Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 29 (21.7.1911)
- Date
- 1911-07-21
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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- Haifa 2× ep/1047930
- Safed 1× ep/1046078
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No. 29 DIEMKE LT 70. wird ihn noch für lange Zeit als den Mann in Angedenken behalten, der das Großrabbinat in England zu einer tatsächlichen Macht erhoben hat. Wie sich die geistliche Verwaltung im englischen Judentum in der Folge gestalten wird, wer der Nachfolger Adlers in seinem Amt sein wird, das sind Rätsel, die erst die Zukunft lösen wird. Palästina Verschiedenes aus Pethach Tikwah Pethach Tikwah, 8. Juli 1911. Vorige Woche fanden hier die Generalversammlungen des „Pardess" und der „Union" statt. Beide Gesellschaften haben im vorigen Jahre Orangen in beträchtlicher Menge abgesetzt und sind mit dem Geschäftsgang zufrieden. Es sind bereits arabische Kaufleute hierher gekommen, um die Frucht des kommenden Jahres zu kaufen. Auch einige Bojarenbesitzer aus Pethach Tikwah selbst fangen an, bei andern Kolonisten die Orangen des kommenden Jahres zu festen Preisen zu kaufen. — In den hiesigen Kellereien rüstet man sich zu der bevorstehenden Weinlese, die, wie es scheint, im laufenden Jahre günstig sein wird. Auch einige neue Weingärten haben reichliche Frucht gebracht. — Es werden jetzt sechs neue Häuser gebaut und ein neuer Orangengarten angepflanzt. — Es wird hier eine eigene Bank auf Anteilscheine von 100 Frs. gegründet — Die Kolonie hat dem Orchester den Garten am Brunnen geschenkt. Ein Kiosk wurde von den Handwerkern unentgeltlich gebaut. Man hat auch Bänke und einen Raum für Büffet angebracht und an drei Abenden der Woche spielt das Orchester. — Der Waad von Rechoboth hat hierher einige Kolonisten entsandt, um den raschen Fortschritt unserer Kolonie zu studieren und festzustellen, was zur schnelleren Entwicklung von Rechoboth getan werden kann. Die Juden im ottomanischen Militärdienst Jerusalem, 8. Juli. Zwei hiesige jüdische Soldaten, die in Ada na stationiert sind, weilen jetzt hier auf Urlaub. Sie erzählen, daß jetzt in Adana zwölf jüdische Soldaten ihre Dienstzeit verbringen, darunter einer aus der Kolonie Ekron. Die Offiziere und die übrigen Kameraden verhalten sich freundschaftlich gegen sie. An jedem Sabbath dürfen sie in die Synagoge gehen. Sie lernen rasch die militärischen Übungen und es kommt nicht vor, daß die Offiziere es nötig haben, sie barsch anzufahren. Zuerst fühlten sie sich in Adana etwas vereinsamt, da dort fast gar keine Juden wohnen. Verstärkter Polizeidienst in Jaffa Jaffa» 7. Juli. Da sich in letzterer Zeit mehrere Diebstähle und andere Unzuträglichkeiten ereigneten, wurde hier in einer Sitzung, an der sich der Kaimakam und die Konsuln beteiligten, beschlossen, in den verschiedenen Stadtvierteln noch 45 Wächter, darunter auch berittene Gendarmen, zu postieren. Für das neue jüdische Stadtviertel Teil Awiw hat man es nicht für nötig erachtet, auf Kosten der Stadt Wächter zu stellen, da in Teil Awiw auch bis jetzt die Bewachung gut organisiert war. Der russische Konsul gegen den „Karmel" Haifa, 6. Juli. Die hiesige judenfeindliche Zeitung „II Karmel" hat einen Artikel gegen Rußland veröffentlicht, in dem sie auch den russischen Kaiser und das russische Heer mit groben Be; schimpfungen überhäuft. Der hiesige russische Konsul verlangdie Suspendierung der Zeitung und die Bestrafung des Redakteurs. Straßenbau in Obergaliläa Safed, 3. Juli. Der hiesige Kaimakam hat telegraphisch die Nachricht bekommen, wonach man nach einem Monat beginnen würde, eine Straße von Saffed nach Tapcha, einem Dorfe an der Nordseite des Tiberiassees, zu bauen. Auf diese Weise wird Safed sowohl mit Tibeiias wie auch mit Haifa eine günstige Verbindung erhalten. Allerdings ist es noch zweifelhaft, ob die diesmalige Nachricht besser beglaubigt ist als früher ähnliche Nachrichten. Rußland Auflosung des jüdisch-literarischen Vereins Auf Verfügung des Stadthauptmanns von Petersburg wurde der jüdisch-literarische Verein, der 120 Filialen in der Provinz zählte, geschlossen. Dieser neue Gewaltakt ruft um so größere Verwunderung hervor, als dem Verein im Laufe seiner dreijährigen Existenz nie die geringste Verwarnung zugegangen ist. Der seit 1908 bestehende Verein war in der letzten Zeit, in der das jüdische Vereinswesen von der nationalistischen Politik Stolypins fast gänzlich unterbunden wurde, der Zentralpunkt für •das jüdische soziale und literarische Leben. Die Auflösung ist erfolgt, weil der jüdisch-sozialistische „Bund", der in den letzten Jahren selbst illegal nicht mehr arbeiten konnte, die Veranstaltungen dieses unpolitischen Vereins für seine politischen Zwecke auszunützen suchte. Die amerikanisch-jüdische Paßfrage Zur Frage des Aufenthaltsrechts amerikanischer Juden in Rußland, die in letzter Zeit viel Staub aufgewirbelt hat, wird berichtet, daß die Antwortnote des russischen Ministeriums des Äußern an die Regierung der Vereinigten Staaten die Hoffnung zum Ausdruck bringt, die Angelegenheit mit der Zeit in dem den Vereinigten Staaten erwünschten Sinne zu erledigen. Die vollständige Lösung dieser Frage sei indes nur auf legislativem Wege möglich; das Ministerium des Äußern befürchte jedoch, daß eine entsprechende Gesetzesvorlage in der den Juden gegenüber unfreundlich gesinnten dritten Duma auf die stärkste Opposition stoßen würde. Es stehe jedoch zu erwarten, daß die Duma einst bei einer andern Zusammensetzung einer günstigen Erledigung der Angelegenheit keinen Widerstand leisten würde. Das Unterhaus der Staatslegislatur nahm einstimmig einen Beschluß an, der die Vertreter im Kongreß auffordert, für die Aufhebung des Vertrages mit Rußland zu stimmen, da Rußland amerikanische Bürger jüdischen Glaubens nicht zulasse. [^NACHRICHTEN Professor Hermann Senator gestorben Am 14. Juli ist in einem Sanatorium zu Tegel Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Hermann Senator im 77. Lebensjahre gestorben. Der Tod dieses letzten Vertreters der klassischen Berliner Schule ist nicht nur ein Verlust für die medizinische Wissenschaft, sondern . auch für das Judentum. Denn Professor Senator hat seine Zugehörigkeit zum Judentum stets bekannt und nahm auch am jüdischen Leben regen Anteil. Dem jungen Judentum stand er, das Kind einer vergangenen Zeit, ferne. Aber seine von der unsrigen so sehr verschiedene Auffassung des Judentums hindert nicht, daß wir uns der Trauer um seinen Abgang anschließen, die uns wieder erkennen läßt, wie unsere Besten im fremden Dienst stehen. Protestmeeting gegen das englische Sonntagsruhegesetz Ein Riesenproiestmeeting gegen das von der Regierung vorgelegte Sonntagsruhegesetz fand diese Woche in der Great Assembly Hall in London statt. Es sprachen: Lionel de Rothschild, Leopold de Rothschild, Kön. Rat D. Alexander, die Abgeordneten Lawson, Glynn Jones, Stuart Samuel B. S. Straus, Carl Stettauer und Dr. Salkind. Der große Saal war dicht besetzt, und Tausende von Menschen mußten draußen bleiben. Wie verlautet, soll das Meeting eine große Wirkung auf die Regierung ausgeübt haben, die bereit ist, den Juden einige wichtige Konzessionen einzuräumen, die in der nächsten Zukunft bekannt gegeben werden sollen. Aus dem Jemen Die türkische Zeitung „Sabah" * veröffentlicht einen Brief des Großrabbiners im Jemen, Rabbi Isaac Ben Jachja. Der Rabbiner dankt im Namen aller jemenitischen Juden den ottomanischen Behörden im Jemen sowie den Offizieren und Soldaten der Reichsarmee für die gute Behandlung und den Schutz von Gut und Leben, die sie den Juden während der militärischen Operationen haben zuteil werden lassen. Besonderer Dank ist an den Oberkommandierenden Iset Pascha gerichtet, der die Juden vor der Wildheit und Grausamkeit der arabischen Rebellen rettete. Hebräisch an der Beiruter Universität Zum Eintritt in die medizinische Fakultät in Beirut wird statutengemäß die Ableistung der Prüfung in einer lebenden Sprache verlangt. Dieser Tage hat der junge Juda Barsei dieses Examen vor einem Jesuitenpater in hebräischer Sprache abgelegt und bestanden.