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Die Welt · 1911-07-28 · 30 (28.7.1911) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
30 (28.7.1911)
Date
1911-07-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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726 D/E^ELT No. 30 anderer Organisationen, welche unter keiner solchen Not zu leiden haben wie das jüdische Volk. Es ist nun seitens der Föderation Misrachi noch ein anderer Gesichtspunkt gegen den Beitritt zum Landesverband erhoben worden. Nachdem nämlich die Organisationskommission den Beitrag zur Landesorganisation gestrichen hatte und die Mitglieder der Sonderverbände auch ohne einen solchen Beitrag als Mitglieder der Landesorganisation anerkennen wollte, wurde von der Föderation Misrachi geltend gemacht, daß ,für sie nicht der Qeldpunkt maßgebend sei, sondern der ideale Gesichtspunkt, daß die Mitglieder ihres Sonderverbandes nicht durch die Landesverbände, sondern unmittelbar durch ihre Organisation Angehörige der zionistischen Bewegung sein wollen. Wenn man diesen Gesichtspunkt als ausschlaggebend betrachten wollte, so würde dies ein seltenes Armutszeugnis für die Landesverbände darstellen. Denn hier ist unterstellt, daß diese nicht ebenso wie die Zentrale der Bewegung den zionistischen Charakter derselben gewährleisten. Hierbei unterlief vielleicht der Irrtum, daß man die Landesverbände bisher als etwas Selbständiges gegenüber der Zentrale betrachtet hat. Wie aber schon eingangs dieser Ausführungen bemerkt ist, stellt der Landesverband nichts anderes dar als ein ausführendes Instrument der Zentrale, und wenn daher die Mitglieder des Misrachi nicht Mitglieder des Landesverbandes sind, so tritt eine Unterbrechung in der Leitung des Organismus von oben herunter bis zu den einzelnen Gliedern ein, welche die Durchführung einer einheitlichen Propaganda und die Aufrechterhaltung der notwendigen Parteidisziplin schwer gefährdet. Wenn so die gegenwärtige Einrichtung des Sonderverbändes den Interessen der Gesamtorganisation widerstreitet, so liegt dieselbe, so wie sie vorgesehen, auch nicht im Interesse der Sonderverbände selbst. Abgesehen davon, daß der bisherige Erfolg dieser Einrichtung sich als sehr kläglich erwiesen hat, und nur Mißverständnisse und Streitigkeiten in der Bewegung hervorgerufen hat, hat derselbe auch nicht dazu gedient, die Reihen der Mitglieder der Sonderverbände zu stärken. Dieselben fristen vielmehr ein sehr kümmerliches Dasein, und nur einer derselben war mit großer Not in der Lage, das Minimum der erforderlichen Schekelzahler aufzubringen. Eine zweckmäßige Eingliederung der Sonderverbände in die Gesamtorganisation ist ein ebenso großes Bedürfnis dieser Sonderverbände als der allgemeinen zionistischen Organisation. Der Vorschlag, den ich nunmehr unterbreite, entspricht diesen Bedingungen. Er stellt sich auf den Boden des einzig berechtigten Zweckes dieser Verbände, nämlich als ein Mittel, um Delegierte in die Landesdelegiertentage und in die Kongresse wählen zu können, welche die Anschauungen dieser Sonderverbände vertreten und die nach Maßgabe der Geschäftsordnung der Delegiertentage und des Kongresses sich dann dort zu Fraktionen vereinigen können. Lediglich die Fraktion ist der organisatorische Ausdruck, den die besondere Weltanschauung oder der besondere Zweck im Rahmen der zionistischen Organisation finden kann; nicht aber ein internationaler Verband, welcher die Rechte eines Landesverbandes für sich in Anspruch nimmt, ohne dessen Funktionen übernehmen zu können. Die Folge der verfehlten Einrichtung dieser Sonderverbande ist eine große - Verstimmung, die sich allenthalben geltend macht. Man übersieht hierbei, daß der Grund dieser Verstimmung und Mißverständnisse weniger in der verschiedenen Weltanschauung zu suchen ist, als in der verkehrten Organisation, welche die Sonderverbände zwingt, behufs Wahrung ihrer Interessen einen fortwährenden Kampf mit der Landesorganisation zu führen und die Landesverbände ihrerseits den Sonderverband als ein schädliches Konkurrenzunternehmen erscheinen läßt, der ihrem Ausdehnungsdrang im Wege steht. Den einzigen Ausweg zeigt mein Vorschlag, der nicht etwa aus Feindseligkeit gegen die Sonderverbände entstanden ist, sondern weil ich fürchte, daß die Zerspitterung und Verstimmung, die der gegenwärtige Zustand hervorgerufen, in der Folge sich nur noch verschlimmern wird, wenn man nicht die Gelegenheit der gründlichen Reform unserer Organisation ergreift, um auch hier Wandel zu schaffen. Darum bitte ich alle diejenigen, denen die Einheitlichkeit und Stärke unserer Organisation am Herzen liegt, für meinen Vorschlag einzutreten. Vorschlag für die Regelung der Sanderverbände im neuen Organisationsstatut § 2 soll lauten: Die zionistische Organisation umfaßt alle Juden, die das zionistische Programm anerkennen und den Schekel sowie den Landesbeitrag entrichten. § 3, Absatz 1 soll lauten: Die zionistische Organisation gliedert sich in Landesverbände und Sonderverbände. Abschnitt C. Sonderverbände. § 13 soll lauten: Schekelzahler, welche besondere Zwecke innerhalb des zionistischen Programms verfolgen, können sich behufs Bildung von Fraktionen auf den Landesdelegiertentagen und dem Kongreß mit Genehmigung des Actions-Comites zu einem Sonderverband zusammenschließen. Die Mitglieder dieser Sonderverbände sind Mitglieder des Landesverbandes, in dessen Bezirk sie wohnen, mit allen Rechten und Pflichten. § 16 erhält den Zusatz: mit Ausnahme der §§ 3, 40, 60. § 17 soll lauten: Das Zentralkomitee kann jederzeit die Auflösung eines Sonderverbandes aussprechen. Allgemeine Bemerkung: Überall wo im Statut neben dem Landesverband der Sonderverband erwähnt ist, ist dieses Wort zu streichen. Dies gilt natürlich nicht für den oben erwähnten § 16, der das allgemeine Prinzip festlegt. Alle andern Bestimmungen des Statuts bleiben unverändert.

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