiligte sich schließlich an einer Sammlung für den Herzlwald in Palästina. Offenbach a. M. In einer gutbesuchten Herzlfeier der hiesigen zionistischen .Ortsgruppe referierte der Vorsitzende Dr. Wolf über Herzl, indem er speziell den Werdegang des großen Toten zum Zionismus schilderte. Herr Lehrer Diamant sprach über „Herzl als Persönlichkeit" und Herr Perlmutter-Frankfurt a. M. über „Zurück zu Herzl". Die Referate fanden sehr beifällige Aufnahme. KELT ■ No. 30 In der folgenden Aussprache wurde die Anregung des Herrn Perlmutter, eine zionistische Jugendorganis atiou zu gründen, freudig begrüßt und beschlossen, auch in Offenbach eine zionistische Jugendgruppe ins Leben zu rufen. Österreich Czernowitz. In dein „Jüdischen Volksrat" regt Abg. Prof. Dr. Kellner die Schaffung einer Bukowinaer Kolonie in Palästina an. Er veröffentlicht eine Zuschrift des Herrn Kremenezky, der sich enthusiastisch für den Plan ausspricht und als ersten Schritt die Ausbildung von zehn jungen ledigen Leuten in der Siedlungsgenossenschaft in Phule vorschlägt. Die nötigen G-eldmittel sollen durch eine Sammlung aufgebracht werden, zu der Herr Kremenezky 100 K. als erster zeichnet. Gwozdziec. Am 16. Juli hielt der hiesige Leseverein „Zion" in der großen Synagoge eine Herzlandacht ab. Die Schüler und Schülerinnen der hebräischen Schule, die Mitglieder des Vereins und die des Jugend Vereins „Hatchia" gingen korporativ, eine schwarze und blauweiße Fahne tragend, in die große Synagoge, Sämtliche Juden der Stadt schlössen sich dem Zuge an. In der Synagoge ergriff der Leiter der hebräischen Schule Gg. Tobias Katz das Wort. Er schilderte das Streben und Wirken des unvergeßlichen Führers, erläuterte die Bedeutung des Zionismus und des J.N.F. und richtete einen Appell an das anwesende Publikum, das Andenken des verewigten Dr. Theodor Herzl in Ehren zu halten und alle zionistischen Institutionen tatkräftigst zu unterstützen. Die Kinder der hebräischen Schule sangen hierauf „AI moth Herzl" und „Misrachi". Nach Verrichtung des zeremoniellen „El mole rachmim4' durch Herrn Gg. Israel Grün spann wurden durch die Damen Frl. Sperber und Bergmann 7 Ölbäume gesammelt. Karlsbad. Am 18. Juli d. J. fand hier im Hotel „Lincoln" eine Herzltrauerfeier statt, welche von den Kurgästen überaus zahlreich besucht war. Die Gedenkrede hielt Herr Dr. Heinrich Lo ewe aus Berlin. Redner gab ein umfassendes Bild von der Bedeutung und Persönlichkeit unseres verstorbenen Führers und zeichnete mit markanten Strichen den Gegensatz zwischen einst und jetzt in der Psyche wie in der innern Haltung des Juden. Insbesondere begrüßte er das Wiederaufleben der hebräischen Sprache, weil sie auf die gesamte Entwicklung der Judenheit zum Judentum den größten Einfluß nimmt und ohne sie der langsam schleichenden, unbewußten Assimilation nicht vollständig gesteuert werden könne. Erst bis wir wieder Hebräisch denken lernen werden, wird der Weg frei sein zu einer wahren nationalen Kultur. Die Worte des Redners wurden vom Publikum begeistert aufgenommen, und als hiernach Herr Dr. Mossinsohn aus Jaffa in hebräischer Sprache Herzl feierte, löste die vornehme Haltung des Redners und vor allem der in dieser Vornehmheit und in diesem rhythmischen Wohllaut den meisten unbekannte Klang unserer Nationalsprache einen nicht endenwollenden Sturm der Begeisterung aus. Mit Tränen in den Augen und mit herzlichem Händedruck dankten manche Gäste dem Redner für seine Worte. Nachdem noch Herr Dr. Pachtmann aus Drohobycz dargelegt hatte, daß die innerpolitische Betätigung der Juden dem Geiste des Herzl'schen Zionismus entspräche, indem sie die Juden für die Verwaltung ihres eigenen Landes und zur politischen Umsicht heranbilde, wurde die Versammlung geschlossen. Eine Sammlung für den N. F. brachte ein ansehnliches Ergebnis. Nikolsburg. Hier hat sich eine neue zionistische Ferialverbindung unter dem Namen „Hebronia" gebildet. Der Gründungskommers hat am 23. Juli stattgefunden. Die Verbindung trägt weiße Kappe und lila-weiß-golderies Band. Sniatyn. Samstag de.i 7. d. M. fand im jüdisch-nationalen Verein „Esra" die V. Generalversammlung statt. Es wurden folgende Gg. in den neuen Vorstand gewählt: Moses Bickl, D. Linder, Chaim Geller, S. Scherzer, Abraham Jungermann, H. Gelles, S. Händell und U. Schaffer. Bosnien Sarajewo. Anläßlich des Todestages unseres unvergeßlichen Dr. Theodor Herzl veranstaltete der hiesige „Jüdische Nationalverein für Bosnien und Herzegowina" am 15. Juli, abends 8 Uhr, im Festsaale des Verein shauses eine Gedenkfeier, zu welcher der hervorragende Redner Gesinnungsgenosse Dr. Nison Kahan, Mitglied der ungarländischeri Landesorganisation aus Budapest, gewonnen worden war. Es fanden sich einige hundert Personen zu der Veranstaltung ein. Besonders zahlreiche Vertreterinnen entsendete zu dieser Veranstaltung die rührige Mädchenvereinigung