Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1911-07-28 · 30 (28.7.1911) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
30 (28.7.1911)
Date
1911-07-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316458-3316491--54788-3348590
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sonderverband einerseits die Befugnisse einer Landesorganisation hat, anderseits c3Ee Bedeutung einer Zentralorganisation, die sich berufen halten kann, als Kontrollorgan gegenüber der Zentrale zu dienen. Da die Anschauungen der einzelnen Sonderverbände sich aber diametral entgegenstehen, so ist es kein Wunder, daß fortwährende Differenzen und Unstimmigkeiten zwischen der Leitung dieser Föderalionen und der Zentrale entsteti-en, insbesondere wenn diese Sonderverbände anfangen, irgendwelche Bedeutung durch die Zahl ihrer Mitglieder zu gewinnen. Die Werbetätigkeit der Sonderverbände für den Scheket und die Mitgliedschaft in ihren Verbänden hat aber weiter zur notwendigen Folge, daß wichtige Arbeitsgebiete, auf welche die Landesorganisation sonst durch die Propaganda Einfluß üben könnte, von diesen Verbänden in Anspruch genommen werden. Die Ausdehnungsfähigkeit der Landesverbände wird dadurch wesentlich beeinträchtigt, und da es sich für die Landesorganisationen nicht nur um die Gewinnung von Schekdgeldern, sondern auch von Mitgliedern handelt, die den Landesbeitrag bezahlen als notwendiges Erfordertiis zur Durchführung der Propaganda in ihrem Lande, so ist ersichtlich, daß die Landesverbände den Sonderverband als den gefährlichsten Feind ihrer Werbetätigkeit ansehen müssen, obwohl dieselben berufen wären, gleiclrwerbend mit der Landesorganisation für die Ausbreitung der zionistischen Ide e zu wirken. Die Folge dieser verkehrten Organisation ist d emnach ein feindlicher Wettbewerb zwischen den Landesverbänden und den Sonderverbämden einerseits und zwischen den Sonderverbänden und cter Zentrale der Bewegung anderseits. Aus diesem Grunde wäre es wünschenswert, wenn sich die Sonderverbände überhaupt nicht mit dem Schekelinkasso zu befassen nötig hätten. Die Notwendigkeit, das Schekelinkasso zu betreiben, wird aber hervorgerufen durch die Bestimmung des Statuts, wonach das Zustandekommen des Sonderverbandes von dem Vorhandensein von 3000 Schekelzahlern abhängig gemacht wird, welche sich zu einem Sonderverband zusammenschließen wollen. Im Augenblick, wo diese Bestimmung wegfällt, entfällt auch für dem Sonderverband die Notwendigkeit dieser Propaganda. Anderseits ist diese Bestimmung eine Notwendigkeit, insolange die Bildung von Sonderverbänden eine Konkurrenz gegenüber der Landesorganisation darstellt Im Augenblick, wo diese Konkurrenzgefahr aufhört, hat weder die Landes- Organisation noch die Zentralleitung Interesse daran, die Bildung von Sonderverbänden zu verhindern. Diese Voratussetzung ist aber gegeben in dem Augenblick, wenn die Mitglieder eines Sonderverbandes verpflichtet sind, den Landesbeitrag zu leisten und ebenso wie die andern Mitglieder der zionistischen Organisation mit allen Rechten und Pflichten Mitglieder der Landesorganjsation zu werden. Dann wird sich allmählich die Überzeugung einbürgern, daß nur derjenige die Rechte eines organisierten Zionisten ausüben darf, der seine Pflicht nicht nur gegenüber der Zentrale als dem Haupt der Bewegung, sondern auch gegenüber dem Exekutivorgan der Bewegung in den einzelnen Ländern, gegenüber dem Landesverband erfüllt hat. Qeraie der Landesverband, welcher dem einzelnen Zionisten näher steht, ist in der Lage, die Organisierungsarbeit und die Propaganda intensiv zu betreiben und die Initiative hierfür zu ergreifen. D-iese beiden Gesichtspunkte sind in dem Vorschlag berücksichtigt, den ich gleichzeitig der öffentlichen Meinung unterbreite. Hiernach soll jedes Mitglied eines Sonderverbandes verpflichtet sein, ebenso den Lancksbeitrag zu zahlen, wie die andern Mitglieder des Landesverbandes. Anderseits ist in diesem Vorschlag nunmehr auch die Konsequenz gezogen, daß die Beschränkung auf ein Minimum von ScheHcelzahlern überflüssig geworden ist und demnach in Wegfall zu kommen hat. Hierin liegt eine große Erleichterung für die Sonderverbände, welche der Werbearbeit für den Schekel enthoben werden, da diese den Landesverbänden vorbehalten bleibt. Zur Bildung eines Sonderverbandes ist demnach nur erforderlich das Vorhandensein besonderer Zwecke innerhalb des zionistischen Programms und die Genehmigung des Actions-Comite-s, I>ie Prüfung des A. C. hat sich aber darauf zu beschränken, ob die besondern Zwecke innerhalb des zionistischen Programms liegen, und ob der Sonde rverband ordnungsmäßig konstituiert ist. I>a nur Sonderzwecke innerhalb des zionistischen Programms zur Gründung eines Sonderverbandes berechtigen, ist auch der Verdacht ausgeschlossen, daß es sich hierbei um landespolitische Bestrebungen handeln könnte. Soweit solche in Frage kommen, können dieselben nur innerhalb eines Landesverbandes ihre Verwirklichung finden. Es ist auch absolut kein Grund einzusehen, weshaJb der Angehörige eines Sonderverbandes weniger verpflichtet sein soll, zu den Aufgaben der Organisation und Propaganda des Landesverbandes beizutragen, als jeder andere Zionist. Man könnte höchstens sagen, die Zugehörigkeit zu einem Verband, der eine besondere Weltanschauung innerhalb der zionistischen betätigt und besondere Zwecke verfolgt, legt doppelte Pflichten auf. Man darf aber nicht die Konsequenz ziehen, daß die Auferlegung dieser besondern Pflichten die MitglieJer ihrer Pflichten gegen die allgemeine Organisation entheben könne. Wenn demgegenüber geltend gemacht wird, daß die Mitglieder der Sonderverbämde nicht in der Lage seien, diese doppelten Kosten aufzubringen, so entsteht einfach die Frage: Was ist für den Zionismus wichtiger, daß die Gesamtorganisation bestehen bleibt und durch die Zahlung der Mitgliederbeitrige erhalten wird, oder daß außer dieser Gesamtorgmisation noch Sonderverbände bestehen, die eine besondere Weltanschauung innerhalb des Zionisniais vertreten. Ich glaube, die Antwort auf diese Frage kann nur die sein, die der Selbsterhaltungstrieb der zionistischen Organisation erfordert, daß die Pflichten gegen die Qesamtorganisation in erster Linie erfüllt werden müssen und daß erst dann, wenn dies gesichert ist, die Frage erwogen werden kann, ob außerdem noch Raum für Organisationen von internationalem Charakter ist, welche besondern Weltanschauungen innerhalb dies zionistischen Programms Rechnung tragen. Wenn man aber bedenkt, welche Opfer in andern Organisationen für die Idee gebracht werden, dann Ist dieser materielle Gesichtspunkt erst recht nicht stichhaltig. Man würde dem Idealismus derjenigen, welche sich einem Sonderverband angliedern wollen, unrecht tun, wenn man annehmen wollte, daß die Mitglieder desselben weniger opferfähig wären als die Zionisten im allgemeinen oder gar als die Angehörigen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.