Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 30 (28.7.1911)
- Date
- 1911-07-28
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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No 30 DIE^ELT 733 Obertrag Ji 12 523.04 Schweiz............... „ 1 035.— Poale Zion.............. „ l 010.68 Belgien................. „ 805 — Frankreich (nebst Tunis)........ ,; 659.26 Italien....... . ........ 9 614.80 Australien..............., 544.65 Türkei................ „ 410.— Ägypten............... „ 265.60 Serbien................ „ 240.— Palästina.............. . „ 190.25 Griechenland ..............■„ 40.— Bulgarien .............. „ — Skandinavien............. „ — Argentinien.............. — -_ JHS 338.28 Föderation Misrachi _ Die J aIir e s k o nf e re nz (Delegiertertag)derFöderat:ioiiMisracli tagt in Frankfurt a. M. am Montag den 7. August (13. Ab) im Saale des Kestaurant Thomasbräu, Schillerstraße 11. Eröffnung der Sitzung 9 Uhr vorm. Zur Angelegenheit Misrachi-Mossinsahn Wir erhalten folgende Zuschrift: Sehr geehrter Herr Redakteur! In dem Streite der Frankfurter Zionistischen Ortsgruppe mit der Frankfurter Misrachi-Ortsgruppe anläßlich des Vortrags des Herrn Dr. Mossinsohn hat es die Zionistische Vereinigung Frankfurt bisher abgelehnt, ihren Standpunkt in der Öffentlichkeit z m vertreten. Sie hat, abgesehen von den sachlichen Berichten über den Vortrag in den Parteizeitungen, die ganze Angelegenheit zur weitem Behandlung an die ihr übergeordnete Instanz, das Zen tralfcureau der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, abgegeben Nachdem jedoch nunmehr der Vorsitzende'der Frankfurter Misrachi-Ortsgruppe in der „Welt", Nr. 29, vom 21. Juli 1911 ein längeres» Schreiben über diesen Gegenstand veröffentlichte, können wir nicht umhin, auch unserseits unsern Standpunkt in der Öffentlichkeit darzulegen. Zuerst sei einmal der Tatbestand klargestellt. Die Frankfurter Zionistische Ortsgruppe wollte als Glied der Zionistischen Vereinigung für Deutschland vor dem Kongreß eine größere Versammlung abhalten, um für die deutsche La tidesorganisation noch eine Anzahl Schekelzahler zu gewinnen. Als Redner für diese Versammlung wurde im Einverständnis mit dein Deutschen Zentralbureau Herr Dr. Schemarjah Lewin gewählt, <ler einige Tage vorher in München und in Nürnberg über das gleiche Thema sprechen sollte. Herr Dr. Lewin mußte jedoch den Vortrag krankheitshalber absagen, nachdem ein Saal hierfür schon gemietet war. Das deutsche Zentralbureau teilte uns daraufhin mit, daß es ihm trotz größter Anstrengung nicht gelungen sei, uns einen andern Redner zu verschaffen. Schließlich telephonierte das Ze ntralbureau, daß Herr Dr. Mossinsohn, der zurzeit in Berlin weile, «den Vortrag acht Tage später übernehmen könne. Wir akzeptierten dieses Angebot und beraumten den Vortrag auf Donnerstag den 29. Juni an. Die Zeitungen brachten eine entsprechende Vornotiz, und von Dienstag an ward der Vortrag durch Plakate in der ganzen Stadt bekannt gemacht. Am Montag derselben Woche verlangte nun der Vorstand der Frankfurter Misrachi-Ortsgruppe in einem Schreiben, das um 9 Uhr morgens bei dem Vorsitzenden unserer Ortsgruppe einlief, daß de Vortrag rückgängig gemacht werde. Die Misrachi-Ortsgruppe müsse in der Wahl dieses Redners, „des radikalsten Neologen und wegen seiner irreligiösen Lehrtätigkeit am übelsten berufenen Lehrers des Jaffaer Gymnasiums eine schwere Beleidigung der Misrachisten erblicken". Das Auftreten dieses für die Misrachisten an möglichen Mannes, dürfte nur eine entgegengesetzte Wirkung zur Folge haben, als wir sie beabsichtigt hätten. Eine Antwort auf dieses Schreiben erbat sich der Vorstand der Misrachi-Ortsgruppe bis zu demselben Tage mittags. Hierauf erwiderten wir, daß sich eine Ortsgruppe der Zionistischen Vereinigung für Deutschland unmöglich die Wahl des Redners von einer Ortsgruppe der Misrachi-Föieration vorschreiben lassen könne, zumal wenn es sich um eine Versammlung handle, in welcher Schekel für die deutsche Landls-mannschaft gesammelt werden sollten. Herr Dr. Mossinsohn sei doch auch immerhin Mitglied der gesamtzionistischen Organisation und als solcher wohl berechtigt, in einer zionistischen Versammlung zu sprechen. Es läge uns natürlich fern, die Misrachisten irgendwie zu verletzen. Wir seien überzeugt, daß Herr Dr. Mossinsohn nichts sagen werde, was die berechtigten Gefühle irgendeines Zionisten verletzen könne. Wir würden aber auch von den Misrachisten als organisierten Zionisten erwarten, daß sie unsern Bestrebungen, durch diese Versammlung weitere Schekelzahler zu gewinnen, nicht hindernd in den Weg trete.i würden. Inzwischen kam uns zu Ohren, daß ein Mitglied des Frankfurter Zentralbureaus der Misrachiföderation verschiedene Misrachisten auffordere, gegen den Vortrag schriftlich Protest zu erheben und aus der Zionistischen Ortsgruppe, der sie bisher gleichzeitig angehörten, auszutreten. Einige andere Misrachisten versandten gleichzeitig ein als „vertraulich" bezeichnetes Rundschreiben, in dem sie eine Anzahl Misrachisten zu einer Besprechung einluden, um zu beraten, was gegen den Vortrag geschehen solle. Dieses Rundschreiben, welches zufällig auch dem Vorstand der Frankfurter Zionistischen Vereinigung zu Gesicht kam, mußte uns schwer verletzen. Hätten die Misrachisten die Sache friedlich erledigen wollen, so hätte es nahe gelegen, zu dieser Versammlung den Vorstand unserer Ortsgruppe oder doch wenigstens diejenigen Misrachisten, welche zugleich dem Vorstand unserer Ortsgruppe angehörten, einzuladen, um vielleicht in mündlicher Aussprache irgendeine Einigung zu erzielen. So hatten diese Herren jedoch nur einige besonders ausgewählte Misrachisten zu dieser Versammlung eingeladen. Abgesehen davon stand in diesem Zirkular, daß der Vorstand unserer Ortsgruppe durch die Berufung des Herrn Dr. Mossinsohn zu einem Vortrag möglicherweise eine Brüskierung der gesetzestreuen Zionisten beabsichtigt habe, was wir als eine geradezu beleidigende Unterstellung auffassen mußten. Unrichtig war es auch, wie es in dem Zirkular hieß, daß wir die Bitte des Vorstandes der Misrachi-Ortsgruppe um Unterlassung des Vortrags schroff abgelehnt hätten. Wir hatten ihm vielmehr in allerdings energischer, aber sachlicher Form erwidert. Schließlich hieß es in diesem Zirkular: „Herr Dr. Mossinsohn selbst ist bekannt durch den Bibelunterricht, den er nach christlich-bibelkritischer Methode erteilt, sowie als Propagandist des Unglaubens im Heiligen Lande." War es schon anfangs auffällig, daß sich nicht etwa einzelne misrachistische Mitglieder unserer Orfsgruppe als solche an uns gewandt hatten, sondern der Vorstand der Misrachi-Ortsgruppe, so war es jetzt um so merkwürdiger, daß dieses Zirkular zum Teil von Herren unterschrieben war, die nicht einmal Mitgliedsr unserer Ortsgruppe sind, sondern lediglich der Misrachi-Ortsgruppe angehören, ja zum Teil erst kurz vorher aus unserer Ortsgruppe ausgetreten waren und dadurch wohl das Recht verwirkt hatten, in internen Angelegenheiten unserer Ortsgruppe mitzureden. Nachdem der Vorstand unserer Ortsgruppe von diesem Zirkular Kenntnis erhalten hatte, richteten wir nochmals ein kurzes Schreiben an die Misrachi-Ortsgruppe, in dem wir u. a. folgendes schrieben: „Wir haben Vorsorge getroffen, daß in der Versammlung nichts gesagt oder getan werden wird, was die berechtigten Gefühle der Misrachisten irgendwie verletzen könnte. Wir erwarten daher, daß auch Sie nichts unternehmen werden, was den harmonischen Verlauf der Veranstaltung stören könnte, da wir ja nichts anderes bezwecken, als weitere Schekel für die Gesamtorganisation zu sammeln." Jeder, der den Vortrag des Herrn Dr. Mossinsohn gehört hat, wird zugeben müssen, daß er in der ruhigsten und sachlichsten Weise, sich streng an sein Thema haltend, über „Das neue jüdische Leben in Palästina" referierte. Er mußte dabei selbstverständlich auch das Gymnasium erwähnen, sprach jedoch hiervon höchstens fünf Minuten, während der ganze Vortrag länger als eine Stunde dauerte. Sache der Misrachisten wäre es gewesen, in ruhiger Weise Herrn Dr. Mossinsohn entgegenzutreten. So aber hatten die Herren schon von vornherein eine Aufregung in der Versammlung hervorzurufen gesucht, indem sie vor dem Lokale, auf öffentlicher Straße, das schon mehrfach gekennzeichnete Flugblatt verteilen ließen, welches damit schloß, daß Herr Dr. Mossinsohn das Recht verwirkt habe, vor Juden mit jüdischer Gesinnung über jüdische Dinge zu reden. Gegenüber einer derartigen Beleidigung mußte der Vorstand unserer Ortsgruppe seinen Gast in Schutz nehmen. Noch immer glaubten wir jedoch, daß die Herren, die nicht den Mut hatten, ihren Namen unter das anonyme Flugblatt zu setzen, wenigstens die Würde der Versammlung wahren würden. Der Vorstand unserer Ortsgruppe hätte nichts gegen eine sachliche Diskussion gehabt, in der auch die verschiedensten Ansichten hätten zu Worte kommen können. Er mußte aber unter allen Umständen verhindern, daß, wie es ein Mitglied des Frankfurter