Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 29 (21.7.1911)
- Date
- 1911-07-21
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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696 DIE3^ELT No 29 anonyme Autor wird dann deutlicher. Das Salonikier Komitee, sagt er, sei „bekanntlich" eine freimaurerische Organisation, in der Juden und Dönm6s (ein zum Islam übergetretener jüdischer Bevölkerungsteil Salonikis) den stärksten Einfluß hätten. Sie hätten die Revolution vorbereitet und sie tragen die Schuld an der blutigen Niederwerfung des albanischen Aufstandes. Der Autor nennt auch diese jüdischen Komiteeführer Salonikis. Dabeipassiertihm das Mißgeschick, daß er zwei Männer anführt, die nicht in Saloniki leben: Sassun, der in Bagdad, und Meslah, der in Smyrna wohnt! „Diese Tatsachen, fährt der Artikel fort, „welche jede europäische Regierung kennt, sind auch in der Türkei und auf dem Balkan bekannt, wo eine wachsende Tendenz unverkennbar ist, die Juden und Dönm6s für die blutigen Fehler des Komitees verantwortlich zu machen. Den Grad der Verantwortlichkeit gerecht festzustellen, ist gegenwärtig unmöglich. Fraglos sind die Juden das Gehirn der Komiteebewegung und es ist ebenso sicher, daß, wenn ein Unglück eintritt, auf sie das Odium fallen wird für Ereignisse wie die Massakers von Adaha, die Niedermetzelung bulgarischer Bauern im letzten Herbst und die gegenwärtigen Vorgänge in Albanien, die ein so trauriges Licht auf das jungtürkische Regime werfen." Wer die Geschichte der letzten Jahre kennt, der weiß, daß die Juden weder mit Adana noch mit den Komitatschis auch nur das geringste?u schaffen haben. Es ist auch bekannt, daß der Einfluß der jüdischen Mitglieder der Leitung des Komitees für Einheit und Fortschritt — wenn er jemals bestanden hat — seit dem Sturze des Finanzministers Dschawid Bej geschwunden ist und daß sich in Albanien eine rein militärische Operation vollzieht, wie sie Österreich in Bosnien, England in Ägypten oder Sansibar, Deutschland im Witboiaufstand, Frankreich in Madagaskar usw. durchgeführt haben. Man könnte ebensogut die Juden für das Erdbeben von Messina verantwortlich machen. Der Zweck des Artikels ist sehr durchsichtig und mit einem Wort zu fassen: Pogrome! Es wäre sehr interessant, den Autor des Artikels kennen zu lernen. Sicher ist, nach verschiedenen Fehlern, die er begeht, daß er kein Türke ist. Ein Albaner ist er auch nicht. Vielleicht sitzt er in Wien selbst, in den Kreisen^ mit denen der Albanerführer Ismael Kemal schon einmal im Vorjahre und vor zwei Wochen wieder auf der Reise nach London konferiert hat, in der christlichsozialen Parteileitung, die schon seit langem mit begehrlichen Blicken nach dem Balkan sieht, wo Pogrome einen prächtigen Vorwand zu einer bewaffneten Intervention der christlichen Staaten liefern würden! Es ist nötig, daß das Judentum aller Richtungen und Parteien auf der Hut bleibt, um der Niedertracht, die sich da wieder einmal in geheimnisvollem Dunkel vorbereitet, rechtzeitig entgegenzutreten. Das Ergebnis der AUiance -Wahlen Nach einer Pariser Meldung des Londoner „Jewish Chronicle" ist das Ergebnis der Wahlen für das Zentralkomitee der AUiance Israelite bereits bekannt. Alle Kandidaten des Zentralkonimitees sind gewählt worden. Die gemeinsame Pariser und Berliner Liste von 24 Kandidaten erhielt fast 21 000 Stimmen; die neun Kandidaten der Pariser Liste erhielten zwischen 13000 und 14000 Stimmen, während die 9, die nur auf der Berliner Liste standen, zirka 7000 Stimmen erhielten. Salomon Rein ach erhielt 13121 Stimmen, fast 6000 mehr als der meistunterstützte Kandidat der gegnerischen Liste, der 7337 Stimmen bekam. Gesinnungsgenossen! Benutzet die wenigen Wochen bis zum Kongreß für eine intensive Propaganda zur Verbreitung unserer Kongreßausgabe! In vielen Orten ist bis jetzt noch gar nichts unternommen worden, um Abonnenten für die Kongreßausgabe zu sammeln. Es ist Pflicht der Vereine und Vertrauensmänner, dafür Sorge zu tragen, daß die Kongreßausgabe von jedem Zionisten abonniert und auch in den jüdischen — nichtzionistischen — Kreisen verbreitet wird. Jeder Abonnent der „Welt", der die Kongreßausgabe ohnehin gratis erhält, möge sich bemühen, uns mindestens einen neuen Abonnenten für die Kongreßausgabe zu verschaffen. Die Kongreßausgabe der „Welt" wird insgesamt fünf Nummern umfassen. Der Bezugspreis beträgt für: Deutschland . . . . 1.70 Mark Holland..... 1 7,0 Hfl. Österreich-Ungarn . 2.— Kronen Vereinigte Staaten 0.50 Dollar Rußland .... . 1.— Rubel alle übrigen Länder 2.50 Francs. Großbritannien . 2.2 Shill. Bestellungen werden nur gegen Voreinsendung des Betrags bzw. Nachnahme entgegengenommen. Der Bezugspreis kann auch in Briefmarken eines jeden beliebigen Landes entrichtet werden. Verlag „Die Welt" Köln a. Rh., Karolingerring 31. o o o o o o o i oo o o o o o JJ ^^^^v AUS DER BEWEGUNG Sitzung des Engern Actions-Comit^s Am Montag den 17. Juli fand im Zionistischen Zentralbureau zu Köln eine Sitzung des E. A. C. statt, an der die Herren Präsident Wolffsohn und J. H. Kann teilnahmen. Einem Teile der Beratungen wohnte auch Herr]Dr. M. J. Bodenheimer bei; ferner waren anwesend Herr S. Hoofien und Dr. M. Rosenblüth als Sekretär. Herr Professor Warburg, der am Erscheinen verhindert war, hatte in einem Schreiben zu allen wichtigen Punkten der Tagesordnung Stellung genommen. Die Tagesordnung des Kongresses wurde definitiv festgestellt. (Seite 683.) Ferner wurden die Termine für den Zusammentritt der verschiedenen Körperschaften und Kommissionen anläßlich des Kongresses festgesetzt. (Seite 686.)